Türkisfarbenes Flachwasser, senkrechte Steilwände, Riffhaie und Wracks: Eine Tauchsafari von Nassau zu den Exumas und nach Eleuthera an Bord der Bahamas Aggressor II zeigt, wie abwechslungsreich das Tauchen auf den Bahamas sein kann.
Text und Fotos: Richard Condlyffe
Erschienen in TAUCHEN 09/2026 · Tauchtörn mit der Bahamas Aggressor II
Das Wichtigste in Kürze
- Liveaboard Bahamas Aggressor II ab Nassau, Samstag bis Samstag, jeweils sieben Nächte
- Route durch die Exuma Cays bis nach Eleuthera, Saison von Juli bis März
- Tauchplätze wie Lost Blue Hole, Dog Rocks, das Wrack Austin Smith und das Smuggler’s Plane
- Regelmäßige Begegnungen mit Karibischen Riffhaien, dazu Schildkröten, Stechrochen und viele kleine Riffbewohner
- Geeignet für Taucher mit Erfahrung an Steilwänden und bei Strömung
- Preis ab 3.495 US-Dollar pro Person für sieben Nächte (Stand TAUCHEN 09/2026)
Bahamas: Tauchen zwischen Exumas und Eleuthera
Die zentralen Bahamas sind weit mehr als türkisfarbenes Wasser und weiße Sandstrände. Auf einer einwöchigen Tauchsafari von Nassau zu den Exumas und nach Eleuthera wechseln geschützte Korallenriffe mit Steilwänden, Blue Holes und Wracks. Dazwischen begegnen dir Karibische Riffhaie, Schildkröten, Rochen und eine Vielzahl kleinerer Riffbewohner.
Wenn du an die Karibik denkst, entstehen schnell Bilder von klarem, türkisfarbenem Wasser, Korallenriffen und Sonnenuntergängen in warmen Pastelltönen. Kaum ein Revier entspricht diesem Bild so sehr wie die Bahamas. Doch eine Woche an Bord der »Bahamas Aggressor II« zeigt, dass unter der Wasseroberfläche deutlich mehr Abwechslung wartet.
Die Route führt von Nassau auf New Providence in die Exumas und weiter Richtung Eleuthera. Schon beim Einschiffen gibt die Safari ihren Rhythmus vor: Kabine beziehen, Tauchausrüstung aufbauen, Briefing – danach bestimmen Essen, Schlafen und Tauchen die Tage.
Auftakt am Lost Blue Hole
Am frühen Morgen verlässt die Yacht Nassau. Die ersten Tauchgänge finden südlich der Insel statt. Einer der markantesten Plätze ist das Lost Blue Hole.
Mit rund 30 Metern Durchmesser öffnet sich die kreisrunde Struktur inmitten eines vergleichsweise flachen Meeresbodens. An ihrem Rand patrouillieren Karibische Stechrochen, Nassau-Zackenbarsche stehen unter Überhängen und mit etwas Glück zieht eine Unechte Karettschildkröte vorbei.
Beim Abstieg entlang der Wand verschwinden die hellen Farben des Flachwassers zunehmend im Blau. Muränen schauen aus Spalten, während aus der Tiefe gelegentlich Haie nach oben ziehen. Der eigentliche Boden des Blue Holes liegt deutlich tiefer als der Bereich, den Sporttaucher auf einem normalen Tauchgang erreichen.
Anders als das weltberühmte Great Blue Hole von Belize steht dieser Platz weit weniger im Mittelpunkt internationaler Reisekataloge. Unter Wasser fehlt ihm deshalb jedoch keineswegs die Wirkung.
Geschützte Riffe der Exumas
Nach der Überfahrt werden die Exumas erreicht. Die langgestreckte Inselgruppe südöstlich von Nassau ist geprägt von kleinen Cays, flachem türkisfarbenem Wasser und tiefen Kanälen.
Ein besonderer Teil des Reviers ist der Exuma Cays Land & Sea Park. Das Schutzgebiet wurde bereits 1958 eingerichtet und umfasst rund 112.640 Acres (etwa 456 Quadratkilometer) Land- und Meeresfläche. Heute gilt es als strikte No-Take-Zone: Innerhalb der Parkgrenzen darf nichts Lebendes oder Totes aus dem Meer entnommen werden.
