Foto: Brandon Cole

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Großer Hai vor Kroatien gesichtet!

Die Suche nach Weißen Haien im Mittelmeer gleicht einer Nadel im Heuhaufen. Und trotzdem gibt es immer wieder Sichtungen, die Hoffnung machen. Vor der Küste von Makarska an der dalmatischen Küste Kroatiens wurde laut Medienberichten am Samstag, 8. Juni 2019, ein großer Hai gesichtet.

Leider beruhen die Erkenntnisse über das Vorkommen von Großhaien wie den Großen Weißen Haien im Mittelmeer nur auf vereinzelten Berichten über Sichtungen. Vor der Küste von Makarska an der dalmatischen Küste Kroatiens wurde am vergangenen Samstag ein großer Hai gesichtet. Experten sind sich nicht einig, ob es sich um einen Blau-, Mako- oder Weißen Hai handelt. Fakt ist: Es gibt glücklicherweise noch große Haie im Mittelmeer, denn viele Arten die früher regelmäßig in diesen Gewässern anzutreffen waren, wie Mako-, Fuchs- und Glatte Hammerhaie, sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht. 

TAUCHEN-Autor Daniel Brinckmann hat viele Jahre alles über die Sichtungen von Großhaien im Mittelmeer recherchiert: Halil Ataç dürfte ziemlich große Augen bekommen haben, als ihm ein Fischer am 6. Juli 2011 berichtete, dass ihm gerade ein neugeborener Weißer Hai ins Stellnetz gegangen war. Noch dazu mitten in der Bucht von Edremit in der Nordägäis. Der 85 Zentimeter kleine Nachwuchsraubfisch, der kaum älter als vier Tage war, hatte Glück: Als Präsident der Fischereikooperative von Altinoluk und langjähriger Haifreund bat Ataç den Fischer, ihm den kleinen in einem mit Seewasser gefüllten Bassin zu bringen. Nachdem das Tier wenig später Stress-Symptome entwickelte, schenkte ihm Ataç die Freiheit. Das dabei gedrehte Video ging viral, und weil ein solcher Fang nicht der erste, sondern gleich der sechste seiner Art innerhalb von drei Jahren war, verbreitete sich das Thema einer möglichen Weiß-Hai-Kinderstube im Mittelmeer wie ein Lauffeuer.

Imposanter Anblick: Ein Großer Weißer Hai (Carcharodon carcharias).

KAUM STATISTIKEN
Leider fehlen immer wenn es um Großhaie im Mittelmeer geht die Mittel, grundlegende Statistiken anzufertigen. Im Fall des Weißen Hais beruhen die Fakten auf Sammlungen anekdotenhafter Sichtungen. Und im Fall fast aller anderen Großhai-Arten auf punktuelle Erhebungen in zwei, drei Kinderstuben und auf von Fischereiaufsehern registrierten Fängen. Warum das so ist? Weil es schlichtweg nicht mehr genügend Tiere gibt. Für Haie ist das Mare Nostrum das gefährlichste Binnenmeer.

Trauriges Schicksal vieler großer Haie!


Mit Ausnahme der reproduktionsstarken Blauhaie und der unterhalb von 300 Metern Tiefe noch verhältnismäßig häufigen Sechskiemerhaien ist die Zahl der gesichteten und gefangenen Großhaie heutzutage zu gering, um überhaupt eine Aussage zu ihrem Gefährdungsgrad machen zu können. Allen voran gilt das für die beiden Sandtiger-Arten, die im europäischen Hausmeer kurz vor dem biologischen Aussterben stehen und die Grauhaie, die mit mehr Arten im Mittelmeer vertreten sind als die meisten Taucher vermuten. Ehemals häufige Arten wie Mako-, Fuchs- und Glatte Hammerhaie sind im Mittelmeer entweder im kritischen Maß gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Studien zufolge sind die Bestände auf ein bis zwei Prozent der Population vor hundert Jahren zurückgegangen.

 

Zur Anzahl der lebenden Weißen Haie gibt es keine verlässlichen Angaben – aber ihre Anzahl bewegt sich gewiss in den Hunderten und nicht in den Tausenden. Dabei waren ausgerechnet sie in der nördlichen Adria vermutlich einst so häufig wie vor Kalifornien, Südafrika oder Südaustralien.

DIE ÄRA DER KOPFGELDJÄGER
Zur Zeit der Donau-Monarchie wurde der Fang eines jeden Weißen Hais mit einer Kopfprämie belohnt – wobei die Höhe der Zahlung sich nach der Größe der Tiere richtete. Allein zwischen 1872 und 1882 wurden nicht weniger als 53 Weiße Haie zur Prämiensicherung an das Naturkundemuseum von Trier gesendet. Die vermutlich erste Haifang-Kampagne der Neuzeit wurde noch bis ins 20. Jahrhundert verlängert. Wie zeitgenössische Postkarten und Beiträge aus damals bedeutenden Gazetten wie „Le Petit Parisien“ zeigen, war die Furcht vor Weißen Haien kein Produkt des Hollywood-Blockbusters „Der Weiße Hai“.

