Tarierjackets haben sich vom einfachen Auftriebskörper zu einem zentralen Bestandteil der Tauchausrüstung entwickelt. Bei modernen BCDs bestimmen Blasenform, Tragesystem, Bleiverteilung und Flaschenposition wesentlich mit, wie komfortabel sich ein System an Land und unter Wasser anfühlt. Aqualung setzt dabei je nach Modell auf klassische Jacket-Bauformen, Wing-Systeme oder modulare Lösungen. Wir zeigen, wie sich Axiom, Dimension, Pro HD und Rogue unterscheiden und welche technischen Ideen dahinterstehen.
Kaum eine Komponente der Tauchausrüstung beeinflusst die Wasserlage so unmittelbar wie das Tarierjacket. Es verbindet Flasche und Taucher, kann Bleis aufnehmen sowie optimale verteilen und ermöglicht es, den Auftrieb während des Tauchgangs sicher zu steuern.
Bis zu den heutigen BCDs – kurz für »Buoyancy Control Device« – war es ein langer Weg. In den frühen Jahren des Sporttauchens, als ohne Tarierwesten ausschließlich mit sogenannten Tragschalen getaucht wurde, mussten Taucher ihre Bleimenge möglichst genau auf Ausrüstung und Tauchtiefe abstimmen. Durch die Kompression dicker Neoprenanzüge änderte sich der Auftrieb mit zunehmender Tiefe erheblich. An der Oberfläche musste man in der Regel gegen den Abtrieb anstrampeln.
Erste zusätzliche Auftriebshilfen waren vor allem für Notfälle gedacht. Später kamen die sogenannten »Horse Collar«-Westen auf, deren Form an Rettungswesten erinnerte. Erst mit speziell für das Tauchen entwickelten Tarierwesten wurde die aktive und fein dosierte Auftriebskontrolle zu einem festen Bestandteil des Sporttauchens.
Was macht ein modernes Tarierjacket aus?
Heute geht es bei einem BCD längst nicht mehr allein darum, Luft aufzunehmen oder abzulassen. Flaschenposition, Bleiverteilung, Trimm, Bewegungsfreiheit, Passform, Befestigungsmöglichkeiten für Ausrüstung bilden ein Gesamtsystem.
Je nach Konstruktion befindet sich die Luftblase dabei seitlich und hinter dem Taucher oder ausschließlich im Rückenbereich. Klassische Jacket-Systeme bieten insbesondere vertikal an der Oberfläche viel Stabilität. Bei Back-Inflation-Systemen – den Wing-Westen – liegt die Luftblase dagegen hinter dem Taucher. Dadurch bleibt der Bereich vor dem Oberkörper weitgehend frei und eine horizontale Wasserlage kann sehr stabil gehalten werden.
Welche Konstruktion besser passt, hängt deshalb weniger von einem generellen »besser oder schlechter« als vom Einsatzbereich, der persönlichen Wasserlage und den eigenen Vorlieben ab.
Welche Technik steckt in den Aqualung Tarierjackets?
Mehrere technische Lösungen verwendet Aqualung modellübergreifend.
Das Wrapture-Harness-System soll die Flasche möglichst nah am Körperschwerpunkt halten. Dazu wird ein großer Teil des Gewichts über den Hüftbereich aufgenommen, statt hauptsächlich auf den Schultern zu lasten. Die Konstruktion soll zugleich verhindern, dass sich das Jacket an der Oberfläche am Körper nach oben verschiebt.
Beim integrierten SureLock-II-Bleisystem werden die Bleitaschen mechanisch verriegelt. Beim Einsetzen rasten sie hörbar ein und können zum Abwerfen über einen Handgriff herausgezogen werden.
Bei mehreren Modellen kommt außerdem das GripLock-System zur Befestigung der Flasche zum Einsatz. Beim Bladder-Retraction-System sorgen elastische Elemente dafür, dass sich Teile der Luftblase nach dem Ablassen der Luft wieder kompakt an das Jacket anlegen.
Welche dieser Ausstattungsmerkmale vorhanden sind, hängt vom jeweiligen Modell ab.
Wie entstehen Tarierjackets?
