Die neue TAUCHEN Oktober Ausgabe 2017.
Im Juli 2015 wurde der Profi-Surfer Mick Fanning vor laufender Kamera von einem Hai angegriffen.

Im Juli 2015 wurde der Profi-Surfer Mick Fanning vor laufender Kamera von einem Hai angegriffen.

Surfer und Hai: Sportler wehrt Angriff ab

In unserer Februar-Ausgabe geht es unter anderem um die Beziehung zwischen Mensch und Hai. Besonders Surfer treffen immer wieder auf die Raubtiere. Wir zeigen wo sich die gefährlichsten Strände der Welt befinden.

In unserer Februar-Ausgabe 2016 erklärt unser Autor Christian Kemper was es mit dem Mythos Hai auf sich hat. Die Beziehnung zwischen dem Raubtier und uns Menschen ist problematisch. Auch weil es immer wieder zu schicksalhaften Zusammentreffen zwischen Surfern und Haien kommt. Im Sommer 2015 gingen dramatische Bilder von der Küste Südafrikas um die Welt: Der australische Surf-Profi Mick Fanning (34) wehrte vor laufenden Kameras eine Hai-Attacke erfolgreich ab und entwischte dem Raubfisch unverletzt. „Er tauchte auf und verfing sich in meiner Fußleine“, schilderte der dreimalige Weltmeister Fanning, der zusammen mit seinem Landsmann Julian Wilson im Finale des World-Tour-Events auf eine gute Welle wartete, die entscheidenden Sekunden: „Ich trat um mich und schrie. Ich habe nur die Rückenflosse gesehen.“ Der Hai hatte Fanning von seinem Board geschubst. Rettungskräfte zogen den Australier, der letztlich nur seine Fußleine verloren hatte, aus dem Wasser. Es war sogar noch ein zweiter Hai in der Nähe der Surfer gesichtet worden. Die Veranstaltung wurde abgebrochen. Die Mutter von Fanning hat die Hai-Attacke auf ihren Sohn bei einem Surf-Wettbewerb live im Fernsehen mit angesehen. „Ich bin aufgesprungen und hätte am liebsten in den Fernseher gefasst, um ihn zu retten“, berichtete Elizabeth Osborne dem australischen Sender ABC. Sie habe ihren Augen nicht getraut, als sie die Flosse sah, sagte Osborne. Das Tier rammte das Surfboard und ihr Sohn fiel ins Wasser. Einige Sekunden sei er hinter einer Welle verschwunden. „Ich dachte: das war’s, aber dann sah ich, dass alles in Ordnung war und ich habe dem Universum gedankt, dass ihm kein Bein fehlte.“ Ihr anderer Sohn Sean starb vor 17 Jahren bei einem Autounfall.

Bildschirmfoto 2016-01-21 um 12.06.00

Dies sind weltweit die gefährlichsten Strände der Welt:

  1. Hawaii: Die meisten Hai-Angriffe passieren vor Maui. In den Gewässern um die Inseln gibt es etwa 40 verschiedene Haiarten
  2. Kalifornien: Vor Bolinas Beach, nördlich von San Francisco, leben etwa 2000 Weiße Haie
  3. Florida: Am New Smyrna Beach, der „Welthauptstadt der Haiangriffe“, gibt es manchmal drei Haiangriffe pro Tag!
  4. Brasilien: Zwischen 1992 bis 2011 kam es im Bundesstaat Pernambuco zu 59 Attacken, 36 Prozent endeten tödlich. Die meisten Angriffe gab es am Strand von Recife
  5. Südafrika: Am Second Beach bei Port St. Johns kam es zu acht Todesfällen durch Haie seit 2007
  6. La Réunion: Seit 2011 starben vor der Westküste sieben Menschen durch Haie
  7. West-Australien: An der Westküste gab es von 2010 bis 2014 acht Tote

 

Kommentar von TAUCHEN-Redakteurin Jasmin Jaerisch:

Surfer leben lieber gefährlich

„Trifft ein Surfer auf einen Hai, treffen nicht einfach Mensch und Tier aufeinander, sondern gutes Image auf böses Image. Der Surfer verkörpert den jungen, wilden, der das Meer liebt, leidenschaftlich lebt und einfach von Grund auf an symphytisch ist. Nicht zu vergessen unglaublich gut aussieht – zumindest manchmal. Auf der anderen Seite: der Hai. Ein Raubtier mit scharfen Zähnen, das im Meer sein Unwesen treibt und der Star menschlicher Alpträume ist. Die natürliche Umgebung des Menschen ist das Land, die des Hais das Wasser. Der Hai kann nicht anders, er lebt schon seit 400 Millionen Jahren im Ozean. Der Mensch, wohlbemerkt erst seit sieben Millionen Jahren auf der Erde, hat da ganz andere Möglichkeiten, er betritt gerne neue Ufer und wagt sich ins Wasser. Wir Taucher tun das auch, die meisten von uns freuen sich, überhaupt mal einen Hai zu sehen. Der Surfer dagegen, scheint nicht damit zu rechnen. Warum sonst wagen sich die Sunnyboys genau an den Stränden der Welt wie vor Kalifornien, Südafrika und Australien ins Wasser, die als Hochburgen der Haie gelten? Frühmorgens oder selbst noch nach Sonnenuntergang sieht man sie der nächsten Welle nachjagen. Ist ihnen klar, dass unter ihrem Bord das Reich der Raubtiere ist? Sie von unten aussehen wie eine Robbe, der Leibspeise eines Weißen Hais zum Beispiel. Selbst kleine Kinder werfen sich aufs Surfboard und verbringen Stunden völlig ungeschützt im Wasser. Natürlich setzen sie danach aber ihren Fahrradhelm für den Nachhauseweg auf. Ist das nicht paradox? Haben die Eltern jemals vom elektrischen Schutzschild für Surfer gehört? Ja, tatsächlich: Es gibt eine Apparatur, die Wassersportler vor Haien schützt. Stattdessen kommt es nach einem Hai-Unfall zu Massenprotesten von Surfern, wie auf der Insel La Reunion im Indischen Ozean, die tatsächlich das Abschlachten der Haie vor der Küste einfordern.

Im jüngsten Zwischenfall konnte Mick Fanning einen Weißen Hai vor Südafrika entkommen. Ob es ein echter Hai-Angriff war, bleibt zweifelhaft. Natürlich sind alle froh, dass dem Profi–Surfer nichts passiert ist. Ich auch! Manche Journalisten allerdings nahmen den Vorfall zum Anlass, ein paar Fragen zu stellen: ‚Was Haie bei einer Surf-Meisterschaft überhaupt im Wasser zu suchen haben?‘ Oder ‚Ob es nicht möglich sei, die Tiere wegzusperren?‘ Diese Kommentare sind ernstgemeint. Leider. Es macht traurig, zu erkennen, dass die Tatsache immer noch nicht in den Köpfen der Menschen angekommen ist, dass die Natur nicht zähmbar ist, sondern wild. Gott sei dank!“




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