Biologie

Die seltsamsten Meerestiere der Welt

Stand: November 2026

Unheimliche Riesenkalmare, Fische ohne jeden Anstand und Krebse, die so manches Filmmonster in den Schatten stellen: Das sind die seltsamsten Meerestiere der Welt – und das steckt hinter ihren merkwürdigen Formen und Gewohnheiten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die meisten Seltsamkeiten sind Anpassungen: an die Tarnung (Fetzenfisch, Mimik-Oktopus), an die Tiefsee (Anglerfisch, Glaskopffisch, Vampirtintenfisch) oder an ein Leben als Parasit (Zungenassel, Eingeweidefisch).
  • Viele dieser Tiere kannst du beim Tauchen selbst sehen, etwa Anglerfische, Bobbit-Würmer, Mimik-Oktopusse oder Coleman-Partnergarnelen, vor allem in Indonesien und auf den Philippinen.
  • Manche Legenden halten nicht: Der Vampirtintenfisch saugt kein Blut, und der Candirú ist für Badende kaum eine Gefahr.

Japanische Riesenkrabbe

Japanische Riesenkrabbe mit langen Beinen
Mit bis zu 3,7 Meter Spannweite hat die Japanische Riesenkrabbe beachtliche Ausmaße (Foto: Deutsches Meeresmuseum).

Sie ist gigantisch und auf den ersten Blick furchteinflößend. Die Japanische Riesenkrabbe (Macrocheira kaempferi) wiegt bis zu 19 Kilogramm, ihr Panzer misst fast 40 Zentimeter, und die ausgestreckten Beine bringen es auf bis zu 3,7 Meter Spannweite – mehr als bei jedem anderen Gliederfüßer. Sie lebt vor Japan meist in 150 bis 300 Metern Tiefe. Noch Fragen? In Japan gilt sie übrigens als Delikatesse.

Schafskopf-Lippfisch

Männlicher Schafskopf-Lippfisch mit Stirnbeule
Bei den Schafskopf-Lippfischen tragen die Männchen eine angeschwollene Stirn (Foto: WDR/BBC Der Blaue Planet).

Männliche Asiatische Schafskopf-Lippfische (Semicossyphus reticulatus) sind mit ihrer gewaltigen Stirnbeule und dem kräftigen Kinn echte Machos – mit einem gut gehüteten Geheimnis: Sie waren nicht immer Männchen. Wie viele Lippfische beginnen sie ihr Leben als Weibchen. Ältere Weibchen können ihr Geschlecht wechseln; dabei schwillt die Stirn an, und die Färbung ändert sich. Berühmt wurde die Verwandlung durch die BBC-Serie »Der Blaue Planet«.

Igelwurm

Grüner Igelwurm mit ausgestrecktem Rüssel
Beim Grünen Igelwurm leben die winzigen Männchen im Körper des Weibchens (Foto: Jkirkhart35/Wikipedia).

Extremer kann der Größenunterschied zwischen den Geschlechtern kaum sein: Beim Grünen Igelwurm (Bonellia viridis) wird das Weibchen bis zu 15 Zentimeter lang, die Männchen nur ein bis drei Millimeter. Sie leben in den Eileitern des Weibchens und haben nur eine Aufgabe: für Nachwuchs sorgen. Ob aus einer Larve ein Männchen oder ein Weibchen wird, entscheidet der Zufall: Landet sie auf einem Weibchen, wird sie zum Männchen, sonst selbst zum Weibchen.

Koboldhai

Koboldhai mit langer, abgeflachter Schnauze
Die Familie der Koboldhaie reicht rund 125 Millionen Jahre zurück.

Lange, abgeflachte Schnauze, nadelspitze Zähne und ein Kiefer, der beim Zubeißen weit nach vorn schnellt: Der Koboldhai (Mitsukurina owstoni) ist keine Schönheit, schafft es aber immer wieder in die Schlagzeilen. Seine Familie reicht rund 125 Millionen Jahre zurück. Weil er meist in 300 bis 1300 Metern Tiefe lebt, wird er nur selten gesichtet.

