Der Titel der TAUCHEN-Juli-Ausgabe 2017.
Auch Sandtigerhaie werden mit hoher Wahrscheinlichkeit in Sinsheim schwimmen.

Auch Sandtigerhaie werden mit hoher Wahrscheinlichkeit in Sinsheim schwimmen. © Foto: Aquarium Palma

Shark City Sinsheim: Jetzt doch pelagische Haie im Aquarium

Im Rahmen der TAUCHEN-Recherchen zum geplanten Hai-Aquarium „Shark City“ in Sinsheim sprechen wir mit Haiforschern, Tierschützern, den Investoren und Aquarianern. Die Betreiber verrieten nun, das auch Schwarzspitzen-Riffhaie in die Becken eingesetzt werden.

Die „Shark City“ erhitzt die Gemüter. Das geplante Mega-Aquarium in unmittelbarer Nähe zum Auto-und-Technik-Museum in Sinsheim stößt vermehrt auf Ablehnung bei Anwohnern und Tierschützern. Das Projekt, welches laut den Verantwortlichen einen zweistelligen Millionenbetrag kosten soll, wird ein Sensations-Aquarium beinhalten, in dem wohl bis zu 40 verschiedene Haiarten zu bestaunen sind. Desweiteren soll die Möglichkeit bestehen, begleitete Tauchgänge in den Becken zu unternehmen. Auch ein Becken zum Anfassen der Tiere, sowie Schulungsräume und ein Kino sind geplant.

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So sieht ein Touch-Becken aus. Die Tiere sollen erlebbar gemacht werden. Foto: Sea Life

Mit dem Haiforscher Dr. Erich Ritter konnte ein prominenter Schirmherr für das Projekt gefunden werden. Der Gründer der Bildungsorganisation Sharkschool steht für fundierte Haiforschung und macht sich seit Jahrzenten für den Schutz der Haie stark. Im Rahmen einer Aufklärungs- und Bildungseinrichtung, der sogenannten Shark City School, die in das Aquarium eingegliedert sein soll, möchte der Schweizer Zoologe Kurse anbieten und durch Aufklärung ein Bewusstsein in der Gesellschaft erzeugen um den Schutz der Haie voranzutreiben. Viele seiner Fans werfen ihm nun Verrat an seinen eigentlichen Werten vor. Im Tauchen-Video-Interview spricht der Wissenschaftler der Universität von West-Florida über das Vorhaben.

Sharkproject wettert mit reißerischer Kampagne gegen das Projekt

In den vergangenen Wochen herrschte großer Unmut, da auf der Webseite mit dem Slogan „Europas größte Haie“ geworben wird und man zunächst Bilder von Tigerhaien darstellte. Das Problem: Pelagische Haie, wie zum Beispiel Tigerhaie, lassen sich nur schwer in Aquarien halten, da sie konstant schwimmen müssen um ihre Sauerstoffversorgung aufrecht zu erhalten. Vermehrt wurde nach der sogenannten Besatzliste gefragt. Welche die Arten ausgibt, die in den Becken ihr zu Hause finden werden.

Die Tierschutzorganisation Sharkproject startete eine Kampagne gegen das Projekt und versucht möglichst viele Menschen zu mobilisieren.

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Diese Anzeige schaltete Sharkproject in einer großen Sinsheimer Tageszeitung. Bild: Sharkproject

Vergangenen Donnerstag fanden Gespräche am runden Tisch zwischen der Haischutzorganisation Sharkproject, dem Geschäftsführer des geplanten Aquariums und dem Zoologischen Leiter statt. Im Rahmen der Gespräche hatte TAUCHEN die Möglichkeit Gerhard Wegner, Präsident von Sharkproject International, sowie Friederike Kremer-Obrock, Präsidentin von Sharkproject International zu interviewen. Das gesamte Video-Interview gibt es hier.

Im Rahmen der TAUCHEN-Recherche sprechen die Shark City-Betreiber nun erstmals über die Arten, die in den Becken gehalten werden sollen.

