Das Cover der TAUCHEN 4/18
Solotauchen: Panik kann tödlich sein

Solotauchen: Panik kann tödlich sein © W. Pölzer

Solotauchen: Einsamer Horrortrip

Ein Anfänger geht im Alleingang an einer Steilwand auf Tiefenjagd. Plötzlich hat er das Gefühl, nicht mehr hochzukommen. Dieser nachgestellte Bericht beruht auf einer wahren Begebenheit und zeigt, wie gefährlich Solotauchen sein kann.

So nah an einem tödlichen Ausgang war keine unserer nachgestellten Berichte, die aber auf wahren Erfahrungsberichten von Tauchern beruhen. Das Überleben des Sportlers war hier pures Glück, denn das Einzige, was Arne S. (Name geändert) wirklich richtig gemacht hat, war das Aus­atmen während des rasanten Aufstiegs. Der haarsträubende Fall bei einem Tauchgang alleine fand wie folgt statt:

1Fotostory2Von der Treppe aus sind es noch 20 Meter bis zu einer weit über hundert Meter abfallenden Steilwand. Wie tief ich hier wohl komme? (Fehler 1 + 2)

2Fotostory2Ich tauche schräg ab Richtung Steilwand. Die Tauchlehrer im Verein haben offen von ihren tiefen Tauchgängen erzählt. Tenor: Wir dürfen das, du nicht! (Fehler 3).

 

3Fotostory2Ohne Luft im Jacket und nur ganz wenig im Trocki treibt mich mein Flossenschlag rasch tiefer. 40, 50, dann 60 Meter (Fehler 4). Wie gebannt schaue ich auf die Tiefenanzeige.

 

4Fotostory2Meine Atemgeräusche klingen seltsam. Ich bin 66 Meter tief, möchte stoppen und lasse Luft in Anzug und Jacket (Fehler 5). Ich sinke weiter und suche Halt an der Wand.

5Fotostory2Schlagartig packt mich eine Mega-Panik! Ich fühle mich wie in einem Alptraum, in dem ich nicht wegrennen kann. Der Dauerdruck auf den Inflator hilft: Ich steige auf!

6Fotostory2Zuerst ist der Aufstieg langsam, dann immer schneller. Die Ventile von Trocki und Jacket blasen ab, mein Computer piept schrill. Es wird heller.

Fotostory2Ich denke nur noch: „Ausatmen ­- dann geht es vielleicht gut.“ Trotz abströmender Ventile werde ich schneller, die Luft kommt nicht schnell genug heraus.

8Fotostory2Ich schieße bis zur Hüfte aus dem Wasser. Noch Minuten später kommen immer mehr Luftblasen hoch, die ich hinter mir gelassen habe. Ich lege mich im Wasser zurück.

9Fotostory2Im Anzug ist noch genug Luft, um mich richtig aufschwimmen zu lassen. Kommen jetzt die Bends? Ich habe Glück! Der Tauchgang bleibt ohne Folgen.

Unser Fazit – So ist es zu der schwerwiegenden Situation beim Solotauchen gekommen 

Fehler 1: Er taucht alleine. Gängige Theorie und Praxis ist es nach wie vor, während eines Tauchgangs im Buddy-Team zu tauchen. Tauchausbildungsorganisationen bieten auch Spezialtauchgänge an, um Solotaucher auszubilden. Jedoch dienen diese Kurse keineswegs dazu, das Buddy-System zu ersetzen und dauerhaftes Allein-Tauchen zu ermöglichen.



  1. Mario

    Die Überschrift hätte auch lauten können: „Deutlich mehr Glück als Verstand“
    Das „Tauchen“ sich wider das Solotauchen positioniert, kann ich nachvollziehen, wenngleich meine pers. Meinung (mit entsprechender Erfahrung, Redundanz und Tauchplatzkenntnis) da abweicht. Kritisch finde ich aber bei „Fehler 1“ das Solotauchen als ursächlich alleinzustellen. Objektiver hätte ich gefunden, wenn dies deutlicher in Kombination mit der Unerfahrenheit gestanden hätte. Wie hätte es denn verlaufen sollen/können, wenn sich ein 2.ter Anfängerdummbatz gleicher beschriebener Unreife dabei befunden hätte, dann wäre es zwar ein Buddyteam gewesen, aber es hätte eine wohl doppelte Katastrophe bedeuten können. Was wenn solch ein unerfahrener Harakiritaucher seinem erfahrenen Buddy einfach mal abhaut in die Tiefe? Wie viel Zeit bliebe einem erfahrenen Buddy wohl einzugreifen, wenn der panische Anfänger plötzlich Jacketblase u n d Trocki gleichzeitig vollpumpt? Wirklich genug Zeit einzugreifen? Anblasen überhaupt verhindern und/oder an Ablässe zu kommen? In solcher Situation sich negativ tariert dranhängen und mit gespreizten Flossen bremsen? So noch die eigene Gesundheit wirklich gefährden???
    Sicher werden diese paar Zweiflerfragen nicht allen denkbaren Varianten gerecht, aber der so statuierte Grundsatz des Buddyteams als Absicherung wäre in solchen Konstellationen wie beschrieben wohl eher trügerisch zu nennen und ergo „Solo“ nicht für den beschriebenen Verlauf ursächlicher Fehler Nr.1!

  2. Marieluise

    Seh ich auch so. Ich finde auch, dass ein solcher Harlekin besser alleine verunglückt als noch einen anderen mit reinzuziehen. Die lassen sich ja sowieso von nichts abhalten!
    Solo oder Buddy ist nicht immer das entscheidende Merkmal.

    Zwischen Buddy und Buddy gibts extreme Unterschiede. Auf der idealsten Stufe tauchen zwei Partner immer zusammen, kennen die gegenseitigen Reaktionen, Normalbewegungen, Fähigkeiten, Schwächen, vor allem die Ausrüstung (wir schleppen deshalb überallhin unsere eigene mit). Man hat großes Glück, wenn man Partnerschaft/Ehe/Freundschaft mit dem Tauchen verbinden (und dadurch vertiefen 😉 ) kann.
    Buddytypen, die am anderen Ende der Skala liegen, kümmern sich einen Dreck um ihren Buddy, zeigen ihm fortwährend, dass sie ihn nicht brauchen, und riskieren, dass alle drei in Gefahr geraten, wenn ihm, weil er z.B. alles antatschen und in jedes Loch fassen muss, etwas zustößt. (Wir hatten mal so einen, der uns als dritter Buddy aufgeschwatzt wurde – der reinste Horror-TG). Oder es handelt sich um das Gegenteil: Zappelpaddler mit gekauftem Tauchschein, die nach 20 Minuten keine Luft mehr in der Flasche haben. Wenn ich mit solchen Extrem-Buddys tauchen müsste, würde ich einen Solo-TG vorziehen.
    Dazwischen gibt es viele Abstufungen; wenn man als Alleinreisender an Gruppen-TG teilnimmt, kann man sich seinen Buddy halt selten aussuchen, und dann hat man Glück oder Pech.


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