Quastenflosser

Quastenflosser im Freiwasser
Quastenflosser galten als ausgestorben, bis 1938 ein lebendes Exemplar gefangen wurde (Foto: Blancpain, Ocean Commitment).

Quastenflosser galten als Paradebeispiel für ein ausgestorbenes Tier – bis 1938 vor Südafrika ein lebendes Exemplar ins Netz ging. Ihre Fossilgeschichte reicht rund 400 Millionen Jahre zurück, und äußerlich haben sie sich seitdem wenig verändert. Spannend sind sie, weil sie zu den Fleischflossern gehören, aus deren Verwandtschaft die Landwirbeltiere hervorgegangen sind. Unsere direkten Vorfahren sind sie aber nicht: Näher mit den Landwirbeltieren verwandt sind die Lungenfische. Erst 1987 gelang es, Quastenflosser vor den Komoren in ihrem natürlichen Lebensraum zu filmen.

Coleman-Partnergarnelen

Zwei Coleman-Partnergarnelen auf einem Feuerseeigel
Coleman-Partnergarnelen leben paarweise auf Feuerseeigeln (Foto: W. Pölzer).

Sie leben auf Feuerseeigeln und richten sich dort häuslich ein: Coleman-Partnergarnelen (Periclimenes colemani) zwicken auf ihrem Wirt Stacheln und Füßchen ab und schaffen sich so eine freie Fläche. Meist leben sie als Pärchen dauerhaft auf einem Seeigel, geschützt durch dessen giftige Stacheln. Wo du solche Winzlinge findest, steht in Aliens der Meere – die zehn besten Critter-Tauchplätze der Welt.

Gespensterkrebs

Gespensterkrebse auf einem Tangwedel
Aliens im Miniformat: Gespensterkrebse auf einem Tangwedel (Foto: W. Pölzer).

Diese Minimonster gibt es wirklich – und zwar vor unserer Haustür. Gespensterkrebse sind Flohkrebse mit stabförmigem Körper, die sich mit Klammerbeinen an Algen und Hydroidpolypen festhalten. Der Japanische Gespensterkrebs (Caprella mutica) ist robust, verträgt große Schwankungen von Temperatur und Salzgehalt und breitet sich seit den 1990er-Jahren in der Nordsee aus. Ob er mit dem Ballastwasser von Schiffen oder mit Zuchtaustern kam, ist nicht geklärt.

Glaskopffisch

Glaskopffisch mit durchsichtigem Kopf und grünen Augen
Durch den durchsichtigen Kopf sieht man die grünen Augen des Glaskopffischs (Foto: 2004, MBARI).

Der Glaskopffisch (Macropinna microstoma) hat einen durchsichtigen, flüssigkeitsgefüllten Kopfschild. Was wie zwei Augen aussieht, sind Riechorgane; die eigentlichen Augen sind die grünen Kuppeln im Inneren. Sie lassen sich nach oben und nach vorn drehen, so behält der Tiefseefisch seine Beute im Blick. Forscher vermuten, dass er Staatsquallen die Beute stiehlt und der Schild ihn dabei vor Nesselzellen schützt.

Mondfisch

Mondfisch im blauen Freiwasser
Der Mondfisch besitzt eine der ungewöhnlichsten Fischformen im Ozean (Foto: F. Banfi).

Wie ein riesiger Mühlstein treibt der Mondfisch gemächlich durchs Meer. Mondfische sind die schwersten Knochenfische der Welt: Das Rekordexemplar, ein Südlicher Mondfisch (Mola alexandrini), wog 2.744 Kilogramm. Außerdem gilt der Mondfisch als fruchtbarster Fisch: Ein Weibchen kann rund 300 Millionen Eier tragen.

Riemenfisch

Riemenfisch mit langem, bandförmigem Körper
Vorbild für etliche Seeungeheuer-Geschichten: der Riemenfisch (Foto: Sandstein/Wikipedia).

