Taucher im schwarzen Trockenanzug schwebt waagerecht im blauen Freiwasser über einem bewachsenen Felsen
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Sicherheitsstopp beim Tauchen: Warum drei Minuten auf fünf Metern sinnvoll sind

Der Sicherheitsstopp gehört heute zum Standard im Sporttauchen: meist drei Minuten in drei bis fünf Metern Tiefe am Ende des Tauchgangs. Denn zwischen zehn Metern und der Oberfläche halbiert sich der Umgebungsdruck, so stark ändert er sich auf keinem anderen Abschnitt des Aufstiegs. Warum sich die Pause lohnt, warum du sie am besten waagerecht verbringst und wie du die drei Minuten mit Buddy-Check, Bojenübung oder Fischbeobachtung im Flachwasser sinnvoll nutzt.

Text & Fotos – Benjamin Schulze

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Sicherheitsstopp ist eine kurze Pause beim Aufstieg, üblicherweise drei Minuten in drei bis fünf Metern Tiefe. Innerhalb der Nullzeit ist er nicht verpflichtend, Ausbildungsorganisationen empfehlen ihn aber für jeden Tauchgang.
  • Zwischen zehn Metern Tiefe und der Oberfläche halbiert sich der Umgebungsdruck von rund zwei auf ein bar.
  • Doppler-Messungen finden auch nach gewöhnlichen Freizeittauchgängen häufig kleine Gasblasen im venösen Blut. Nach Tauchgängen mit Sicherheitsstopp waren es in Studien weniger.
  • Nach tiefen Tauchgängen, bei fast ausgeschöpfter Nullzeit, an Mehrtagestouren sowie bei Kälte oder Anstrengung ist ein verlängerter Stopp von etwa fünf Minuten sinnvoll.
  • Am besten gelingt der Stopp waagerecht: Die Tiefe lässt sich leichter halten, das Atmen fällt leichter, und der Druckunterschied zwischen Kopf und Füßen bleibt klein.
  • Nach dem Stopp langsam weiter: Viele Ausbildungsorganisationen empfehlen auf den letzten zehn Metern höchstens sechs Meter pro Minute.

Etwa im letzten Drittel des Tauchgangs beginnt eine sehr wichtige Phase: der Aufstieg. Während des Abstiegs und der Zeit bis zum Aufstieg nimmt der Körper durch den erhöhten Umgebungsdruck Stickstoff auf. Beim Auftauchen sinkt der Umgebungsdruck, und das gelöste Gas muss über die Atmung wieder abgegeben werden. Erfolgt das Auftauchen zu schnell, perlt der Stickstoff aus, und im Gewebe können sich Gasblasen bilden. Das kann zu Symptomen einer Dekompressionskrankheit führen.

Was ist ein Sicherheitsstopp?

Gemeint ist eine kurze Pause während des Aufstiegs, üblicherweise drei Minuten in einer Tiefe zwischen fünf und drei Metern. Anders als ein Dekompressionsstopp ist dieser Stopp bei Tauchgängen innerhalb der Nullzeit nicht verpflichtend. Dennoch gilt er in den Ausbildungssystemen als sinnvolle Sicherheitsmaßnahme. Die Ausbildungsorganisationen empfehlen, ihn grundsätzlich bei jedem Tauchgang einzuplanen.

Warum ist die Pause gerade kurz unter der Oberfläche wichtig?

Der Hintergrund ist physikalisch. In der Flachwasserzone ab zehn Metern Tiefe ändert sich der Umgebungsdruck im Verhältnis am stärksten: Zwischen zehn Metern und der Wasseroberfläche halbiert er sich von rund zwei auf ein bar. Gerade in diesem Bereich reagieren gelöste Gase besonders empfindlich auf schnelle Druckveränderungen.

Eine kurze Aufstiegspause verlangsamt den Übergang zur Wasseroberfläche und gibt dem Tauchenden zusätzliche Zeit, Stickstoff abzuatmen.

Was zeigt die Forschung?

Mit Doppler-Ultraschall lassen sich Gasblasen im venösen Blut nach dem Tauchen messen. In einer Untersuchung des Divers Alert Network mit 67 Freizeittauchern fanden sich nach 205 von 281 überwachten Tauchgängen, also nach rund drei Vierteln, solche Blasen (Dunford et al., 2002). Eine Dekompressionskrankheit trat an den überwachten Tagen nicht auf. Diese sogenannten Mikroblasen entstehen also auch nach scheinbar »sicheren« Tauchprofilen.

