Das Cover der TAUCHEN 2/18
Und ab durch die Mitte …

Und ab durch die Mitte … © K. Hagmann

Amoktaucher

Nicht immer muss man die Fehler selbst machen, wie unser Beispiel zeigt:  Manchmal schafft das auch ein rücksichtsloser Buddy …

1safetystop070308Absprung! Es soll mein 16. Tauchgang werden. Um trotz hohen Luftverbrauchs niemandem die Tauchzeit zu verkürzen, habe ich mir eine 15-Liter-Flasche organisiert.

 

 

 

 

2safetystop070308Ich bleibe dicht beim Guide, der sich als Buddy angeboten hat, um notfalls zu helfen. Die drei anderen tauchen hinter uns. Einer davon ist Klaus mit über 100 Tauchgängen.

 

 

 

 

3safetystop070308Plötzlich schließt Klaus zu uns auf. Er will die Muräne sehen, die Diveguide Achmed mir zeigt, drängt sich zwischen uns und trennt mich von meinem Buddy (Fehler 1).

 

 

 

 

4safetystop070308Achmed signalisiert ihm energisch, Abstand zu halten. Klaus macht sich daraufhin selbst­ständig, wechselt dabei ständig Tiefe und Position in der Gruppe (Fehler 2).

 

 

 

 

5safetystop070308Achmed hat Mühe, Klaus im Auge zu behalten. Sein unkontrolliertes Verhalten stört ihn sichtlich (Fehler 3). Er signalisiert Klaus, dass er bei uns bleiben soll.

 

 

 

 

6safetystop070308Klaus bleibt, wechselt aber weiterhin die Tiefe. Beim Absinken rempelt er mich wieder an, und Achmed muss seinen Kopf vor dessen Flossen schützen (Fehler 4).

 

 

 

 

7safetystop070308Nach 20 Minuten zeigt Klaus an, dass er nur noch 70 bar in seiner Flasche hat. Bei mir sind es 120 bar, bei den anderen mehr. Achmed bricht den Tauchgang ab.

 

 

 

 

8safetystop070308Dem anderen Buddyteam ist offensichtlich nicht klar, was los ist. Aber sie reagieren sofort wie im Lehrbuch gefordert, indem sie das Auftauchsignal bestätigen.

 

 

 

 

9safetystop070308Wieder an Bord erklärt Achmed, dass er abgebrochen hat, weil Klaus in jeder Hinsicht ein Problem dargestellt hat. Wir alle sind sauer über den vermiesten Tauchgang!

 

 

 

 

Fazit

Es ist traurig: Da nimmt ein Anfänger extra eine große Flasche mit, um niemandem den Tauchgang zu verkürzen, und dann läuft ein relativ Erfahrener buchstäblich Amok. Ob Klaus wirklich alle geloggten Tauch­gänge gemacht hat, bleibt ohnedies fraglich. Aber der Reihe nach:

Fehler 1: Dass ein relativ erfahrener Taucher mit 100 Tauchgän­gen einen Anfänger von dessen Buddy trennt, ist extrem rücksichts­­los. Dafür gibt es einfach keine Entschul­digung.

Fehler 2: Der ständige Tiefenwechsel ist auch als Jo-Jo-Tauchen bekannt. Er kann selbst bei an sich unkritischen Tauchprofilen zu Dekounfällen führen. Außerdem verbraucht man dabei durch das Tarieren viel Luft. Das Beispiel von Klaus hätte das nicht besser zeigen können.

Fehler 3: Wenn man weiß, dass der Guide sich um einen Anfänger kümmert, macht man ihm den Job nicht unnötig schwer. Das völlig chaotische Verhalten von Klaus muss den Guide beunruhigen. Schließlich hat er auch und vor allem durch seine Ortskenntnis eine besondere Verantwortung gegen­über der ganzen Gruppe.Das schließt und viele wissen das nicht auch sehr erfahrene Taucher ein. Da sollten sich selbst ganz alte Hasen und Tauchlehrer nicht ausnehmen. Es zeugt von Souveränität und gutem Stil, den Guide als Verantwortlichen anzuerkennen.

Fehler 4: Ein wenig Raumgefühl gehört zum Tauchen dazu. Wo man seine Flossen hat, sollte man jederzeit wissen. Auf den Köpfen der Tauchpartner oder ins Riff gehören sie nicht.

Der Abbruch des Tauchgangs war richtig. Die restliche Luft hätte er ebenfalls schnell verbraucht. Hier geht Sicherheit vor! Klaus von weiteren Tauchaktivitäten auszuschließen, wä­re sinnvoll gewesen. Er muss erst lernen, dass Rücksicht keine Schwäche ist.