Die aktuelle Tauchen Magazin 08 2017.
Delfin im Duisburger Delfinarium in einer Show.

Delfin im Duisburger Delfinarium in einer Show. © Foto: Jasmin Jaerisch

Kommentar: Delfinarien in Deutschland verbieten!

Frankreich hat vor einigen Tagen ein Gesetz auf den Weg gebracht, dass die Haltung von Delfinen und Orcas in Delfinarien verbieten soll. Wir fragen uns: Ist so ein Vorstoß auch in Deutschland denkbar? Ein Kommentar von TAUCHEN-Chefredakteurin Jasmin Jaerisch.

Nach dem Verbot von Delfin-Haltung in Aquarien in Frankreich fordert TAUCHEN-Chefredakteurin Jasmin Jaerisch auch in Deutschland ein Umdenken:

Chefredakteurin Jasmin Jaerisch hat 2011 das Delfinarium in Duisburg besucht.

Chefredakteurin Jasmin Jaerisch hat 2011 das Delfinarium in Duisburg besucht.

„Man liebt nur, was man kennt, und man schützt nur, was man liebt“, ist ein gern verwendeter Spruch von Konrad Lorenz (Verhaltensforscher). Damit legalisieren sich Zoos, Zirkusse und andere Tier-Freizeitparks. Auch das Halten von Delfinen oder Schwertwalen in Gefangenschaft wird oft mit diesem Zitat gerechtfertigt. Ich glaube auch, dass man grundsätzlich einen leichteren Zugang zum Schutz einer Tierart hat, wenn man diese kennt, bereits live erlebt hat oder in der freien Natur beobachten konnte. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Kontakt nicht zu lasten der Tierart gehen darf.

Im Duisburger Delfinarium sind die Zuschauer haunah an den Delfinen. Ist das wirklich nötig? Foto: Jasmin Jaerisch

Im Duisburger Delfinarium sind die Zuschauer haunah an den Delfinen. Ist das wirklich nötig? Foto: Jasmin Jaerisch

Es gibt ganz klar Tiere, die sich für die Haltung in Zoos eignen, aufgrund eines eingeschränkten Bewegungsdrangs zum Beispiel, und andere, die sich ganz klar nicht eignen. Delfine oder Schwertwale sind meiner Meinung gleich aus zwei Gründen nicht dafür geeignet: Sie haben einen enormen Bewegungsdrang und sind zudem noch hochsoziale Tiere, die in engen Familien-Gruppen leben. Die wenigsten Tiere in den Delfinarien kommen aus Nachzuchten, die meisten werden im Meer gefangen, ihren Familienbanden entrissen und dann in ein monotones Betonbecken für den Rest ihres Lebens gesperrt. Das ist schon schlimm genug und die Vorstellung ist kaum zu ertragen, dass diese hochintelligenten Meeressäuger dann Kunststücke für Zuschauer vorführen müssen.

Delfinarien: Schmutziges Geschäft mit Delfinen

Der Kauf und Handel mit den Delfinen treibt aber noch ein ganz anderes, extrem schmutziges Geschäft an: das Delfin-Massaker von Taiji. In einem japanischen Küstenort werden regelmäßig ganze Schulen von Delfinen von Fischern in eine Bucht getrieben. Vor den Augen der Delfin-Familienmitglieder werden einige Tiere bei lebendigem Leib abgestochen und zerteilt. Die Bucht färbt sich vom Blut der Qualen rot. Dazwischen schwimmen junge, kleine Delfine, die von den Männern auserkoren wurden und später dann an Delfinarien verkauft werden. Völlig traumatisiert landen dann genau diese Tiere in Shows und sollen Kinder unterhalten – was für ein morbider Gedanke!



  1. Klaus

    Vielen Dank für diesen ehrlichen und fundierten Bericht. Ich habe mehrere Wochen in Taiji verbracht um das Massaker zu dokumentieren, nichts auf dieser Welt kann was da passiert auch nur annähernd entschuldigen oder wiedergutmachen. Die Haltung von Meeressäugern in Gefangenschaft muss endlich ein Ende haben, hier und jetzt.

    • Rüdiger

      Jeder lehnt Taiji ab. Nur …
      … in deutschen Delfinarien gibt es keine Taiji-Delfine. Und genau das suggeriert Frau Jaerisch, auch wenn sie es nicht explizit ausspricht.

  2. Rüdiger

    Die Delfinhaltung in Deutschland auch nur ansatzweise mit Taiji in Verbindung zu bringen, ist in meinen Augen äußerst unseriös. Damit kickt sich die Autorin – zumindest für mich – ins Aus.

  3. Rüdiger

    Die Aussage

    „Die wenigsten Tiere in den Delfinarien kommen aus Nachzuchten, die meisten werden im Meer gefangen, ihren Familienbanden entrissen und dann in ein monotones Betonbecken für den Rest ihres Lebens gesperrt. “

    ist, was deutsche Delfinarien betrifft, schlichtweg FALSCH!!!