Angriff, Treibjagd und Sektion: Zeitgenössische Postkarten porträtierten Haie in schlechtem Licht.

Der amerikanische Harpunetti Guy Gilpatrick hat dem frisch gebackenen Abiturienten und späterem Tauchpionier Hans Hass 1939 einen heutzutage reichlich archaisch wirkenden Tipp mit auf den Weg gegeben ehe der seinen ersten Blauflossen-Thunfisch an der Côte d’Azur aufs Korn nahm: „Du brauchst ein Messer, hier gibt es auch Haie.“ Spätestens mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, vermutlich schon früher, ging die Ära eines biologisch kerngesunden Mittelmeeres vorüber, in dem Begegnungen mit Hunds- und Sandbankhaien an abgelegenen Küstenstrichen kaum weniger exotisch waren als jene mit Zackenbarschen. Mit der industriellen Fischerei, selbsternannten Hai-Jägern und gezielten Fangaktionen in der Sturm-und-Drangphase des Tourismus verschwanden die Küstenhaie im westlichen Becken des europäischen Mittelmeeres in rekordverdächtiger Geschwindigkeit. Und doch waren Hai-Netze in Istrien, bei Opatija oder Rijeka bis in die 60er-Jahre nicht ungewöhnlich. Ältere Semester mögen sich noch daran erinnern, dass damals kaum jemand einem Ball hinterher schwamm, der über die Bojengrenze hinaustrieb. Bis zum Kollaps der Thunfisch-Bestände hefteten sich Weiße Haie üblicherweise an die Laichzüge der Schwärme, die vom westlichen Mittelmeer bis in die flachen, fjordartigen Buchten Kroatiens führten, wo die Räuber saisonale Dauergäste waren. Wie der Mageninhalt von Mittelmeer-Weißhaien verrät, sind sie dort in Ermangelung an fettreichen Robben größere Nahrungsopportunisten als anderswo und decken ihren Energiebedarf durch Thun- und Schwertfische, Delfine, Makrelen, andere Haie und Meeresschildkröten. Oder durch Schiffab-fälle. Genau das, und nicht etwa das zufällige Aufeinandertreffen mit Schwimmern, Schnorchlern oder Tauchern, sind die typischen Situationen für Begegnungen mit Weißen Haien im Mittelmeer in der Neuzeit.

TAUCHEN-Autor Daniel Brinckmann hat elf Videos mit sieben Arten von Großhaien zusammengestellt, die garantiert keine Fakes sind. Achtung: das letzte Video zeigt wie ein Tier getötet wird und ist nichts für zart Besaitete. Doch es gibt auch schöne Videos. Die, in denen Menschen Haie aus Notsituationen befreien. Hier zum Beispiel retten Badegäste im Jahr 2015 vor Porto Pollo (Sardinien) einen gestrandeten Blauhai, der einer Angelleine zum Opfer gefallen ist. Die Geschichte aus dem Artikel: Ein Weißhai-Baby das im Juli 2011 in Edremit (Türkei) lebendig als Beifang gefangen wird, wird identifiziert und zurück ins Meer gesetzt. Vor Cervia (Italien) wird im April 2015 von einem Boot aus ein Riesenhai gesichtet. Zum Glück ist die Kamera wasserdicht! Spannende Unterwasseraufnahmen gibt's auch in diesem Video: der Sechskiemerhai wird nur von einigen Lampen beleuchtet und schwimmt sonst in völliger Dunkelheit durch die Straße von Messina (Italien).

Ein Speerfischer filmt im April 2016 seine kurze Begegnung mit einem Glatthai im Kanal von Sizilien (Italien) und taucht dann auf.

Hier ist eine Kurzdoku über ein Sandbankhai-Schutzgebiet vor Gökova (Türkei), die 2005 gefilmt wurde.
Ein Video über die Suche nach einem Weißen Hai in der Adria. (Kroatien, Sommer 2009) Dutzende Düstere Haie tummeln sich im Januar 2017 vor Israels Küste nahe Hardera. Auch Sandbankhaie sind zu sehen!
In einer Bucht von Porto Germeno im Golf von Korinth (Griechenland) schwimmt ein Blauhai schwimmt durch extremes Flachwasser.

Direkt vor Saint Tropez (Frankreich) sichten Sportangler im August 2012 einen Weißen Hai.

Vorsicht: Brutale Aufnahme!

Ein Großer Weißer Hai folgt seinem natürlichen Trieb und landet in einer Thunfischzucht. Was danach folgt ist erschreckend: über eine nicht enden wollende Zeit hinweg wird der Hai von Umstehenden beschossen, die das tote Tier schließlich aus dem Wasser ziehen und sich für ihre Tat gegenseitig bejubeln.

 
 



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