Luftaufnahme von Skopelos-Stadt und Hafen auf der griechischen Insel Skopelos
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Korallenschmuggel vor Skopelos aufgedeckt

Vor Skopelos haben griechische Behörden einen mutmaßlichen Korallenschmuggel aufgedeckt. Taucher sollen geschützte Korallen im Wert von rund 800.000 Euro gesammelt haben.

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Griechische Behörden haben vor der Insel Skopelos einen mutmaßlich organisierten Handel mit illegal entnommenen Korallen aufgedeckt. Eine von italienischen Staatsbürgern gemietete Yacht soll als Basis für Tauchgänge und den Weitertransport gedient haben. Der Wert der sichergestellten beziehungsweise dem Fall zugerechneten Korallen wurde zunächst auf rund 800.000 Euro geschätzt. Der Fall zeigt zugleich, wie wertvoll und gefährdet die Rote Mittelmeerkoralle ist.

Wie flog der Korallenschmuggel vor Skopelos auf?

Der Fall begann nicht mit einer Kontrolle unter Wasser, sondern mit auffälligen Warenbewegungen. Ermittler der griechischen Steuer- und Zollbehörde AADE stießen bei einer Risikoanalyse auf wiederkehrende Lieferungen eines Transportunternehmens. Die Waren waren nur ungenau deklariert und wurden hauptsächlich nach Italien verschickt.

Die Ermittlungen führten schließlich zu einer als Freizeitboot gemieteten Yacht vor der griechischen Insel Skopelos in der Ägäis. Das Schiff war von italienischen Staatsbürgern gechartert worden. Nach Angaben der Behörden fanden die Ermittler an Bord Korallen, professionelle Tauchausrüstung, Werkzeuge zum Abtrennen der Tiere sowie improvisierte Möglichkeiten zur Lagerung. Die Funde deuteten nach Einschätzung der Ermittler auf eine organisierte und wiederholte Tätigkeit hin.

Griechische Medien berichten ausdrücklich davon, dass Mitglieder der Gruppe mit Tauchgeräten Korallen vom Meeresboden holten. Euronews berichtet zudem, dass Mitglieder einer italienischen Gruppe festgenommen wurden. Die weiteren Ermittlungen laufen gemeinsam mit italienischen Behörden. Dabei soll unter anderem geklärt werden, wer die Empfänger der Lieferungen waren und ob das Netzwerk über Griechenland und Italien hinausreichte.

Rote Mittelmeerkorallen an einer felsigen Riffwand im Mittelmeer
Rote Korallen wachsen bevorzugt an schattigen Felswänden und in tieferen Bereichen des Mittelmeers. Ihr langsames Wachstum macht die Bestände besonders empfindlich gegenüber Entnahme.

Waren tatsächlich Korallen im Wert von 800.000 Euro an Bord?

Die häufig genannte Summe von 800.000 Euro geht auf eine erste Bewertung der griechischen Behörden zurück. Grundlage waren nach deren Angaben internationale Marktpreise für Rote Koralle und verwandte Arten, die insbesondere für Schmuck und hochwertige Dekorationsgegenstände verarbeitet werden.

Die Summe sollte deshalb nicht mit bereits erzielten Verkaufserlösen gleichgesetzt werden. Sie beschreibt den geschätzten Marktwert des sichergestellten beziehungsweise dem Transport zugerechneten Materials.

Der Wert von Roter Koralle variiert stark mit Größe, Qualität und Verarbeitung. Nach Angaben, auf die sich Euronews unter Berufung auf die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO stützt, können besonders hochwertige Stücke mehrere Tausend Euro pro Kilogramm erzielen. Italien spielt traditionell eine wichtige Rolle in der Verarbeitung. Insbesondere Torre del Greco bei Neapel gilt als bedeutendes europäisches Zentrum für Korallenschmuck.

Nahaufnahme einer Roten Mittelmeerkoralle mit geöffneten weißen Polypen
Die weißen Polypen zeigen deutlich: Die Rote Mittelmeerkoralle ist ein Tier und keine Pflanze.

Ging es um die Rote Mittelmeerkoralle?

Im Zentrum der Berichte steht die Rote Mittelmeerkoralle, wissenschaftlich Corallium rubrum. Die ursprüngliche Berichterstattung zum Behördenfund spricht allerdings teilweise allgemeiner von Roter Koralle und verwandten geschützten Arten. Eine vollständige veröffentlichte Artenliste der sichergestellten Korallen liegt bislang nicht vor.

Corallium rubrum ist keine Pflanze, sondern ein koloniebildendes Nesseltier. Die Art bildet ein hartes kalkiges Skelett und wächst ausgesprochen langsam. Große Kolonien benötigen viele Jahrzehnte, um ihre Größe zu erreichen. Gerade diese langsame Entwicklung macht Bestände besonders anfällig für eine intensive oder illegale Entnahme.

