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Aneinander vorbei – 2 Beispiele, wie man sich nicht bei Strömung verhält.

Ein paar Sekunden in der Strömung, und schon ist man verloren …

: wurden beim Scubacenter Sv. Marina www.scubacenter.de
und bei Aquanauts Grenada www.aquanautsgrenada.com nachgestellt. FOTOGRAF: Wolfgang Pölzer

Als erfahrene Taucher (mehr als 200 und 500 Tauchgänge) waren wir auf den Malediven zum Tauchen. Der Kapitän hatte das Tauchboot noch nicht richtig unter Kontrolle und traute sich nicht so recht an das Riff heran. Das Meer war etwas aufgewühlt, die Wellen 1,5 Meter bis 2 Meter hoch.

Beim ersten Tauchgang ging unser Guide als erster ins Wasser und hatte uns vorher gebrieft, dass wir aufgrund der Strömung möglichst schnell absteigen und die etwas weitere Strecke zum Riff direkt zurücklegen (Fehler 1).

Dann wollten wir entscheiden, welche Richtung wir nehmen, wir waren ja nur zu dritt. Ich sprang direkt danach ins Wasser, sah, wohin der Guide schwamm und drehte mich kurz um. Ich sah, wie mein Buddy ins Wasser sprang, und aufgrund der Strömung folgte ich mit schnellem Flossenschlag dem Guide.

Am Riff angekommen, erkundigte sich der Guide nach meinem Budd. Und wirklich, von ihm war nichts zu sehen. Wir warteten etwa zwei Minuten und entschieden uns für den Aufstieg (Fehler 2). Aber auf dem Boot war mein Buddy auch nicht. Auch der Kapitän hatte nichts gesehen. Wir hofften, dass nichts passiert war und fuhren in einiger Entfernung am Riff entlang.

Aufgrund der Wellen und der rauen See waren aber keine Blasen zu sehen. Nach einer gefühlten Ewigkeit (wahrscheinlich waren es nur fünf Minuten), sahen wir eine orangefarbene Boje und konnten meinen Buddy einsammeln. Der hatte etwas zu wenig Blei dabei und Mühe, abzutauchen (Fehler 3).

Das hat so lange gedauert, dass er sowohl mich als auch den Guide aufgrund der weiten Strecke bis zum Riff aus den Augen verloren hatte. Er kam viel weiter links am Riff an und vermutete (Fehler 4), wir wären schon mit der Strömung am Riff nach links gedriftet und hat noch mehr Gas gegeben, um uns einzuholen.

Nach einer Weile hat er sich dann aber doch für den Aufstieg und die Boje entschieden, und nach dem ersten Schreck konnten wir doch noch einen gemeinsamen Tauchgang machen. Die folgenden Tauchgänge sind wir aber immer kontrolliert zusammen abgetaucht. So eine Suchaktion ist nichts für schwache Nerven.

Völliges Versagen

Wenn nicht nur Signalmittel fehlen, sondern auch
das Können der Crew zu wünschen übrig lässt, kann es schnell zu Situationen wie dieser hier kommen.

Mein Buddy Brigitte (OWD) und ich (AOWD, 120 TG) wollten im Norden Tunesiens von einem Boot aus tauchen. Da Brigitte erst 25 TG geloggt hatte, sollten wir mit unserem Guide als letzte Gruppe abtauchen. Während des Abtauchens signalisierte der Guide, dass Brigitte Probleme mit dem Druckausgleich hat. Sie wollten wieder auftauchen, um erneut langsam abzutauchen.

Derweil sollte ich unter dem Boot in zwölf Metern Wassertiefe warten. Da sie nicht kamen, erkundete ich die Felsen unter dem Boot – ständig auch den Blick nach oben (Fehler 5). Als nach über 30 Minuten (Fehler 6) eine Gruppe nach der anderen zurückkam, tauchte auch ich auf und suchte nach Buddy Brigitte und Guide auf dem Boot.

Währenddessen wurde der Anker eingeholt und das Boot für die Rückfahrt fertiggemacht. Doch mein Buddy und der Guide waren nicht an Bord! Nach Alarmierung des Bootsführers fuhr dieser Suchkreise, und alle hielten Ausschau nach Luftblasen (Fehler 7). Da keine zu sehen waren, gingen alle Taucher am Ankerplatz erneut ins Wasser, um zu suchen (Fehler 8).

Als die Luftvorräte aufgebraucht waren, wurde die Suche abgebrochen. Das Boot fuhr zurück in den Hafen. Die Küstenwache wurde alarmiert (Fehler 9) und lief zusammen mit Fischerbooten aus. Nach über 1,5 Stunden wurden die beiden erschöpft und unterkühlt gefunden. Sie waren etwa zwei Kilometer abgetrieben.

Der Guide hatte eine Unterwasserströmung nicht bemerkt. Ihr Winken mit einer Flosse hatten wir von unserem Boot aus nicht gesehen. Signalmittel hatten die beiden nicht dabei (Fehler 10).

FEHLERANALYSE

    1. Bei starken Strömungen sollte man möglichst gleichzeitig ins Wasser springen und zusammen bleiben. In diesem Fall wäre es auch ratsam gewesen, die Taucher trotz der Befürchtungen des Bootsführers direkt an der Riffkante absetzen zu lassen.

    2. Die Taucher hätten auf alle Fälle im Buddyteam bleiben sollen, gemeinsam scheitern sozusagen. Der erfahrene Guide hätte sie sicher gefunden.

    3. Bei solchen Strömungstauchgängen mit der Relevanz, sofort abtauchen zu müssen, ist es nie verkehrt, etwas mehr Blei dabei zu haben und vor dem Sprung dafür zu sorgen, dass sich keine Luft mehr im Jacket befindet.

    4. In dem Fall wäre es die beste Option gewesen, sofort wieder aufzutauchen und zusammen mit dem Bootsführer auszumachen, ob man Blasen sehen und sich neu absetzen lassen könnte oder einfach nur wartet, bis Guide und Buddy auftauchen.

    5. Der Blick hätte stets auf Buddy und Guide gerichtet bleiben sollen. Kurz vor dem Verlust des Sichtkontakts hätte man dem Duo entweder folgen oder aber auftauchen und den Tauchgang beenden müssen.

    6. 30 Minuten warten ist viel zu lang. Nach maximal fünf Minuten ohne jeglichen Kontakt sollte aufgetaucht und zurück zum Boot geschwommen werden. So hätte man schon nach dem Team Ausschau halten können.

    7. Die Suche, wenn auch passiv, hätte längst durch Beobachtung der Wasseroberfläche erfolgen müssen. Nach dieser langen Zeit ist es völlig unlogisch, nach Blasen im Wasser zu schauen.

    8. Nach solch langer Zeit des Suchens nach Blasen hätte allen klar sein müssen, dass die beiden nur noch an der Wasseroberfläche zu finden sind. Somit waren die Rückkehr zum Ankerplatz und das Abtauchen völlig falsch.

    9. Die Küstenwache hätte sofort nach dem ersten Suchversuch informiert werden müssen. Durch die späte Alarmierung ist wertvolle Zeit vergangen. Zudem hätte man vom Boot aus weiter suchen können – ohne Rückfahrt zum Hafen. Hier scheint es ein ganz eklatantes Versagen von Bootscrew und Diveguides gegeben zu haben. Wenigstens die Strömungsrichtung hätte ihnen bekannt sein müssen.

    10. Vor allem bei Strömungstauchgängen sind Signalmittel wie Bojen, Spiegel oder Pfeifen mitzuführen.

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