Die neue TAUCHEN Oktober Ausgabe 2017.
Sandtigerhai in einer Höhle am Tauchplatz Aliwal Shoal in unmittelbarer Nähe von Protea Banks.

Sandtigerhai in einer Höhle am Tauchplatz Aliwal Shoal in unmittelbarer Nähe von Protea Banks. © Foto: Timo Dersch

Neue Erkenntnisse zum Tauchunfall in Südafrika

Neue Erkenntnisse zum tödlichen Haiunfall in Südafrika: TAUCHEN erhielt eine Stellungnahme von Dr. Erich Ritter, der den Leichnam untersucht hat und sprach mit einer Taucherin die beim Unglückstauchgang dabei war.

von Timo Dersch und Sascha Tegtmeyer

Medien in Deutschland, Österreich, Südafrika – auch das Team von Tauchen Online – hatten von einem vermeintlichen Haiangriff durch einen Tigerhai auf einen Taucher berichtet. Mittlerweile gibt es jedoch neue Erkenntnisse zu dem Vorfall. TAUCHEN erhielt eine Stellungnahme von Haiforscher Dr. Erich Ritter, der Teile des Leichnams vor Ort untersucht hat. Außerdem haben wir am Telefon mit einer Taucherin gesprochen, die ebenfalls mit der Tauchgruppe unterwegs war. Dr. Ritter betont, dass nach seinem aktuellen Erkenntnisstand der Hai den Taucher nicht angegriffen hat. Haie – und somit auch Tigerhaie – greifen so gut wie nie Taucher von sich aus an. Bekanntgeworden sind bislang nur Unfälle mit Surfern oder Schnorchlern – die von Experten als sogenannte Probebisse betitelt werden. Der betroffene Taucher hatte schon bei anderen Tauchgängen Probleme und war alleine aufgetaucht. Deshalb vermutet der Experte, dass der Taucher bereits vor den Haibissen leblos war.

Auch die Tauchgruppe vermutet, dass der Taucher aufgrund eines taucherischen Fehlverhaltens oder seines gesundheitlichen Zustandes verunglückt ist. Im Interview erzählt eine Taucherin der Gruppe, wie der Mann bereits in den Tagen zuvor große Probleme beim Tauchen hatte. Bereits am ersten Tag soll er aus 40 Meter Tiefe an die Oberfläche geschossen sein, da er sein Jacket nicht richtig bedienen konnte. Die Taucherin, die lieber anonym bleiben möchte, betont, dass es ihr nicht darum ginge den Verunglückten anzukreiden, sondern zu vermeiden, dass Haie als skrupellose Tötungsmaschinen dargestellt werden, die Taucher anfallen.

Statement von Haiforscher Erich Ritter zum Tauchunfall in Südafrika

„Die Tauchgruppe führte gemeinsam einen Rifftauchgang durch, den sie vorher bereits einige Male gemacht hatten und jeder kannte das Tauchprofil. Der Verunfallte war noch bei der Gruppe als der Aufstieg begann. Da die Gruppe durch eine sehr trüber Schicht auftauchen musste und die Sicht entsprechend sehr schlecht war, orientierten sich die Taucher am Tauchlehrer. Als man dann oben ankam wurde sofort realisiert, dass der Verunfallte nicht mehr bei der Gruppe war und eine Suche wurde sofort veranlasst, die von mehreren Booten unterstützt wurde. Man nahm zuerst an, dass er alleine auftauchte, was er zuvor schon bei anderen Tauchgängen gemacht hatte, aber dann abgetrieben wurde. Als man realisierte, dass dies nicht der Fall gewesen ist, wurden neue Tauchflaschen angefordert und unter Wasser nach ihm gesucht. Er wurde einige Stunden später von Helfern gefunden. Der Verunfallte hatte an seinem Körper Haibisse. Der Leichnam wurde von mir am folgenden Tag im Gerichtsmedizinischen gesehen und untersucht. Obwohl die offiziellen Untersuchungen noch nicht abgeschlossen sind, ist es meine Ueberzeugung, dass der Verunfallte ertrunken ist und der Hai ihn danach gebissen hat. Die Wunden sind sehr ähnlich gegenüber anderen Unfällen mit Tauchern, die ebenfalls zuerst ertrunken waren. Dass ertrunkene Menschen relativ rasch nach ihrem Versterben gebissen werden, ist keine Seltenheit. Ob der Verunfallte einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder etwas ähnliches erlitten hat, kann nicht gesagt werden. Der involvierte Hai scheint ein relativ grosser Tigerhai gewesen zu sein. Die schlussendliche Grösse des Hais kann ich erst rekonstruieren, wenn ich wieder im Office/Labor bin“, so Dr. Erich Ritter.



