FRONT DESK

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So sollte es sein…

Ein Vorschlag aus Israel bringt es auf dem Punkt, was heutzutage die Anforderungen an eine funktionierende Tauchbasis sein sollten. Hier erklärt von Ramy R. am Beispiel des Check-In- und Tauchbasen-Counters.


In diesem Artikel möchte Ramy die Wichtigkeit eines gut funktionierenden Empfangs- und Organisationsbereichs an Tauchbasen herausstellen. »Jeder Taucher sollte den besten Service erhalten, sei es vom touristischen, wie auch vom professionellen Standpunkt her. Die Sicherheit des Tauchers sollte zu jedem Zeitpunkt der Schwerpunkt sein.« Eine seiner Forderungen geht sogar soweit, dass das Personal des Hotelempfangs spezielle Kurse absolvieren sollte, um nicht nur über touristische Attraktionen der Gegend informieren zu können, sondern auch, um fachliche Auskünfte zum Tauchen geben zu können.

Nach Ramys Erfahrung – er untersuchte bereits mehrfach Tauchunfälle – gibt es unter anderem Beweise dafür, dass Tauchunfälle mit einem fachkundigen Personal am Hotelempfang zu vermeiden gewesen wären, wenn diese den Gästen die richtigen Informationen weitergegeben hätten. Das betrifft neben Tauchbasen- auch Ausrüstungsempfehlungen. Anhand zweier Beispiele führt er auf, wie Unfälle durch richtige Ratschläge hätten vermieden werden können.

Fall 1

Zwei 17-jährige Jungen, mit einer Advanced Open Water-Ausbildung baten im Tauchcenter um eine Tauchausrüstung. Der Angestellt kontrollierte das Logbuch der beiden und stellte fest, dass beide sehr wenig Erfahrung im offenen Meer hatten und die letzten Tauchgänge über 2 Jahre zurücklagen. Er sagte den beiden Jungen, dass sie vorab einen Check-Tauchgang machten müssten, bevor er ihnen Ausrüstung für das selbstständige Tauchen ausleihen kann. Die beiden waren damit jedoch nicht einverstanden und verliessen das Tauchcenter. In diesem Falle, handelte der Angestellte völlig richtig und verantwortungsvoll.

Die beiden Jungs entschlossen sich, es dennoch nicht aufzugeben und versuchten es an der nächsten Tauchbasis. Sie übergaben dem Angestellten den Tauchschein, welcher nicht im Detail geprüft wurde. Das Logbuch wurde gar nicht erst verlangt. Beide erhielten eine Tauchausrüstung. Die beiden tauchten anschließend an einem für sie völlig unbekannten Tauchplatz ab, einem Schiffswrack in 26 bis 33 Meter Tiefe. Im Laufe des Tauchgangs verloren sie jedoch die Orientierung, tauchten bis in 43 Meter Tiefe ab und gerieten in Luftnot, was zu in einem Notaufstieg endete.

Das Ergebnis:

Einer der beiden erreichte die Wasseroberfläche, warf sein Blei ab und trieb schwimmend an der Wasseroberfläche. Der zweite Taucher erreichte ebenfalls die Oberfläche, warf jedoch nicht sein Blei ab und sank wieder in die Tiefe. Erst nach etwa 10 Minuten konnte er bewusstlos aus dem Wasser geborgen werden. Nach 9 Jahren im Koma verstarb er.

Fall 2 

Ein unerfahrener Advanced Open Water-Taucher kam ins Tauchcenter für einen gebuchten Tauchtag mit zwei Tauchgängen und musste aufgrund seiner langen Tauchabstinenz den ersten Tauchgang als geführten Tauchgang absolvieren. Der Tauchgang wurde von einem erfahrenen Guide geführt, der sofort merkte, dass der Gast noch nicht mal im Stand war, Wasser aus der Maske auszublasen.

Nach dem Tauchgang gab der Guide diese Information an den anderen Tauchlehrer weiter, der den Folgetauchgang durchführen sollte. Außer ihm wurde niemand über die Schwierigkeiten des Tauchers informiert. Der mittlerweile verängstigte Taucher tauschte seine Tauchflasche für den zweiten Tauchgang und schloss sich seiner Gruppe an, die auf dem Weg zu einem Wracktauchgang war. Wie sich später herausstellte, endete an diesem Wrack in 17 Metern Tiefe nicht nur sein Tauchgang, sondern auch sein Leben. Er geriet in Panik, spuckte seinen Atemregler aus und ertrank.

Beim genaueren Betrachten der beiden Fälle, erkennt man, dass es sich immer um die unerfahrenen Taucher handelt, die zwar ihrer Ausbildungsstufe und Tauchgangsanzahl nach als eher erfahren gelten, es aber nicht sind. Ramy behauptet, dass es durch geschultes und aufmerksames Personal an den Tauchbasen vermeidbar wäre, dass es zu solchen Unglücken kommt. Natürlich gibt es auch viel andere, positive Beispiele. Hier ist das Personal am Counter der Tauchcenter perfekt geschult, erfahren und verantwortungsvoll. Der Counter und die Qualität des hier arbeitenden Personals sind das Aushängeschild einer Tauchbasis.