  4. Denise

    Sie, liebe Autorin, waren doch im Delfinarium Duisburg. Warum haben Sie denn nicht gefragt, woher die Delfine kommen? Dann hätten Sie nämlich erfahren, dass bis auf zwei ältere Tiere (welche aus anderen Delfinarien in den Zoo kamen) dort zur Welt gekommen sind. Tatsächlich gab es früher Fangaktionen, die liegen allerdings Jahrzehnte zurück und fanden außerdem nicht in Taiji statt. Mittlerweile existiert schon lange ein Importverbot für Wildfänge, und die meisten Delfine in den Delfinarien der EU sind Nachzuchten, oftmals sogar in zweiter Generation (Ein Blick in die Ceta Base hätte genügt). Davon mal abgesehen, dass es sich bei den Tieren in Nürnberg und Duisburg um atlantische Große Tümmler handelt, und nicht um pazifische Exemplare, wie man sie denn vor der Küste Japans antreffen würde. Wohin die Tiere aus den Fangaktionen wirklich kommen, kann man ebenfalls der Ceta Base entnehmen. „Ich muss Sie leider enttäuschen, die Trainer waren keine „bösen“ Menschen, sondern unglaublich sympathisch. “ Bitte was? Warum ist es denn bitte enttäuschend? Weil der Leser kein neues „Hassobjekt“ vorgestellt bekommt? Die „Kunststücke für Besucher“ dienen der Beschäftigung der Tiere. Eine kommentierte Trainingseinheit, wenn man denn so möchte. Kein Tier wird dazu gezwungen und ich habe schon mehrfach selbst erlebt, wie ein Tier eben mal nicht mitmachen wollte. Ihr Futter bekommen sie trotzdem gereicht. Der „enorme Bewegungsdrang“ entsteht dadurch, dass die Tiere in freier Wildbahn für ihr Futter lange Strecken zurücklegen müssen, nicht weil sie daran einfach nur Spaß hätten, Energieverschwendung kann sich kein Wildtier leisten. Damit die Tiereim Delfinarium eben trotzdem physisch und psychisch stimuliert werden, gibt es das genannte Training und andere Formen des Enrichment. Sie müssen natürlich nicht Delfinarien befürworten, wenn es nicht ihrer Meinung entspricht. Allerdings sollte man schon bei den Fakten bleiben, vor allem, was die Fangaktionen in Taiji betrifft. Mit freundlichen Grüßen

  5. Martin

    Man muss sich schon wundern, welch ein Schmarrn manche Kommentatoren hier von sich geben. Da pickt man sich dann aus dem Ganzen ein Teil heraus, weil es gerade so zu dem eigenen Weltbild passt, und erklärt den rest als falsch.
    Wenn die Autorin hier von Delfinen, die ihrer Freiheit entrissen wurden, um für das gaffende Volk Kunsttücke vorzuführen, schreibt, dann ist das global zu sehen und nicht auf zwei Delfinarien in Deutschland runterzubrechen.
    Der einfache Leser erkennt es schon daran, dass auch die Haltung von Orcas in Gefangenschaft angesprochen wird, die es in deutschen Delfinarien nicht gibt!

    Auch finde ich es immer wieder verwunderlich, dass bei der Haltung von Delfinen in der EU daruf gepocht wird, dass es sich um Atlantische Große Tümmler handelt, die aus einer küstennahen Population stammen.
    Diskutiert man dann mal über die Sterblichkeitsraten von Delfinen, wird eine Studie einer ganz anderen Art ins Feld geführt. Warum? Ist es dann auf einmal nicht mehr wichtig aus welcher Population die Delfine kommen?

    Auch wenn der Bestand von Delfinen in den Delfinarien der EU heute aus Nachzuchten stammen, sollte man nicht ignorieren, wie viele Delfine diesen Einrichtungen bis heute zum Opfer gefallen sind.

  6. Meno Hoffmann

    Warum informiert sich die sogenannte Chefredakteurin Jasmin Jaerisch nicht erst einmal und recherchiert bei anerkannten Wissenschaftlern anstatt die Lügengeschichten der Tierrechtler ungefiltert weiterzugeben? Von einem Fachmagazin habe ich so etwas nicht erwartet. Jeder soll und hat ja seine Meinung, als Chefredakteurin , meine ich, hat man aber auch die Verantwortung, objektiv zu berichten. Sollte ihre Zeitschrift jetzt zum Sprachrohr von Steuerberater und Hobbydelfinexperte Orthmüller oder P€TA und co werden, sind Sie mich auf jeden Fall als Leser losgeworden.

  7. Meeresakrobaten

    Ich möchte mich bei der Kommentarschreiberin Denise recht herzlich bedanken. Sie bringt es auf den Punkt. Man kann nicht alle Delfinhaltungen über einen Kamm scheren.

    Was in Taiji passiert, ist grausam. Das wissen auch die Zoos in Nürnberg und Duisburg, die mit der Treibjagd in Taiji absolut nichts zu tun haben. Vielmehr werden die Zoo-Besucher bei den täglich stattfindenden Präsentationen außer über die Anatomie und das Verhalten der Delfine selbstverständlich zusätzlich über die Bedrohungen, welchen die Tiere weltweit ausgesetzt sind, informiert.

    Ich finde es einfach nur schlimm, wie gegen die beiden Einrichtungen in Deutschland gewettert und eine Schließung der Delfinarien in Duisburg und Nürnberg herbeigesehnt wird. Was kommt danach? Was ist mit den vielen Hunderttausend Delfinen und anderen Zahnwalen, die Jahr für Jahr durch Industrienetze, Unterwasserlärm und Meeresverschmutzung umkommen? Ist einem einzigen von diesen Tieren gedient, wenn die 14 Großen Tümmler (von denen neun Nachzuchten sind) aus Nürnberg und Duisburg in Einrichtungen im Ausland (eine andere Möglichkeit besteht nicht) verfrachtet werden? Ist den hier geborenen Delfinen damit gedient?

  8. Antonietta

    In vielen Meeresparks springen Delfine und Schwertwale für eine Handvoll Fische durch die Luft und machen Kunststückchen wie ferngesteuertes Spielzeug. Touristen sind begeistert von Freizeitparks, die ihnen die Möglichkeit geben, mit Delfinen zu schwimmen oder mit ihnen fotografiert zu werden. Diese Freizeitparks sind ein Millionengeschäft, die intelligente, soziale Lebewesen ausbeuten, denen man jedes natürliche Verhalten und Bedürfnis abspricht.


Schreibe einen neuen Kommentar