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Manta-Paradies Malediven

Der „Manta-Trust“ feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Die NGO erforscht die maledivischen Manta-Rochen-Bestände und versucht durch wirksame Öffentlichkeitsarbeit zu deren Schutz beizutragen. Im Interview spricht der Projektleiter Niv Froman über Bedrohungen für die Rießen-Rochen und die Arbeit der Forscher.

Reef Manta Ray Dorsal Piggyback Feeding, Hanifaru Bay, Baa Atoll, Maldives © Guy Stevens, Manta Trust-1

Interessante Nahrungsaufnahme: Das sogenannte Piggiback Feeding. Foto: Guy Stevens.

Tauchen: Erzählen Sie uns von ihrer ersten Manta-Begegnung?

Niv Froman: Als ich 2010 anfing auf den Malediven zu arbeiten, begegnete mir bei einem Schnorcheltrip in der Dhigurah Lagune ein ausgewachsenes Exemplar. Ich war sofort hin und weg von der Eleganz mit der der Riese durchs Wasser glitt.

Tauchen: Wiewieviele Mantas leben in den Atollen der Malediven?

Niv Froman: Wir gehen von einer Population zwischen 5000 und 6000 Individuen aus. Das ist eine Hochrechnung aufgrund unserer Datensammlung. Wir haben derzeit 3800 identifizierte Individuen in unserer Datenbank.

Tauchen: Wann, warum und wieviele Mantas besichtigen die Hanifaru Bucht?

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Der Meeresbiologe Niv Froman ist von den Rochen seit seiner ersten Begegnung begeistert. Foto: Manta Trust

Niv Froman: Während des sechsmonatigen Monsuns zwischen Mitte Mai und Ende November gibt es hohe Planktonkonzentrationen. In der Bucht bildet sich eine regelrechte Planktonsuppe, was die Hauptnahrung der Mantas darstellt. Es kommen manchmal ein paar Mantas am Tag, manchmal zwischen 50 und 100. Die höchste Zahl die wir jemals feststellen konnten, war im August 2008 – 248 Individuen in nur einer Stunde.

Tauchen: Unterscheidet sich die Bucht damit von anderen „Manta-Spots“ auf den Malediven?

Niv Froman: Hanifaru liegt am östlichen Rand des Baa Atolls, und hat von sich aus schon eine sehr hohe Planktonproduktion. Die Form und die Lage der Bucht begünstigen Monsun- und Gezeitenabhängige Strömungen, die das Plankton in der Bucht förmlich einschließt. Eine derartige Ansammlung an Mantas gibt es nirgendwo sonst auf der Welt und auch nicht in den Malediven. Zudem ist sie recht präzise vorhersagbar.

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Geflügelte Rießen aus der Tiefe. Foto: Guy Stevens.

Tauchen: Die Hanivaru Bucht ist zum UNESCO Naturreservat erklärt worden. Warum, und was bedeutet das?

Niv Froman: Harifu wurde 2009 zum Meeresschutzgebiet erklärt. Das gesamte Baa Atoll ist dann 2011 zum Naturschutzgebiet ausgerufen worden. Davor hatte die Fischerei und der unregulierte Tourismus einen erschreckenden Einfluss auf das Gebiet genommen. Das Schutzgebiet trägt nun dazu bei, den Einfluss auf die fragilen Populationen zu minimieren.

Tauchen: Unter welchen Auflagen können Touristen die Bucht besuchen?

Niv Froman: Es wurde ein Grenze von fünf Booten und 80 Besuchern gleichzeitig festgelegt. Die maximale Zeit in der Bucht ist auf 45 Minuten begrenzt. So sollen die Mantas weniger gestört werden. Die Boote müssen von einem zertifizierten Guide begleitet werden, und jeder Besucher muss 20 Dollar Meeresschutzgebühr für den Besuch bezahlen. Dieses Geld wird für die Naturparkranger verwendet, die die Einhaltung der Regularien beaufsichtigen.

Tauchen: Das „Maldivian Manta Ray Project“ (MMRP) feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Was war der größte Erfolg?

Niv Froman: Wir hatten viele Erfolge, alle Ergebnis dutzender Helfer, die sich voller Leidenschaft für unser Projekt engagiert haben. Herausragend war natürlich die Implementierung des Naturparks. Es hat die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Wert des Schutzes gelenkt.

Reef Manta Ray, Manta alfredi, Mass Feeding Event, Hanifaru Bay, Baa Atoll, Maldives © Guy Stevens, Manta Trust

Eine Begegnung mit einer Manta-Schule ist ein beeindruckendes Erlebnis. Foto: Guy Stevens.

Tauchen: Was sind die Hauptaufgaben des MMRP auf den Malediven?

Niv Froman: Unsere Philosophie besteht aus drei Schwerpunktthemen. Forschung, Medienwirksamkeit schaffen und Wissensvermittlung. Die Biologie der Manta-Rochen ist bisher wenig erforscht worden und hier auf den Malediven finden wir die besten Bedingungen vor, um dies nachzuholen. Während wir jeden Tag mit den Tieren draußen auf dem Meer sind, lernen wir ihre Migrationsrouten, ihr soziales Verhalten, ihre Populationsdynamik sowie potentielle Gefahren kennen und verstehen. Wir arbeiten eng mit den Tourismusbehörden zusammen, um die Aufmerksamkeit auf die Gefährdung und Verletzlichkeit der Bestände aufmerksam zu machen. Wir haben außerdem eine Programm für Schulen entwickelt, das ein Umweltbewusstsein für die nächsten Generationen lehrt.

Tauchen: Was sind die Hauptgefahren, die den Mantas entgegengebracht werden?

Niv Froman: Mantas sind gesetzlich geschützt und deshalb keine Ziele der örtlichen Fischerei. Allerdings setzen ihnen die Leinen sowie der durch den Tourismus steigende Bootsverkehr zu. Die Zahlen durch Leinen und Bootsschrauben verletzter Tiere nehmen traurigerweise immer weiter zu.

Tauchen: Was war die wichtigste Erkenntnis aus zehn Jahren Manta-Forschung?

Niv Froman: Die geringe Fruchtbarkeit und Fortpflanzung der Tiere. Maledivische Mantas gebären im Schnitt ein Junges alle sieben Jahre. Das erklärt die hohe Verletzlichkeit der Bestände.

Tauchen: Was ist ihr größter Wunsch in Bezug auf die Zukunft der Mantas?

Niv Froman: Ich träume von dem Tag an dem das Fischen von Mantas, sei es gezielt oder als Beifang, der Vergangenheit angehört und die wunderschönen Tiere überall auf unserem Planeten umher schwimmen können – respektiert, bewundert und ungestört.

Das folgende Video zeigt tolle Aufnahmen des Manta Trust, sowie den Gründer des Manta Trust, Guy Stevens, im Interview.