Stolzes Tauchsafarischiff: die „Red Sea Explorer“. Foto: N. Probst

Stolzes Tauchsafarischiff: die „Red Sea Explorer“. Foto: N. Probst

Das Rote Meer entdecken – Tauchsafari auf der neuen „Red Sea Explorer“

Mit der neuen, großen „Red Sea Explorer“ gibt es einen neuen Standard für Tauchsafarischiffe auf dem Roten Meer. Eine der ersten Ausfahrten führte nach Daedalus und den Fury Shoals. Norbert Probst war mit an Bord.

Ein Schwarm Gelbsattel-Meerbarben sucht im Korallenblock nach Nahrung. Foto: N. Probst

Ein Schwarm Gelbsattel-Meerbarben sucht im Korallenblock nach Nahrung. Foto: N. Probst

Ja wie cool ist das denn? Hey man, ich liebe diese Kabine“, entfährt es Marco. Mein Kabinengenosse sitzt quietschvergnügt im Bett und zeigt auf unser Panoramafenster. Es ist früh am Morgen und ich reibe mir verwundert und schlaftrunken die Augen. Unser Fenster ist zur Hälfte überflutet! Sinken wir? Dann wäre Marco wohl kaum so begeistert. Des Rätsels Lösung: Der Wind hat aufgefrischt und das Schiff macht Fahrt im bewegten Wasser. Hohe Wellen überfluten das große, knapp über der Wasserlinie verbaute Fenster mit dicker Glasscheibe und gewährt einen Blick unter die Wasseroberfläche. Einher geht jedes Mal, wenn eine neue Welle den Bug trifft, ein leichtes Zittern durch den stählernen Schiffsrumpf. Die seitlichen Schiffsstabilisatoren leisten jedoch ganze Arbeit, und die „Red Sea Explorer“ liegt durchaus ruhig im Wasser. Wie ich weiß, ist unsere Kabine direkt hinter dem Maschinenraum. Nur das Bad liegt noch dazwischen. Trotzdem schlafe ich bestens.

Als wir das Schiff besichtigen, fällt mir die gute Planung auf: Die Kühltechnik für die Lebensmittel befindet sich praktischerweise gleich neben dem Maschinenraumeingang. Zum Bunkern der Vorräte muss so niemand durch den Gästebereich. Kapitän Ahmad Hamdan zeigt uns danach stolz sein Wheelhouse. Der Steuerstand strotzt vor neuester Technik. Kameras rund um das Schiff verleihen dem ersten Mann an Bord einen kompletten Überblick und ermöglichen, das Schiff von dort oder vom Top-Deck aus zu steuern. Schon nach dem ersten Rundgang am ersten Tag herrschte einhellige Begeisterung über das üppige Raumangebot. Ganz gleich ob auf den verschiedenen Decks, in den Kabinen oder dem Restaurant. Platz gibt’s im Überfluss, aber auch bei Ausstattung und Farbdesign sparen die Gäste nicht mit anerkennenden Kommentaren. Marco witzelte dagegen darüber, dass die Passagiere ohne Bootssteg an Bord klettern mussten. Er wurde nicht rechtzeitig fertig.

Eine neue Klasse

Die Royal Suite mit ihren 45 Quadratmetern Fläche hat draußen eine eigene Terrasse und ein eigenens Sonnendeck. Foto: N. Probst

Die Royal Suite mit ihren 45 Quadratmetern Fläche hat draußen eine eigene Terrasse und ein eigenens Sonnendeck. Foto: N. Probst

Schiffseigner Walter Harscher will mit der „Red Sea Explorer“ neue Wege gehen. Das wird in vielerlei Hinsicht deutlich: Den „ägyptischen Barock“ anderer Safarischiffe sucht man vergeblich. Alle Räume, selbst die preiswerteren Unterdeckkabinen und die Bäder, sind modern gestaltet, hell und geräumig. Die Royal Suite, oder auch als „The Real Big One“ bezeichnete Kabine, auf dem Top-Deck markiert das fast schon dekadente obere Ende an Luxus auf der „Red Sea Explorer“. Die Suite misst rund 45 Quadratmeter mit King-Size-Doppelbett, geräumiger Sitzgruppe, elektrisch ausfahrbarem Fernseher und eigenem Deckbereich. Genug Platz, um alle Gäste des Schiffs zur Party zu bitten. Doch daran ist nicht zu denken. Um 5.00 Uhr läutet die Weckanlage in den Kabinen. Die Sonne blinzelt gerade so über den Horizont, und der Leuchtturm vom Daedalus-Riff begrüßt uns in rotem Licht.