Mehr über Aufbau und Lebensweise von Korallen erklären wir in unserem Beitrag »Korallen einfach erkennen: Form schlägt Farbe«.

Dürfen Rote Koralle im Mittelmeer überhaupt gesammelt werden?

Die Entnahme von Roten Korallen ist im Mittelmeer nicht grundsätzlich verboten, aber streng reguliert. Allerdings gelten strenge Regeln. Je nach Region braucht es Genehmigungen, außerdem begrenzen Fangmengen und weitere Vorgaben die legale Nutzung.

Für Griechenland sieht die EU-Regelung für 2026 maximal zwölf Genehmigungen für Schiffe, Taucher oder entsprechende Kombinationen sowie eine begrenzte Gesamtmenge für die legale Entnahme vor.

Große Kolonie Roter Mittelmeerkoralle an einer Felswand unter Wasser
Große Kolonien der Roten Mittelmeerkoralle benötigen viele Jahre, um heranzuwachsen. Die Entnahme kann deshalb langfristige Spuren im Lebensraum hinterlassen.

Für Freizeitzwecke gelten deutlich strengere Regeln. Die EU-Vorschriften untersagen bei der Freizeitfischerei Fang, Aufbewahrung an Bord, Umladung und Anlandung von Roten Korallen. Auch der Verkauf illegal entnommener Tiere kann deshalb nicht durch die grundsätzlich bestehende legale Korallenfischerei gerechtfertigt werden.

Der Fall vor Skopelos unterscheidet sich damit grundsätzlich von regulierter professioneller Korallenernte.

Warum sind Rote Korallen so empfindlich?

Rote Korallen wachsen bevorzugt in lichtarmen Felslebensräumen des Mittelmeers. Kolonien können sehr alt werden und wachsen nur langsam. Wird eine größere Kolonie vollständig entfernt, lässt sich dieser Verlust deshalb nicht innerhalb weniger Jahre ausgleichen.

Wissenschaftler des griechischen Hellenic Centre for Marine Research weisen zudem darauf hin, dass über viele Bestände noch vergleichsweise wenig bekannt ist. Im Rahmen eines Forschungsprogramms der General Fisheries Commission for the Mediterranean wurden zwischen 2020 und 2023 die Bestände in mehreren Mittelmeerländern untersucht. Für Griechenland fehlen dennoch flächendeckende Daten über die Verbreitung. Die GFCM hat zugleich auf mögliche Übernutzung der Bestände hingewiesen.

Wie vielfältig koralligene Lebensräume auch für Taucher sein können, zeigen etwa die Tauchgebiete am Cap de Creus in Spanien oder an den Medas-Inseln vor der Costa Brava. Dort prägen Gorgonien und andere sessile Organismen die tieferen Felslebensräume des Mittelmeers.

Wurde die Gruppe auf frischer Tat ertappt?

Die Formulierung ist nur eingeschränkt korrekt. Belegt ist, dass die Ermittler die Yacht kontrollierten und dort Korallen, Tauchausrüstung, Schneidwerkzeuge sowie Lagereinrichtungen fanden. Eine Kontrolle oder eine Dokumentation der Taten unter Wasser gibt es nicht (Stand 15. September 2026).

Stammt die Koralle aus einem Natura-2000-Gebiet?

Behördenberichte sprechen von Korallen, die durch europäisches Umweltrecht und den Natura-2000-Rahmen geschützt sind. Daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass sämtliche beschlagnahmten Korallen innerhalb eines konkret ausgewiesenen Natura-2000-Schutzgebietes gesammelt wurden.

Warum ist der Fall auch für Taucher relevant?

Der Fall zeigt eine problematische Seite des Gerätetauchens: Die Technik ermöglicht den Zugang zu Organismen und Lebensräumen, die vom Land oder beim Schnorcheln kaum erreichbar wären. Genau deshalb unterliegt die professionelle Korallenernte strengen Regeln.

Für Sporttaucher ist die Botschaft einfacher: Korallen und andere festgewachsene Tiere gehören nicht als Souvenir ins Tauchgepäck. Bereits kleine Eingriffe können an langsam wachsenden Organismen Schäden verursachen, die über Jahrzehnte sichtbar bleiben.

Dass Taucher gleichzeitig eine wichtige Rolle beim Schutz und der Wiederherstellung von Korallenlebensräumen spielen können, zeigen Projekte wie die Korallenrestauration auf Curaçao oder die Arbeit der Coral Gardeners.

