Schottland • 23.12.2009

Tauchen mit Kegelrobben

tauchen-Leserin Séverine Bär erlebte vor Schottlands Küste ein farbenfrohes Unterwasserparadies. Doch der Höhepunkt waren die zutraulichen Kegelrobben, die nur eines im Sinn hatten - Kuscheln!
Eindrücke aus Schottland. Einfach drauf klicken und los geht's!
© S. Bär
Es ist mal wieder soweit, wir dürfen in den Urlaub. Doch diesmal sitzen wir nicht im Flieger, sondern fahren quer durch die Niederlande, Belgien und Frankreich zum Ärmelkanal, auf den Zug durch den Tunnel und noch mal quer durch Großbritannien über die Grenze zwischen England und Schottland nach St Abbs, einem winzigen Ort, gekauert zwischen felsigen Klippen. Wieso denn so weit zum Tauchen fahren und dann noch an die kalte Nordsee? Nun, St. Abbs in Süd Schottland und die Farne Inseln in Nord England sind Naturschutzgebiete und für besonders gutes Tauchen bekannt. Als begeisterte Kaltwasser Taucher wollten wir es uns mal anschauen.

Schafe und Kaninchen
Müde von der langen Fahrt treffen wir in der Priory View Lodge ein und werden freundlich von Dawn und Paul Callaghan begrüßt, die das Bed and Breakfast sowie das Tauchunternehmen führen, bei dem wir gebucht haben. Nach einem kurzen Spaziergang über grüne, von Schafen und duzenden Kaninchen bevölkerten Wiesen, geht's zum Strand um den Surfern und Badegästen zuzuschauen und kurz ins Wasser zu hüpfen. Danach fallen wir erschöpft ins Bett. Am nächsten Morgen scheint die Sonne und nach einem ausgiebigen Frühstück geht es endlich tauchen. Der kleine Hafen ist umgeben von Felsen die bei Ebbe aus dem Wasser schauen und bei Flut wieder verschwinden. Diese Felsen sind als eines der besten Landtauchplätze Großbritanniens bekannt. Da gerade Ebbe ist wird die Ausrüstung mit Hilfe von Tauen und einem kleinen Kran in das Boot runtergelassen. Nachdem alles geladen und die Ausrüstung zusammengebaut ist tuckern wir aus dem Hafen. Da alle Tauchplätze innerhalb des Naturschutzgebietes liegen und in fünf bis zwanzig Minuten zu erreichen sind, stecken wir auch schon nach einer viertel Stunde den Kopf ins Wasser.
Zwei stattliche Europäische Hummer
© S. Bär
Die Unterwasserwelt ist wunderschön. Duzende von braunen Krabben mit roten Augen, Taschenkrebse und Hummer laufen zwischen den Felsen umher und die Steilwände sind mit Anemonen in allen möglichen Farben übersät. Bei weiteren Tauchgängen entdecken wir bunte Nacktschnecken, Oktopusse, Seewölfe und sogar Kabeljau. Auch die Unterwasserlandschaften sind berauschend: niedrige Steilwände, Canyons, Tunnel, eine große Arche, ein Wrack und mit Kelp bewachsene Felsen sorgen für Abwechslung und dies bei meist guter Sicht und mäßiger, von den Gezeiten abhängiger, Strömung.

Nach zwei Tauchgängen geht es zurück in den Hafen wo der Kompressor steht. Während die Flaschen gefüllt werden lassen wir es uns ein paar Meter weiter bei Kaffee und sehr süßem Kuchen gut gehen. In diesem kleinen Ort findet das ganze Leben am Hafen statt, so dass die längste Strecke zwischen Boot, Kompressor, Auto und Café höchstens 50 Meter beträgt. Nach der Pause geht es für zwei weitere Tauchgänge zurück auf's Meer. Und so vergeht die Woche: zweimal tauchen, schlemmen und noch mal zweimal tauchen. Die Tauchplätze sind so schön und das Leben so bunt und vielfältig dass es einfach nicht langweilig wird. Trotzdem ziehen wir für die letzten Urlaubstage weiter nach Seahouses, denn dort erwartet uns ein ganz besonderes Highlight.
Eine Freche Kegelrobbe untersucht die Handschuhe eines Tauchers
© S. Bär
Kuscheln mit Kegelrobben
Seahouses liegt and der nordöstlichen Küste von England und ist der Ausgangspunkt für Ausfahrten zu den Farne Inseln. Diese felsigen Inseln liegen direkt vor der Küste und sind vor allem als Vogel-Naturschutzgebiet bekannt. Riesige Kolonien von Möwen, Pinguinen, Tölpeln, Kormoranen und Papageientauchern bevölkern die Felsen. Allerdings sind es die Kegelrobben die das Herz des Tauchers höher schlagen lassen. Eine große Population dieser verspielten Tiere wohnt auf den verschiedenen Inseln und begrüßt die Taucher recht überschwänglich. Nachdem wir uns in unser Bed and Breakfast einquartiert haben, fahren wir zum Hafen und laden unsere Ausrüstung in das Tauchboot, die "Glad Tidings" um. Anders als in St. Abbs teilen wir uns dieses hier mit zwanzig anderen Tauchern. Doch die Stimmung ist gut und trotz leichtem Chaos sitzen schließlich alle tauchbereit da und schauen sehnsüchtig zu den vielen Robbenköpfe herüber die schon auf uns zu warten scheinen. Jetzt nur noch ein großer Schritt nach vorn und wir verschwinden unter die Oberfläche. Die Sicht ist schlechter als in Schottland und auch die Artenvielfalt ist nicht vergleichbar. Aber dann kommen sie, die Robben. Sie tanzen elegant um die Taucher herum, trauen sich immer näher heran, knabbern an Flossen, Handschuhen und Kameras, flitzen immer wieder an uns vorbei, verschwinden hinter die Felsen um sich von hinten wieder anzuschleichen und unsere Flossen erneut zu malträtieren. Auch mit dem Kelp spielen die lustigen Tiere gern und ein ganz besonderes Gefühl ist es, wenn eine junge Robbe sich mit den Flossen am Arm oder Bein festklammert, sich streicheln lässt und gar nicht mehr loslassen möchte. Als wir nach einer Stunde zurück auf das Boot müssen, folgen uns ein paar Robben zum Abschied bis zur Oberfläche.

Alle Taucher kommen begeistert zurück an Bord und wünschen sich auch für den zweiten Tauchgang ein Platz mit vielen Robben. Und so kommen wir noch mal in den Genuss, mit den neugierigen, freundlichen Robben zu spielen, ein unvergessliches, ergreifendes Erlebnis. Auf dem Rückweg nach Seahouses quatschen alle aufgeregt und breit grinsend durcheinander. Als dann auch noch ein Buckelwal auftaucht ist das Glück vollkommen. Leider müssen wir nach diesen unvergesslichen Tauchgängen schließlich die lange Rückreise nach Deutschland antreten. Doch die wunderschöne Unterwasserwelt von St. Abbs und die zahmen Robben der Farne Islands werden wir in den nächsten Jahren bestimmt wieder besuchen.

Séverine Bär
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