Unter Wasser dominieren Korallenriffe, Fischschwärme und weite, nur dünn besiedelte Meereslandschaften.
Die Topografie wechselt dabei ständig. Steilwände gehen in flache Patch-Riffe über, zwischen Korallenköpfen liegen Sandflächen und vereinzelt Wracks.
Senkrecht ins Tiefblau
Zu den eindrucksvolleren Plätzen gehört »Dog Rocks« am nördlichen Rand der Exuma Cays. Das Riffdach beginnt in moderater Tiefe, bevor die Wand nahezu senkrecht ins Blau abfällt.
Canyons und Durchbrüche gliedern das Riff. Schwarze Korallen, große Röhrenschwämme und Elefantenohr-Schwämme besetzen die Wand. Karibische Riffhaie ziehen an der Abbruchkante entlang, während Atlantische Fledermausfische scheinbar regungslos im Freiwasser stehen.
Bei Sichtweiten um 30 Meter erschließt sich die Dimension der Steilwand besonders gut. Ein paar Meter Abstand zum Riff reichen, um aus einzelnen Korallen und Schwämmen plötzlich eine gewaltige vertikale Landschaft werden zu lassen.
Kleine Motive zwischen Korallenköpfen
Ganz anders wirken Plätze wie »Crab Mountain« oder »3 Peaks«. Hier bestimmen flachere Riffe, Korallenköpfe und Sandflächen die Tauchgänge.
Trompetenfische stehen senkrecht zwischen Gorgonien, Langusten und große Krabben verstecken sich unter Überhängen. Grüne Meeresschildkröten ziehen regelmäßig durch das Riff, steigen zum Atmen auf und verschwinden anschließend wieder zwischen den Korallen.
Für Unterwasserfotografen lohnt sich der Blick ins Detail. Flamingozungen sitzen auf Fächerkorallen, Gelbkopf-Kieferfische schweben dicht über ihren Wohnröhren im Sand und verschwinden bei Annäherung innerhalb eines Augenblicks darin.
Selbst vermeintlich leere Sandflächen sind belebt. Stechrochen liegen eingegraben im Sediment, Einsiedlerkrebse ziehen ihre Spuren und kleine Bewohner nutzen jede Unebenheit als Deckung.
Eleuthera: näher am offenen Atlantik
Weiter nordöstlich liegt Eleuthera. Die schmale Bahamas-Insel ist auf ihrer Ostseite unmittelbar dem Atlantik ausgesetzt. Das macht sich auch unter Wasser bemerkbar.
Flache Riffdächer gehen abrupt in Steilwände über. Strömung und offenes Wasser bringen Schwarmfische und größere Räuber an die Drop-offs. Karibische Riffhaie patrouillieren entlang der Kante, während Schnapper in dichten Formationen über dem Riff stehen.
Große Schwämme und Gorgonien besiedeln die Wand. Gleichzeitig verlangen diese Tauchgänge etwas mehr Aufmerksamkeit: Tiefe, Strömung und Position zum Riff spielen hier eine größere Rolle als an den geschützteren Plätzen der Exumas.
Eleuthera ist auch für seine Kombination aus Riffen, Steilwänden und Wracks bekannt. Die offizielle Tourismusorganisation der Bahamas nennt die Gewässer um die Insel ausdrücklich als Revier für Wrack-, Riff- und Strömungstauchgänge.
Die »Austin Smith« wird zum künstlichen Riff
Zu den Wracks der Route gehört die »Austin Smith«. Das ehemalige Patrouillenboot der Royal Bahamas Defence Force liegt aufrecht in rund 21 Metern Tiefe und hat sich zu einem künstlichen Riff entwickelt.
Korallen und Schwämme haben Teile der Struktur besiedelt, Fische suchen Schutz am Wrack. Besonders auffällig sind die Karibischen Riffhaie, die regelmäßig in der Umgebung erscheinen. Während dieser Safari zählt der Tauchgang zu den haireichsten der Woche.
Einen völlig anderen Charakter besitzt das »Smuggler’s Plane«. Die Überreste eines Kleinflugzeugs liegen lediglich rund fünf Meter tief.