Ein erheblicher Teil der Fertigung und Montage von Aqualung-Tauchausrüstung findet im mexikanischen Mexicali nahe der Grenze zu den USA statt. Bei Tarierjackets treffen dort maschinelle Fertigungsschritte und Handarbeit aufeinander.
Am Anfang steht der Zuschnitt von Stoffen und technischen Geweben. Die einzelnen Komponenten müssen exakt gefertigt werden, weil bereits kleine Abweichungen später die Passform oder Montage beeinflussen können.
Besonders wichtig ist die Herstellung der luftdichten Auftriebskörper. Die Materialbahnen werden miteinander verschweißt und bilden anschließend die eigentliche Luftblase des BCDs. Danach werden unter anderem Gurte, Taschen, Bleisysteme und weitere Bauteile montiert.
Gerade bei einem Tarierjacket müssen zahlreiche Komponenten zusammenarbeiten: Luftblase, Inflator, Ablassventile, Gurtsystem, Flaschenhalterung und gegebenenfalls integrierte Bleitaschen.
Aqualung Axiom: Klassisches Jacket mit Wrapture-System
Das Axiom gehört zu den klassischen Jacket-Modellen im Aqualung-Programm. Die Luftblase umfasst den Taucher teilweise seitlich und im Rückenbereich.
Ein zentrales Element ist das Wrapture-Harness-System. Es positioniert die Flasche dicht am Körper und verlagert einen Teil ihres Gewichts in Richtung Hüfte. Drehbar gelagerte Schulterschnallen sollen gleichzeitig dafür sorgen, dass die Gurte möglichst flach am Körper verlaufen.
Hinzu kommen das integrierte SureLock-II-Bleisystem und verschiedene Befestigungsmöglichkeiten für Zubehör.
Das Axiom richtet sich damit vor allem an Taucher, die ein umfangreich ausgestattetes klassisches Jacket mit integriertem Blei bevorzugen.
Aqualung Dimension: Back-Inflation mit Komfortsystem
Beim Dimension befindet sich der Auftrieb überwiegend hinter dem Taucher. Damit kombiniert Aqualung ein Back-Inflation-Konzept mit Elementen, die auch bei den klassischen Jackets des Herstellers eingesetzt werden.
Dazu gehören das Wrapture-Harness und das SureLock-II-Bleisystem. Als Außenmaterial verwendet Aqualung sogenanntes ResisteK, das laut Hersteller für eine hohe Beständigkeit gegenüber Abrieb sowie Salz- und Chlorwasser ausgelegt ist.
Durch die hinter dem Taucher angeordnete Luftblase bleibt der vordere Körperbereich vergleichsweise frei. Das macht das Dimension vor allem für Taucher interessant, die eine Back-Inflation-Konstruktion suchen, aber nicht auf ein umfangreiches Trage- und Bleisystem verzichten möchten.
Aqualung Pro HD: Klassischer Allrounder
Das Pro HD folgt einer traditionellen Wrap-around-Konstruktion. Die Luftblase umfasst den Körper seitlich und unterstützt dadurch insbesondere an der Wasseroberfläche eine aufrechte Position.
Zum Konzept gehören verstellbare Gurte und das integrierte SureLock-II-Bleisystem. Damit bleibt die Konstruktion vergleichsweise konventionell: Flasche, Tarierblase, Bleisystem und Stauraum sind in einem klassischen Jacket zusammengefasst.
Das Pro HD eignet sich deshalb vor allem für Sporttaucher, die mit der klassischen Jacket-Bauweise vertraut sind und ein vielseitig einsetzbares BCD für unterschiedliche Tauchbedingungen suchen.
Nicht zu verwechseln ist es mit dem leichteren Pro HD Compact, das Aqualung speziell als Reise-BCD positioniert.
Aqualung Rogue: Modulares Back-Inflation-BCD
Einen deutlich anderen Ansatz verfolgt das Rogue. Das Back-Inflation-BCD ist modular aufgebaut und lässt sich stärker an den einzelnen Taucher anpassen.
Grundlage dafür ist das ModLock-System. Rückenpolster, Schultergurte und Hüftgurt bilden einzelne Module. Durch unterschiedliche Kombinationen sind laut Aqualung 27 Größenkonfigurationen möglich. Komponenten lassen sich zudem austauschen oder für den Transport voneinander trennen.