Ein Manta kam bis auf Tuchfühlung an die Taucher heran. Foto: N. Probst

Ein Manta kam bis auf Tuchfühlung an die Taucher heran. Foto: N. Probst

Amir trommelt zum Briefing. Alle sind heiß auf die Hammerhaie von Daedalus. Es bleibt gerade noch Zeit für eine Tasse Kaffee, dann geht’s in die Zodiacs. Wir sind glücklich, als erste Gruppe hinauszufahren und strampeln uns eine gute halbe Stunde im tiefen Blauwasser ab. Vergeblich. Die Hammerhaie haben wohl ebenso wenig ausgeschlafen wie wir. Doch als die zweite Gruppe wieder an Bord zurückkehrt, tragen alle Taucher ein breites Grinsen im Gesicht und ihre Stimmen überschlagen sich. Es zählt nur der Fotobeweis, sagt irgendjemand. „Kein Problem“, meint Markus und hält uns ein blau leuchtendes Kameradisplay mit klar erkennbarem Hammerhai vors Gesicht. Sie sind also doch da! Ich verschmähe das üppige Frühstücksbuffet und mache mich mit Müsli, Joghurt und frischem Obst fit für den Tag. Und im zweiten Anlauf klappt es mit den Hammerhaien! Die Tiere suchen fast neugierig den Kontakt und endlich komme ich zum Schuss. Auch am nächsten Tag bleibt uns das Glück gewogen: Wie aus dem Nichts fliegen zwei Mantas heran. Einer kommt sogar auf Tuchfühlung. Na bitte, geht doch!

Ein Hochgenuss

Beliebter Treffpunkt ist das Achterdeck – hier kann man einen Drink genießen, die Erlebnisse des Tages besprechen und entspannen. Foto: N. Probst

Beliebter Treffpunkt ist das Achterdeck – hier kann man einen Drink genießen, die Erlebnisse des Tages besprechen und entspannen. Foto: N. Probst

Am Abend sind alle Gäste bester Laune. Beim Barbecue auf dem Achterdeck tischt der Koch auf, was das Herz begehrt: saftige Steaks, zarte Lende, aromatischen Fisch, und knackiges Gemüse sowie Salate. Der leckere Nachtisch macht den Schmaus komplett. In dieser heißen Sommernacht fließt das Sakara-Bier reichlich und es wird bis spät in die Nacht gefeiert. Das Sahnehäubchen: Wir können eine partielle Mondfinsternis beobachen – bei idealen Bedingungen, denn hier auf dem Schiff gibt es kaum störendes Fremdlicht.
Am nächsten Morgen schwächelt erstaunlicherweise niemand. Die Westseite des Daedalus-Riffs steht auf dem Programm. Der Wind hat sich gelegt. Wir lassen uns beim großen Anemonenfeld absetzen und flösseln gemütlich in Richtung der „Red Sea Explorer“. Ein Schwarm Regenbogen-Makrelen folgt uns einige Zeit und weiter draußen im Blau formieren sich einige Dutzend junge Barrakudas. Ein dicker Panther-Forellenbarsch geht in Deckung, obwohl er von dort eigentlich nichts zu befürchten hat. Nach dem Abendessen nehmen wir über Nacht Kurs auf die Fury Shoals. Anderntags zeigt das Wrack einer Segelyacht am Riff von Abu Galawa Soraya deutliche Verfallserscheinungen.

Bei Abu Galawa liegen die Reste einer Segelyacht. Foto: N. Probst

Bei Abu Galawa liegen die Reste einer Segelyacht. Foto: N. Probst

Für ein paar Taucherfotos ist das verbliebene Gerippe vom Deck aber der perfekte Rahmen. Die Umgebung entpuppt sich als Irrgarten aus prächtigen Steinkorallen-Formationen mit zahlreichen Fischschwärmen. Tauchguide Amir weiß aber, wo es entlanggeht. Daher gerät der Tauchgang zur entspannten Entdeckungstour. Den Schnorchelausflug zu den Delphinen vom Shaab Sataya lasse ich sausen und entspanne mit Musik aus dem Kopfhörer auf dem Oberdeck. Am Shaab Maksur vermiest uns die Strömung den Tauchplan. Am Nordplateau bläst es dermaßen, dass uns nur die eine Flanke des Riffs bleibt. Höhepunkt der Fury Shoals ist das bei Tauchern hoch im Kurs stehende Shaap Claudio. Das Riff hat noch viele andere Namen, die alle auf seinen Entdecker zurückführen. Er hieß Claude und war ein französischer Tauchguide, der Anfang der 80er-Jahre bei Rudi Kneip, einem deutschen Begründer des Tauchtourismus in Ägypten arbeitete.
Das Riff ist mehr oder weniger mit engen Riffkanälen und Löchern durchzogen wie ein Schweizer Käse. Im mäßig tiefem Wasser macht es unbändigen Spaß, sie zu durchstöbern. Von oben brechen lange Lichtfinger der Sonne herein und zaubern eine stimmungsvolle Atmosphäre. Wie schon auf einigen anderen Tauchgängen nehme ich Chrissi, Dominic und Markus mit auf den Weg durch das Labyrinth. Die jungen Leute haben erst wenige geloggte Tauchgänge, sind aber keine schlechten Taucher und zudem sehr wiss- und lernbegierig. Nebenbei agieren sie mit Freude als Unterwasser-Fotomodelle.