Das Flugzeug soll in den 1970er- oder 1980er-Jahren für Drogentransporte genutzt worden sein und nach einem missglückten Startversuch im Wasser zurückgeblieben sein. Heute haben Anemonen und andere sessile Organismen Teile der Struktur besiedelt, während Schnapper im Rumpf Schutz suchen.
Am späten Nachmittag fällt das Sonnenlicht durch die bewegte Oberfläche und zeichnet ständig wechselnde Muster auf Wrack und Sand. Nach Einbruch der Dunkelheit können auf den angrenzenden Sandflächen außerdem Ammenhaie und Rochen erscheinen.
Leben im Rhythmus der Tauchsafari
Zwischen den Tauchgängen folgt der Tagesablauf dem klassischen Liveaboard-Prinzip: kleiner Imbiss vor dem ersten Tauchgang, Frühstück danach, Mittagessen, Snacks und Abendessen.
Die Zeit dazwischen reicht für Logbucheinträge, Bildauswahl oder einige Minuten auf dem Sonnendeck. Viel mehr Programm braucht es ohnehin nicht. Nach mehreren Tauchgängen am Tag reduziert sich der Alltag an Bord schnell auf wenige Dinge.
Am Freitag nimmt die Yacht schließlich wieder Kurs auf Nassau. Ausrüstung wird gespült, Kameras werden verpackt und die letzten Bilder der Woche gesichtet.
Was bleibt, ist ein Revier voller Gegensätze: flache, lichtdurchflutete Korallenriffe und Wände, die direkt im tiefen Blau verschwinden. Kleine Nacktschnecken und Flamingozungen stehen neben Riffhaien und Schildkröten, Blue Holes neben künstlichen Riffen und Flugzeugwracks.
Die Exumas und Eleuthera erfüllen damit viele der Erwartungen, die mit dem Tauchen auf den Bahamas verbunden sind. Gleichzeitig zeigen sie, dass hinter dem klassischen Karibikbild ein erstaunlich vielseitiges Tauchrevier steckt.
Dieser Beitrag von Richard Condlyffe erschien in TAUCHEN 09/2026 und wurde für die Veröffentlichung auf tauchen.de redaktionell bearbeitet und angepasst.
Reiseinfo: Bahamas Aggressor II
| Schiff | Die Bahamas Aggressor II ist ein komfortables Liveaboard für Tauchtörns mit maximal 20 Gästen. Sie fährt je nach Saison die Exuma Cays oder Tiger Beach an und bietet Vollpension, Tauchgänge und Getränke an Bord. |
|---|---|
| Heimathäfen | Nassau, New Providence; für Tiger-Beach-Törns Freeport, Grand Bahama |
| Größe und Kapazität | 33 × 8 Meter, 10 Kabinen, maximal 20 Gäste, 7 Crewmitglieder |
| Reiserhythmus | Samstag bis Samstag, jeweils 7 Nächte |
| Routen | Exuma Cays und Eleuthera von Juli bis März, Tiger Beach von April bis Juni |
| Preis | Ab 3.495 US-Dollar pro Person für einen 7-Nächte-Charter (Stand TAUCHEN 09/2026) |
| Inklusive | Unterkunft in der gebuchten Kabinenkategorie, Vollpension mit drei Mahlzeiten täglich, Tauchgänge an Bord sowie Kaffee, Tee, Wasser, Softdrinks und lokale alkoholische Getränke |
| Nicht inklusive | Flughafentransfers, Marinepark- und Hafengebühren, Trinkgelder, Nitrox, Leihausrüstung und weitere Zusatzleistungen |
| Tauchbetrieb | Bis zu 5 Tauchgänge pro Tag, teils mit Nachttauchgang |
| Wassertemperatur | Etwa 24 bis 29 Grad Celsius, saisonabhängig |
| Sichtweiten | Häufig etwa 25 bis 30 Meter |
| Tauchprofil | Steilwände, Blue Holes, Korallenriffe und Wracks; Strömung je nach Tauchplatz moderat bis kräftig |
| Empfohlene Erfahrung | OWD mit ausreichender Taucherfahrung; sicherer Umgang mit Tarierung, Tiefe und Tauchgängen an Steilwänden |
| Infos und Buchung | www.aggressor.com oder über Tauchreiseveranstalter |
Weitere Informationen
Bahamas National Trust – Exuma Cays Land & Sea Park
Exuma Cays Land & Sea Park
Offizielle Tourismusseite der Bahamas – Tauchen
Tauchen auf den Bahamas
Aggressor Adventures – Bahamas Aggressor II
Exuma Cays und Southwest Eleuthera
FAQ: Tauchen auf den Bahamas
Wo liegen die Exumas?
