shutterstock_650164588

shutterstock_650164588

Neuer Rekord: Säugetier mit fast 4-stündigem Tauchgang

Wissenschaftler wissen immer noch nicht, wie Meeressäuger so lange ohne Luft auskommen.


Der erste Teil von "Der Herr der Ringe" ist rund 3 Stunden und 45 Minuten lang. Ein Cuvier-Schnabelwal ist zwar ein Säugetier, aber er könnte dennoch fast den gesamten Film unter Wasser sehen, ohne auch nur einmal Luft zu holen! 😉

Bemwerkenswerte Taucher

Es wurde aufgezeichnet, dass Schnabelwale die längsten und tiefsten Tauchgänge aller Meeressäuger absolviert haben. Sie sind dabei fast 3.000 Meter unter die Meeresoberfläche getaucht.

"Es sind bemerkenswerte Taucher", sagte Nicola Quick, eine Meeresbiologin an der Duke University.

Die Neuigkeiten von Dr. Quick, die kürzlich im Journal of Experimental Biology veröffentlicht wurde, dokumentiert den bisher eindrucksvollsten Tauchgang der Wale: 3 Stunden und 42 Minuten! Damit wurde der bisherige Rekord um über eine Stunde unterboten.

Der neue Rekord ist zudem fast siebenmal länger, als die Wissenschaftler basierend ihrer Körpergröße und Stoffwechselrate erwartet hätten.

"Sie sollten dazu nicht in der Lage sein"

"Das geht weit über das hinaus, was wir bisher gesehen haben", sagte Andreas Fahlman, Physiologe an der Ozeanographischen Stiftung der Autonomen Gemeinschaft Valencia in Spanien und Autor der Studie. "Sie sollen dazu nicht in der Lage sein, aber sie tun es."

Die meisten Menschen können ihren Atem nicht länger als ein paar Minuten anhalten. Das Guinness-Buch der Rekorde beinhaltet einen Freitaucher, der mehr als 24 Minuten lang die Luft anhielt.

Diese außergewöhnlichen Fähigkeiten haben für die Wale einige Vorteile. Sie können so große Mengen von Fischen und Tintenfischen finden, die den meisten anderen Raubtieren nicht zugänglich sind.

Am wenigsten verstandene Säugetiere

Diese Vorliebe für die Tiefe macht Schnabelwale auch zu den am wenigsten verstandenen Säugetieren der Welt, sagte Dr. Quick. Obwohl sie gelegentlich zum Atmen aufsteigen, ist es oft nur für ein paar Minuten. Gerade genug, um ein bisschen frische Luft einzusaugen. 

Dennoch gelang es Dr. Quick und ihren Kollegen, zwei Dutzend Cuvier-Schnabelwale in der Nähe von Cape Hatteras in North Carolina zu markieren. Zwischen 2014 und 2018 verfolgte das Team die Bewegungen der Wale, während die Tiere 3.680 Tauchgänge unternahmen.

Frühere Berechnungen haben geschätzt, dass Cuvier-Schnabelwale in der Lage sein sollten Tauchgänge von 33 Minuten Dauer zu überstehen. Doch die Mehrzahl der Tauchgänge, die die Wale in Dr. Quicks Studie durchgeführt haben, dauerten etwa eine Stunde. Wobei einige sogar die Zwei-Stunden-Marke überschritten.

Kaum Erholung nötig

Bemerkenswerterweise schienen die Wale von diesen Kunststücken unbeeindruckt zu sein. Es gab fast keinen Zusammenhang zwischen der Dauer ihrer Tauchgänge und der Zeit, die sie zur Erholung an der Wasseroberfläche verbrachten.

Wie ist das möglich?

Zumindest ein paar Anpassungen dürften den Meeressäugern helfen, während ihrer Tieftauchgänge zu überleben. Zum einen schieben die Wale wahrscheinlich den Blutfluss von ihrer Leber, ihren Nieren und Eingeweiden weg, um Sauerstoff für ihre Gehirne, Herzen und Muskeln freizusetzen. Denn es sind Gewebe, die für Tieftauchgänge unerlässlich sind. Gleichzeitig senken sie möglicherweise ihre Herzfrequenz, um den Stoffwechsel herunterzufahren.

Mehr als dreistündige Tauchgänge gehen an die Grenzen der menschlichen Vorstellungskraft. Aber für Schnabelwale mit ihrer einzigartigen Physiologie könnten diese Tiefseereisen nur ein Spaziergang im Park sein. Das zeigt, wie extrem die Physiologie von Säugetieren werden kann.