Hannes Jaenicke ist einer der bekanntesten deutschen Schauspieler.

Hannes Jaenicke ist einer der bekanntesten deutschen Schauspieler. © Markus Nass

Aufgeben gibt’s nicht – ein Interview mit Schauspieler Hannes Jaenicke

Der Schauspieler Hannes Jaenicke setzt sich mit seinen Dokumentationen für den Umweltschutz ein. Wir sprachen mit ihm über das Thema Nachhaltigkeit, Meeresschutz und über seine Liebe zu Haien.

Lieber Hannes, du setzt dich ja schon sehr lange für den Meeresschutz ein. Als was würdest du dich denn eher bezeichnen, als Schauspieler oder Umweltaktivist?

Die Schauspielerei ist mein Beruf, ich muss ja auch Miete zahlen wie jeder andere. Der Einsatz für die Umwelt ist meine Freizeitgestaltung. Ganz ähnlich wie Leonardo DiCaprio, nur, dass der die geileren Filme dreht (lacht herzlich).

Wo kommt denn dieses Engagement für die Umwelt eigentlich her?

Ich war schon als Teenager bei Greenpeace aktiv. Ich habe lange in Köln gelebt und war dort in einem Ruderclub, lustigerweise zusammen mit Herbert Grönemeyer! Wir waren gerade im Boot auf dem Wasser, als diese Sandoz-Katastrophe im Rhein passierte. Der Fluss war durch den Chemieunfall faktisch tot, und da wurde mir klar, man muss mehr tun, als monatlich seinen Greenpeace-Beitrag zu überweisen. Damals war ich 26, und weil ich schon immer gern Dokumentationen geschaut habe, dachte ich mir, warum nicht eigene Dokus machen. Dann drehte ich gemeinsam mit Tangofilm die Dokumentation über den Regenwald und die Orang-Utans und er wurde prompt vom ZDF abgekauft. 

Was bedeutet für dich Nachhaltigkeit? 

Lieber weniger in den Urlaub fahren, dafür dann länger und gezielt in ein Resort, das Nachhaltigkeit praktiziert. Oder ich würde nie bei KIK einkaufen, sondern lieber bei Patagonia, dafür hält der Anorak dann aber auch 20 Jahre. Qualität statt Quantität ist das Stichwort!

Wie setzt du denn in deinem Alltag das Thema Nachhaltigkeit um? 

Ich meide Plastik, wo ich nur kann, habe einen Wäscheständer und keinen Trockner, fahre ein Elektro-Auto, benutze nur Frosch-Reinigungsmittel, kaufe nur Bio- und Fairtrade-Produkte ein. Ich bin da sehr akribisch, weil meine CO2-Bilanz aufgrund meiner Reisen eine Katastrophe ist. Schon bei der Buchung der Flüge sorge ich für einen CO2-Ausgleich, das bieten ja mittlerweile sehr viele Airlines an.

Du setzt dich ja unter anderem auch sehr aktiv für den Haischutz ein. Warum ausgerechnet Haie, die ja in der Öffentlichkeit eher ein schwieriges Image haben?

Ich wollte einen Film über Meeresverschmutzung und Überfischung machen. Und der Hai ist einfach das beste Beispiel, an dem man das Problem illustrieren kann. Sie sind die Spitze der marinen Nahrungskette. Alles, was wir ins Meer kippen, sammelt sich konzentriert im Hai. Kein Tier wird weltweit so schnell ausgerottet wie der Hai. Das hat auch mit der chinesischen Delikatesse Haifischflossensuppe und viel mit Beifang zu tun, deshalb haben wir uns dieses Tier ausgesucht. Wenn man den Hai schützt, schützt man automatisch auch das Meer! Und ich finde Haie sind neben den Meeressäugern eines der faszinierendsten Tiere im Meer. Kein Tier schwimmt so elegant, kein Tier ist so ökonomisch mit seinem Energiehaushalt. Der Hai ist eigentlich nicht gefährlich, erst, wenn der Mensch Fehler macht. Keiner regt sich über die vielen, jährlichen Todesopfer bei der Hausarbeit auf, aber wir Deutschen kreischen auf bei vier bis sechs Todesopfern im Jahr, die bei einer Haibegegnung ums Leben kommen. Ehrlich gesagt, ich glaube, wir werden es nicht mehr schaffen, den Hai komplett zu erforschen, bevor er ausgestorben ist. 