Auch der Zoologische Leiter des Projekts, Alexander Dressel, sowie der Marketingverantwortliche Boris Udina, scheuten das Gespräch nicht und stellten sich unseren Fragen. Man müsse sich zunehmend über den Tonfall und die Umgangsformen der Gegner wundern, ließen die beiden verlauten. Man sei von Anfang an offen für jedes Gespräch gewesen, insofern es auf einer sachlichen Basis basiere. Der Bauantrag sei zwar abgegeben, die endgültige Baugenehmigung von Seiten der Stadt liege aber noch nicht vor. Zur Besatzliste können man sich deshalb noch nicht äußern, da man die endgültige Beckengröße noch nicht wisse, so Dressel. Auf Nachfrage ob denn die im Webauftritt angegebene Zahl von 40 verschiedenen Arten stimme, konnten wir dann aber doch einen Einblick in die geplanten Arten erlangen. „30 werden es auf jeden Fall werden“, so Dressel. „Einige Stierkopfhaiarten, drei Teppichhaiarten zwei Katzenhaiarten, verschiedene Bambushaiarten.“ Die seien aber alle bodenlebend.

 

Schwarzspitzen Riffhaie werden von den Betreibern nicht ausgeschlossen

Erich Ritter hatte im TAUCHEN-Interview geäußert, dass er sich dafür stark mache, dass keine pelagischen Haie in die Becken eingesetzt werden. Ob man sich auf diese Aussage verlassen könne, wollten wir von Dressel wissen. „Wir werden nur Tiere einsetzten die sich bereits in anderen Aquarien bewährt haben“, so Dressel. Das in anderen Aquarien Aquarien bereits erfolgreich Schwarzspitzenriffhaie gehalten werden und Naturschützer alle Arten, die schwimmen müssen um ihre Atmung aufrecht zu erhalten, als pelagische Haie definieren, könnte einen schnell zu der Annahme verleiten, dass in Sinsheim nun doch pelagische Haie gehalten werden. „Wenn man Schwarzspitzen als pelagische Haie definiert, dann können wir die Haltung pelagischer Haie nicht ausschließen“, antwortet Dressel darauf entschlossen.

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Schwarzspitzen Riffhaie, wie dieser im Aquarium Berlin, werden wohl auch in Sinsheim schwimmen. Foto: Zoo Berlin

Nun also doch? Haie die schwimmen müssen um zu atmen im Sinsheimer Aquarium? War das nicht, was Dr. Erich Ritter erst vor einer Woche ausgeschlossen hatte? Auf Nachfrage bei dem Haiforscher, der in Florida lebt, äußerte sich dieser hinsichtlich der Wortdefinition. Man müsse das Wort “pelagisch” genauer definieren, denn es gebe auch sehr kleinwüchsige Arten, wie eben Schwarzspitzen-Riffhaie, die ab einem gewissen Volumen der Becken kein Problem darstellen würden.

Um in der Diskussion über den Begriff „pelagisch“ Klarheit zu schaffen, versuchte Ritter, ihn von seinem Standpunkt aus zu definieren und gleichzeitig zu erklären warum es zu Missverständnissen komme.

Entgegen der eigentlichen Definition wird der Ausdruck “pelagisch” in der Aquazoo-Welt meist nicht korrekt gebraucht respektive so verwendet, dass man lediglich damit Arten bezeichnet, die sich in der “Wassersäule” befinden und herum schwimmen (müssen), gegenüber bodenorientierten Arten. Das bedeutet nicht, dass eigentliche pelagische Haiarten, im korrekten Sinn des Wortes verwendet, in ein Aquarium kommen wie bspw. Makohaie, Blauhaie oder Weissspitzen-Hochseehaie. Entsprechend wird eine Art, wie bspw. ein Sandtigerhai, der permanent im Wasser “steht”, zwar als pelagisch bezeichnet, doch faellt er in die Gruppe der “non obligate ram ventilator”, was bedeutet, dass er nicht permanent aktiv schwimmen muss, um in der Wassersäule stehen zu können. Dann gibt es die obligaten pelagischen Haie, zu denen zwar der Schwarzspitzen-Riffhai gezählt wird (in strikter Verwendung der Definition), doch handelt es sich um eine Art, die nicht im offenen Ozean schwimmt, sondern in Riffregionen… hinzu kommt, dass kleinwüchsige Arten, zu denen diese Art gehört hinsichtlich Körerplänge und Beckenvolumen eine ideale Art darstellt resp. nicht aus Gründen von Platzmangel oder Schwimmmöglichkeit abgelehnt werden muss. Entsprechend muss klar unterschieden werden, was “Tierschützer” versuchen damit auszudrücken und was wirklich damit miteinbezogen wird.

