Medizin

Prof. Dr. med. Claus-Martin Muth

Tauchmedizin-Experte

Es ziept, es zwickt, du brauchst Rat in Sachen Tauchtauglichkeit? Prof. Dr. med. Claus-Martin Muth, langjähriger TAUCHEN-Medizin-Experte, beantwortet eure Fragen zum Thema Tauch- und Überdruckmedizin. Schickt eure Fragen per E-Mail an sprechstunde@tauchen.de.

Hinweis unter Bezug auf §7(3) der Muster-Berufsordnung für Ärzte:
1. Die voranstehenden Beiträge sind allgemeine Stellungnahmen, die, ausgehend von Ihren Anfragen, mit größtmöglicher Sorgfalt verfasst wurden.
2. Bitte wenden Sie sich unabhängig davon persönlich zur Beratung, Untersuchung und Behandlung an eine Ärztin oder einen Arzt Ihres Vertrauens! 3. Soweit spezielle Ärzte oder Behandlungseinrichtungen namentlich genannt werden, dienen diese Angaben lediglich dazu, dass Sie sich dort weitere Informationen beschaffen können. Sie dienen nicht der Werbung oder besonderen Hervorhebung gegenüber anderen Ärzten oder Behandlungseinrichtungen.

Pneumothorax

Im Februar 2006 spendete ich meiner Frau eine Niere. Bei der Operation ist es zu einer Verletzung des Gewebes rund um die Lunge (der Pleura?) gekommen, wodurch der linke Lungenflügel leicht zusammenviel. Daher wurde mir eine Thoraxdrainage gelegt und das Vakuum wider hergestellt. Auf den Rötgenaufnahmen, die nach der Behandlung gemacht wurden, ist zu sehen, dass die Lunge wieder voll entfaltet ist. Nun war ich gestern bei meiner Tauchtauglichleitsuntersuchung, die ich vor unserem Urlaub erneuern wollte. Der Internist und Tauchsportmediziner teilte mit mit, das zwar die Lunge kein Problem sei, wohl aber die Narbe der Thoraxdrainage. Da es nicht auszuschließen sei, dass sich an der Narbe Lufteinschlüße gebildet hätten, bestünde ein höheres Risiko, eine Ruptur und daraus resultierend einer Verletzung der Lunge bis hin zum Lungenriss zu erleiden.
Ich kann das Gespräch hier nur Laienhaft wieder geben, da mir natürlich die medizinische Ausbildung fehlt. Allerdings hatte man mir nach der Operation versichert, das ich absolut tauchtauglich wäre und ich nichts zu befürchten hätte. Was würden Sie mir raten?


Venenthrombose

Ich bin 39 Jahre alt und tauchte regelmäßig, bis ich 2002 schwanger wurdeund in dieser Zeit an einer 3-Etagen-Thrombose im linken Bein erkrankte. Nachdem die Diagnose gestellt wurde, therapierten mich die Ärzte mit "Innohep" gewichtsadaptiert. Nach der Schwangerschaft und der Stillzeit stellten die Ärzte mich für ein Jahr auf "Falithrom" ein. Mehrere Nachuntersuchungen  ergaben immer wieder freie Beinvenen und keinen Gerinnungsdefekt.
Meine Frage: Darf ich wieder Tauchen? Die Meinung der Mediziner geht auseinander - von "ja auf jeden Fall" bis "um Gottes Willen nein"! Ich hoffe nun auf Ihren Rat und freue mich schon jetzt auf ihre Antwort.

Tauchen nach Herzinfarkt

Leider hat es mich im Alter von 49 Jahren auch schon erwischt. Ich erlitt im Mai 2007 einen leichteren Herzinfarkt und bekam mittels zweier Eingriffe (Herzkather) zwei Stents eingesetzt. Ein weiterer Eingriff zur Kontrolle ist für Dezember oder Januar geplant. Die bisherigen Untersuchungen zeigen insgesamt ein positives Ergebnis.
Leider hielten sich die Ärzte hinsichtlich einer weiteren Ausübung des Tauchsports zurück und verwiesen auf die weitere Untersuchung. Deshalb die Frage an Ihr medizinisches Team: Ist Tauchen nach einem Herzinfarkt mit der Einbringung von Stents möglich (vorausgesetzt, die geplante Nachuntersuchung verläuft positiv)?

Probleme mit dem Druckausgleich

Bisher habe ich bei jedem meiner Tauchgänge Probleme mit dem Druckausgleich unter Wasser gehabt, und nach den Tauchgängen hatte ich (fast) immer Probleme mit den Ohren (manchmal sogar bis hin zur Mittelohrentzündung).
Ich möchte den Tauchsport nur ungern aufgeben, weiß mir im Moment aber nicht mehr zu helfen, was das Problem sein kann. Ich vermutet, dass es daran liegt, dass ich schwerhörig bin (ich trage Hörgeräte) und dass ich seit meinem 6. Lebensjahr ein Loch im Trommelfell habe (aufgrund einer Hirnhautentzündung). Die Tauchuntersuchung habe ich damals bei meinem Hausarzt durchführen lassen und diese ohne Probleme bestanden. Sollte dies wirklich das Problem sein, wäre meine Frage, ob eine Tauchermaske mit Ohrschutz entsprechend Abhilfe schaffen könnte. Es würde mir sehr weiterhelfen, wenn Sie mir Ihre Sicht der Dinge beziehungsweise einen Rat mitteilen könnten. Vielen Dank/


Darf man mit einem gebrochenen Arm tauchen?

