Interview mit Fotograf und Meeresforscher Uli Kunz

Keine Expedition ist ihm zu kalt, zu abenteuerlich oder zu gefährlich – Uli Kunz (39) ist extreme Lebensräume gewohnt. TAUCHEN-Redakteurin Jasmin Jaerisch sprach mit dem Natur-Fotografen über sein Faible für kühlere Gewässer und seine Liebe zu engen Räumen. 

Uli Kunz ist Profi-Fotograf, Abenteurer und Meeresforscher.

Uli Kunz ist Profi-Fotograf, Abenteurer und Meeresforscher.

Was bist du am ehesten: Meeresbiologe, Fotograf oder Abenteurer?
Die typische Berufsbezeichnung gibt’s für mich eigentlich nicht. Ich bin einfach ein Wasserliebhaber!

Was bedeutet das Meer für dich?
Es dreht sich bei mir eher um das Element Wasser. Es ist ein Aufenthaltsort, in dem ich Abenteuer erleben und Geheimnisse entdecken kann. Ein Ort, den man nicht so oft besucht und der daurch eine gewisse Exklusivität bekommt.

Wo hattest du die ersten Berührungen mit dem Element Wasser?
Natürlich in der Badewanne (lacht). Ich habe Stunden damit zugebracht, mir mit der Schwimmbrille den Abfluss genauer anzuschauen. Es folgte der erste Schnorchelausflug in den Bodensee. Der war allerdings von Panik geprägt, weil ich einem Hecht begegnet bin. Ich bin schreiend aus dem Wasser gelaufen.

Welche Orte dokumentierst du mit deiner Kamera am liebsten?
Wenn es um den eigenen Ehrgeiz geht, dann sind es sicherlich die Höhlen.

Warum?
Weil es kein Tageslicht gibt und die Bedingungen sehr anspruchsvoll sind. Man muss viel Licht mitnehmen, die Höhle sehr gut kennen und sich auf das Team verlassen können.

Wendest du eine spezielle Lichttechnik an?
Ja, ich benutze sogenannte Sklaven-Blitze. Die werden auf den Rücken der Taucher befestigt und lösen dann zusammen mit meiner Kamera aus. So kann ich auch die hinteren Teile der Höhle ausleuchten und sehr viel Tiefe schaffen. Es kommen bis zu fünf Blitze zum Einsatz.

Wie funktioniert die Kommunikation mit deinen „Blitz-Trägern“?
Ich bin dann wie ein Dirigent und zeige den Tauchern genau an, wo sie sich für das Foto positionieren müssen.

Gab es brenzlige Situationen?
Ja, aber nur aus eigener Dummheit. Ich hatte mal einen fetten Tiefenrausch, weil wir mit Luftgemisch in große Tiefen getaucht sind.
Aber auch in den Höhlen gab es anspruchsvolle Momente. Selten betauchte Höhlen haben an der Decke und den Seiten viel Sediment. Die Sicht kann sich mit nur einem Flossenschlag oder einmal Ausatmen in Sekunden Richtung Null verschlechtern. Dann muss man trotz völliger Dunkelheit und riesiger Kamera die Ruhe bewahren. Das muss immer wieder trainiert werden.

Und wie ist das mit Meerestieren?
Vor großen Tieren wie Haien habe ich weniger Angst, man darf sie nur nicht bedrängen. Es sind eher die kleinen, giftigen Tiere vor denen ich Respekt habe.

Welche Tier-Begegnung war am aufregendsten?
Im Sommer 2014 konnte ich vor Helgoland in der Nordsee zum ersten mal überhaupt dokumentieren, wie eine Kegelrobbe einen Seehund gefressen hat. Die wilde Natur vor der eigenen Haustür live zu erleben, ist einfach extrem spannend.

Tauchst du lieber im kalten oder warmen Wasser?
Eindeutig am liebsten im Kaltwasser!

Weshalb?
Weil es ein völlig unterschätzter Lebensraum ist – so vielfältig und bunt, damit rechnet einfach niemand. Einen Kelpwald mit 40 Meter Sicht ziehe ich jedem tropischen Korallenriff vor.

 

Weitere Infos über die Arbeit von Uli Kunz finden Sie auf www.uli-kunz.com und www.submaris.com. Das gesamte Interview sowie ein Höhlenspecial mit tollen Fotos von Uli Kunz finden Sie in der Februar-Ausgabe 2015.