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Delphinschützer kritisieren das Delphinarium in Nürnberg.

Delphinschützer kritisieren das Delphinarium in Nürnberg. © WDC

Walschützer gegen Umbau im Delphinarium

Das Delphinarium in Nürnberg plant seine Lagune zu renovieren. Falls es zu einem Notfall kommen sollte, müßten die Tiere in einem anderen Delphinarium untergebracht werden. Dieses muss aber erst mal selbst für 1,2 Millionen Euro saniert werden. Walschützer kritisieren den Notfallplan, weil das Ausweichbecken viel zu klein ist und die Tiere gefährden würde.

In Nürnberg entschied der Bau- und Vergabeausschuss gestern, dass Gelder für die Renovierung des Delphinariums II im Tiergarten zur Verfügung gestellt werden. Vertreter der Partei Die Grünen haben die Wal- und Delphinschutzorganisation WDC um eine Einschätzung gebeten. WDC distanziert sich von der Idee, das Delphinarium II im Notfall als Unterkunft für die Delphine zu verwenden, da das Becken nur einem Drittel der Mindestgröße laut Säugetiergutachten entspricht und somit die Unterbringung der Delphine dort tierschutzwidrig wäre.

Das etwa 280 Quadratmeter große Delphinarium II soll renoviert werden, um die Delfine dort unterbringen zu können, sollte es zu einem unerwarteten Notfall bei der Renovierung der Lagunenbecken kommen. Geplant ist, die Becken der Lagune nacheinander zu renovieren. Sobald zwei oder mehr Becken zeitgleich renoviert werden, haben die Delphine nicht mehr den ihnen laut Säugetiergutachten zustehenden Platz zur Verfügung.

„Mit diesem Notfallplan wird das Leben der Delphine aufs Spiel gesetzt. Die Unterbringung im Delphinarium II würde bedeuten, dass sich zu viele Tiere auf zu wenig Platz befinden und somit das Aggressionspotential steigt“, so WDC-Experte David Pfender. „Die einzige artgerechte Alternative ist das Delphinarium Nürnberg zum Auslaufmodel zu erklären und zu akzeptieren, dass das Projekt gescheitert ist. So würden Delphine und Bürger nicht weiter belastet.“

Die Dauer der Renovierung des Delphinariums II ist mit fünf Monaten veranschlagt. Die Kosten werden sich voraussichtlich auf 1,2 Millionen Euro belaufen – aber schon beim Bau der Lagune waren die finalen Kosten 20% höher als zunächst kalkuliert. Die Renovierung der Lagune selbst soll weitere neun Monate dauern. Selbst wenn die Delphine nicht ins Delphinarium II umziehen müssen und dort unter Platzmangel leiden, sind sie dem Lärm der Renovierungsarbeiten ausgesetzt. Die Veterinärmedizinerin des Veterinäramtes Nürnberg gab an, dass der Baulärm sich wahrscheinlich von Becken zu Becken übertragen wird – wie die Delphine letztendlich darauf reagieren ist vorab unklar.

Auch Monika Krannich-Pöhler von der Partei Die Grünen sprach sich gegen das Vorhaben des Tiergartens aus: „Wir haben gegen den Beschluss das Delphinarium II als Ausweichbecken für die Delphine zu sanieren gestimmt, da Fläche, Volumen und Tiefe der zwei Ausweichbecken weit unter den Anforderungen des Säugetiergutachtens liegen und ich der Meinung bin, dass nicht alle Möglichkeiten zum Wohle der Delphine in Betracht gezogen wurden.“

Infos: www.whales.org