Auch Zubehör wie unterschiedliche Trimbleitaschen oder eine Halterung für eine Signalboje lässt sich in das System integrieren.
Das Rogue richtet sich damit vor allem an Taucher, die eine reduzierte Back-Inflation-Konstruktion bevorzugen und Wert auf ein individuell anpassbares sowie vergleichsweise kompaktes System legen.
Welches Aqualung BCD eignet sich für wen?
Die vier Modelle verfolgen unterschiedliche Konzepte.
Axiom: klassisches, umfangreich ausgestattetes Jacket für Taucher, die viel Stabilität und ein integriertes Trage- und Bleisystem suchen.
Dimension: Back-Inflation-System für Taucher, die eine freie Vorderseite und horizontale Wasserlage mit einem komfortorientierten Harness kombinieren möchten.
Pro HD: konventioneller Allrounder für Sport- und Urlaubstaucher, die eine klassische Jacket-Konstruktion bevorzugen.
Rogue: modulares Back-Inflation-BCD für Taucher, die ihr System stärker an Passform, Reisebedarf und persönliche Ausrüstung anpassen möchten.
Entscheidend bleibt unabhängig vom Modell die Passform. Ein Tarierjacket sollte eng genug sitzen, um Flasche und Bleisystem stabil am Körper zu halten, darf aber weder die Atmung noch die Bewegungsfreiheit einschränken. Eine Anprobe mit dem normalerweise verwendeten Tauchanzug ist deshalb sinnvoll.
Was ist der Unterschied zwischen Jacket und Back-Inflation-BCD?
Bei einem klassischen Jacket verteilt sich die Luftblase auf Rücken und Seiten des Körpers. Das unterstützt besonders an der Oberfläche eine stabile, aufrechte Position.
Bei einem Back-Inflation-BCD befindet sich der Auftriebskörper dagegen überwiegend oder vollständig hinter dem Taucher. Dadurch bleibt der Bereich vor dem Oberkörper freier und eine horizontale Wasserlage kann begünstigt werden. Entscheidend sind jedoch immer auch Blei, Flaschenposition und die individuelle Konfiguration.
Ist ein Wing beziehungsweise Back-Inflation-BCD besser?
Nicht grundsätzlich. Back-Inflation-Systeme können Vorteile bei Bewegungsfreiheit und horizontaler Wasserlage bieten. Klassische Jackets werden dagegen von vielen Tauchern wegen ihrer stabilen Position an der Oberfläche und des vertrauten Tragegefühls geschätzt.
Welches Konzept besser passt, hängt deshalb von Tauchstil, Ausrüstung und persönlicher Präferenz ab.
Worauf sollte man beim Kauf eines Tarierjackets achten?
Neben der grundsätzlichen Bauform sind vor allem Passform, ausreichender Auftrieb, die Position der Bleitaschen, das Eigengewicht und die Bedienbarkeit der Ablassventile wichtig.
Wer häufig fliegt, wird außerdem stärker auf Gewicht und Packmaß achten. Bei Kaltwassertauchgängen mit dickem Neopren- oder Trockentauchanzug spielen dagegen Auftriebskapazität und die mögliche Bleimenge eine größere Rolle.
Das Jacket sollte deshalb immer für die tatsächlich verwendete Ausrüstung und nicht allein nach Größe oder Produktbeschreibung ausgewählt werden.
Fazit: Vier unterschiedliche Wege zur Tarierung
Axiom, Dimension, Pro HD und Rogue zeigen, wie unterschiedlich ein modernes BCD aufgebaut sein kann. Vom klassischen Jacket über Back-Inflation bis zum modularen System reicht die Bandbreite innerhalb eines einzigen Herstellers.
Technische Lösungen wie Wrapture, SureLock II oder ModLock verändern dabei weniger die grundlegende Aufgabe eines Tarierjackets als dessen Ergonomie und Anpassbarkeit. Entscheidend bleibt am Ende, wie gut Jacket, Taucher und übrige Ausrüstung zusammenpassen.
Externe Quellen
Aqualung: aktuelle Produktinformationen zu Axiom, Dimension, Pro HD und Rogue
Aqualung: Ratgeber zur Auswahl eines BCDs
Stand der Produktinformationen: September 2026.