Doppler-Studien zeigten zudem, dass nach Tauchgängen mit Sicherheitsstopp weniger Blasen messbar waren als ohne. In einer Studie mit 181 Tauchgängen auf 25 Meter lagen die Blasenwerte am niedrigsten, wenn die Taucher mit zehn Metern pro Minute aufstiegen und Stopps einlegten (Marroni et al., 2004). Die Menge der Blasen gilt als Hinweis auf die Dekompressionsbelastung, ist aber kein direktes Maß für das Risiko einer Dekompressionskrankheit. Der Sicherheitsstopp ist damit eine einfache, gut begründete Reserve, aber keine Garantie.

Wann ist ein längerer Sicherheitsstopp sinnvoll?

Besonders sinnvoll ist der Stopp nach tieferen Tauchgängen, wenn die Nullzeit fast ausgeschöpft wurde oder wenn mehrere Tauchgänge an einem Tag oder über mehrere Tage hinweg stattfinden. Auch Faktoren wie Kälte und körperliche Anstrengung erhöhen die Belastung für den Körper. Nach Angaben des Divers Alert Network verringert ein kühler Körper während Aufstieg und Stopp die Abgabe von Inertgas, Anstrengung während der Grundphase erhöht die Aufnahme (DAN).

In solchen Situationen ist ein verlängerter Sicherheitsstopp eine einfache Möglichkeit, konservativer zu tauchen. So kann man aus den drei Minuten auch einmal fünf Minuten machen, wenn der Tauchgang besonders anstrengend oder kalt war.

Wie führt man den Sicherheitsstopp richtig durch?

Damit der Stopp seine Wirkung entfalten kann, sollte er stabil durchgeführt werden. Idealerweise hält man die Tiefe zwischen fünf und drei Metern möglichst konstant. Eine gute Tarierung ist dabei entscheidend. Kleine Veränderungen des Atemvolumens reichen meist aus, um die Position zu kontrollieren.

Wichtig ist vor allem, nicht ständig zwischen verschiedenen Tiefen zu pendeln. Sackt man auf sechs Meter ab, ist das nicht tragisch. Acht Meter oder mehr sollten es aber nicht werden. Ein gleichmäßiger Druckverlauf ist für den Körper günstiger als häufiges Auf und Ab.

Warum der Sicherheitsstopp waagerecht am besten gelingt

Optimal ist es, den Stopp in horizontaler Körperlage durchzuführen. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Die Tiefe bleibt stabil. In waagerechter Lage schieben Flossenschläge nach hinten statt nach oben oder unten. Wer dagegen aufrecht im Wasser hängt und paddelt, bewegt sich unwillkürlich auf und ab. Waagerecht genügen meist kleine Änderungen des Atemvolumens, um die Position präzise zu halten.
  • Der Druckunterschied im Körper bleibt klein. Bei einem aufrecht hängenden, 1,80 Meter großen Taucher stehen die Füße rund 1,8 Meter tiefer als der Kopf. Das entspricht etwa 0,18 bar Druckunterschied und damit fast der gesamten Spanne zwischen fünf und drei Metern (0,2 bar). In waagerechter Lage schrumpft dieser Unterschied auf die Dicke des Körpers.
  • Die Durchblutung verteilt sich gleichmäßiger. Schon beim Eintauchen drückt der Wasserdruck Blut aus Beinen und Armen in den Brustraum (Pendergast & Lundgren, 2009). In aufrechter Haltung lastet auf den Beinen der höchste Druck, in waagerechter Lage ist dieses Gefälle gering, und die Durchblutung verteilt sich gleichmäßiger als in aufrechter Position. Ob das die Stickstoffabgabe während des Sicherheitsstopps messbar verbessert, ist bislang nicht untersucht.
  • Das Atmen fällt leichter. Der Atemregler liefert Luft mit dem Druck, der an seiner Membran herrscht. Hängt der Taucher aufrecht, sitzt der Regler am Mund oberhalb der Lunge. Der Wasserdruck auf den Brustkorb ist dann etwas höher als der Druck der Atemluft. Diese sogenannte statische Lungenlast kann die Atemarbeit erhöhen (Anthony & Mitchell, 2016). In Bauchlage liegen Mund und Lunge nahezu auf gleicher Höhe. Ruhiges, gleichmäßiges Atmen hilft wiederum, die Tarierung zu halten.
Mehrere Taucher an einer Leine unter einem Bootsrumpf, eine Taucherin setzt eine rote Oberflächenboje
© Benjamin Schulze – Sicherheitsstopp unter dem Boot: Die Gruppe hält ihre Tiefe an der Leine, eine Taucherin setzt die Oberflächenboje.