  1. GK

    Ich finde es eine bodenlose Frechheit, dass obwohl Dr. Ritter bezüglich des Unfallhergangs keine klare Aussage macht, sich jemand „der lieber annonym bleiben möchte“ sich so weit aus dem Fenster lehnt,Geschichten erzählt und derartige Interviews gibt und diese im Internet auch wiedergegeben werden. Ich als persönlicher Bekannter des Verunfallten finde ich es eine Frechheit, dass mit solch ungeprüften Aussagen das „Ansehen“ des Opfers durch den Dreck gezogen wird. Ich bitte solange die Obduktion kein klares Ergebnis über den Unfallhergang ergeben hat dieses Interview zu löschen.
    Ich weiss, dass das Opfer ein brillianter Taucher war, der mehr Erfahrung hatte als viele von uns und ich weiss, dass er nie getaucht wäre, wenn er mit seinem System nicht vertraut gewesen wäre oder eine Fehlfunktion vermutet hätte. Aus diesen Gründen bitte ich Sie dieses Interview zu entfernen.

    • Torsten

      Das Haie keine „skrupellosen Tötungsmaschinen“ sind ist wohl jedem Taucher bewusst und bedarf hier keiner weiteren Erläuterung.
      Das sollte aber nicht dazu verleiten einem erfahrenen Taucher große Probleme mit der Bedienung seiner Ausrüstung zu unterstellen. Da die anonyme Taucherin zwar beim Tauchgang, jedoch beim Unfall selbst nicht dabei war, wäre Schweigen wohl die bessere Wahl gewesen.
      Roland ist ein äußerst verantwortungsvoller Taucher und Basisleiter. Er hätte einen Taucher mit solch gravierenden Problemen zu keinem zweiten Tauchgang mitgenommen. Ich durfte erst im Februar diesen Jahres bei Ihm tauchen und habe von Anfang bis Ende die Professionalität genossen. Sicherheit stand dabei immer an erster Stelle!
      Zur Meinungsäußerung der Meeresbiologin:
      Es ist völlig Richtig, keiner sollte seinen Tauchpartner verlieren. Fotografieren und Filmen können aber leider so ablenken, dass der Tauchpartner aus dem Sichtfeld verschwindet. Vielen erfahrenen Tauchern ist dies bereits passiert. Bei schlechter Sicht und am Ende des Tauchgang bleibt dann nur das alleinige auftauchen nach kurzer Suche. Davon musste auch die Tauchgruppe ausgehen. Gleich von extremer Fahrlässigkeit zu sprechen oder die Aussagekraft von Tauchscheinen im Zusammenhang mit einem Tauchunfall zu kommentieren, halte ich für falsch und unangebracht. Eventuell wird sich Deine Meinung etwas relativieren wenn Du ähnlich anspruchsvolle Tauchplätze besuchst.

  2. Meeresbiologin

    Also, bei allem Respekt: Was is den das für ein Tauchgang?? Wozu gibt es Buddies? Wie kann jemand verloren gehen? Wenn die Sicht schlecht ist, kann man immer noch Lautsignale abgeben, bzw. gemeinsam mit Berührungen zB am Arm auftauchen. Meiner Meinung nach riecht das Ganze nach extremer Fahrlässigkeit… Hier geht es weniger darum, ob der Verunfallte wegen eines Haies oder Krankheit verunglückt ist, sondern darum wie eine Tauchgruppe so fahrlässig handeln kann das jemand stirbt. Traurig, dass Tauchscheine offenbar nichts mehr über die tatsächliche Kompetenz aussagen..

  3. Moerchen

    Liebe Meeresbiologin,
    wer dort noch nicht getaucht hat, sollte sich hier tunlichst nicht zu Wort melden. Das Tauchen auf den protea banks ist sehr schön, aber auch sehr anspruchsvoll. Es ist immer bitter, wenn ein Taucher ums Leben kommt, sei es aus Gesundheitlichen Gründen oder durch einen Tauchunfall. Wir haben vor einigen Jahren dort mit Roland den 5000. Haiunfallfreien Tauchgang dieser Art gemacht. Ich wünsche euch weiterhin alles Gute! Jens


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