Hunderte Fahnenbarsche suchen über roten Gorgonien nach Nahrung. Foto: S. Riccardo

Hunderte Fahnenbarsche suchen über roten Gorgonien nach Nahrung. Foto: S. Riccardo

Rund ums Mittelmeer – wissenswerte Infos und Mittelmeerfische im Porträt

Das Mittelmeer ist ein Hotspot der Artenvielfalt und wird jährlich von etwa 200 Millionen Menschen besucht. Wir beleuchten einen Lebensraum der Extraklasse und stellen in einem Fish-Guide bekannte Mittelmeerbewohner vor.

Es ist schnell erreichbar, hat tolle Tauchgebiete und schönste Küsten –  kein Wunder, dass das Mittelmeer bei Tauchern so bliebt ist. Doch das ist lange noch nicht alles, denn das Mare Nostrum steckt dazu noch voller Überraschungen und Einzigartigkeiten. Wussten Sie, dass es vor vielen, vielen Jahren Mini-Elefanten auf Sizilien gab? Lassen Sie sich von unseren Facts übers Mittelmeer überraschen!

Das zeichnet das Mittelmeer aus

Werfen wir zuerst einen Blick auf die Besonderheiten des Mare Nostrums.

Was ist ein Mittelmeer?

Mittelmeere sind Nebenmeere, die zwischen verschiedenen Kontinenten liegen. Das Europäische Mittelmeer ist ein Nebenmeer des Atlantischen Ozeans und mit ihm durch die Straße von Gibraltar verbunden. Umgeben ist es von den Kontinenten Afrika, Europa und Asien. Weitere Mittelmeere sind das Schwarze Meer und das Marmarameer zwischen Asien und Europa, der Arktische Ozean zwischen Amerika, Asien und Europa, das Australasiatische Mittelmeer zwischen Asien und Australien, das Rote Meer zwischen Afrika und Asien und das Amerikanische Mittelmeer (Karibisches Meer und Golf von Mexiko) zwischen Nord- und Südamerika.

Das Mittelmeer in Fakten

Es besitzt eine Fläche von 2,5 Millionen Quadratkilometern. Die mittlere Tiefe liegt bei 1400 Metern, die tiefste Stelle beträgt über 5267 Meter südlich von Griechenland. Das Mittelmeer ist von über 20 Ländern umgeben, die mehr als 300 Millionen Bewohner besitzen. Es gibt fast 5000 Inseln im Mare Nostrum, die größte davon ist Sizilien, gefolgt von Sardinien.

Die Entstehung

Das Mittelmeer entspringt dem erdzeitlichen Tethysmeer, das zwischen der Eurasischen und der Afrikanischen Platte entstand und auf eine sehr wechselvolle Geschichte zurückblickt. Noch vor fünf bis sechs Millionen Jahren war das Mittelmeer vom Atlantik abgetrennt. Anschließend öffnete sich die Verbindung und das bis auf einige Salzseen ausgetrocknete Mittelmeer wurde wieder mit frischem Meerwasser aufgefüllt. Auch während der Eiszeiten, die den Wasserspiegel absenkten, bestand eine Verbindung zum Atlantik, jedoch nicht zum Schwarzen Meer, da die unterseeische Schwelle hier nur maximal 55 Meter beträgt.

Der Wasserhaushalt des Mittelmeeres

Der Wasserkörper des Mittelmeeres umfasst 3,7 Kubikkilometer. Aufgrund der kräftigen Sonneneinstrahlung ergibt sich eine sehr hohe Wasserverdunstung, die höher ist als der Zustrom der stark regulierten Süßwasserflüsse wie der Po in Italien, die Rhone in Frankreich und der sehr stark eingeschränkte Nil in Ägypten. Dieser Wasserverlust muss durch das Meerwasser aus dem Atlantik ausgeglichen werden. Der dafür nötige Zustrom durch die nur 286 Meter tiefe Straße von Gibraltar ist gewaltig – 1,75 Milliarden Tonnen Atlantikwasser strömen in der Sekunde ins Mare Nostrum. Die fehlenden Süßwasserzufuhren führen auf Dauer zu einer zunehmenden Versalzung des Mittelmeeres. Schon heute liegt der durchschnittliche Salzgehalt des Nebenmeeres bei zwei bis drei Promille über dem des Atlantiks. Hierbei nimmt der Salzgehalt in Richtung Osten immer weiter zu. Das liegt an der stärkeren Sonneneinstrahlung und somit auch größeren Verdunstung. Parallel dazu findet man auch eine Abnahme der Artenvielfalt Richtung Osten – die meisten Tiere des Mittelmeeres sind einfach noch nicht an die erhöhten Salzgehalte in diesen Regionen gewöhnt. Übrigens: Bestände keine Verbindung mehr zwischen dem Mittelmeer und dem Atlantik, würde der Meeresspiegel des Mittelmeeres durch die hohe Verdunstung um etwa einen Meter im Jahr sinken!

