Das Sidestream 27 von Ocean Management System (OMS).

Das Sidestream 27 von Ocean Management System (OMS). © B. Schulze

OMS Managt Sidemount

Schon seit einer Weile am Markt: das Sidestream 27 von OMS. Ein System, das zwar nicht weit verbreitet ist, jedoch von unseren beiden Testern als vielseitige Einsteigervariante bewertet wird. Voraussetzung bleibt ein guter Sidemount-Kurs.


T & F Benjamin Schulze

Es ist kalt am Goldberger See in Dormagen. Ein Februarwind pfeift die steile Uferböschung hinab. Peter und Stefan Tannert macht das nix, denn die Sonne scheint und sie dürfen heute das Sidestream 27 von Ocean Management Systems (OMS) testen. Die Beiden haben Sidemount-Tauchen vor gut einem Jahr für sich entdeckt. Sie belegten einen Kurs und einen weiterführenden Workshop. Wöchentlich sind sie im Wasser und seit sie ihre Ausbildung absolviert haben, gehen sie ausschließlich sidemounttauchend auf Tauchstation. Beide stehen insgesamt bei 400 Tauchgängen. Die letzten 40 davon in klassischer Sidemountkonfiguration, laut ihren Logbüchern. Ihre Kenntnisse sind noch frisch, sie setzen sich aktiv mit der speziellen Materie auseinander. Stefan findet: »Beim Sidemounten gibt es viele Vorteile. Am besten finde ich, dass die Flaschenventile in meinem Blickfeld liegen und ich sie sofort bedienen kann. Das erhöht die Sicherheit für mich enorm.« Festgefahren auf bestimmte Marken sind sie nicht und ihre Ansprüche an ihre Sidemountsysteme sind unterschiedlich. Das macht die beiden Krankenpfleger zu optimalen Testern. Während Stefan eher der Bastler ist, der sich vieles individuell einstellt, zieht Peter eher Systeme vor, die komplett fertig montiert sind, ohne das man jedes Gurtband noch irgendwo durchfädeln muss. Stefan taucht regulär das Modell »Stealth Tec 2.0« von Xdeep, während Peter mit dem »Flyside« von Finnsub abtaucht. 

Das Einlassventil der Sekundärblase kann mit dem Mund oder per Inflator befüllt werden.

Die beiden Innenblasen sind unabhängig voneinander und werden von einer robusten 1000D-Hülle geschützt.

 

 

 

 

 

Die Montage 

Stefan übernimmt die Montage und die Ersteinstellung des »Sidestream 27«. In weiten Teilen haben wir das Jacket fertig montiert erhalten. Es wird als »Out-of-the-box-System« ausgeliefert. Hier muss man jedoch sagen, in dem Lieferumfang, den wir erhalten haben, fehlten einige Kleinteile. Beispielsweise musste Stefan die Bungees installieren, also die Gummibänder, welche die Flaschenventile seitlich am Körper fixieren. Während er neben dem Jacket auf einer Bodenplane kniet und an den D-Ringen herumnästelt, kommentiert Peter das Geschehen: »Naja, so ganz Out-of-the-Box ist das nicht. Es fehlen einige Dinge. Die müsste man nachkaufen und da sollte man schon wissen, was man braucht, damit man nicht fünf Mal in den Shop rennen muss oder lästig Pakete mit Umtauschware hin und her schickt.« Für das erste Setup nehmen wir uns Zeit. Da Stefan als erster mit dem Sidestream tauchen wird, stellen wir Gurte und Anpassungen auf seine Bedürfnisse ein. Das nimmt alles in allem eine Stunden Zeit in Anspruch. Überzeugend finden beide Tester das Bleisystem. Es fasst bis zu zwölf Kilogramm Blei. Unterteilt ist es in drei Fächer, die mit einem Klett sicher verschlossen werden. Es ist höhenverstellbar und liegt mittig senkrecht auf der Wirbelsäule. Unter Wasser ist dies laut Stefan und Peter angenehm. Nachdem er für den Tauchgang vorbereitet ist, meint Stefan zur Montage: »Man benötigt etwas Erfahrung, oder zum mindestens jemand mit etwas Erfahrung, der nochmal darüber schaut. Ein Sidemount-Kurs ist definitiv notwendig, genau wie eine zweite Person, die beim Einstellen behilflich ist.« Ausserdem vermisst Stefan sogenannte »Sliding Rings«. Das sind verschiebbare D-Ringe, woran man den unteren Flaschenbereich mittels Karabiner festklippt. Werden die Flaschen leer geatmet, verändert sich ihr Auftrieb. Es kann notwendig werden, die Flaschen umzuklippen oder eben einfach den entsprechenden D-Ring auf dem Gurt zu verschieben. So behält man eine optimale Wasserlage bei. 

Die Öffnung des Bleisystems per Klett ist sehr sicher und solide.

Das Bleisystem fasst ausreichend Blei (12 Kilo) und ist höhenverstellbar.

