Weißer Hai: Erfolgsmodell der Evolution

Offene Forschungsgebiete: Sozialverhalten und Paarung

Beim Verstehen von vielen Eigenheiten des Weißen Hais tappen Wissenschaftler zwar nicht mehr völlig im Dunkeln, jedoch gibt es viele offene Fragen: Wo und wann pflanzen sich die Tiere fort? Wie lange ist die Tragzeit, und wie hoch ist die Gebärfrequenz der Muttertiere? Dass die Jungen in dotterreichen Eiern im Muttertier heranreifen und lebend das Licht der Unterwasserwelt erblicken, ist hinreichend bekannt, doch weiß man wenig über die Gebiete, in denen dieses stattfindet.Auch über seine sozialen Strukturen ist wenig bekannt. Früher galt der Weiße Hai als absoluter Einzelgänger, heute weiß man, dass die Tiere sich zumindest in bestimmten Zeiten in Gruppen aufhalten. Ob diese dem Nahrungserwerb oder der Paarung dienen, ist unbekannt. Anhand genetischer Proben müssen auch die Verwandtschaftsverhältnisse geklärt werden, die Rückschlüsse auf die Gruppenzusammenkünfte ermöglichen.Seine Verhaltensweisen konnten schon teilweise entschlüsselt werden. Hierarchien innerhalb der Gruppe werden über Körpersprache verdeutlicht: Um tödliche Zweikämpfe um Weibchen oder Beute zu vermeiden, kommunizieren die Tiere mithilfe von verschiedenen Schwimmstilen. Paralleles Schwimmen ermöglicht einen Längenvergleich und klärt damit eine auf die Größe festgelegte Rangfolge. Frontales Aufeinanderzuschwimmen klärt diese Rangfolge auch: Wer ausweicht, hat verloren.
Seit 60 Millionen Jahren durchstreift der Weiße Hai die Meere. Majestätisch und immer noch ein Mysterium. FOTO: Brandon Cole

Seit 60 Millionen Jahren durchstreift der Weiße Hai die Meere. Majestätisch und immer noch ein Mysterium. FOTO: Brandon Cole

Weite Wanderungen

Weitere Wissenslücken gibt es bezüglich der Wanderleistung. Eine Annäherung im Wissen um den Weißen Hai geben aktuelle Forschungen: Ein Weißer Hai durchwanderte nachweislich den Indischen Ozean und legte dabei über 20.000 Kilometer zurück – und versetzte damit manchen Wissenschaftler in Erstaunen. Schließlich legte die auf den Namen „Nicole“ getaufte Weiße Haidame diese Strecke in nur neun Monaten zurück! Und schwamm die Strecke von der südafrikanischen Küste bis Australien und wieder zurück nach Südafrika in einer fast geraden Linie. Dabei orientierte sich das Tier wahrscheinlich am Erdmagnetfeld und, so vermuten die Forscher, auch an Himmelskörpern. Dafür spricht zumindest die Tatsache, dass das Tier hauptsächlich an der Wasseroberfläche schwamm.Die landläufige Meinung dass Haie sich nur in Küstengewässern und bevorzugt in Oberflächennähe aufhalten wurden durch Ergebnisse der Forschung wiederlegt. Mit Sendern versehene Tiere befanden sich unter andrem fünf Monate auf hoher See und tauchten bis 1000 Meter in die Tiefe.



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