Die Mini-Elefanten des Mittelmeeres

Foto: eyetronic/Fotolia

Unglaublich, aber es gab vor 30 000 Jahren noch Zwergelefanten auf Sizilien. Sie waren zwar nur so groß wie ein Pony, aber immerhin! Die kleinwüchsigen Elefantenformen haben sich im Eiszeitalter auf verschiedenen Inseln entwickelt. Auch auf Malta gab es die Miniatur-Elefanten, sie starben aber bereits vor 50 000 Jahren aus. Die einzigen Zwergformen haben bis heute auf der indonesischen Insel Borneo überlebt.

Bedrohte Robben

Robben sind einfach nur süß, aber leider schützt sie das nicht! Das Mittelmeer besitzt sogar eine eigene Robbenart: die sehr seltene Mittelmeer-Mönchsrobbe. Allerdings existieren nur noch einige hundert Exemplare. Die größte Chance, auf das seltenste europäische Säugetier zu treffen, gibt es vor den griechischen und türkischen Küsten.

Hotspot der Biodiversität

Tatsächlich gilt das Mittelmeer als ein „Hotspot der Biodiversität“. Obwohl es nur 0,8 Prozent der Meeresoberfläche aller Ozeane repräsentiert, zählt eine aktuelle Inventur circa 17 000 Arten. Das entspricht 4 bis 18 Prozent aller marinen Spezies auf der Welt.

Eine klare Gliederung muss sein

Wussten Sie, dass das Mittelmeer aus zehn verschiedenen Meeresregionen zusammengesetzt ist? Von West nach Ost: Alboránmeer, Balearenmeer, Ligurisches Meer, Tyrrhenisches Meer, Adratisches Meer, Ionisches Meer, Libysches Meer, Ägäisches Meer, Marmarameer und Levantisches Meer.

Weiße Haie im Mittelmeer

Unglaublich, aber wahr: Es gibt Weiße Haie im Mittelmeer! Die Tiere leben meist küstenfern und ernähren sich von Delfinen, Thunfischen, Schildkröten, anderen Haien und Rochen. Unfälle mit Menschen sind selten. Es gibt insgesamt 55 nachgewiesene Angriffe von Weißen Haien auf Menschen im Mittelmeer. Allerdings erstrecken diese sich auf einen Zeitraum von insgesamt 300 Jahren.

Der erste mediterrane Meeresbiologe

Aristoteles (384–322 v. Chr.) war der erste mediterrane Meeresbiologe! Er beschrieb eine Vielzahl von Tierarten und untergliederte das Tierreich in verschiedene Gruppen, die zum Teil noch heute Gültigkeit haben. Nicht so wissenschaftlich zutreffend war aber die Einteilung der Lebewesen in „essbar“ und „nicht essbar“.

So wurde der Nil vom Haupt- zum Zufluss

Ursprünglich war der Nil nicht nur eine Quelle für frühere Hochkulturen an seinen Ufern, sondern er war auch noch eine der Hauptsüßwasserquellen des Mittelmeeres. Mit einer Länge von über 6600 Kilometern gilt er als längster Fluss der Welt. Er entspringt in den Bergen von Ruanda und Burundi und entließ früher bis zu 95 Kubikkilometer Wasser in das Mittelmeer. Durch den Assuan-Staudamm und die Wasserentnahme der Landwirtschaft ist dieser Anteil auf fünf Kubikkilometer geschrumpft. Damit ist der Nil von seiner Nummer-eins-Stellung als Hauptwasserlieferant nun zum „kleinen Zufluss“ an die 46. Stelle gerückt. Derzeit bringen alle „kleinen Zuflüsse“, also inklusive Nil, insgesamt 50 Kubikkilometer Süßwasser in das Mittelmeer ein.