Unter Wasser 

Das Anlegen der zuvor ans Seeufer gebrachten Flaschen empfindet Stefan als optimal. Woran er sich erstmal gewöhnen musste, war die redundante Blase. Dies ist eine zweite Reserveblase von gleicher Größe, die hier mit dem Mund oder mit dem abgekoppelten Inflator befüllt werden kann. Bei anspruchsvollen Höhlentauchgängen in warmen Gewässern macht diese Noteinrichtung besonders viel Sinn, denn dort ist kein Trockentauchanzug als zweites Tariersystem vorhanden. Eine solche Sekundärblase kennt Stefan von seinem Jacket nicht. In ihr kann sich Luft befinden, die separat abgelassen werden muss. Nach dem er den Schlauch und das Ventil dazu gefunden hat, kann er problemlos auf die Zieltiefe von 18 Metern abtauchen. Der Tauchgang verläuft ruhig und entspannt. Stefan testet die Wasserlage in unterschiedlichen Positionen und die Erreichbarkeit der »Butt-Plate« - einer Platte mit Befestigungspunkten für Bojen und anderes Material. Wieder an Land resümiert er: »Beim Abtauchen hat es etwas gedauert, lag an einer kurzen Gewöhnungsphase an die neue Ausrüstung. Was man auf jeden Fall noch Einkürzen sollte, ist die Schnur des oberen Schnellablasses. Der ist beim Sidemount-Tauchen sehr wichtig und hier ist er deutlich zu lang.« Der Umbau für Peter geht jetzt viel schneller. Wir nutzen die Oberflächenpause und stellen das Sidestream auf ihn ein. Der Tauchgang ist sehr ähnlich, ausser, dass wir noch eine kleine Rettungsübung mit einbauen. Peters Fazit zu seinem Tauchgang: » Das Aufriggen der Flasche im Wasser geht super. Der Inflatorschlauch saß etwas niedrig seitlich, das war für mich gewöhnungsbedürftig. Ich mag ihn eher auf Höhe der Brust. Positiv überrascht war ich von der Wasserlage. Ich dachte die Blase hängt etwas tief, aber das hat sich nicht bewahrheitet. Die Suche nach dem Schnellablass oben war etwas anstrengend, er sollte nochmal zusätzlich gesichert sein. Die Buttplate war für mich nicht immer gut zu erreichen. Ich hatte ein Boje und eine Jocker dran, für mich hatte sie zu viel Spiel.« Beide sind mit der maximalen Bleimenge getaucht. Die Auftriebsmenge der Blase von 12,5 Kilogramm war jedes Mal ausreichend. Bei der Rettungsübung viel die feste Position des Schnellablasses auf der linken Seite etwas negativ auf. Bei der Rettung von hinten musste der Retter häufig umständlich umgreifen um zwischen dem Inflator und dem Schnellablass zu wechseln. Käme die Schnur des Ventils über die rechte Schulter oder wäre sie variabel, könnte man den Aufstieg und das Luft ablassen genauer kontrollieren, ohne Umgreifen zu müssen. 

Die Schultergurte laufen in einer beweglichen Fassung zusammen und werden zusätzlich geschützt.

Die Butt-Plate am Gesäß war nur für einen Tester gut zu erreichen, für den zweiten hatte sie zuviel Spiel.

Fazit

Für Peter und Stefan war das Sidestream 27 ein sehr gut verarbeitetes System mit toller Wasserlage. Pluspunkte gab es für das Bleisystem, die Verstellbarkeit der Gurte und die vorgebogenen D-Ringe, die das Klippen erleichtern. Schützende Abdeckungen über den wichtigen Ventilen machen es durchaus für einfache und mittelschwere Höhlen- und Wracktauchgänge interessant. Für extreme Höhlenexplorationen fehlt etwas Auftrieb, auch ist die etwas unflexible Handhabung des oberen Schnellablasses negativ aufgefallen. Das Jacket ist für Beginner und Fortgeschrittene geeignet, da es nahezu fertig montiert ausgeliefert wird und modular bei wachsendem Anspruch erweitert werden kann. 
Wir danken der Tauchbasis am Goldberger See in Dormagen für die Unterstützung.

Technische Daten: OMS SIDESTREAM 27

ArtSidemount-Jacket
VertriebFachhandel und Web
Webwww.omsdive.eu
Preis in Euro579,-
Rückenplatte(n)Cordura
Form des AuftriebskörpersA-Form
Material der AußenblaseCordura
Material der Innenblasebeschichtete Cordura
Auftrieb Hauptblase (kg)12,5 
Reserveblasevorhanden
Auftrieb Reserveblase (kg)12,5 
Bleimenge Gurtbis zu 12 kg
Position des BleisRücken senkrecht
Butt-Plateja
Material InflatorKunststoff
Material D-RingeEdelstahl
Anzahl Schnellablässe2
montiert ausgeliefertzum größten Teil
Für wen ist das Jacket geeignet?Beginner (mit Sidemount-Kurs) und Fortgeschrittene