Der Fischtrawler „Fortunal“ sank 1997 vor Vis. Foto: F. Banfi

Der Fischtrawler „Fortunal“ sank 1997 vor Vis. Foto: F. Banfi

Kroatien: Das sind die zehn schönsten Wracks vor der Insel Vis

Wracktauchen im Mittelmeer: Vor der Küste Kroatiens liegen sage und schreibe über 1500 versunkene Schiffswracks. Besonders viele liegen vor der Insel Vis. Franco Banfi stellt die zehn schönsten Wracks vor.

Von rudergetriebenen Kriegsschiffen über U-Boote bis zu Flugzeugen hat Vis alle Arten der Kriegsführung erleben müssen. Und für viele Jahre waren die umliegenden Gewässer ein Militärgebiet, das nicht besucht werden durfte. Erst 1991, als der Eiserne Vorhang endgültig fiel, wurde das Gebiet für den Tourismus und das Tauchen freigegeben. Um Vis herum liegen Wracks aus verschiedenen historischen Epochen, da in diesem Gebiet Knotenpunkte aus Handelswegen und Militärrouten lagen.

Die Flugzeugwracks zählen zu den Highlights, aber es gibt auch viele eindrucksvolle Schiffswracks, von denen einige so groß sind, dass sie mehrere Tauchgänge erfordern, um sie zu erkunden. Einige der Wracks sind jedoch aufgrund der Tiefe nur für Tech-Taucher geeignet. Das Schöne: Mit den Jahren haben sich die versunkenen Zeitzeugen zu eindrucksvollen Ökosystemen entwickelt. Sie sind zum Teil üppig bewachsen und bieten vielen Meerestieren Schutz. Krabben, Hummer, Conger-Aale und Drachenköpfe verstecken sich in Öffnungen und Laderäumen – und haben die Herrschaft über Kapitänsstand und Maschinenraum übernommen. Tauchen Sie mit ab!

TETI

TYP: Frachtdampfschiff
GRÖSSE: 64 x 3 Meter
GESUNKEN: 23. Mai 1930
TIEFE: 8 bis 30 Meter

Die "Teti" wird von vielen Fischen bevölkert. Im Vordergrund schwimmt ein Conger-Aal. Foto: F. Banfi

Die "Teti" wird von vielen Fischen bevölkert. Im Vordergrund schwimmt ein Conger-Aal. Foto: F. Banfi

Die „Teti“ ist ein Dampfschiff und wurde 1883 in Amerika gebaut. Später wurde sie von einem italienischen Seetransportunternehmen in ein Handelsfrachtschiff umgewandelt. In der stürmischen Nacht vom 23. Mai 1930 fuhr sie aufgrund von Wind und Wellen vor der kleinen Insel Mali Barjak auf Grund. Fischer aus dem Nachbardorf Komiza retteten die Besatzung. Der Schaden des Schiffes war so groß, dass der Eigner die „Teti“ einfach auf Grund stehen ließ – es wurde nicht versucht, das Schiff zu bergen. Die Winterstürme zerstörten die „Teti“ schließlich so sehr, dass sie bald unter der Meeresoberfläche verschwand.
Der Bug der „Teti“ liegt in etwa zehn Metern Tiefe. Auf rund 20 Metern befindet sich ein kleines Plateau, auf dem man den großen Dampfkessel und eine gut erhaltene Dampfmaschine sehen kann. In 34 Metern liegt das Heck, wobei das mit bunten Schwämmen bedeckte Ruder und der Frachtraum in sehr gutem Zustand sind. Einige Conger-Aale (Foto oben) und Muränen leben hier, die wenig Angst vor Tauchern haben und so tolle Motive für Fotografen bieten. Manchmal wird das Wrack von einem Schwarm Sardinen eingehüllt, der wie eine Wolke daherkommt und dann plötzlich spurlos verschwindet.

Vassilios T.