Bio-Invasoren erobern das Mittelmeer

Dank menschlichen Zutuns besteht seit 1869 eine Verbindung über den für die Schifffahrt und den Welthandel so wichtigen Suezkanal zum Roten Meer. Der Erbauer, der französische Architekt Ferdinand de Lesseps, war auch namensgebend für den anschließenden Austausch von Lebewesen zwischen Mittel- und dem Roten Meer.

Die Tiere, die vom Roten Meer eingewandert sind, fallen unter den Begriff der Lessepschen Migration, umgekehrt wird sie Antilessepsche Migration genannt. Diese Tiere konnten sich oft gut etablieren, da das Mittelmeer durch den Klimawandel immer wärmer wird. Nach Meinung vieler Experten hat sich die Anzahl der tropischen ins Mittelmeer eingewanderten Fischarten in den letzten Jahrzehnten um über 100 Arten erhöht.

Neben diesen Fischen wandern natürlich auch noch andere wirbellose Tiere ein und verändern die Flora und Fauna des Mittelmeeres. Infos über die eingewanderten Arten findet man auf www.ciesm.org/atlas/appendix1.html

Killeralge auf dem Vorsprung

Wussten Sie, dass sich die „Killeralge“ Caulerpa taxifolia im Mittelmeer breitmacht? Die Algenart, die ursprünglich aus dem Pazifik stammt, wurde durch ein Meeresmuseum eingeschleppt und breitet sich seitdem kräftig aus. Grund ist unter anderem die Tatsache, dass sie sich ungeschlechtlich vermehrt und aufgrund ihrer Giftigkeit kaum Fressfeinde hat. Schädlich für die Flora und Fauna des Mittelmeeres ist sie, da sie die wichtigen Seegraswiesen einfach überwuchert und zum Absterben bringt.

Fish-Guide fürs Mittelmeer

Diese Lebewesen kann man im Mittelmeer besonders häufig beobachten:

Großer Roter Drachenkopf
Gemein, aber dieser Fisch wird auch Meersau genannt. Er verharrt meist bewegungslos auf dem Grund, wo er gut getarnt auf Beute lauert. Achtung: Seine Rücken- und Afterflossenstrahlen sind giftig, bei Kontakt kann es zu heftigen Schmerzen kommen.

Gorgonien und Gelbe Krustenanemonen
Die verzweigten und fächerartigen Gorgonien (im Foto violett gefärbt) sind an strömungsreichen Spots zu finden. Sie fangen mit ihren Tentakel Plankton aus dem Wasser. Die Gelben Krustenanemonen kann man besonders häufig an Überhängen, Wänden und in Höhleneingängen finden.

Goldstriemen
Die Meerbrasse ist gut an ihren gelben Streifen zu erkennen und zieht in Schwärmen über Felsen und Seegraswiesen hinweg. Bemerkenswert ist: Die Tiere werden zunächst als Männchen geschlechtsreif, wandeln sich aber später dann in geschlechtsreife Weibchen um.

Mittelmeere-Muräne
Die schlangenförmigen Muränen werden bis zu 150 Zentimeter lang und sind im gesamten Mittelmeer verbreitet. Am ehesten sieht man sie zur Dämmerung und in der Nacht, dann gehen sie auf die Jagd nach Krebsen, Fischen und Kopffüßern. Sie sind sehr standorttreu und haben feste Reviere.

Heringskönig
Selten zu sehen, dann aber ein lustiger Geselle. Der Heringskönig, der mit Heringen nichts am Hut hat, außer, dass er sie frisst, sieht mit seiner Rückenflosse etwas struppig aus. Er ist im Mittelmeer ein teurer Speisefisch. Bis zu 20 Kilogramm kann der flinke Jäger auf die Waage bringen.

Meerpfauen
Diese Lippfischart zählt zu den buntesten Fischarten des Mittelmeeres. Sie leben in kleineren Gruppen gerne über Felsen und an Überhängen. Ihre Eigenart: Ab einer Länge von etwa 90 bis 120 Millimetern wechseln alle Weibchen ausnahmslos ihr Geschlecht und werden zu Männchen.

Langschnauziges Seepferdchen
Diese schönen Tiere sind nur schwer zu entdecken, sie schwimmen so gut wie nie und verstecken sich im Seegras oder in Algen. Ihr geringelter Schwanz dient nicht nur zum Festhalten an den Algen, sondern hat auch die Funktion eines Steuers beim Schwimmen. Besonderheit: Die Jungen wachsen beim Männchen in einer Bruttasche heran.