Der Titel der TAUCHEN-Juli-Ausgabe 2017.
Die Korallenriffe vor Samoa sind bereits vom Coral Bleaching betroffen.

Die Korallenriffe vor Samoa sind bereits vom Coral Bleaching betroffen. © xl- catlin seaview survey

El Niño bedroht Korallenriffe

Die Korallenriffe sind bedroht: Ende 2015 erwarten Forscher einen sehr starken El Niño. Das Wetterphänomen wird globale Auswirkungen haben und könnte auch die weltweiten Riffe stark schädigen.

Da kommt was auf uns zu! Forscher, Meereskundler und Wetterexperten schlagen Alarm: Ende 2015 soll der wahrscheinlich stärkste El Niño aller Zeiten wüten. Wir haben Dr. Georg Heiss, Korallenexperte, Dipl-Geologe und Vorsitzender von Reef Check, zu dem Wetterphänomen befragt:

 

Korallenexperte Dr. Georg Heiss von Reef Check.

Korallenexperte Dr. Georg Heiss von Reef Check.

Dr. Heiss, was passiert gerade?

In der letzten Woche wurde von der US-amerikanischen Behörde für Atmosphäre und Ozeane (NOAA) festgestellt, dass das „dritte weltweite Korallenbleichen“ nun in vollem Gange ist. Bereits in den Jahren 1997/98 und 2010 wurden so große Korallenriffareale in den drei großen Ozeanen Pazifik, Indik, Atlantik vom Ausbleichen der Korallen betroffen, dass man von einem „weltweiten Korallenbleichen“ sprach.

Warum passiert es? Was sind die Ursachen?

Der eigentliche Korallenpolyp ist transparent wie eine Qualle, mit denen Korallen eng verwandt sind. Korallen erhalten normalerweise durch die in ihrem Gewebe in Symbiose lebenden winzig kleinen Algen (Zooxanthellen) ihre Färbung. Werden Korallen Stress ausgesetzt, kann es dazu kommen, dass diese Symbiose aufgegeben werden muss, und die Algen vom Korallenpolypen abgestoßen werden. Dadurch wird die Koralle wieder transparent und das weiße Korallenskelett ist zu sehen. Das nennt man „Bleiche“. Hält dieser Zustand längere Zeit an (einige Tage bis Wochen), kann die Koralle absterben.
Der Stress ist sehr häufig durch ungewöhnlich hohe Wassertemperaturen verursacht. Schon eine Erhöhung um circa einen Grad Celsius über die langjährige mittlere Höchsttemperatur kann nach 1-2 Wochen zum Korallenbleichen führen. Bei höheren Temperaturen kann es noch schneller gehen.
Die Ursache für die starke Temperaturerhöhung ist in diesem Jahr, wie bei den vorhergehenden Korallenbleichen, das natürliche Klimaphänomen El Niño, das in unregelmäßigen Abständen von 7-10 Jahren in unterschiedlicher Intensität im Pazifik auftritt. Es beeinflusst in der Folge das Wetter, die Temperaturen sowie die Niederschläge in Amerika und Asien und kann auch in anderen Meeren zu Wärmeanomalien führen. Seit 2014 bildete sich nun ein besonders starker El Niño, der beginnend im Nord-Pazifik und mit dem Jahresgang des Sommers immer weiter nach Süden wandernd, mit stark erhöhten Temperaturen zu ausgedehnten Bleichen führte und führt. In diesem Jahr wurden bereits aus dem Nord-Pazifik, dem Indischen Ozean, dem äquatorialen Pazifik (Samoa) und der nördlichen Karibik (Kuba, Dom. Republik, Haiti und andere) Korallenbleichen gemeldet.
Derzeit ist besonders der Hawaii-Archipel betroffen, wo weite Areale von Korallenriffen gebleicht sind, und dies bereits das zweite Bleichen in zwei Jahren ist.
El-Niño-Ereignisse gibt es seit vielen Tausenden von Jahren, und die Riffe der Welt sind bisher immer damit zurecht gekommen! Allerdings erhöht nun seit den 1980er-Jahren die vom Menschen globale Erwärmung stetig die durchschnittliche Wassertemperatur, insbesondere in den tropischen Gebieten, und auf dieser stetig ansteigenden Basis können El-Niño-Ereignisse viel öfter und leichter die für Korallen kritischen Temperaturschwellen überschreiten. 2014 war das bisher wärmste Jahr seit es Temperaturaufzeichnungen gibt, und 2015 könnte nochmals diesen Rekord übertreffen.

Was sind die Auswirkungen?

Die Voraussagen der NOAA und der University of Queensland prognostizieren, dass 95 Prozent der Riffe, die in US-amerikanischen Gewässern liegen, und weltweit bis Ende 2015 bis zu 38 Prozent der Riffe vom Bleichen betroffen sein könnten.
Damit gingen enorme Dienstleistungen der Korallenriffe auf längere Zeit verloren, wie Küstenschutz, Fischerei, Tourismus usw.. Besonders kritisch ist die Erwärmung für die vielen bereits durch andere menschliche Aktivitäten (Überfischung, Verschmutzung, Überdüngung, Hotel- und Kreuzfahrttourismus) vorgeschädigten Riffe, vor allem in der Karibik, die kaum noch Widerstandskraft haben, und sich nur schwer wieder erholen können.

Was kann man dagegen tun?

Die Riffschutzorganisation Reef Check und NOAA versuchen zur Zeit, eine Koalition aus Behörden, Forschungsinstituten und Riffschutzorganisationen zusammenzustellen, um eine schnelle Bestandsaufnahme des Zustandes der Riffe zu erreichen, sowohl der Gebiete, die das Bleichen noch nicht erreicht hat, als auch die bereits betroffenen Riffe. Dazu werden vor allem Mittel für die vielen lokalen Reef-Check-Teams gesucht, die damit Taucherausrüstung besorgen, Boote mieten, Treibstoff kaufen können, um schnelle Beobachtungen durchzuführen.
Ein Schutz der Riffe vor diesem Bleichen ist nicht möglich, aber aus einer bestmöglichen Beobachtung lassen sich Lehren ziehen, welche Riffe solch einem Ereignis am besten widerstehen, beziehungsweise sich am besten wieder erholen können, und zu erfassen, ob und welche Schutzmaßnahmen Riffe in eine bessere Position gegenüber der Erwärmung bringen können.

Links:
Reef Check e.V. Deutschland  www.reefcheck.de
Reef Check Foundation  www.reefcheck.org
Bericht von NOAA