Die Exumas sind eine langgestreckte Inselgruppe der zentralen Bahamas südöstlich von Nassau. Zahlreiche kleine Cays, flache Meeresbereiche und tiefe Kanäle prägen die Region.
Was macht das Tauchen in den Exumas besonders?
Die Region verbindet flache Korallenriffe mit Steilwänden, Blue Holes und Wracks. Hinzu kommen regelmäßige Begegnungen mit Karibischen Riffhaien, Rochen und Meeresschildkröten.
Was ist der Exuma Cays Land & Sea Park?
Der Exuma Cays Land & Sea Park wurde 1958 eingerichtet und wird vom Bahamas National Trust verwaltet. Er ist eine strikte No-Take-Zone, in der unter anderem Fischen und die Entnahme von Meeresorganismen verboten sind.
Was kostet eine Tauchsafari mit der Bahamas Aggressor II?
Ein 7-Nächte-Charter kostet ab 3.495 US-Dollar pro Person, inklusive Kabine, Vollpension, Tauchgängen und Getränken an Bord. Nicht enthalten sind unter anderem Flughafentransfers, Marinepark- und Hafengebühren, Trinkgelder, Nitrox und Leihausrüstung (Stand TAUCHEN 09/2026).
Wie groß ist die Bahamas Aggressor II?
Das Schiff ist 33 Meter lang und 8 Meter breit, hat 10 Kabinen für maximal 20 Gäste und 7 Crewmitglieder. Die Törns laufen jeweils von Samstag bis Samstag.
Können Anfänger auf den Bahamas tauchen?
Grundsätzlich gibt es auch einfache Tauchplätze. Auf einer Safari zwischen Exumas und Eleuthera solltest du jedoch bereits etwas Erfahrung besitzen. Steilwände, größere Tiefen und zeitweise kräftigere Strömung verlangen eine sichere Tarierung und Tauchgangsplanung.
Welche Haie kann man auf dieser Route sehen?
Typisch sind vor allem Karibische Riffhaie. Je nach Tauchplatz können außerdem Ammenhaie und weitere Haiarten auftreten. Begegnungen mit bestimmten Arten lassen sich in freier Natur jedoch nie garantieren.
Wie sind die Sichtweiten auf den Bahamas?
Auf der beschriebenen Route liegen sie häufig bei etwa 25 bis 30 Metern. Der Betreiber dokumentiert auf aktuellen Fahrten ebenfalls Sichtweiten bis etwa 30 Meter.
Wann ist die beste Zeit zum Tauchen auf den Bahamas?
Die Bahamas sind grundsätzlich ganzjährig betauchbar. Die Bahamas Aggressor II fährt die Exuma Cays von Juli bis März an, von April bis Juni steuert sie Tiger Beach an. Wassertemperaturen, Wind und Seegang ändern sich saisonal.
Welche Tauchplätze liegen auf der Route der Bahamas Aggressor II?
Die konkrete Auswahl hängt von Wetter und Bedingungen ab. Zu regelmäßig angefahrenen Plätzen gehören unter anderem Lost Blue Hole, Dog Rocks, Crab Mountain, 3 Peaks, Austin Smith und Smuggler’s Plane.
Über den Autor und Fotografen
Richard Condlyffe stammt aus Großbritannien und wuchs im Norden Englands auf. Vor mehr als 20 Jahren zog er in die USA, wo er mit dem Tauchen begann. Nach einer Laufbahn in der Wirtschaft widmet er sich heute ganz der Unterwasserfotografie.
Er gibt Kurse in Haifotografie und nutzt seine Bilder, um für den Schutz bedrohter Meerestiere zu werben – gegen illegale Fischerei, Finning und Meeresverschmutzung. Seine Aufnahmen erhielten unter anderem Auszeichnungen bei den MonoVisions Photography Awards.
Website: www.richardcondlyffe.com