Warum er so heißt? Er ist lang und flach wie ein Riemen. Der Riemenfisch (Regalecus glesne) gilt als längster lebender Knochenfisch und wird nachweislich bis zu acht Meter lang; Berichte über noch längere Tiere sind nicht belegt. Er lebt meist in der Tiefe und wird selten gesehen, am ehesten, wenn ein geschwächtes Tier an die Oberfläche kommt oder strandet. Kein Wunder, dass Seefahrer ihn für eine Seeschlange hielten. Mehr dazu: Seeungeheuer: Diese seltsamen Kreaturen wurden weltweit an die Strände gespült.

Kegelschnecke

Kegelschnecke mit gemustertem Gehäuse
Kegelschnecken sehen harmlos aus, haben es aber faustdick hinter der Schale (Foto: Kora27/Wikipedia).

Jetzt wird es gefährlich, und zwar richtig. Kegelschnecken sehen harmlos aus, sind aber Giftjäger: Mit einem harpunenartigen Zahn spritzen sie ein hochwirksames Nervengift in ihre Beute, je nach Art Würmer, Schnecken oder Fische. Warum so viel Gift? Weil die Schnecken sehr langsam sind, muss jeder Schuss sitzen. Auch für Menschen kann ein Stich tödlich sein, siehe Die 20 gefährlichsten Meerestiere der Welt.

Himmelsgucker

Himmelsgucker im Sand eingegraben
Was für ein gruseliger Anblick: Ein Himmelsgucker liegt im Sand vergraben (Foto: F. Banfi).

Was für ein Träumerle! Himmelsgucker liegen mit ihrem massigen Körper im Sand vergraben und warten auf Beute; nur die nach oben gerichteten Augen und das Maul schauen heraus. Hinter den Kiemendeckeln tragen sie Giftstacheln. Wäre es nicht netter, wenn sie auch mal lächeln würden?

Zigarrenhai

Kleiner Zigarrenhai mit dunklem Halsband
Ganz schön hinterlistig: Zigarrenhaie beißen anderen Meeresbewohnern runde Fleischstücke aus der Haut (Foto: M. Conrath).

Sympathiepunkte gewinnt dieser Hai nicht. Der Zigarrenhai heißt auf Englisch Cookiecutter Shark, Plätzchenausstecher-Hai – und genau so frisst er: Er saugt sich mit den Lippen an seinem Opfer fest, dreht sich und stanzt mit den scharfen Unterkieferzähnen ein rundes Stück Fleisch heraus. Solche Narben finden sich bei Thunfischen, Haien, Walen und See-Elefanten. Sogar die Gummiverkleidung von U-Boot-Sonaren hat er schon beschädigt.

Salpen

Kette aus durchsichtigen Salpen im Freiwasser
Salpen sehen aus wie Quallen, gehören aber zu den Manteltieren (Foto: P. Colla).

Falls du diese Glibberkette für Plastikmüll hältst: Es sind Salpen. Die frei schwimmenden Manteltiere sind näher mit Wirbeltieren verwandt als mit Quallen. Sie wechseln zwischen zwei Generationen: Einzeltiere bringen ungeschlechtlich lange Ketten aus geklonten Tieren hervor, die sich wiederum geschlechtlich fortpflanzen. Salpen filtern riesige Mengen Plankton und können sich bei gutem Nahrungsangebot explosionsartig vermehren. Also: Geh das nächste Mal etwas behutsamer mit der Glibbermasse um.

Zottiger Anglerfisch

Zottiger Anglerfisch mit haarigen Hautfortsätzen
Mit einer Angel lockt der Zottige Anglerfisch seine Beute vor das Maul (Foto: N. Probst).

Bewegungslos sitzt der Zottige Anglerfisch (Antennarius hispidus) am Grund und wartet. Um Beute anzulocken, schwenkt er direkt vor dem Maul eine Angel: Der erste Stachel seiner Rückenflosse ist zur Rute umgebildet, an deren Ende ein Köder sitzt. Kommt ein Fisch nah genug, reißt er das Maul auf und saugt ihn in Sekundenbruchteilen ein – ein Entkommen ist aussichtslos.