Was tun während des Sicherheitsstopps?

Während der Pause lohnt es sich, ruhig zu bleiben und den Tauchgang ausklingen zu lassen. Viele Taucher nutzen diese Zeit für einen letzten Blick in die Umgebung oder um ihre Instrumente zu kontrollieren. Man kann sich dabei auch die Umgebung anschauen oder locker umherschwimmen, vorausgesetzt, die Tiefe bleibt möglichst konstant. Ein gut gewählter Tauchplatz mit strukturierter Unterwasserlandschaft oder ein erfahrener Guide können helfen, den Sicherheitsstopp entspannt, kurzweilig und kontrolliert zu verbringen.

Praktische Ideen für die drei Minuten, nach Themen sortiert:

Kontrolle und Sicherheit – Tarierung stabilisieren – Luftvorrat und Computerwerte kontrollieren – Buddy-Check: Luftvorrat, Aufstiegsplan okay?

Aufstieg vorbereiten – Signalboje (SMB) setzen – Ausstiegsrichtung klären, Boot oder Ufer im Blick behalten – Wasseroberfläche beobachten – Kamera sichern und für die Übergabe an der Wasseroberfläche vorbereiten

Fertigkeiten trainieren – Navigation üben, etwa mit einem kurzen Kompass-Check – Maske ausblasen, Zweitregler atmen – Boje setzen als Übung, immer mit dem Buddy

Genießen – Umgebung beobachten und Flachwasserfauna entdecken – den Tauchgang in Ruhe ausklingen lassen

Wichtig: Die Tiefe möglichst konstant zwischen drei und fünf Metern halten.

Zwei Taucher schwimmen im Flachwasser über ein dicht mit Algen bewachsenes Plateau
© Benjamin Schulze – Ein strukturierter Tauchplatz im Flachwasser macht die Pause kurzweilig, solange die Tiefe konstant bleibt.

Welche Rolle spielt der Tauchcomputer?

Moderne Tauchcomputer unterstützen diesen Ablauf. Viele Geräte zeigen automatisch einen Countdown für den Sicherheitsstopp an, sobald der Tiefenbereich erreicht wird. Manche Modelle empfehlen sogar verlängerte Stopps, wenn das Tauchprofil besonders belastend war, etwa nach einem zu schnellen Aufstieg (Beispiel Suunto, Herstellerangabe).

Dennoch bleibt der Computer ein Hilfsmittel. Entscheidend ist das Verhalten des Tauchers, insbesondere eine kontrollierte Aufstiegsgeschwindigkeit, auch nach Beenden des Sicherheitsstopps bis zum vollständigen Auftauchen. Viele Ausbildungsorganisationen empfehlen heute, auf den letzten zehn Metern nur noch mit höchstens sechs Metern pro Minute aufzusteigen. Der Tauchsportweltverband CMAS rät, vom Grund mit etwa zehn Metern pro Minute aufzusteigen und zwischen den Stopps sowie vom letzten Stopp bis zur Oberfläche auf rund sechs Meter pro Minute zu verlangsamen. Früher übliche 15 bis 18 Meter pro Minute bezeichnet die CMAS als zu schnell (CMAS, 2025). Für den Weg vom Sicherheitsstopp in fünf Metern zur Oberfläche heißt das: knapp eine Minute.

Tauchcomputer am Handgelenk eines Trockenanzugs zeigt 5,1 Meter Tiefe und den Countdown des Sicherheitsstopps
© Benjamin Schulze – Damit der Computer einen Sicherheitsstopp berechnet, muss er meist tiefer als zehn Meter getaucht sein. Hier läuft der Countdown in 5,1 Metern Tiefe.

Warum der Sicherheitsstopp in der Praxis oft zu kurz kommt

In der Praxis sind es oft Routine und Ablenkung, die zu einem zu schnellen Auftauchen führen. Das Boot wartet an der Wasseroberfläche, die Strömung nimmt zu, oder der Blick richtet sich bereits auf den Ausstieg. Wer in dieser Phase bewusst einen Sicherheitsstopp einplant, schließt den Tauchgang ruhig und kontrolliert ab. Auch das Setzen einer Oberflächenboje kann hier geschehen, entweder als Pflicht oder als Übung, immer mit dem Support des Buddys.

