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Es gibt mehr Gangesdelphine in Indien, als vermutet.

Es gibt mehr Gangesdelphine in Indien, als vermutet. © Jörg Mazur

Hoffnung für den Gangesdelphin

Eine Untersuchung des WWF lässt hoffen: Es gibt mehr Gangesdelphine in Indien als erwartet! Eine umfangreiche Studie über die Flussdelphine im Ganges hat die Forscher erstaunt: Sie fanden doppelt so viele Meerestiere als befürchtet.

Anfang der 80er-Jahre durschstreiften noch bis zu 5000 Gangesdelphine die Flüsse Indiens. Heutzutage ist es Glückssache, auch nur einem zu begegnen. Die seltsamen Meeressäuger gelten als praktisch blind, denn ihren Augen fehlt eine Linse, und sie sind verkümmert. Mit den unterentwickelten Sehorganen können die Delphine allenfalls noch Helligkeitsunterschiede ausmachen. Die wirkliche Orientierung erfolgt über die Echo-Ortung. Offenbar hat das Leben im schlammigen Wasser der Flüsse den Gesichtssinn verkümmern lassen.
Die Delphine leben in Nordindien und Bangladesch im Ganges, Brahmaputra sowie Karnaphuli – einem der dichtbesideltsten Gebiete der Welt – und müssen sich ihren Lebensraum mit 400 Millionen Menschen teilen. Um es noch etwas mehr auf den Punkt zu bringen: Jeder Flussdelphin im Ganges muss sich gegen 220 000 hungrige Menschen durchsetzten.
Der WWF startete die Kampagne „Mein Ganges, mein Delphin“ und untersuchte die Population der seltenen Gangesdelphine mithilfe von Fischern und der lokalen Bevölkerung. 21 Teams scannten 3350 Kilometer Flusssystem nach den Kleinwalen ab. Die Ergebnisse lassen hoffnen, denn sie fanden 1263 Tiere – doppelt so viele, wie die Forscher erwartet haben!
Die Untersuchung soll dabei helfen, mehr über die seltenen Tiere zu erfahren, um sie in Zukunft besser schützen zu können. Die Tiere werden maximal 2,6 Meter lang und können ein Gewicht von über 108 Kilogramm erreichen. Sie stehen seit 1996 auf der Roten Liste der IUCN und werden immer noch wegen ihres Fleisches und Öls gejagt sowie als Fischköder benutzt. Aufgrund der Tatsache, dass Weibchen erst mit zehn Jahren geschlechtsreif werden und nur alle zwei bis drei Jahre ein Junges zur Welt bringen, erholen sich die Tiere nur langsam von der massiven Bedrohung, aber es scheint so, als ob sich die Population wieder vergrößern würde.