Ich habe mir während eines Tauchurlaubs bei einem Sturz den rechten Radius (Speiche) in loco tipico (handgelenksnah) ohne Dislokation gebrochen. Nachdem ich mir einen Scotchcast aus Österreich organisiert hatte, wollte ich wieder tauchen. Die Tauchlehrer der Basis haben mir dann aber dringend davon abgeraten, da die Wahrscheinlichkeit einer Dekompressionserkrankung zu groß sei. Ich war dann noch zwei Wochen mit dem Scotchcast schnorcheln. Interessehalber bitte ich Sie nun um Auskunft zu dieser Situation – ich bin bestimmt kein Einzelfall. 

Marmorierte Haut

Vor einigen Jahren bekam ich nach bestimmten Tauchgängen mit einem Zeitverzug von gut drei Stunden Juckreiz und eine Marmorierte Haut auf dem Bauch und der Hüfte. Seit ich vor und nach dem Tauchen extrem viel Wasser trinke und darauf achte, den zweiten Tauchgang nicht tiefer als den ersten zu tauchen, habe ich das Problem so gut wie im Griff. Aber: Soll ich wirklich abends, drei bis vier Stunden nach dem letzten Tauchgang, wenn ich im Restaurant am Tisch sitze und die Juckerei losgeht, nach Hause fahren und mich an die Sauerstoffflasche hängen? Mein Ausbilder erzählte mir noch vor zwei Jahren beim Nitrox-Kurs, dass dies der einzige Dekounfalltyp sei, der nicht behandlungspflichtig ist.

Kälte-Asthma

Meine Frau hat Kälte-Asthma. Darf sie damit einen Tauchschein machen? Sie bekommt das Asthma erst, wenn die Temperatur ziemlich schnell sinkt, zum Beispiel von zehn auf fünf Grad Celsius. Unser Tauchreiseziel ist das Rote Meer – dort habe ich noch nie größere Temperaturschwankungen erlebt.


Hoher Blutdruck und hohe Cholesterinwerte

Ich bin 44 Jahre alt und tauche seit etwa 17 Jahren. Vor einigen Wochen wurde bei mir erhöhter Blutdruck (zwischen 140/90 und 160/100) und erhöhtes Cholesterin (243), LDL 169, festgestellt. Die Ursache für beide Erscheinungen ist vermutlich erblich bedingt. Bei einer Größe von 179 Zentimetern wiege ich etwa 78 Kilo und treibe regelmäßig Sport. Zur Behandlung hat mir mein Arzt Atacand (16 mg, 1/2 Tablette täglich) und Simvastatin (20 mg, 1/2 Tablette täglich) verschrieben. Sehen Sie bei dieser Medikation meine Tauchtauglichkeit als gefährdet? Ich bevorzuge konservative Tauchprofile und Nullzeittauchen und verwende allenfalls Nitrox statt Luft.


Das Ohr macht Probleme

Ich bin Tauchlehrerin in Indonesien. Seit einiger Zeit ist mir nach manchen Tauchgängen schwindlig und ich habe ein tinnitusähnliches Geräusch im Ohr. Im Laufe der Nacht verschwinden die Beschwerden. Nun war ich bei einem Ohrenspezialisten, der meinte, dass der Druck im Mittelohr zu hoch sei. Er geht davon aus, dass meine Eustachische Röhre entzündet und geschwollen ist, so dass die sich ausdehnende Luft im Mittelohr nicht selbstständig entweichen kann. Anhand eines Hörtests, der zeigte, dass mein Hörvermögen ab 6000 Dezibel drastisch nachlässt, sah der Arzt seine Theorie bestätigt. Nach einer ers­ten kurzen und leider erfolglosen Behandlung darf ich vorerst für eine Woche nicht tauchen und habe Antibiotika bekommen. Wie schätzen Sie den Fall ein?


Krampfadern und Tauchen

Darf ich mit Besenreisern, einer Krampfader beziehungsweise Wassereinlagerungen im Unterschenkel tauchen? Ich trage Kompressionsstrümpfe.


Kopfschmerzen durch Thrombose

Meine Frau hat seit Jahren recht oft starke Kopfschmerzen, und nun wurde beim Augenarzt eine Thrombose im linken Auge festgestellt. Nach 14-tägigem Spritzen beim Hausarzt mit Heparin ist das Auge zwar immer noch nicht ausgeheilt, wird aber besser. Die Aussage der Augenärztin von gestern: Tauchen ganz bleiben lassen. Die erste Aussage der Augenärztin war: Nach Ausheilen kann wieder getaucht werden. Eine Untersuchung bei einem Venenspezialisten steht noch aus. Wie schätzen Sie die Tauchtauglichkeit ein?