"Pures Adrenalin": Das neue TAUCHEN Heft Februar 2017 ist ab 19. Januar 2017 erhältlich!
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Canon: Wohin geht die Reise des schlafenden Riesen?

Vom 16. September bis 21. September öffnet die Photokina in Köln ihre
Tore für Fachpublikum und Besucher. TAUCHEN-Fotograf Herbert Frei ist
auf der größten Fotomesse der Welt unterwegs und bloggt täglich über die
Trends der neuesten Imaging-Produkte

20. September 2014, 5. Messetag:
In Fachkreisen macht man sich zumindest über das Engagement von Canon bei den spiegellosen Systemkameras etwas Sorgen. Wo bleiben die Impulse des größten Kameraherstellers der Welt? Verschläft Canon eine bedeutende Entwicklung oder haben die Techniker bereits fertige Komponenten im Schrank, die sie dann bei Bedarf ans Tageslicht befördern? Insider glauben, dass Canon einfach abwartet, bis sich der D-SLR-Markt so weit verschlechtert, dass man bei den CSCs Flagge zeigen muss. Kurz gesagt: Canon geht es wirtschaftlich noch so gut, dass man Zeit hat, abzuwarten. Ein riskantes Spiel, denn manchmal rutscht man schneller zu Tal als man gedacht hat. Pentax (von Ricoh geschluckt) und Minolta (von Sony aufgekauft) sind warnende Beispiele.

Die M-Serie mit dem tollen APS-C Bildsensor und dem nervig langsamen AF fristet noch immer ein Mauerblümchendasein mit für die UW-Fotografie weitgehend uninteressanten und teils unbrauchbaren Objektiven. Canon-Freaks, die es noch zu Hauf gibt, stürzten sich am Stand der 7D Mark II wie die Wilden auf das Semiprofimodell. Endlich gab es mal wieder ein Stück Zucker für die auf Diät gesetzten Canon-Fotografen. Doch muss man ehrlich sein, die 7D MK II bietet keine Revolution für die UW-Fotografen. Zwar ist sie Dank eines modifizierten AF-Systems (Dual-Pixel-Technik) sehr schnell geworden, was auch dem Autofokus beim Full-HD-Videografieren zu Gute kommt, aber UW-Fotografen benötigen die frenetisch gefeierten 10 Bilder pro Sekunde so dringend wie ein Loch im Kopf. Die Auflösung ist nur unwesentlich besser als beim Vorgängermodell.

Klugerweise hat man den Run auf höhere Pixelzahlen nicht mitgemacht. Man kann deshalb von einer hoch angesiedelten Bildqualität ausgehen. Mit anvisierten 1700 Euro sprengt die 7D MK II bereits das Budget der meisten Verbraucher. Vom UW-Gehäuse wollen wir hier noch gar nicht reden. Es wird bis zur nächsten boot sicherlich genügend davon geben oder zumindest Ankündigungen. Empfehlenswert? Wenn man das Geld hat, bestimmt! Denn die fast 1 kg schwere 7D MK II ist nach allem, was man aus den technischen Daten herausfiltert eine der besten in diesem Kamerasegment. Sie wird allerdings dem Vollformatmodell EOS 6D (1600 Euro) aus eigenen Hause möglicherweise schwer zu schaffen machen. Einfach deshalb, weil APS-C Objektive preiswerter sind als die vollformatigen. Bei einer Umfrage auf der Photokina konnten sich 39% aller Interessierten vorstellen, diese Kamera zu kaufen. Ob sich das dann auch so einstellt, kann allerdings keiner sagen. Denn zwischen wollen und können liegen oft Welten und die werden vom Preis bestimmt.
Bei den Kompaktkameras wird Canon in den nächsten Jahren das Programm stark ausdünnen. Übrig bleiben werden nur die hochwertigen Kompaktkameras, was sich auf der Photokina bereits andeutet. Der 1-Zoll-Bildsensor wird die tragende Säule werden. Verbaut ist er bereits in der neuen Canon G7X – eine Kamera, die sich auch unter Wasser durchsetzen wird. 20,2 Megapixel und ein Objektiv mit einem 4,2-fach Zoom und Lichtstärke 1:1,8 -2,8. Der schelle AF ist vorteilhaft, 6,5 Bilder pro Sekunde nicht unbedingt erforderlich. Full-HD gibt mit bis zu 60B/s. Der Fortschritt ist auch bei den ISO-Zahlen erkennbar, mit ISO 400 kann man Makrobilder in bester Qualität machen. Premium-Serien werden die Zukunft im Kompaktsektor sein, bei allen Kamerafirmen. Das lässt sich generell so sagen. Mit anvisierten 650 Euro dringt das neue Powershot-Modell bereits weit ins D-SLR Lager hinein. Aber UW-Fotografinnen suchen solche Kameras, weil sie des Schleppens am Flughafen überdrüssig sind. Verstehen kann man das.
Auch bei den Informationen fürs Publikum geht Canon eigene Wege. Man muss sich registrieren lassen und bekommt dann die Infos über die Neuheiten per mail nach Hause. Nicht allen hat das gefallen. Schon wieder Daten herausrücken, von denen man nicht weiß, wie, wo und wann sie verwendet werden. Abends in Köln mal entspannt in einem farbigen Photokina-Prospekt blättern und sich Infos reinziehen, das wird bald der Vergangenheit angehören. Schade!