Seewalzenkrabbe

Seewalzenkrabbe auf einer Seegurke
Seewalzenkrabben leben ihr ganzes Leben auf einer Seegurke (Foto: D. Fleetham).

Seegurken sind das Zuhause der nur wenige Zentimeter großen Seewalzenkrabbe (Lissocarcinus orbicularis). Sie passt sich farblich ihrem Wirt an und ist nur mit geschultem Blick zu erkennen. Wird es brenzlig, versteckt sie sich manchmal sogar im After der Seegurke. Für uns ein schräges Zuhause, für den kleinen Krebs ein sicherer Hafen.

Seenadel

Seenadel zwischen Seegrashalmen
Seenadeln sind perfekt an ihren Lebensraum, die Seegraswiesen, angepasst (Foto: W. Pölzer).

Seegraswiesen sind langweilig? Nur, wenn du nicht genau hinschaust. Dann entdeckst du vielleicht Seenadeln, die wie Halme zwischen den Gräsern stehen. Die nahen Verwandten der Seepferdchen lauern bewegungslos auf Kleinkrebse und saugen sie mit ihrer röhrenförmigen Schnauze ein. Auch bei ihnen tragen die Männchen den Nachwuchs aus.

Bobbit-Wurm

Bobbit-Wurm mit geöffneten Kiefern im Sand
Bobbit-Würmer sehen aus wie Monster aus einem Science-Fiction-Film (Foto: W. Pölzer).

Jetzt wird es fies. Der Bobbit-Wurm (Eunice aphroditois) ist ein schillernder Borstenwurm, der bis zu drei Meter lang werden kann – doch meist ragt nur sein Kopf mit den aufgeklappten Kiefern aus dem Sand. Kommt ein Fisch zu nahe, schnappt er blitzschnell zu und zieht die Beute in seine Röhre. Dann ist nichts mehr von ihm zu sehen, bis der Hunger ihn wieder nach oben treibt.

Mimik-Oktopus

Mimik-Oktopus auf Sandgrund
Der Mimik-Oktopus ist ein echter Tarnkünstler (Foto: J. Bird).

Alle Kraken sind Tarnkünstler, der Mimik-Oktopus (Thaumoctopus mimicus) ist ihr König. Er ahmt nicht nur Farbe und Muster anderer Tiere nach, sondern auch deren Form und Bewegung: Er gibt sich als Flunder, Seeschlange oder Rotfeuerfisch aus. Belegt sind mindestens drei Vorbilder, manche Beobachter zählen bis zu 15. Entdeckt wurde er erst 1998 vor Sulawesi. Mehr Meister der Verkleidung zeigt Die 10 besten Tarnkünstler unter Wasser.

Disko-Muschel

Disko-Muschel in einer Felsspalte
Die Disko-Muschel schlägt Feinde mit Lichtblitzen in die Flucht (Foto: T. Eidenweil).

Nein, sie tanzt nicht, aber sie liefert eine Lichtshow. Die Disko-Muschel (Ctenoides ales) blitzt an ihrem Mantelrand bläulich-weiß auf. Das ist kein Eigenleuchten: Winzige Kügelchen aus Siliziumdioxid reflektieren das Umgebungslicht, wenn die Muschel den Mantelrand schnell ein- und ausrollt. Vermutlich schreckt das Räuber ab; zudem schmecken ihre Fangfäden Fressfeinden offenbar nicht. Unter den Muscheln ist dieser Trick einzigartig.

Seewespe

Seewespe, eine durchsichtige Würfelqualle
Seewespen zählen zu den giftigsten Tieren im Meer (Foto: A. Sadek).

Die Seewespe (Chironex fleckeri) zählt zu den giftigsten Tieren der Welt: Ein schwerer Kontakt kann einen Menschen innerhalb von Minuten töten. Die durchsichtigen Würfelquallen sind im Wasser kaum zu erkennen und – anders als die meisten Quallen – aktive Schwimmer, die mit 24 Augen gezielt durchs Küstenwasser steuern. An australischen Stränden schützen in der Saison Netze die Badenden, nicht vor Haien, sondern vor ihnen. Mehr in Die fünf giftigsten Quallen.

