Das Titelbild von TAUCHEN Juni 2017.
Der Stealth-Anzug im Einsatz: Bringt er Fotografen näher an Unterwasser-Lebewesen?

Der Stealth-Anzug im Einsatz: Bringt er Fotografen näher an Unterwasser-Lebewesen? © Foto: C. Meyer

Hecs Aquatic: Der Stealth-Anzug für Taucher

Hecs Aquatic kaschiert seine Anzüge mit Kohlefasern. Das soll elektrische Muskel-impulse reduzieren um näher an Tiere unter Wasser heranzukommen. Marketing-Gag oder ernst zu nehmendes Prinzip?

Fakt ist: Muskelarbeit und Gehirnströme erzeugen elektrische Impulse. Fakt ist auch: Viele marine Lebewesen sind in der Lage, diese wahrzunehmen. Rochen und bestimmte Haifischarten suchen so nach ihrer Beute. Auch Langusten, einige Delfinarten, Doktorfische, Aale und Welsartige können ihre Leckerbissen, Fressfeinde oder das Erdmagnetfeld wahrnehmen. Ein paar pfiffige Biologen aus Neuseeland haben sich deshalb Folgendes überlegt: Wenn man die elektrischen Signale unseres Körpers abschirmt, so müsste man in der Lage sein, näher an die Tiere zu gelangen. Man entwickelte ein Material aus einem Kohlefaser-Verbundwerkstoff und beklebte damit die Nasstauchanzüge. Nach dem Prinzip des Faradaykäfigs (siehe Infos unten) soll der elektrische Fingerabdruck des Menschen minimiert werden.

Ein Stealth-Anzug für Taucher?

Heraus kommt ein Anzug, der in der Theorie die elektrischen Impulse unserer Muskelarbeit auf ein Minimum reduziert. Primär für Speerfischer gedacht wird er auch für Taucher, besonders Unterwasser-Foto- oder -Videografen, empfohlen. Schlichtweg alle, die gern näher ran kommen. Zugegeben, wir sind sehr kritisch mit dem Material ins Ge-richt gegangen. Die Testvideos des Herstellers konnten uns nicht überzeugen. Warum sollen unsere elektrischen Signale, die sich im Millivoltbereich bewegen, durch Gummi hindurchdringen, aber nicht durch eine Beschichtung mit ein paar Kohlefasern? Und selbst wenn, brauchen wir dann nicht auch eine Hülle für Tauchcomputer, Lampe und Kamera? Doch alle Experten, die wir befragten, waren vorsichtig mit einer Verurteilung. Biologen, Physiker, Biomechaniker, sie alle erkannten die Grundlagen des Konzepts als richtig an, ob es funktioniere, sei aber nur im Wasser mit Tieren überprüfbar. Da es außer Welsen im See keine Fische mit Elektrorezeptoren gibt, EMG-Elektroden nur auf der Haut, nicht aber auf Nylonfasern funktionieren, konnten wir das Prinzip bisher nicht überprüfen und nur über Komfort und Tauchverhalten der Tarnkappe schreiben.