Atemregler Technik

Reisefreundlich & kaltwassertauglich: der Atemregler Mares 62X

Bereits letztes Jahr stellte Mares den Atemregler Atlas ADJ 62X TBP vor. Nun folgt der kleine Bruder ohne die Stellschraube für den Atemwiderstand und ohne den doppelt balancierten Kolben. Dafür mit kompakter erster Stufe.

Titel: Alexander Kassler
Artikel: Benjamin Schulze

Der Titel dieses Beitrags wäre so bis vor einigen Jahren in sich widersprüchlich. Denn um eine möglichst hohe Sicherheit gegen Atemregleraussetzer (Freeflow oder Blockade) wegen Vereisung zu erreichen, mussten Lungenautomaten mit großen Querschnitten ausgestattet sein. Ausserdem bestenfalls aus Metall und nicht aus Kunststoff bestehen. Groß und aus Metall bedeutet schwer. Also nicht reisefreundlich. Das ändert sich jetzt.

Die 1. Stufe

Nun gibt es von Mares den Atemregler Atlas 62X. Die erste Stufe 62X bringt zusammen mit der zweiten Stufe Atlas lediglich 961 Gramm auf die Waage. Mit Inflatorschlauch und Finimeter sind es dann nur 1,3 Kilogramm. Ein niedriger Wert für einen Vollmetall-Atemregler.

In der Hand gehalten, kommt mir die 62X klein, ja geradezu süß vor. Ich habe einige Tauchgänge mit dem Gerät gemacht. So war ich im Blausteinsee bei Düren auf 38 Meter Tiefe. Dort herrschten sechs Grad Celsius. Trotz absichtlichem hastigen Überatmen und 20 Sekunden Luftdusche-Drücken konnte ich keinen Vereisungsmoment herauskitzeln.

Durch große Querschnitte und eine clevere Gasführung in der ersten Stufe liefert der Regler sehr gute Ergebnisse bei Kälte und Tiefe. Die Membransteuerung ist ebenfalls ein Schlüsselelement bei der Anfälligkeit gegen Vereisungsfehler.

Sehr schön sind die vororientierten Schlauchabgänge an der 62X. Sie sind für den Sporttaucher in beiden Konfigurationen (Mono- oder Doppelventil) gut anwendbar. Durch das AST-System kann beim drucklosen Atemregler während des Spülens kein Wasser in die erste Stufe gelangen. Auch Schmutzeintritt wird damit ebenfalls zuverlässig verhindert. Es ist serienmäßig verbaut.

Das ist bei einem Atemregler mit diesen Abmessungen eine sehr solide Leistung. Sollte ein noch größerer Bedarf an Vereisungssicherheit bestehen, ist das sogenannte Twin-Balanced-Piston-System (TBP), eine Kapselung der ersten Stufe, optional nachrüstbar. Die Kosten dafür belaufen sich auf 125 Euro für das Material plus Servicekosten, die je nach Werkstatt variieren können. Achtung: Das Aufrüsten kann nur durch einen autorisierten Mares-Techniker geschehen.

Die 2. Stufe

Die zweite Stufe Atlas kommt ohne den Zusatz ADJ (adjustable) aus. Das bedeutet: Eine Stellschraube für den Atemwiderstand gibt es nicht. Der Atemregler wird ab Werk oder vom Techniker sauber eingestellt. Für den Nutzer und die Nutzerin macht es das Tauchen denkbar einfach. Denn auch einen Venturi-Hebel sucht man vergeblich. Einfach anschließen und los. Abblasen, durch ungenau eingestellte Hebel und Schrauben, geschieht so nicht. Durch das VAD-System (das kleine Bypass-Röhrchen) wird auf allen Tiefen für einen gleichbleibenden Atemkomfort gesorgt.

Zur Atemcharakteristik

Wer den klassischen Mares Abyss kennt, fühlt sich durch den Atlas sehr stark an ihn erinnert. Die Initial-Einatmung fällt leicht. Dann schiebt der Atemregler kräftig nach. Kennt man dieses »Schieben« nicht, ist es beim ersten Tauchgang gewöhnungsbedürftig. Mares-Jünger schätzen genau diesen Effekt, der beim Atlas klar vorhanden ist.

Gefühlt minimiert dies die Atemarbeit. Gemessen auf der Prüfbank, fällt die Ein- und Ausatemarbeit tatsächlich gering aus. »Luftduschen« dagegen gibt es üppig. Selbst mit dicken Trocki-Handschuhen kann man den großen Knopf treffsicher bedienen, denn er ist schlicht und ergreifend riesig.

Fazit

Knapp 600 Euro muss man für diesen Allrounder auf den Tisch legen, zuzüglich Finimeter und Oktopus. Dafür erhält man eine zweite Stufe aus Metall ohne Schnickschnack, der Bedienungsfehler provozieren könnte. Die erste Stufe stellt vor allem als Kaltwasserkombi mit zwei getrennten ersten Stufen für die allermeisten Tauchgänge in unseren Breiten genügend Sicherheit in punkto Vereisung bereit. Der Preis ist hinsichtlich des vielfältigen Einsatzgebiets und der hohen Fertigungsqualität völlig gerechtfertigt.

Weitere Infos unter www.mares.com