Großer Fetzenfisch

Großer Fetzenfisch mit blattartigen Hautlappen
Der Große Fetzenfisch sieht aus, als wäre er einem Märchenwald entsprungen (Foto: B. Cole).

Er sieht aus, als hätte er sich mit einem deutlich größeren Fisch gefetzt. Das täuscht: Der Große Fetzenfisch (Phycodurus eques) ist ein friedlicher Verwandter der Seepferdchen und lebt nur vor der Südküste Australiens. Seine blattartigen Hautlappen tarnen ihn perfekt zwischen Tang und Seegras. Mit der röhrenförmigen Schnauze saugt er Kleinkrebse ein, Zähne hat er keine. Wie bei Seepferdchen kümmert sich das Männchen um die Eier.

Schützenfisch

Schützenfisch knapp unter der Wasseroberfläche
Schützenfische erlegen ihre Beute mit einem Wasserstrahl (Foto: F. Banfi).

Was für ein frecher Jäger: Schützenfische spucken mit einem gezielten Wasserstrahl Insekten und Spinnen von Blättern über der Wasseroberfläche und schnappen sie, sobald sie ins Wasser fallen. Sie treffen auf bis zu etwa zwei Meter Entfernung und gleichen dabei sogar die Lichtbrechung an der Wasseroberfläche aus. Zu Hause sind sie in Mangroven und Flussmündungen von Südostasien bis Australien.

Nomura-Qualle

Riesige Nomura-Qualle neben einem Taucher
Nomura-Quallen erreichen bis zu zwei Meter Durchmesser.

Bis zu 200 Kilogramm schwer und zwei Meter im Durchmesser: Die Nomura-Qualle (Nemopilema nomurai) aus den Gewässern zwischen China und Japan gehört zu den größten Quallen der Welt. In manchen Jahren tritt sie in riesigen Massen auf und zerreißt Fischernetze. 2009 kenterte vor Japan sogar ein Fischkutter, als die Besatzung ein Netz voller Nomura-Quallen einholen wollte; die Männer wurden gerettet.

Zungenassel

Zungenassel im Maul eines Fisches
Zungenasseln haben eine perfide Lebensweise entwickelt (Foto: Marco Vinci, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30119814).

Ein ziemlich witziges Tier – außer für seinen unfreiwilligen Wirt. Die Zungenassel (Cymothoa exigua) dringt über die Kiemen in das Maul eines Fisches ein und klammert sich an der Zunge fest. Sie saugt Blut, bis die Zunge abstirbt, und nimmt dann deren Platz ein: Der Fisch benutzt die Assel fortan wie eine Zunge und kann weiterleben. Es gilt als einziger bekannter Fall, in dem ein Parasit ein Organ seines Wirts ersetzt.

Eingeweidefisch

Eingeweidefisch schlüpft in eine Seegurke
Der Eingeweidefisch hat sich ein ganz spezielles Zuhause ausgesucht (Foto: Etrusko25, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11153454).

Perl- oder Eingeweidefische (Familie Carapidae) haben sich ein besonders ungewöhnliches Versteck ausgesucht: den After von Seegurken. Der aalförmige Fisch dringt mit dem Schwanz voran in den Körper ein und kommt meist nur zum Fressen heraus. Manche Arten fressen auch an den Organen ihres Wirts. Das bedeutet nicht zwingend dessen Tod, denn Seegurken können Eingeweide nachbilden. Ein Tisch, der sich immer wieder selbst deckt – wer würde da nicht gern wohnen?

Fangzahn

Fangzahn mit langen Zähnen
Was für ein furchteinflößender Geselle: ein Fangzahn (Foto: © Citron, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21522102).

Kieferorthopäden würden sich an ihm die Zähne ausbeißen: Im Verhältnis zur Körpergröße hat der Fangzahn (Anoplogaster cornuta) die längsten Zähne aller Fische. Damit er sein Maul schließen kann, passen die großen Unterkieferzähne in Taschen beiderseits des Gehirns. Der nur etwa 16 Zentimeter lange Fisch lebt in der Tiefsee, teils in mehreren Tausend Metern.

