Die neue TAUCHEN Oktober Ausgabe 2017.
Fred Buyle verwendet für seine Aufnahmen ausschließlich Weitwinkelobjektive und natürliches Licht. So entstehen tolle Bilder wie hier in den Cenoten Mexikos.

Fred Buyle verwendet für seine Aufnahmen ausschließlich Weitwinkelobjektive und natürliches Licht. So entstehen tolle Bilder wie hier in den Cenoten Mexikos. © Foto: Fred Buyle

Weltrekordler und UW-Fotograf: Apnoetaucher Frederic Buyle im Interview

Frederic Buyle fotografiert ausschließlich beim Apnoetauchen. Der ehemalige Weltrekordhalter erklärt, warum das nur Vorteile hat.

Der Belgier Fred Buyle (44) stellte vier Weltrekorde im Apnoetauchen auf. Heute ist er für seine Unterwasserfotos berühmt. GEO, National Geographic, New York Times – die Liste seiner Veröffentlichungen ist hochkarätig. TAUCHEN-Redakteur Timo Dersch interviewte den leidenschaftlichen Fotografen.

Der Name deiner Produktionsfirma ist Nektos. Wofür steht das?

Es ist Altgriechisch und bedeutet Schwimmen. Außerdem bezeichnet es in der Meeresbiologie die Zone zwischen null und 200 Metern Tiefe. Da sich Freitaucher und die Meereslebewesen, die ich fotografiere, in dieser Zone bewegen, passt der Name ganz gut.

Warum fotografierst du ausschließlich beim Apnoetauchen?

Das hat mehrere Gründe. Freitauchen ist einfach. Du musst dich nicht um die ganzen Gerätschaften kümmern, nur um deine Kamera. Geräuschlos zu sein hilft natürlich sehr, wenn man mit scheuen Lebewesen arbeitet. Anstatt sie jagen zu müssen, kommen sie oft aus Neugierde von selbst zu mir. Außerdem verbrauchen Freitaucher weniger umweltschädigende Ressourcen.

Weltrekordler und UW-Fotograf: Apnoetaucher Frederic Buyle im Interview. Foto: Timo Dersch

Weltrekordler und UW-Fotograf: Apnoetaucher Frederic Buyle im Interview. Foto: Timo Dersch

Welche Botschaft möchtest du mit deinen Bildern transportieren?

Ich konzentriere mich ausschließlich auf Weitwinkelfotografie um die Größe und Erhabenheit des Ozeans darzustellen. Ich möchte genau das zeigen, was der Taucher auch sieht. Makro ist immer nur ein winziger Bildausschnitt der Realität. Ich versuche, Freitaucher Haien oder Walen gegenüberzustellen, um den Größenkontrast hervorzuheben. Die Bilder sollen zeigen, dass das keine Monster da unten sind. Vielleicht ermutigt es den Betrachter des Bildes, selbst eines Tages friedlich mit einem Hai zu schwimmen. Ich finde besonders heutzutage ist es wichtig, Menschen nicht von der Natur zu trennen. Wir sind ein Teil der Natur.

Auf deiner Internetseite gibst du ein Versprechen. Du verwendest ausschließlich natürliches Licht für deine Bilder, kein Atemgerät, und beim Editieren wird nichts hinzugefügt oder entfernt. Sollten sich alle Fotografen daran halten?

Das kann jeder für sich selbst entscheiden. Es ist eine persönliche Richtlinie für meine Arbeit. Sie stammt aus einer Zeit, als die Digitalfotografie neu war. Wer digital fotografierte, wurde oft des Betrugs bezichtigt.

Du hast in den 90er Jahren bei Apnoe-Wettkämpfen getaucht – selbst Weltrekorde aufgestellt. Wie siehst du die Entwicklung des Sports?

Ich glaube wir haben damals die goldenen Zeiten des Wettkampfsports erlebt. Das mediale Interesse war riesig. 15 Athleten konnten von Sponsorengeldern leben. Heute ist es vielleicht noch einer. Es gibt zu viele Diszi-plinen. Die Athleten sind keine Charaktere mehr. Umberto Pelizzari, Pierre Frolla, ich – wir hatten viele Projekte. Die Rekorde waren nur ein Teil vom großen Ganzen. Es gibt hoch talentierte Athleten da draußen, aber nur an einem Seil entlangtauchen reicht eben nicht. Ich sehe die Zukunft im Breitensport. Er ist einfach zugänglich. Die Hersteller produzieren immer mehr Apnoe-Ausrüstung und es gibt großartige Dokumentationen. Ich finde diese Entwicklung gut.

Was ist dein Lieblingstauchplatz?

Das kommt darauf an was ich fotografieren möchte. Blauwasser ist im Mittelmeer toll. Für die Tierwelt ist Malpelo in Kolumbien meine Nummer eins.

Gibt es etwas, was du Nachwuchsfotografen mit auf den Weg geben möchtest?

Fotografiert von Anfang an mit manuellen Einstellungen. Wer direkt damit anfängt, hat es am Ende leichter. Wenn deine Bilder nichts werden, gib dir die Schuld, nicht der Kamera.