12_2018_tauchen

Einnahme von Medikamenten während der Schwangerschaft

Mit einem lachenden und einem kleinen weinenden Auge haben wir „unsere“ Schwangerschaft aufgenommen. Gibt es ein Medikament gegen Seekrankheit, das von Schwan­geren unbedenklich eingenommen werden kann?

Seit der Contergan-Katastrophe ist die Medizin insgesamt sehr, sehr zurückhaltend mit der Gabe von Medikamenten in der Schwangerschaft. Es gilt hier der Satz: „Nur das, was unbedingt nötig, wenn unbedingt nötig!“ Nun, und hier müssen Sie ein Stück mitentscheiden, ob die Einnahme von Medikamenten unbedingt nötig ist. Spontan werden Sie sagen: „Ja, denn sonst wird meine Frau seekrank“ – nur stellt sich dann die Frage, ob die Ausfahrten jetzt, zu diesem Zeitpunkt, wirklich sein müssen …
Doch das war ja gar nicht die Frage, sondern Sie haben gefragt, ob es wirksame Medikamente gegen Seekrankheit gibt, die man trotz Schwangerschaft nehmen kann. Medikamente, die als einzigen Wirkstoff die Substanz „Meclozin“ enthalten (bitte die Aufschrift auf der Packung beachten!), gelten für Schwangere und das ungeborene Kind als problemlos. Aber Achtung: Nicht in der Stillzeit (!), also nach der Schwangerschaft, weil die Substanz durch die Muttermilch vom Kind aufgenommen werden kann und hier Erregungszustände bis hin zum Krampfanfall auslösen kann! Meclozin wirkt sehr gut bei Kinetosen, also auch bei Seekrankheit, doch schreibt der Hersteller selbst: „Strenge Indikationsstellung in der Schwangerschaft“. Das meines Wissens einzige in Deutschland noch erhältliche Präparat mit dem Wirkstoff Meclozin hat den Handelsnamen „Postadoxin N“. Das im Ausland bekannte „Bonamine“ enthält ebenfalls Meclozin als Wirkstoff. Präparate, die den Wirkstoff Dimenhydrinat enthalten, der ebenfalls sehr gut gegen Seekrankheit wirkt (zum Beispiel in Vomex A, Superpeptabletten, Reisetabletten ratiopharm), sind übrigens nicht in gleicher Weise problemlos in der Schwangerschft zu nehmen. Zwar gibt es auch hierfür keine Hinweise darauf, dass sie kindliche Fehlbildungen auslösen können (so dass sie in der Frühschwangerschaft durchaus auch Anwendung finden), vor allem am Ende der Schwangerschaft können hier aber gemäß Warnhinweis vorzeitige Wehen ausgelöst werden.