Tiefsee-Anglerfisch

Tiefsee-Anglerfisch-Weibchen mit angewachsenem Zwergmännchen
Ein Tiefsee-Anglerfisch-Weibchen mit einem winzigen Zwergmännchen (Foto: Andrew Butko, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4914101).

Die Tiefsee ist dunkel, weit und einsam. Damit sich die Geschlechter dort überhaupt finden, haben manche Tiefsee-Anglerfische eine verblüffende Lösung: Das winzige Männchen beißt sich am viel größeren Weibchen fest und verwächst mit ihm. Die Blutkreisläufe verschmelzen, viele Organe des Männchens bilden sich zurück, nur die Hoden bleiben aktiv. Das Weibchen versorgt seinen Partner mit Nährstoffen und hat dafür jederzeit Spermien zur Verfügung.

Riesenkalmar

Riesenkalmar
Riesenkalmare leben in der Tiefsee und sind noch kaum erforscht (Foto: José-Manuel Benito Álvarez/Wikipedia).

Auch wenn Riesenkalmare, oft fälschlich Riesenkraken genannt, wohl nie ein Schiff versenkt haben: Architeuthis dux erreicht mit den Fangarmen rund zwölf Meter Länge, und seine Augen gehören mit bis zu 27 Zentimetern Durchmesser zu den größten im Tierreich. 2012 gelang es einem japanischen Team erstmals, einen lebenden Riesenkalmar in der Tiefsee zu filmen. Mehr dazu in Meeresungeheuer? Die unheimlichen Lebewesen aus der Tiefsee.

Dekorateurkrabbe

Dekorateurkrabbe mit Schwämmen und Anemonen auf dem Panzer
Dekorateurkrabben tarnen sich mit Schwämmen, Algen und Nesseltieren (Foto: F. Banfi).

Was ziehe ich heute an? Dekorateurkrabben, englisch Decorator Crabs, aus der Verwandtschaft der Seespinnen heften sich Schwämme, Algen, Hydroidpolypen oder Anemonen auf den Panzer, wo sie an hakenförmigen Borsten halten. So getarnt und teils von Nesseltieren geschützt, sind sie kaum zu entdecken. Einen ähnlichen Trick nutzen Trägerkrabben: Sie halten mit ihren hinteren Beinen kleine Seeigel, etwa Feuerseeigel, als Schutzschild über dem Rücken.

Phronima-Krebs

Phronima-Krebs in einer durchsichtigen Hülle
Der Phronima-Krebs soll Vorbild für das Filmmonster »Alien« gewesen sein (Foto: David Shale/ocean.si.edu).

Dieser Krebs soll Vorbild für das Filmmonster »Alien« gewesen sein, belegt ist das allerdings nicht. Der nur wenige Zentimeter große Flohkrebs (Phronima sedentaria) lebt im offenen Ozean, frisst eine Salpe oder Feuerwalze aus und nutzt die leere Hülle als Behausung, die er durchs Wasser schiebt. Darin zieht das Weibchen auch den Nachwuchs groß – eine schwimmende Kinderstube.

Vampirtintenfisch

Vampirtintenfisch mit Hautumhang zwischen den Armen
Vampirtintenfische leben versteckt in der Tiefsee (Foto: © Citron, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10421043).

Dunkelrote Haut, flossenartige Ohren und große Augen: Der Vampirtintenfisch (Vampyroteuthis infernalis) wurde auf der ersten deutschen Tiefsee-Expedition 1898/99 entdeckt und 1903 von Carl Chun beschrieben. Seinen Namen verdankt er der Haut zwischen den Armen, die wie ein Umhang wirkt. Mit Dracula hat er sonst wenig gemein: Er ernährt sich von absinkenden organischen Partikeln, dem sogenannten Meeresschnee, den er mit klebrigen Fäden einsammelt. Bei Gefahr stülpt er den Umhang über den Körper.