 

Weitere Tierschützer nehmen den Kampf auf

Auch die Naturschutzorganisation Oceana und die Tierschützer von Pro Wildlife starteten Petitionen und sammelten Unterschriften gegen das Projekt. Auf Anfrage von Tauchen nahm jetzt auch die Organisation Sea Shepperd Stellung:

Sea Shepherd unterstützt in keinster Weise Tierhaltung in Gefangenschaft. Aquarien, egal wie groß und modern sie sein mögen, können weder den natürlichen Lebensraum eines Hais oder anderer Arten ersetzen, noch ihren Bedürfnissen gerecht werden.

Natürlich ist Aufklärung auch für den Haischutz wichtig, aber dazu muss man die Tiere nicht in Becken halten. Um Haie wirklich zu verstehen, muss man sie in ihrem natürlichen Lebensraum erleben und erforschen.

Haie haben als Spitzenprädatoren eine äußerst wichtige Rolle im Ökosystem Meer. Durch Wildfang für Aquarien werden sie aus diesem entfernt und das natürliche Gleichgewicht, welches durch Wilderei und den Einfluss der Menschen bereits stark bedroht ist, wird noch weiter gestört. Auch wenn die Haie nicht aus Wildfang stammen, so bedeutet ein Standortwechsel und der damit verbundene Transport massiven Stress für die Tiere und führt nicht selten zum Tod.

Aquarien allgemein sind eine Gefahr für die Ozeane, für Korallenriffe und Arten. Der Neubau eines solchen ist nicht nur unnötig, er trägt außerdem zur Ausbeutung der Meere bei.

Das ließ die Sprecherin Anne Kämmerling von Sea Shepperd Deutschland verlauten.

 

 



  1. Günther Haase

    ein „Touch“ Becken ist sicher das größere Problem, Wassertiere generell sind keine Streicheltiere – wo bleibt hier der Aufschrei? Von Walen und Delfinen im Zoo halte ich nichts, sehe generell Tiere in Gefangenschaft nicht positiv. Wenn der Lebensraum in etwa angepasst ist sollte im Sinne der Sensibilisierung der Menschen aber ein „Halbpelagischer“ Hai gezeigt werden dürfen. Wenn damit aufgezeigt werden kann, das etwa 100 Millionen Haie pro Jahr durch Menschenhand in unwürdigen Umständen sterben und in absehbarer zeit nur die Hälfte davon zukünftig gerettet wird, was spricht dann gegen ein Tier? Die Verantwortung für die entsprechenden Voraussetzungen trägt der Betreiber, sollte das Experiment aus verschiedensten Umständen heraus nicht glücken dann sollte aber auch das klar unterbunden werden! Wenn das nur genau soviel Diskussion um die Wohnumstände vieler Menschen geben würde …

