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Einsatz des 3D-Seismiksystems „P-Cable“ an Bord des neuseeländischen Forschungsschiffs Tangaroa

Einsatz des 3D-Seismiksystems „P-Cable“ an Bord des neuseeländischen Forschungsschiffs Tangaroa

Fragiles Gleichgewicht – Forscherteam entdeckt bisher unbekannte Methanvorkommen

Analog zu Erdrutschen im Gebirge formen submarine Hangrutschungen im Ozean die Kontinentalränder und können auch Naturkatastrophen wie Tsunamis verursachen. Hangrutschungen können vielfältige Ursachen haben und werden weltweit untersucht. Auf einer mehrwöchigen Expedition mit dem neuseeländischen Forschungsschiff Rv Tangaroa haben deutsche und neuseeländische Wissenschaftler bei der Untersuchung der Hänge nun überraschend große Gashydrat- und Methanvorkommen entdeckt

Ans andere Ende der Welt sind Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, des Exzellenzclusters Ozean der Zukunft und des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel vor rund vier Wochen aufgebrochen, um gemeinsam mit neuseeländischen Kollegen vom National Institute of Water and Atmospheric Research (NIWA) vor der Ostküste Neuseelands die Ursachen für Hangrutschungen zu untersuchen.

Bisher sind die Ursachen für langsame Bewegungen von großen Hängen eher unbekannt. Wir gehen aber davon aus, dass solche Bewegungen weit verbreitet sind und einen wichtigen Prozess im Rahmen der Gestaltung von Kontinentalrändern darstellen, sagt Prof. Dr. Sebastian Krastel vom Exzellenzcluster Ozean der Zukunft. Zur Erforschung dieser Prozesse wird vor allem modernste Meerestechnik eingesetzt, darunter das hochauflösende 3D-Seismik-System P-Cable des Geomar. Es kann die einzelnen Schichten des Meeresbodens dreidimensional abbilden und entsprechendes Datenmaterial für die Forschung generieren.

Destabilisierungen möglich

Beim Einsatz dieser 3D-Seismik ergab sich für die Forscher ein überraschendes Bild. Die Wissenschaftler entdeckten klare Anzeichen von freiem Gas im Sediment sowie Hinweise auf große Methanhydratvorkommen. Das Team identifizierte insgesamt 99 natürliche Gasaustritte auf einer Fläche von 50 Quadratkilometern, von denen Gasblasen bis zu 250 Meter hoch in der Wassersäule aufsteigen. Es ist die vermutlich dichteste Konzentration an Gasöffnungen am Meeresboden rund um Neuseeland. Das gefundene Gasfeld unterscheidet sich stark von den bisher bekannten Vorkommen, sagt Fahrtleiter Dr. Joshu Mountjoy vom NIWA in Wellington. Bisher haben wir solche Austrittsstellen nur in größeren Wassertiefen und in Zusammenhang mit plattentektonischen Prozessen beobachtet. Die neuen Fundstellen befinden sich aber in sehr flachem Wasser und am Rand des Kontinentalhangs.

Dank der neuen 3D-Seismik konnte ein genaues Bild von der Zusammensetzung einzelner Schichten am Meeresboden gewonnen werden. Diese Technik ist die zurzeit beste, um Gasverteilungen, so genannte Fluidsysteme, im Meeresboden abzubilden, so Krastel. Die Fläche, die wir mit der 3D-Seismik untersucht haben, gehört zu den größten, die wir bisher vermessen konnten. Die ersten, vorläufigen Ergebnisse lassen auf optimales Datenmaterial zur Erforschung der Ursachen von Hangrutschungen und der Beschaffenheit von instabilen Hängen schließen. Die Ergebnisse sind vor allem deshalb besonders interessant, weil sich bei Temperaturveränderungen im Ozean Methanhydrate auflösen und so Kontinentalhänge destabilisieren könnten.

Weitere Infos:
www.geomar.de
www.ifg.uni-kiel.de