Bonus: drei seltsame Süßwasserbewohner

Sie leben nicht im Meer, sind aber zu seltsam, um sie wegzulassen.

Axolotl

Axolotl mit äußeren Kiemenbüscheln
Der Axolotl lebt im Süßwasser – wir haben ihn trotzdem aufgenommen, weil er so seltsam ist (Foto: Herbert Frei).

Er sieht aus wie ein Lurch, weil er einer ist: Der Axolotl (Ambystoma mexicanum) ist ein Schwanzlurch, der zeitlebens im Larvenstadium bleibt und mit äußeren Kiemen im Wasser lebt. Alexander von Humboldt brachte 1804 Exemplare aus Mexiko nach Europa. Für die Forschung ist er hochinteressant, weil er Gliedmaßen und sogar Teile von Herz, Rückenmark und Gehirn nachwachsen lassen kann. In freier Natur, in den Kanälen von Xochimilco bei Mexiko-Stadt, ist er vom Aussterben bedroht.

Candirú (»Penisfisch«)

Candirú, ein kleiner, fast durchsichtiger Wels
Der Candirú ist ein kleiner Wels aus dem Amazonasgebiet (Foto: Dr. Peter Henderson, PISCES Conservation Ltd, lizenziert unter Creative Commons 3.0).

Um kaum einen Fisch ranken sich so viele Schauergeschichten wie um den Candirú, einen kleinen, fast durchsichtigen Wels aus dem Amazonasgebiet. Er lebt parasitisch und schlüpft unter die Kiemendeckel größerer Fische, um Blut zu saugen. Dass er beim Baden in die Harnröhre von Menschen eindringt, ist dagegen weitgehend Legende: Belegt ist nur ein einziger, umstrittener Fall aus dem Jahr 1997.

Baikal-Flohkrebs

Bestachelter Flohkrebs aus dem Baikalsee
Manche Flohkrebse aus dem Baikalsee sehen aus wie Urzeittiere (Foto: A. Nekrasov).

Sympathisch geht anders: Mit Stacheln bewehrt, sehen manche Flohkrebse aus dem Baikalsee aus wie urzeitliche Monster. Im ältesten und tiefsten See der Welt leben mehrere Hundert Flohkrebsarten, die fast alle nur dort vorkommen. Sie sind die Müllabfuhr des Sees und fressen unter anderem tote Tiere.

Häufige Fragen

Was ist das seltsamste Meerestier der Welt?

Eine objektive Rangliste gibt es nicht. Besonders häufig genannt werden der Tiefsee-Anglerfisch, dessen Männchen mit dem Weibchen verwächst, die Zungenassel, die die Zunge eines Fisches ersetzt, der Glaskopffisch mit seinem durchsichtigen Kopf und der Vampirtintenfisch.

Welche seltsamen Meerestiere kann man beim Tauchen sehen?

Anglerfische, Bobbit-Würmer, Mimik-Oktopusse, Coleman-Partnergarnelen, Seewalzenkrabben und Disko-Muscheln begegnen Tauchern vor allem in Indonesien und auf den Philippinen. Große Fetzenfische gibt es nur vor der Südküste Australiens, Mondfische zeigen sich unter anderem vor Bali und im Mittelmeer.

Saugt der Vampirtintenfisch Blut?

Nein. Der Name bezieht sich auf die umhangartige Haut zwischen seinen Armen. Er ernährt sich von Meeresschnee, also absinkenden organischen Partikeln, die er mit klebrigen Fäden einsammelt.

Welcher Fisch ist der längste und welcher der schwerste?

Der längste lebende Knochenfisch ist der Riemenfisch mit nachgewiesen bis zu acht Metern. Der schwerste ist der Mondfisch; das Rekordexemplar wog 2.744 Kilogramm.

Ist der Candirú für Menschen gefährlich?

Kaum. Die Geschichte, dass der kleine Amazonas-Wels in die Harnröhre von Badenden eindringt, ist weitgehend Legende. Belegt ist nur ein einziger, umstrittener Fall aus dem Jahr 1997.

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Quellen