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Keine leichte Angelegenheit im 90-Kilo-Anzug: Helmtaucher auf dem Weg ins Wasser

Keine leichte Angelegenheit im 90-Kilo-Anzug: Helmtaucher auf dem Weg ins Wasser

Helmtauchen am Goitzschesee in Bitterfeld

Am zweiten Augustwochenende vom 08. bis 10. August 2014 kamen auf der Tauchbasis Bernsteinsee am Goitzschesee bei Bitterfeld die Experten der Historischen Tauchergesellschaft e. V. mit Interessierten und Fans zusammen. In einer kleinen Freilichtausstellung konnten zahlreiche Besucher Helmtauchen und verschiedene alte Lungenautomaten aus der Zeit kurz nach der Erfindung des Reglers durch Cousteau und Gagnan bewundern

Besonderes Interesse fanden alte tschechische Armeetauchgeräte mit Scheibenwischer an der Maske, aus Reichsbahnlampen gefertigte historische Kameragehäuse, ostdeutsche Panzertauchretter und diverse Taucherhelme von Dräger bis Hagenuk. Das Gerät mit der größten Tiefenzulassung war ein über 50 Jahre alter russischer IDA-59 Trimix-U-Boot-Tauchretter, der seinerzeit angeblich Notaufstiege aus bis zu 600 Meter Tiefe gestatten sollte und aus Tiefen bis zu 300 Metern auch benutzt worden sein soll.

Heltauchen Praxis: Herumlaufen am Grund

Die besondere Attraktion der Veranstaltung war das Helmtauchen in Praxis. Hier konnten die Probanden über eine betonierte Boots-Slipanlage in den klaren See hineinstapfen und in etwa drei bis sechs Meter Tiefe am Grund herumlaufen. Die zu Lande 80 bis 90 Kilogramm schweren Ausrüstungen waren auch im Wasser nicht leicht zu bewegen, zumal die Taucher, jeweils bestückt mit pro Paar über vierzig Pfund schweren Bleilatschen, teilweise durch einen dichten Teppich hakender Wasserpflanzen laufen mussten. Zuweilen standen die Taucher auch wie Außerirdische in orangem Nebel, wenn Eisenockerablagerungen des Grundes aus der Braunkohlenvergangenheit des Sees aufgewirbelt wurden.

Helmtauchen: Vorgänger des Rebreathers

Praktisch getaucht wurden drei verschiedene Helmtauchausrüstungen: ein Dräger-Lufthelm (auch Dräger-Standard-Helm), ein russischer Drei-Bolzenhelm, der auch an Dräger-Anzügen passt, und als absolutes Highlight ein Dräger DM-40. Bei letzterem handelt es sich um einen frühen Rebreather, der Helmtaucher trägt mit Kalkbehälter, Sauerstoff- und Luftflasche seine Atemgasversorgung mit sich und zieht nur Seil und Telefonkabel hinter sich her.
Heute würde man dieses Gerät unter die halbgeschlossenen Kreislaufgeräte (SCR) einreihen. Das SCR mit Kupferhelm gestattete seinerzeit maximal Tauchgänge von bis zu 40 Meter Tiefe sowie vier Stunden Dauer und wurde bereits ab 1915 produziert. Das Dräger DM-40 wurde von Thomas Müller vorgestellt und die anwesenden Experten waren sich einig, dass dieses Gerät den höchsten Grad an Originalität der praktisch getauchten Helm-Ausrüstungen aufwies.

Video: Helmtauchen in der Praxis

Hintergrundinfos zu Helmtauchen und Veranstaltern:

www.tauchlehrer.com
www.lekies.de
www.helmtauchen.de
www.bleilatschen.de