Gute Laune an Bord

Wie schon während der gesamten Tour ist die Schiffscrew auch heute ungewöhnlich gut drauf und packt unaufgefordert überall an, wo man sie braucht. Die Männer um Kapitän Ahmad sind stolz. Es ist für sie etwas Besonderes, auf diesem Schiff arbeiten zu dürfen. Das spürt und erfährt man fast jede Minute. Die Gäste wissen diesen guten Service zu schätzen und haben sich schnell an das Mehr an Platz und Komfort gewöhnt. Man fühlt sich auf der „Red Sea Explorer“ sichtlich wohl. Abends kredenzt der Koch am Buffet einen Puter als Highlight, und so manch einer schaut etwas verlegen an sich hinab. Ob die Jeans wohl noch passt?
Am vorletzten Tag geht’s vom Elphinstone-Riff zurück in den Hafen von Ras Ghalib. Elphinstone ist bekannt für seine Weißspitzen-Hochseehaie, doch die rastlosen Raubfische haben uns versetzt. Dafür ziehen am Nordplateau tief unten vier Hammerhaie ihre Bahn.
Ich beginne, meine Sachen zu packen. Marco ist davon völlig unbeeindruckt und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Der Wahlschwede sitzt wieder einmal auf seinem Bett und blickt irgendwie entrückt durch das Fenster aufs Blau des Roten Meeres. Ich würde nie eine andere Kabine auf diesem Schiff buchen, meint er lakonisch. Ich glaube es ihm sofort.


Facts zur "Red Sea Explorer"

Das Schiff: Das 43 Meter lange und 9,7 Meter breite Stahlschiff mit modernem Schnitt hat ein mehr als großzügiges Raumangebot. Design, Farbkonzept, Komfort und Technik des Schiffs sind schlichtweg beeindruckend. Die "Red Sea Explorer" ist seit Jui 2019 im Einsatz.
Kabinen: Es gibt zwölf Kabinen: vier Superior im Unterdeck, drei Master und vier Superior im Oberdeck und eine Royal Suite auf dem Top-Deck. Diese ist rund 45 Quadratmeter groß und am luxuriösesten. Alle Kabinen mit Klimaanlage, Panoramafenstern, großem Bad, Einzel- oder Queen/Kingsize-Betten mit guten Matratzen, Kühlschrank, Mini-Safe, TV, Schwimmwesten, Bademänteln, Handtüchern und Brandmeldern ausgestattet.
Sonnendecks: Auf mehreren Sonnendecks haben die Gäste die Wahl zwischen gepolsterten Liegeflächen, formschönen Holzliegen mit Polsterauflagen und Liegesäcken. Drei Sonnendecks sind teilbeschattet.

 Blick in das große Restaurant. Foto: N. Probst

Blick in das große Restaurant. Foto: N. Probst


Lounge: Windgeschützter und beschatteter Lieblingsort ist die Lounge auf dem Achter-Oberdeck. Es gibt viel Platz zum Chillen und Plauschen.
Salon/Restaurant: Im Restaurant mit gemütlicher Sitzecke und TV werden drei Mal täglich üppige Buffets angerichtet. Trinkwasser, Obst, Kekse, Tees und Kaffee stehen ständig bereit. Nachmittags gibt es einen Snack als Zwischenmahlzeit. Einmal wöchentlich findet auf dem Oberdeck ein Barbecue statt.

Das Tauchdeck bietet den Gästen großzügig viel Platz. Foto: N. Probst

Das Tauchdeck bietet den Gästen großzügig viel Platz. Foto: N. Probst


Tauchen und Routen: Auf dem geräumigen Tauchdeck gibt es Spülbecken, zwei Duschen, Boxen für Ausrüstungen, eine Hängevorrichtung für Neoprenanzüge und einen Kameratisch. 15 Liter Tanks und Leihausrüstungen sind bei Vorbuchung gegen Aufpreis erhältlich. Getaucht wird zwei bis vier Mal am Tag vom Schiff oder vom Zodiac aus. Zurzeit werden acht Routen im Roten Meer angeboten, die zu den besten Tauchplätzen im nördlichen beziehungsweise südlichen Roten Meer führen.
Anreise: Flug von vielen deutschen Flughäfen nach Marsa Alam (circa 4,5 Stunden). Der Transfer zum Hafen von Ras Ghalib dauert rund 15 Minuten.
Preisbeispiel: Eine Woche Tauchsafari kostet bei Unterbringung in einer Doppelkabine inklusive Transfer (Flughafen–Ras Ghalib), Vollpension, Softdrinks, Wasser und Tauchen (Flasche, Blei, „Enos“, Nitrox, Guide) ab 1000 Euro pro Person. Info: www.rcf-tauchreisen.de, www.extradivers-worldwide.com