Ergebnis der 66. IWC-Tagung: Keine neuen Schlupflöcher für Walfänger!

Ergebnis der 66. IWC-Tagung: Keine neuen Schlupflöcher für Walfänger! © Mark Votier

Walschutz-Konferenz IWC: Walfangverbot bleibt bestehen

Auch wenn auf der diesjährigen Walschutz-Konferenz IWC einem Schutzgebiet für die Meeressäuger nicht zugestimmt wurde, so ist die Tagung doch ein Erfolg für den Schutz der Wale. Die Walfangländer konnten keine neuen Schlupflöcher für die Jagd auf die Meerestiere durchsetzen.

Die 66. Tagung der Internationalen Walfangkommission IWC in Portoroz, Slowenien, hat am Freitag den 28. Oktober 2016 ihren Abschluss gefunden. Ein Vorstoß für ein Walschutzgebiet im Südatlantik scheiterte zwar, aber alle Versuche, das 30 Jahre alte Walfangmoratorium zu beenden und neue Rechtfertigungen für die Jagd auf die Meeresriesen zu finden, konnten abgewehrt werden.

Auf der Agenda der IWC-Tagung standen in diesem Jahr vor allem Anträge, die darauf abzielten, das geltende Walfangverbot weiter auszuhöhlen und die kommerzielle Waljagd durch die Hintertür wieder einzuführen. „Die Botschaft dieser Konferenz ist klar“, so Altherr, die für Pro Wildlife bereits seit 17 Jahren an IWC-Konferenzen teilnimmt: „Walfang bleibt verboten. Alle Initiativen der Walfangländer scheiterten erfreulicherweise. Der Walfang in Europa ist endlich wieder ein Thema. Aber wir haben wertvolle Zeit verloren. Der Walschutz geht nur im Schneckentempo voran, denn gestoppt ist der Walfang in Norwegen, Island und Japan noch lange nicht.“

Die Ergebnisse der 66. Walfangkonferenz im Überblick:

  • Pläne für ein Walschutzgebiet im Südatlantik scheiterten mit 38 Ja- zu 24 Nein-Stimmen an der erforderlichen Dreiviertelmehrheit. Obwohl in diesem Gebiet keine Jagd auf Großwale stattfindet, hätten von einem Schutzgebiet Kleinwale und Delfine von strengeren Fischereiauflagen profitiert.
  • Die Resolution Australiens und Neuseelands, den „Wissenschaftswalfang“ stärker unter die Kontrolle der IWC zu bekommen, wurde mit 34 Ja- zu 17 Nein-Stimmen angenommen. Nachdem der Internationale Gerichtshof 2014 das japanische „Wissenschaftsprogramm“ als illegal abgelehnt hatte, zielt dieser Vorstoß auf eine unabhängige Prüfung solcher Programme ab. „Bisher genehmigt sich Japan seine umstrittenen Programme jeweils selbst – etwa 15.500 Wale starben wegen diesem Schlupfloch bisher“, sagt Altherr.
  • Zwar lag keine konkrete Resolution zum kommerziellen Walfang in Europa vor, aber die Europäische Union und die USA forderten Island und Norwegen nachdrücklich auf, ihre Waljagd und die Exporte von Walfleisch nach Japan zu beenden. „Diese klaren Worte waren überfällig; zulange blieben die beiden Länder in der Diskussion hier verschont. Norwegen tötet Wale in europäischen Gewässern und nutzt EU-Häfen als Zwischenstation, um Walfleisch nach Japan zu liefern – die EU muss gegen beides vorgehen“, so Altherr. Allein 2016 exportierte Norwegen bisher mindestens 197 Tonnen Walfleisch nach Japan, im Fall Islands waren es gar 1.530 Tonnen. Pro Wildlife, OceanCare und Animal Welfare Institute hatten jüngst zu Norwegens Walfang den Bericht „Frozen in Time“ veröffentlicht.
  • Fünf afrikanische Länder, mussten ihren Versuch, Walfang gegen den Welthunger ins Feld zu führen, zurückziehen. „Dieser abstruse Antrag von Ghana, Elfenbeinküste, Mali, Guinea und Benin war einer der vergeblichen Versuche Japans, Walfang neu zu legitimieren –  als Lösung für den Welthunger. Alle fünf Länder stehen bekanntermaßen unter Japans Einfluss. Geradezu zynisch: Japans Fischfangflotte trägt wesentlich dazu bei, die Meere vor Westafrikas Küsten leer zu fischen und den lokalen Fischern die Existenz zu rauben“,  so die Pro Wildlife Sprecherin.
  • Auch mit dem Versuch, den „kleinen Küstenwalfang“ als neue Walfangkategorie zu etablieren, biss Japan bei den Walschutzländern auf Granit. „Vor allem die EU, Australien und Neuseeland lehnten dies kategorisch ab“, berichtet Altherr.
  • Dank einer Resolution Australiens, Neuseelands und der USA (angenommen mit 38 Ja- bei 23 Nein-Stimmen) soll nun die in die Jahre gekommene IWC auf ihre Effektivität hin überprüft werden. „Dies ist ein erster Schritt, mittelfristig einige antiquierte IWC-Regelungen zu ändern“, begrüßt Pro Wildlife den Schritt.
  • Basierend auf eine Resolution Chiles und Kolumbiens wurde eine Zusammenarbeit der IWC mit der 2015 in Kraft getretenen Minamata-Konvention vereinbart (38 Ja- bei 23 Nein-Stimmen). „Dies hilft uns dabei, den Quecksilbergehalt in Walen und Delfinen noch stärker zum Thema zu machen und so hoffentlich die Nachfrage weiter zu verringern“, erläutert Altherr. „Japan versucht die Gesundheitsrisiken von belastetem Delfinfleisch zu verharmlosen, um auch weiterhin die Jagd auf bis zu 15.000 Tiere jährlich zu rechtfertigen.“ Bereits 2010 und 2012 haben Pro Wildlife und OceanCare auf die Giftstoffbelastung von Walen und Delfinen hingewiesen.

Die 67. Tagung der IWC wird 2018 stattfinden. Dort steht das Aushandeln neuer Fangquoten für die Ureinwohner Grönlands, Russlands und Alaskas an; außerdem wird ein neuer Vorstoß Japans erwartet, doch noch grünes Licht für kommerziellen Küstenwalfang zu bekommen.

Über Pro Wildlife

Pro Wildlife ist eine gemeinnützige Organisation, die sich global für den Schutz von Wildtieren und ihrer Lebensräume einsetzt. Weltweit unterstützt Pro Wildlife Artenschutzprojekte vor Ort und leistet Aufklärungsarbeit, um Wildtierhandel und Wilderei einzudämmen. Pro Wildlife nimmt an Konferenzen wie der Internationalen Walfangkommission (IWC) und dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA, engl. CITES) teil, um den Schutzstatus von Wildtieren weltweit zu verbessern. www.prowildlife.de