Schmuckkette aus Roter Koralle auf dunklem Hintergrund
Das harte rote Kalkskelett von Corallium rubrum wird traditionell zu Schmuck verarbeitet. Die hohe Nachfrage ist ein wesentlicher Grund für den wirtschaftlichen Wert der Koralle. Besonders im Mittelmeerraum hat Korallenschmuck eine lange Tradition. Die Entnahme von Corallium rubrum ist heute streng reguliert, illegal gewonnene Korallen gelangen dennoch in den Handel.

Wie geht es mit den Ermittlungen weiter?

Die griechischen Behörden untersuchen nach eigenen Angaben weitere mögliche Beteiligte im Land. Gemeinsam mit italienischen Ermittlern soll außerdem nachvollzogen werden, an wen frühere Lieferungen gegangen sind.

Ob es sich tatsächlich um ein größeres internationales Netzwerk handelt, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. Die Behörden schließen diese Möglichkeit nicht aus. Die Bezeichnung »internationaler Schmugglerring« sollte deshalb zum jetzigen Ermittlungsstand nicht weiter gefasst werden, als es die bekannten Fakten zulassen.

Externe Quellen

Griechische Wirtschaftszeitung Kathimerini, 4. August 2026: Bericht über die Ermittlungen der AADE und den Fund vor Skopelos. Kathimerini: Coral smuggling ring uncovered

Euronews, 11. August 2026: Hintergrund zu Roter Mittelmeerkoralle, Handel und Bestandsentwicklung. Euronews: Red coral trafficking on Skopelos

EUR-Lex: EU-Regelungen zur Roten Koralle im Mittelmeer

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Häufige Fragen zu Roten Korallen im Mittelmeer

Was ist die Rote Koralle im Mittelmeer?

Die Rote Mittelmeerkoralle (Corallium rubrum) ist ein koloniebildendes Nesseltier. Sie bildet ein hartes, intensiv rot gefärbtes Kalkskelett, das seit Jahrhunderten für Schmuck und Kunsthandwerk genutzt wird.

Wo kommt die Rote Koralle vor?

Corallium rubrum lebt vor allem im Mittelmeer sowie in angrenzenden Bereichen des östlichen Atlantiks. Typische Standorte sind schattige Felswände, Überhänge und Höhlen, häufig in größeren Tiefen.

Warum ist die Rote Koralle so wertvoll?

Ihr Kalkskelett ist dicht, gut polierbar und auffällig rot gefärbt. Besonders große, gleichmäßig gewachsene und intensiv gefärbte Stücke erzielen hohe Preise im Schmuckhandel.

Darf Rote Koralle im Mittelmeer gesammelt werden?

Die Entnahme ist nicht überall grundsätzlich verboten, aber streng reguliert. Je nach Land gelten Genehmigungen, Fangquoten, Mindestgrößen, Tiefenbeschränkungen und saisonale Regeln. Für Freizeittaucher ist die Entnahme in der Regel nicht erlaubt.

Warum ist die Rote Koralle besonders empfindlich?

Sie wächst sehr langsam. Große Kolonien können Jahrzehnte alt sein. Wird eine Kolonie vollständig entfernt, braucht der Bestand sehr lange, um sich zu erholen.

Ist die Rote Koralle geschützt?

Die Art unterliegt verschiedenen Schutz- und Managementregelungen. Entscheidend sind nationale Vorschriften, EU-Regelungen und internationale Schutzbestimmungen. Der genaue Schutzstatus kann je nach Region und Nutzung unterschiedlich sein.

In welcher Tiefe wächst Rote Koralle?

Rote Korallen können bereits in relativ geringen Tiefen vorkommen, häufiger findet man größere Kolonien aber an dunklen, tieferen Felswänden. Die Verbreitung reicht bis weit über typische Sporttauchtiefen hinaus.

Ist Rote Koralle für Taucher gefährlich?

Nein. Rote Korallen sind für Taucher nicht gefährlich. Problematisch ist vielmehr die Berührung: Flossenschläge, Festhalten oder das Abbrechen von Ästen können die langsam wachsenden Kolonien dauerhaft schädigen.

Darf man abgestorbene Rote Koralle als Souvenir mitnehmen?

Auch abgestorbenes Material kann rechtlich geschützt oder genehmigungspflichtig sein. Taucher sollten deshalb keine Korallenstücke mitnehmen – unabhängig davon, ob sie lebend oder abgestorben erscheinen.

Woran erkennt man Rote Mittelmeerkoralle?

Typisch sind rote bis dunkelrote, stark verzweigte Kolonien mit vielen kleinen weißen Polypen. Die Farbe allein reicht zur sicheren Bestimmung aber nicht aus, da im Mittelmeer mehrere rot gefärbte Korallen- und Gorgonienarten vorkommen.