Hannes Jaenicke im Kampf gegen die Haifischflossenmafia. Foto: Markus Nass

Warst du selbst mit Haien im Wasser?

Ich war vor der hawaiianischen Insel Oahu auf einer Krabbenfischstation. Die wurde vor 30 Jahren dicht gemacht, aber es tummeln sich dort immer noch sehr viele Haie. Man kann dort Tiger-, Galapagos- und Sandtigerhaie finden. Die deutsche Forscherin vor Ort, Stefanie Brendl, hat sich mit dem Tigerhaiweibchen Princess angefreundet. Die gehen zusammen schwimmen, und wenn sie die Tigerhaidame hinter den Kiemen krauelt, dann macht der Tigerhai wirklich einen auf Hauskatze (lacht).

Würdest du dich denn selbst auch so nah an einen Hai im Wasser herantrauen?

Also, das Gewässer muss klar sein und es dürfen sich keine Fischabfälle oder Tierkadaver im Wasser befinden. Dann auf jeden Fall! Haie sind generell eher faul, deshalb lieben sie auch kranke Tiere oder Kadaver. Die allgemeine Angst in den Menschen vor dem Hai hat natürlich viel mit dem Spielberg-Film „Der Weiße Hai“ zu tun. Aber ehrlich gesagt, wir hier in Deutschland sind eh speziell, wir knallen ja auch ein zweijähriges Bärenjunge ab. Wir sind ein Land voller Angstschisser! Viele machen sich schon in die Hose, wenn zwei Wölfe in der Nähe sind. 

Du bewegst dich in der glitzernden Welt der Schauspieler und in der ernsten Umweltschutzszene. Wie schaffst du diesen Spagat?

Es ist ja nicht alles in der Filmbranche oberflächlich. Würdest du Robert Redford, Al Pacino, Leonardo DiCaprio, Sean Penn oder Robert de Niro als oberflächlich bezeichnen? Das halte ich für ein Vorurteil, das gepflegt wird durch die Bunte und Gala.

Hannes Jaenicke ist entschlossen, sich für den Umweltschutz einzusetzen! Foto: Markus Nass

Aber wie ist es denn, interessieren sich deine Schauspielerkollegen für deinen Einsatz für die Natur?   

In den USA und in England gibt es ein großes Interesse, bei uns in Deutschland ist es etwas anders. Da bin ich ziemlich einsam mit diesem Thema. Vielleicht, weil es in Deutschland diese Scheu gibt, sich zu exponieren? Aber auch, weil man hier in unserem Land sofort Prügel bezieht. Beim Focus nennt man mich immer nur den „Affenversteher“, bei der FAZ den „Vielflieger gegen den Klimawandel“ und im Spiegel bin ich der „Indianer Jones der Mülltrenner“ – du kriegst es halt auch sofort auf die Ohren. Man wird automatisch als Gut-Mensch abgetan, der das alles nur aus PR-Gründen durchzieht. Ich habe jüngst auf Facebook so eine Diskussion gehabt, dass ich ja mit den Dokus, die ich mache, sehr viel Geld verdiene und es ja eine Frechheit sei, diese sich von ZDF-Gebühren finanzieren zu lassen.

Was glaubst du, was kann die Ozeane denn noch retten? 

Unser Konsumverhalten! So wenig Fisch und Fleisch essen wie möglich, Bio- und Fair-Trade-Produkte kaufen sowie so wenig Plastik im Alltag wie irgendwie möglich benutzen. Ich meine in Kalifornien oder sogar Texas ist die Plastiktüte mittlerweile verboten. In Ruanda und Kenia wirst du sogar verhaftet, wenn du mit einer Plastiktüte erwischt wirst. Die Politik wird nix machen, es liegt alles an uns! 

Verzweifelst du manchmal auch einfach an alle diesen negativ Themen? 

Aufgeben gibt es für mich nicht: I’m gonna die standing!

Das Interview führte TAUCHEN-Chefredakteurin Jasmin Jaerisch.