TYP: Frachtdampfschiff
GRÖSSE: 104 x 15 Meter
GESUNKEN: 19. März 1939
TIEFE: 22 bis 53 Meter

Die "Vassilios T." misst stolze 104 Meter Länge. Foto: F. Banfi

Die "Vassilios T." misst stolze 104 Meter Länge. Foto: F. Banfi

Das Wrack des Dampfschiffs „Vassilios T.“ ist eines der größten in der Adria und erfordert mehrere Tauchgänge, um es zu erkunden. Der 104 Meter lange griechische Frachter ruht auf seiner Backbordseite und befindet sich in einem hervorragendem Zustand. Mit Kohle beladen lief der Frachter in der Nacht zum 19. März 1939 unter mysteriösen Umständen auf Grund. Der Bug und der gigantische Anker sind der flachste und am einfachsten zu betauchende Teil. Das Heck mit der üppig bewachsenen Schraube und dem Ruder sollten nur von erfahrenen Tauchern in Augenschein genommen werden, da sich diese in 55 Metern Tiefe befinden. Wenn man Richtung Heck schwimmt, kommt man an verkrusteten Decksmaschinen vorbei, bevor man kavernenartige Laderäume erreicht.


Fortunal

Die "Fortunal" sank auf ihrem Rückweg zum Hafen. Foto: F. Banfi

Die "Fortunal" sank auf ihrem Rückweg zum Hafen. Foto: F. Banfi

TYP: Fischtrawler
GRÖSSE: 19 x 8 Meter
GESUNKEN: 10. April 1997
TIEFE: 35 bis 51 Meter

Am Morgen des 10. April 1997 kehrte das hölzerne Fischerboot „Fortunal“ von einem nächtlichen Fischausflug nordwestlich der Insel Vis zurück. Die Besatzung war nach dem Schleppen und Sortieren von Fischen müde und schlief. Um genau 10 Uhr fuhr die „Fortunal“ mit voller Geschwindigkeit auf das Kap der Bucht von Tvrdo Zalucje auf. Die Sicht ist normalerweise gut, und da das Wrack recht klein ist, ist die Orientierung einfach. An Bord können noch Fischereizubehör, Antennen von Kommunikationsgeräten und weitere Bootsausstattung bestaunt werden. Reich bewachsen ist das Wrack zwar noch nicht, aber mit Glück schwimmt ein Zeus Faber vorbei und patrouilliert über das Deck.

B17 Flying Fortress

TYP: Flugzeugwrack
GRÖSSE: 22 x 31 Meter
GESUNKEN: 6. November 1944
TIEFE: 65 bis 72 Meter

Dieses eindrucksvolle Flugzeugwrack kann aufgrund der Tiefe leider nur von Tech-Tauchern besucht werden. Es steht auf dem linken Fahrwerk und dem Spornrad, während der rechte Flügel im Sand liegt. Die Nase des Flugzeugs ist durch den Aufprall eingedrückt. Ein Highlight ist das vollständig erhaltene Cockpit (Foto), das man durch die Seiten- und das Dachfenster betrachten kann. Über der Luke der Funkkabine etwas weiter hinten thront das 12,7-mm-Maschinengewehr, das einst vom Funker benutzt wurde. Am Heck des Flugzeugs befindetn sich ein Turm mit zwei Maschinengewehren. Die Motoren an den Tragflächen und die Propeller sind über und über mit Algen bewachsen, auf denen sich viele Krebstiere tummeln. Gesprenkelte Zackenbarsche halten sich gern unter den Flügeln auf, wobei sie sich bei Anwesenheit von Tauchern langsam und vorsichtig in die Schattenbereiche des Flugzeugs zurückziehen.

Brioni

TYP: Dampfschiff
GRÖSSE: 70 x 9,5 Meter
GESUNKEN: 2. Februar 1930
TIEFE: 45 bis 61 Meter

Dieses intakte und wunderschöne Wrack liegt auf der Backbordseite und ist mit gelben Schwämmen bewachsen. Schraube und Heck kann man schon aus 20 Metern Tiefe sehen, der Bug liegt dann auf tiefen 60 Metern. Deckskorridore und Schiffsgänge erinnern an ein Labyrinth. Wer entsprechend ausgebildet ist, kann an mehreren Stellen in das Wrack hineintauchen, sollte sich aber wegen der Tiefe genauestens vorbereiten. In ausgezeichnetem Zustand befindet sich die Brücke, im Bugbereich trifft man auf auf diverse Rifffischarten.

