Praxis

Die wichtigste Nebensache der Welt (für Taucherinnen und Taucher)

Tarieren. Das Wort löst in der ersten Stunde im Beginner-Tauchkurs häufig fragende Blicke aus. Kaum ein Nicht-Taucher weiß, was damit gemeint ist. Für Unterwasser-Sportler ist es ein besonders wichtiges Thema. Hier Tipps für die Praxis.

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Immer wieder hat mich während meiner Zeit als Tauchausbilder fasziniert, wie schnell die Menschen eine Fertigkeit erlernen, die so gar nicht zu uns Landlebewesen passt: das Tarieren. Anfangs lernen die Tauchschülerinnen und -schüler die Tarierweste kennen. Wenn sie deren Prinzip verstanden haben, was meist sehr schnell geht, erlernen sie auf dem Grund liegend die sogenannten Taucherliegestützen. Wissen Sie noch, was damit gemeint ist? Im Englischen spricht man hier von »pivoting«, dem Balancieren auf den Flossenspitzen bei gleichzeitigem Auf und Ab des Oberkörpers, wobei dieses Auf und Ab durch die Ein- und Ausatmung gesteuert wird. Diese Grundübung wird häufig faszinierend schnell erlernt. Wir haben also offenbar sehr viel Gefühl für unsere Lunge. Ein Feingefühl, das trainiert werden kann. Und bei jedem Tauchgang erneut trainiert wird.
Wenn wir mal ehrlich sind, dann ist Tauchen Tarieren. Keine Fertigkeit ist wichtiger und trägt mehr zum ruhigen und sicheren Tauchen bei als das Tarieren. Man verlernt es niemals völlig, gerät bei einer Tauchpause höchstens etwas aus der Übung. Tarieren ist wie Fahrradfahren. An welchen Stellschrauben Sie drehen können, um Ihre Tarierung zu optimieren und das Bewusstsein dafür zu schärfen, erklären wir Ihnen hier:

Wasserart

Wasser ist nicht gleich Wasser. Gewässertypen unterscheiden sich in ihrer Dichte. Das hängt mit der Temperatur zusammen, aber viel mehr noch mit dem Salzgehalt des Wassers. Die Wasserdichte steht in direktem Zusammenhang mit dem Auftrieb. Daher kommt es teils zu großen Unterschieden, was die Bleimengen angeht. In besonders salzigem und warmem Wasser benötigt man mehr Blei, und in eher kalten und wenig salzigen Gewässern weniger zusätzliches Gewicht.

Luftmenge

Je mehr Luft Sie unter Wasser mitführen und dann auch veratmen, desto größer wird der Unterschied am Ende des Tauchgangs sein – wegen des fehlenden Gewichts der Luft. Ein Liter Luft wiegt etwa 1,25 Gramm. Es lässt sich also leicht berechnen, wieviel Kilogramm Luft am Ende des Tauchgangs fehlen werden. Das macht vor allem Sinn, wenn Sie zusätzliche Atemgasflaschen für Dekompressions-Tauchgänge mitführen.

Ausrüstung

Jedes Tauchausrüstungsteil beeinflusst die Tarierung: Aluflaschen haben eine geringere Dichte im Vergleich zu Stahlflaschen und daher leichten Auftrieb. Auch verändert sich ihr Verhalten, wenn sie leerer werden, anders als das von Stahlflaschen. Wird ein Tauchanzug älter, verliert er Auftrieb. Denn seine Neoprenstärke lässt nach. Ist er neu oder zu groß, strebt er wesentlich stärker zur Wasseroberfläche. Sie verändern Ihre Unterzieher unter dem Trockentauchanzug? Das wird die Bleimenge verändern. Sie tauchen im Urlaub sonst ein leichtes Reisejacket und nun doch ein ausstattungsreiches Allroundmodell? Dann ist eine Bleianpassung nötig. Dickere Füßlinge oder Handschuhe? Der Auftrieb ändert sich. Be- und entlüftet man das Jacket beim Tauchen, gelangt Wasser in dessen Blase. Die Folge ist mehr Abtrieb.

Zusatzausrüstung

Jedes zusätzliche oder weggelassene Ausrüstungsteil verändert Ihre Tarierung und die Trimmung beim Tauchen. Sei es der dickere Neoprenfüßling, die kleine Kompaktkamera oder ein Unterwassergehäuse. Checken Sie daher vor dem Abtauchen, ob Sie über- oder unterbleit sind. Gerade bei Tauchgängen in größere Tiefen ist es wichtig zu wissen, ob das Tarierjacket auch wirklich genügend Auftriebsvolumen hat, um den Taucher samt Ausrüstungsberg wieder an die Wasseroberfläche zu hieven.