Fazit

Ob Beginner oder erfahrener Taucher: Der Sicherheitsstopp ist eine gute Angewohnheit mit großer Wirkung. Drei Minuten in fünf Metern Tiefe kosten kaum Zeit, können aber entscheidend dazu beitragen, den Tauchgang sicher zu beenden.

Externe Quellen

  1. Dunford RG et al. (2002): The incidence of venous gas emboli in recreational diving. Undersea Hyperb Med 29(4):247–259
  2. Marroni A et al. (2004): A deep stop during decompression from 82 fsw (25 m) significantly reduces bubbles and fast tissue gas tensions. Undersea Hyperb Med 31(2):233–243
  3. DAN: Factors Contributing to Decompression Stress
  4. DAN Alert Diver (2010): Deep Stops – Expertenstimmen zum flachen Sicherheitsstopp
  5. CMAS (2025): Correct Ascent Rate
  6. Pendergast DR, Lundgren CEG (2009): The underwater environment: cardiopulmonary, thermal, and energetic demands. J Appl Physiol 106(1):276–283
  7. PADI: History of the Safety Stop

Ohne Link im Text zitiert: Anthony G, Mitchell SJ (2016): Respiratory physiology of rebreather diving. In: Pollock NW et al. (Hrsg.): Rebreathers and Scientific Diving.

FAQ zum Sicherheitsstopp

Wie lange dauert ein Sicherheitsstopp?

Üblicherweise drei Minuten. Nach kalten, anstrengenden oder tiefen Tauchgängen kann man ihn auf etwa fünf Minuten verlängern.

In welcher Tiefe macht man den Sicherheitsstopp?

Zwischen fünf und drei Metern, bei möglichst konstanter Tiefe. Kurz auf sechs Meter abzusacken ist unproblematisch, acht Meter oder mehr sollten es nicht werden.

Ist der Sicherheitsstopp Pflicht?

Bei Tauchgängen innerhalb der Nullzeit nicht. Die Ausbildungsorganisationen empfehlen ihn aber für jeden Tauchgang. Manche Tauchcomputer machen ihn verbindlich, wenn zuvor zu schnell aufgestiegen wurde.

Was ist der Unterschied zwischen Sicherheitsstopp und Dekompressionsstopp?

Ein Dekompressionsstopp ist vorgeschrieben, sobald die Nullzeit überschritten wurde. Der Sicherheitsstopp ist eine zusätzliche Reserve bei Tauchgängen innerhalb der Nullzeit.

Warum sollte man den Sicherheitsstopp waagerecht machen?

In waagerechter Lage lässt sich die Tiefe leichter halten, weil Flossenschläge nicht nach oben oder unten schieben. Außerdem bleibt der Druckunterschied zwischen Kopf und Füßen klein, und Mund und Lunge liegen nahezu auf gleicher Höhe, was das Atmen am Regler erleichtert.

Warum ist der Sicherheitsstopp sinnvoll?

Zwischen zehn Metern und der Oberfläche halbiert sich der Umgebungsdruck. Die Pause verlangsamt den Aufstieg in diesem Bereich und gibt dem Körper Zeit, Stickstoff abzuatmen. Doppler-Studien fanden nach Tauchgängen mit Stopp weniger Gasblasen im Blut.

Wann zeigt der Tauchcomputer einen Sicherheitsstopp an?

Das hängt vom Modell ab. Meist muss der Computer zuvor tiefer als zehn Meter getaucht sein. Viele Geräte zeigen dann im Stoppbereich automatisch einen Countdown.

Wie schnell sollte man nach dem Sicherheitsstopp auftauchen?

Langsam und kontrolliert bis zur Oberfläche. Viele Ausbildungsorganisationen empfehlen auf den letzten zehn Metern höchstens sechs Meter pro Minute. Aus fünf Metern dauert der Weg nach oben damit knapp eine Minute.

Benjamin Schulze ist Redakteur bei TAUCHEN und hat für diesen Beitrag Text und Fotos geliefert. → Alle Artikel von Benjamin Schulze

Dieser Artikel erschien in TAUCHEN-Ausgabe 05/2026 und wurde für die Webfassung redaktionell und maschinell angepasst.