B24 Liberator

TYP: schwerer US-Bomber
GRÖSSE: 20 x 33 Meter
GESUNKEN: 17. Dezember 1944
TIEFE: 40 bis 55 Meter

Die "B24 Liberator" liegt kopfüber in 39 Metern Tiefe auf Grund. Foto: F. Banfi

Die "B24 Liberator" liegt kopfüber in 39 Metern Tiefe auf Grund. Foto: F. Banfi

Der amerikanische Bomber mit dem Spitznamen „The Tulsamerican“ konnte nach einem Kampf mit der deutschen Luftwaffe beschädigt noch bis zur Insel Vis fliegen, stürzte dort aber ins Wasser. Drei Crew-Mitglieder starben, sieben konnten gerettet werden. Die „Tulsamerican“ war der letzte in der Douglas-Fabrik produzierte schwere Bomber vom Typ „Liberator“. Es ist ein eindrucksvolles Flugzeug, das kopfüber im Sand liegt. Die großen Flügel (33 Meter Spannweite) liegen ausgebreitet auf dem Grund, nur ein Rad, das linke, ragt nach oben, das rechte fehlt. Während des Aufpralls auf die Meeresoberfläche brachen der Rumpf und die Bombenschächte auseinander. Das Cockpit mit seinen verdrehten Platten zeigt deutlich, wie stark der Aufprall auf das Wasser war. Die Nase des Flugzeugs und das Heck fehlen. Etwa 60 bis 70 Meter vor der Wracknase liegt die vordere Kuppel mit den Maschinengewehren. Der Hauptteil des Wracks befindet sich in einer Tiefe von 39 Metern. Ein paar Meter hinter der Kuppel fällt das Plateau, auf dem das Wrack liegt, ab. Wer hier weitertaucht, findet in 50 Metern Tiefe das Heckteil, einen Propeller und weitere Wrackteile.

Ursus

TYP: bewaffneter Schlepper
GRÖSSE: 36 x 5 Meter
GESUNKEN: 31. Januar 1941
TIEFE: 45 bis 66 Meter

Die "Ursus" ist dicht mit gelben Schwämmen bewachsen. Foto: F. Banfi

Die "Ursus" ist dicht mit gelben Schwämmen bewachsen. Foto: F. Banfi

Der italienische Schlepper sollte am 30. Januar 1941 einen bewaffneten Ponton von Zadar nach Albanien bringen und wurde während seiner Fahrt am 31. Januar 1941 durch ein britisches U-Boot versenkt. Das Schiff ist an einem Hang gesunken und hat den Bug nach unten gerichtet. Das Wrack steht aufrecht auf dem Grund und ist dicht mit gelben Schwämmen und roten Gorgonien bewachsen. Auf dem Deck im Bugbereich steht noch eine Kanone des Kalibers 76 Millimeter. Dort halten sich gern viele Fische auf. Im Heckbereich sieht man häufig Gabeldorsche. Manchmal wird das Wrack von einem Schwarm Sardinen eingehüllt, die im Nu erscheinen und genauso schnell wieder verschwunden sind.

PBY Catalina

TYP: Aufklärungsflugzeug
GRÖSSE: 19 x 31 Meter
GESUNKEN: 12. September 1944
TIEFE: 95 Meter

An der "PBY Catalina" kann man noch viele Details erkennen. Foto: F. Banfi

An der "PBY Catalina" kann man noch viele Details erkennen. Foto: F. Banfi

Die „PBY Catalina“ sank bei einem Versuch, fünf Überlebende aus sehr rauer See zu retten – die Crew eines „Consolidated B-24H Liberator“-Bombers, der nach einem Ausfall des Ruders manövierunfähig war. Der Pilot konnte die „Catalina“ trotz des Seegangs auf dem Meer landen und die fünf Überlebenden aufnehmen, doch der Start gelang nicht mehr. Das Flugzeug füllte sich mit Wasser und sank. Glücklicherweise konnte ein britisches Amphibienschiff alle Geretteten und die Besatzung der „Catalina“ aufnehmen und in Sicherheit bringen. Die Überrereste der „PBY Catalina“ liegen perfekt ausgerichtet im Meer. Nur der untere Teil ist stellenweise im sandigen Boden versunken. Das Heck und die Plexiglasteile sowie einige Rahmen sind nicht mehr vorhanden, aber die meisten Ausrüstungsgegenstände sind immer noch gut zu erkennen – auch wenn das Flugzeug nach 75 Jahren in der Adria vollständig mit Verkrustungen überzogen ist.

