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Anomalien der Meeresoberflächentemperatur von Ende Mai bis Ende Juni 2015.

Anomalien der Meeresoberflächentemperatur von Ende Mai bis Ende Juni 2015. © NOAA/PMEL

Klimawandel bringt extreme El Niños

Das Klimaphänomen El Niño ist eine alle zwei bis sieben Jahre wiederkehrende Erwärmung des tropischen Pazifiks mit weltweiten Auswirkungen auf das Klima. Einer Studie von Wissenschaftlern des Geomar Kiel zufolge, verstärkt die voranschreitende Klimaerwärmung besonders heftige El-Niño-Ereignisse. Für die zweite Jahreshälfte prognostizieren sie einen Super-El-Niño!

Etwa alle zwei bis sieben Jahre erwärmt sich der tropische Ost- und Zentralpazifik. Das Phänomen hat unter anderem negative Auswirkungen auf die Fischerei vor Peru und Chile. Da diese Phänomene vornehmlich um die Weihnachtszeit auftitten, nannten die peruanischen Fischer die außergewöhnlichen Erwärmungen El Niños, spanisch das Christkind. Heute weiß man, dass sie Auswirkungen auf das Klima im gesamten indopazifischen Raum haben, besonders starke Ereignisse zeigen sogar globale Fernwirkungen. So gehen teils katastrophale Überschwemmungen in den direkt angrenzenden Ländern, aber auch extreme Trockenheit im Amazonasbecken und sogar in Australien auf das Konto des pazifischen Christkinds. Doch wird dieses Klimaphänomen auch von der zunehmenden Erwärmung des Planeten beeinflusst? Dieser Frage gingen Wissenschaftler am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel nach. „Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass die Erderwärmung besonders starke El-Niño-Ereignisse noch weiter intensivieren kann“, sagt Professor Dr. Mojib Latif vom Geomar, Erstautor der Studie. Sie erschien jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Climatic Change.

Für ihre Untersuchung haben die Autoren das Kieler Klimamodell genutzt, ein anerkanntes Computermodell, das die Vorgänge im Ozean, in der Atmosphäre und im Meereis und ihre Wechselwirkung untereinander darstellt. Mit diesem Modell wurden 22-mal je 100 Jahre Klimaerwärmung simuliert. Die Startbedingungen waren bei jedem Durchlauf andere. „Dadurch wollten wir klären, in wieweit die Ergebnisse von bestimmten Klimazuständen abhängen, die wir vielleicht gar nicht kennen“, sagt Professor Latif.

Doch trotz unterschiedlicher Ausgangsituationen waren die Ergebnisse deutlich. „Wir konnten einerseits beobachten, dass sich die Schwankungen der Meerestemperatur mit zunehmender globaler Erwärmung vergrößerten“, sagt Professor Latif, „vor allem nahm aber die Häufigkeit von extremen El Niños zu.“ Diese Ereignisse bezeichnen die Wissenschaftler als „Super-El-Niños“.

Auch in der Vergangenheit gab es bereits derartige Ereignisse. Eines ist vom Ende des 19. Jahrhunderts bekannt, zwei weitere aus den Jahren 1982/83 und aus den Jahren 1997/98. Damals lagen die Wassertemperaturen an der Oberfläche des Ostpazifiks bis zu sieben Grad Celsius über den Durchschnittstemperaturen. „Die Simulation legt den Schluss nahe, dass sich solche Ereignisse aufgrund der globalen Erwärmung häufiger wiederholen werden“, sagt Professor Latif. Einen Grund sehen er und seine Kollegen in der Erwärmung des Westpazifiks bis in Tiefen von 200 Metern. Dort entscheidet sich oftmals die Stärke von El-Niño-Ereignissen, was man anhand theoretischer Studien zeigen kann.

Mit besonderer Spannung beobachten die Klimaforscher jetzt die aktuelle Entwicklung im Pazifik, denn für die zweite Jahreshälfte 2015 wird wieder ein starker El Niño vorhergesagt. „Uns interessiert aber auch, warum ein bereits für 2014 prognostizierter El Niño ausgeblieben ist“, sagt Professor Latif, „solche Entwicklungen helfen uns, unsere Modelle an der Realität zu testen und noch bessere Zukunftsprojektionen zu erstellen.“ Weitere Infos finden Sie auf www.geomar.de