Jedoch gibt es auch viele kleine Tauchcenter, die sich auf Laufkundschaft spezialisiert haben. Der Kunde bekommt hier allerdings kaum mehr als Informationen über den Preis, das Wetter und die angebotenen Möglichkeiten. Auf der anderen Seite stehen Tauchschulen mit einem riesigen Stamm an Mitarbeitern. Beide Tauchcenter brauchen neben erfahrenen Tauchlehrern und Tauchguides jedoch auch geschultes und erfahrenes Counter- und Frontdesk-Personal. Diese sollten spezielle mehrsprachige Ausbildungen haben. Zusätzlich, so ist Ramy der Meinung, sollte am Frontdesk auch ein verantwortlicher Manager vor Ort sein, der auf jede Frage die passende und korrekte Antwort parat hat.

Folgende Anforderungen stellt Ramy daher an das Frontdesk-Personal :

  1. Jeder Mitarbeiter sollte im Besitz eines Tauchscheins sein und gewisse Erfahrung in angebotenen Tauchgebiet haben. Empfehlenswert sind zudem Erfahrungen und Ausbildung in Erster Hilfe, Sauerstoffgabe und der Nutzung eines Defibrillators.
  2. Das Personal sollte Kenntnisse über internationale Tauchverbände und die Einstufung der Ausbildungslevel sowie Kursanforderungen haben.
  3. Das Personal sollte fähig sein, die Anforderungen des Tauchgangs mit den Fähigkeiten der Brevetierung des Tauchers abzugleiche.
  4. Es sollte genügend ausgebildetes Personal zur Verfügung stehen, um den Gegebenheiten des Tauchplatzes und den Fertigkeiten des Kunden entsprechen zu können.
  5. Das Frontdesk-Personal muss das Tauchcenter-Team und deren Fähigkeiten und Fertigkeiten genau kennen bzw. eingewiesen werden.
  6. Das Frontdesk-Personal sollte jeden Tauchspot, der angeboten wird, genau kennen und dort am besten auch selbst schon gewesen sein.
  7. Das Personal muss eine Erste Hilfe-Ausbildung nachweisen können und das Notfallprocedere eines Tauchunfalls kennen.
  8. Die “Erste Hilfe”-Ausrüstung muss jederzeit und von jedem erreichbar sein (inkludiert die Sauerstoff-Gabe).
  9. Kontaktadressen und Kommunikationskanäle müssen überprüft sein und funktionieren. Manager und Inhaber müssen jederzeit erreichbar sein.
  10. Notfall-Nummern müssen bekannt und aktuell sein.

Weiterhin sollte jeder Frontdesk-Mitarbeiter folgende Fähigkeiten mit sich bringen:

  • Beim Check-In: informierende Fragenstellung
  • Professionelles Benehmen und Höflichkeitsformen gegenüber dem dem Kunden auf multilingualer Basis
  • Kenntnisse des Internationalen Taucherscheins und Verständnis eine Tauchlogbuches und dessen Einträge
  • Kenntnis der taucherischen Angebote, Anzahl von Ausruestungen und Anzahl der Ausbilder
  • professionelles Verständnis in der Beurteilung von Tauchausrüstung des Kunden oder der eigenen Tauchbasis und Weiterleitung dieser Informationen an das verantwortliche Personal.
  • Anwesenheitsprüfung der Taucher nach jedem Tauchgang
  • Erhalt/Übergabe der Ausruestungen sollte mit sorgfältiger Prüfung und Anpassung an den Taucher erfolgen
  • Koordination der Fahrten von/zum Hotel und Planung der Tauchgänge
  • Identifikation und richtiges Handeln im Fall eines Tauchunfalls
  • Jeder Mitarbeiter sollte den Standort der nächsten Dekokammer kennen.

Im Fall eines verlorenen Tauchers, sollte professionell und systematisch vorgegangen werden und die Handlung im Rahmen der örtliche Nothilf und unter Einhaltung der örtlichen Gesetze erfolgen.

FAZIT

Es sollte verstanden werden, dass das Frontdesk-Personal das Aushängeschild des Tauchcenters ist. Es ist der erste Punkt, an dem Taucher richtig eingeschätzt, eingewiesen und hingewiesen werden müssen, um sowohl Tauchunfälle zu vermeiden, als auch dem Gast den größtmöglichen Service bieten zu können.

Über den Autor:

Ramy ist Berfustaucher. Seine berufliche Erfahrungen sammelte er in allen Osteuropaeischen Häfen, sowie Ölfeldern der Nord See. Er war Besitzer eines Tauchcenters und hat seit 1964 über 5000 Taucher aller Level ausgebildet.



  1. Jörg

    Das sagt ja schon alles: „unerfahrener Advanced Open Water-Taucher“

    Also auf deutsch: einen unerfahrenen erfahrenen Taucher…..

    Sollte es so nicht geben. Das ist nicht der Fehler der Rezeption das ist der Fehler der Tauchverbände.


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