SS Michael N. Maris

TYP: Frachtdampfschiff
GRÖSSE: 105 x 15 Meter
GESUNKEN: 12. Juli 1932
TIEFE: 65 bis 82 Meter

Die "Michael N. Maris" ist komplett besiedelt und sieht aus wie ein prächtiges Riff. Foto: F. Banfi

Die "Michael N. Maris" ist komplett besiedelt und sieht aus wie ein prächtiges Riff. Foto: F. Banfi

Das 105 Meter lange griechische Frachtschiff ist das größte Wrack in der Region um Vis. Auf dem Weg von Danzig nach Triest lief die „Michael N. Maris“ am 12. Juli 1932 auf das Riff in der Nähe der Insel Brusnik auf und sank am nächsten Tag. Das Wrack ist bemerkenswert gut erhalten und komplett besiedelt. Es sieht wie ein lebendiges Riff aus – wie ein eigenes Ökosystem. Der Bugbereich mit der Reling ist mit Seefächern und Schwämmen bedeckt und damit ein idealer Lebensraum für Fahnenbarsche. Mit starken Lampen wirkt das Wrack hier wie ein tropischer Korallengarten. Das Eindringen in das Wrack ist an mehreren Stellen möglich, sodass man auch den Maschinenraum besichtigen kann.

Römisches Wrack

TYP: Handelsschiff
GRÖSSE: großflächig verstreut
GESUNKEN: 2. bis 1. Jahrhundert v. Chr.
TIEFE: 15 bis 30 Meter

Die Ladung zweier römischer Schiffe, die mit Amphoren belanden waren, warten auf Erkundung: Foto: F. Banfi

Die Ladung zweier römischer Schiffe, die mit Amphoren belanden waren, warten auf Erkundung: Foto: F. Banfi

Schon seit der Bronzezeit gibt es Siedlungen auf Vis und der gut geschützt liegende Hafen in Prirovo bot beladenen Segelschiffen Schutz bei instabilem Wetter und Sommerstürmen. Doch viele Schiffe wurden überraschend von plötzlichen Stürmen erfasst und konnten den Hafen nicht mehr erreichen. So erging es auch zwei mit Amphoren beladenen römischen Handelsschiffen, die auf die Felsen der Insel Host aufliefen und nordwestlich des Inselchens sanken. An einem leicht abfallenden Hang findet man heute eine große Anzahl an meist zerbrochenen Amphoren. Die Holzteile der Schiffe sind mittlerweile verschwunden, doch neben den Amphoren kann man auch noch einen Schleifstein zum Mahlen von Getreide bestaunen.

Reise-Facts

In Kroatien gibt es viele fürs Tauchen gesperrte Zonen und Meeresparks, und nur einige offizielle Tauchzentren haben eine Sondergenehmigung für Tauchausfahrten in diese Gebiete. Tauchbasen, die diese Lizenz besitzen werden kontrolliert und bieten besten Service: Die Guides haben ein profundes Wissen über die Gebiete und zeigen einem die schönsten Riffe, Meereslebewesen und Wracks der Adria.

ANREISE

Man kann leider nicht direkt nach Vis fliegen. Der nächstgelegene Flughafen befindet sich in Split. Dieser wird von Frankfurt aus angeflogen. Vom Flughafen ist es eine 30-minütige Taxifahrt, um die Autofähre nach Vis zu erreichen, die weitere zwei Stunden unterwegs ist. Dann geht es weiter mit dem Bus bis nach Komiza auf der anderen Seite der Insel. Alternativ kann man am Flughafen ein Auto mieten.

TAUCHEN

Das Tauchcenter Manta Diving Komiza bietet Tauchgänge für Sport- und Tech-Taucher an. Ein einzelner Tauchgang kostet ab 40 Euro, für bestimmte Wracks, Gase und Nachttauchgänge sind zusätzliche Gebühren fällig. Tech-Taucher werden gebeten, ihre Gas-Wünsche etc. vor ihrer Reise anzumelden. Tauchsaison ist von April bis Oktober. Die Sichtweiten sind normalerweise gut bis ausgezeichnet und liegen zwischen 15 und 40 Metern. Für technische Tauchgänge werden Trilaminat-Trockentauchanzüge mit einem mittleren Unterzieher empfohlen. Halbtrockene Tauchanzüge eignen sich gut für lange Freizeittauchgänge. Info: www.crodive.info

WOHNEN

Das Hotel Bisevo liegt nur fünf Minuten Fußweg von der Basis entfernt (www.hotel-bisevo.com.hr). Alternativ gibt es viele Bed&Breakfast-Unterkünfte. Die Tauchbasis gibt dazu gern Tipps und stellt einen Kontakt her.