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Eine Gruppe von Kühen fand den kleinen Seehund im Marschland bei Lincolnshire/England.

Eine Gruppe von Kühen fand den kleinen Seehund im Marschland bei Lincolnshire/England. © Skegness Natureland Seal Sanctuary

Kuh rettet Heuler

Unglaublich, aber wahr: Eine Kuh-Herde bei Lincolnshire in England hat einen gestrandeten Heuler vor dem Tod gerettet. Das ungewöhnliche Verhalten der Kühe machte einen Vogelbeobachter stutzig und neugierig. Er fand das hilflose, im Schlamm steckende Tier und alarmierte die Seehundstation. Dort wird der fünf Tage alte Heuler jetzt aufgepeppelt.

Was für eine Meldung! Völlig entkräftet liegt ein kleiner Heuler im Schlamm des Marschlandes bei Lincolnshire in England. Um ihn herum eine Gruppe von Kühen, die den kleinen Meeresbewohner neugierig beäugen. Die Flut brachte ihn weit ins Landesinnere, wo er dann beim ablaufenden Wasser strandete. Ian Elli (67) wollte eigentlich Vögel im Marschland beobachten, als er die ungewöhnliche Ansammlung der Kühe sah. Er kam näher und entdeckte den hilflosen Seehund. Schnell informierte Ian die Vogelschutzwarte, die wiederrum die Seehund-Rettungs-Station Skegness Natureland Seal Sanctuary alamierte.

Celebration wird jetzt aufgepeppelt

Der Direktor der Seehund-Station Duncan Yeadon sagte gegenüber ABC News: „Der Heuler war gerade mal fünf Tage alt und kam sofort in die Pflegestation. Dort wird er von Pflegern und Tierärzten aufgepeppelt und ärztlich versorgt. Celebration, wie wir den kleinen getauft haben, ist unterernährt, ausgetrocknet und hat eine leichte Atemwegsinfektion. Dieser kleine Heuler ist uns sehr ans Herz gewachsen. Er wirkt sehr dankfür die Hilfe, ist lieb und neugierig.“ Es wird voraussichtlich drei Monate dauern, bis Celebration genug Gewicht erreicht und erlernt hat, wie man Fische fängt. Dann wird sie in die Freiheit entlassen. Der junge Meeressäuger hatte Glück im Unglück und verdankt seine Rettung den neugierigen Kühen.

 

Was tun wenn man einem Heuler begegnet?

Nicht nur an Englands Küsten, sondern auch an unserer Nordseeküste findet man in den Sommermonaten kleine Heuler am Strand. Worauf man achten sollte und was zu tun ist, verrät uns die Diplombiologin Eva Baumgärtner (32) aus der Seehundsstation Friedrichskoog an der Nordsee.

Eva Baumgärtner von der Seehundsstation Friedrichskoog.

Was ist ein Heuler?

Nicht jedes Jungtier das alleine am Strand liegt, ist automatisch ein Heuler, sondern nur diejenigen Jungtiere, die in der Säugezeit (in den ersten vier bis fünf Lebenswochen) dauerhaft von der Mutter getrennt sind, werden als solche bezeichnet.

Warum wird der Heuler so genannt?

Weil die Jungtiere beim Versuch, die Mutter zu rufen, einen herzergreifenden Ton von sich geben.

Warum lassen die Mütter die Jungtiere alleine?

Die Gründe für die Trennung sind vielfältig. Ein Seehundjungtier schwimmt gleich mit der Mutter mit, hat aber noch nicht viel Kraft und deshalb trägt die Mutter es öfters auf dem Rücken. Bei Sturm können beiden voneinander getrennt werden und finden dann nicht mehr zueinander. Die Mutter kann aber auch sterben oder krank werden. Leider gibt es auch immer noch menschengemachte Heuler, das bedeutet, dass Wattwanderer, Flugzeuge oder Schiffe sich den Sandbänken während der Säugezeit zu doll nähern und die sehr scheuen Mütter stören. Sie verlassen dann schlagartig ihre Jungen.

Woran erkennt man, dass der Heuler alleine ist?

Für den Laien ist das recht schwer zu beurteilen. Wichtig: Bitte halten Sie Abstand zu den Tieren, lassen Sie sich nicht von den großen Kulleraugen verführen und fassen Sie die Jungtiere auf keinen Fall an, denn vielleicht ist die Mutter noch in der Nähe. Am besten man ruft einfach die Polizei oder die Seehundstation direkt an. Wir schicken dann einen Seehundjäger.

Was macht der Seehundjäger?

Der Name erschreckt etwas, aber er jagt die Tiere nicht, sondern kümmert sich um sie. Er schaut sich die Heuler an, guckt ob die Mutter in der Nähe ist, ob die Tiere verletzt sind und entscheidet schließlich, ob die Tiere zu uns kommen.

Was passiert mit den Heulern auf ihrer Station?

Sie werden auf Verletzungen und ihren Zustand untersucht. Dann kommen sie erstmal in Quarantäne und in ein Aufzuchtsbecken. Wir versuchen, den Kontakt so gering wie möglich zu halten. Auch die Gäste dürfen sie nur aus der Entfernung beobachten. Das Ziel ist ja die Auswilderung und sie sollen sich nicht an uns Menschen gewöhnen. Die Heuler bleiben zwei bis drei Monate bei uns und werden dann ausgewildert.

Wie läuft die Auswilderung ab?

Wie arbeiten mit einem befreundeten Kapitän zusammen, auf dessen Schiff die Tiere verladen werden. Dann fahren wir eine Stunde raus ins Wattenmeer, dort setzen wir die Tiere über Bord. Wenn die Kleinen plötzlich im Meer schwimmen, werden ihre Augen noch mal ganz schön groß und manchmal drehen sie noch ein paar Runden ums Boot, aber dann sind sie meist auch schon weg.

Was ist das für ein Gefühl bei der Auswilderung?

Das ist eigentlich das Schönste an der ganzen Arbeit! Ich freue mich immer sehr, wenn man sie zwei, drei Monate aufgezogen hat und sie endlich in die Freiheit entlassen kann.

Jasmin Jaerisch