  2. Bernhard Eisel

    Ein Blick auf die Homepage der Projektgegner verrät, dass sie „Aquarien und zoologische Gärten“ generell als Auslaufmodell sehen und deutet darauf, wes Geistes Kind dieser Zusammenschluss von „Umwelt-“ oder „Tierschützern“ wieder ist. Denn: Diesem Urteil ist entschieden zu widersprechen. Jährlich sterben tausende von Haien und anderen Meereslebewesen an der Überfischung, bei der Zerstörung der Lebensräume und aufgrund der Verschmutzung der Meere. Vor allem durch die Arbeit der privaten und öffentlichen wissenschaftlich geführten zoologischen Gärten und Aquarien können die Menschen für diese Thematik sensibilisiert werden und kein Film vermag letztlich den Kontakt mit dem lebenden Tier zu ersetzen.
    Auch die rigorose Ablehnung von Wildentnahmen ist nicht zu verstehen. Statt diese von vornherein zu verurteilen, müsste vernünftigerweise gefragt werden, ob angesichts der Bestandzahlen (Bedrohungsstatus der Art) eine Wildentnahme vertretbar ist oder nicht. Dies dürfte bei Fallzahlen von einigen wenigen Individuen für die Aquarienhaltung im Gegensatz zu den hohen Fallzahlen im Zusammnehng der Fischerei in den meisten der Fälle zutreffen. Gerade hier gilt es einmal, die „Kirche im Dorf zu lassen“, denn im Prinzip ist ja auch jeder Speisefisch im Supermarkt eine „Wildentnahme“. Auch eine generelle Verurteilung der Haltung von Haien macht wenig Sinn, sondern es kommt auf die Auswahl der Arten an: Schwarzspitzen-Riffhaie sind eine relativ kleinbleibende Art und besitzen den Vorteil, den Besuchern eine carcharinidae-Art mit typischer Haiform, die aber trotzdem nicht zu den Hochseehaien gehört, präsentieren zu können.
    Ammenhaie sind relativ friedliche Bodenbewohner. Mit dieser Art kann den Besuchern eine größer werdende Form, die aufgrund ihrer Lebensweise und relativem Bewegungsbedürfnis gut zu halten ist, gezeigt werden.
    Sandtigerhaie werden z.B. in Palma de Mallorca, Valencia und Barcelona erfolgreich gehalten, da sie langsame Schwimmer und keine Dauerschwimmer sind, aber trotzdem dem Publikum eine größere Art mit typischer Haiform vorstellen können. Tigerhaie sind anspruchsvoll, aber zoobiologisch durchaus zu bewältigen, man könnte aber in Erwägung ziehen z.B. auf Zitronenhaie (negaprion brevirostris) oder graue Riffhaie (Carcharhinus amblyrhynchos), – letztgenannte Art wird z.B. in Valencia erfolgreich gepflegt – , auszuweichen.
    Also bitte: Ein bisschen über den Tellerand schauen und nicht gleich irgendwelchen Rigorismen hinterherlaufen…

    • Gert Spittler

      @ Eisel: Vollkommene Zustimmung und schöne Datenzusammenstellung!
      Es ist traurig, dass sich Leute, auch hier in den Kommentaren, anmaßen, über Haihaltung zu urteilen, die sich noch nie mit dem Thema ernsthaft auseinandergesetzt haben, Zoos einfach mal „kritisch sehen“, halt so aus dem Bauch heraus… Genau für solche Leute braucht man gute(!) Zoos und Aquarien – Aufklärung und Information tut dringend not.
      Nur ein Widerspruch: Die, die hier gegen Haihaltung sind, sind weder Umwelt- noch Tierschützer, nicht einmal mit Anführungszeichen, das verbitte ich mir, denn ich bin selbst beides und zwar aktiv und nicht nur mit der Schreibfeder. Diese Leute von Animal Peace und Konsorten sind radikale Tierrechtler und sollten auch als solche bezeichnet werden.

  3. Gert Spittler

    Ich finde den Artikel ausgesprochen schlecht, unseriös und tendenziös geschrieben.
    Zuerst, all die Rechtschreibfehler bis hin zu „respirative“ was wohl „respektive“ heißen soll. Dann die reißerische Überschrift, die sich dann ganz weit unten als eine gezielte Überspitzung eines Missverständnisses herausstellt, nämlich darüber, ob ein pelargischer hei einer ist, der schwimmen muss um zu atmen oder nur einer, der auch mal ins offene Wasser schwimmt wie der Schwarzspitzen-Riffhai, der ja nicht umsonst RIFF-Hai heißt, weil er in Riffen lebt, also nicht im offenen Ozean. Daraus zu konstruieren, dass die Betreiber zurückrudern oder gar ihr Versprechen brechen, ist lächerlich. Und zu guter letzt die Zwischenüberschrift „Weitere Tierschützer nehmen den Kampf auf“ – das ist einfach nur noch Meinungsmache, denn wenn man selbst eine NGo fragt, die sowieso gegen jede Tierhaltung ist, und deren zu erwartendes „nein“ dann als aktive „kampfaufnahme“ interpretiert, ist das unseriös. „Tauchen“ sollte entweder guten Journalismus betreiben und sachlcih berichten oder eben selbst klar Stellung beziehen und – namentlich! – sich für oder gegen aussprechen. Aber mit so einer vorgeblich neutralen Berichterstattung unterschwellig Meinungsmache zu betreiben ist nicht das, was ich von dieser Fachzeitschrift erwartet hätte!


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