Das Cover der TAUCHEN 4/18
Thorsten wechselt auf seinen Zweitautomaten – doch die Probleme sind nicht behoben …

Thorsten wechselt auf seinen Zweitautomaten – doch die Probleme sind nicht behoben … © W. Pölzer

Versperrte Luftzufuhr

Ein Umstieg von Einzel- auf Doppelflaschen. Für jene, die sich für Tech-Tauchen interessieren, ist das ein logischer Schritt. Ohne Vorbereitung abzutauchen, kann aber schief gehen!

TAUCHEN-Leser Michael Moschke berichtet von seinem schief gelaufenen Tauchgang mit Doppelflaschen. Den Tauchgangsablauf und die Hinweise auf die Fehler könnt ihr in der Bildergalerie verfolgen.

fehler_05_08_1Andreas, Torsten und ich machen unseren ersten Tauchgang mit Doppelflaschen. Aufgrund technischer Probleme mit seiner Ausrüstung muss Andreas beim Aufstieg aus Torstens Gerät mitatmen.

 

 

 

 

 

fehler_05_08_2Aufgrund von Andreas’ Problemen machen Torsten und ich den nächsten Tauchgang ohne ihn. Nach der Oberflächenpause tausche ich mein Doppelgerät mit 60 bar Druck gegen eine Ersatzflasche aus.

 

 

 

 

fehler_05_08_3Torsten hat wieder seine Doppelzwölf dabei, denn sein Finimeter zeigt noch 100 bar Restdruck an. Schon nach wenigen Minuten signalisiert er, dass etwas mit seinem Atemregler nicht in Ordnung ist.

 

 

 

 

fehler_05_08_4Dann zeigt Torsten auf seinen Regler und macht das Zeichen für „keine Luft“. Da noch Blasen aus dem Regler kommen, schließe ich, dass er schwer Luft bekommt. Sein Finimeter zeigt 80 bar an.

 

 

 

 

fehler_05_08_5Torsten nimmt den Regler aus dem Mund. Dann wechselt er auf den Zweitautomaten an seiner linken Flasche. Ich halte mich weiterhin bereit, um ihm helfen zu können. Er aber signalisiert: „Alles okay“.

 

 

 

 

fehler_05_08_6Als Torsten versucht, etwas mehr Luft in den Anzug einströmen zu lassen, merkt er schnell, dass das nicht funktioniert. Wir können uns das nicht erklären. Ist die Erste Stufe irgendwie blockiert? Aber wodurch?

 

 

 

fehler_05_08_7Dann drückt mein Buddy auf den Inflatorknopf seines Jackets und nickt erfreut. Auch ich kann das Einströmen der Luft hören. Auch seine Atmung funktioniert prächtig. Trotzdem gebe ich das Zeichen zum Aufstieg.

 

 

 

fehler_05_08_8Zurück am Ufer schauen wir uns das Doppelgerät genau an. Die rechte Flasche ist restlos leer! Jetzt ist klar, warum die Atmung so schwer wurde und das Einlassventil des Trockis auch nicht mehr funktionierte.

 

 

 

fehler_05_08_9Die Ursache: Die Brücke (C) zwischen den Flaschen ist abgesperrt. Das Finimeter zeigt so immer den Druck der Flasche an, aus der nicht geatmet wurde. Mit deren Luft hat er bis zum Reglerwechsel nur tariert.

 

 

 

Unser Fazit

Seltsam, oder? Was genau ist da passiert? Das Foto unten hilft beim Verständnis. Eigentlich ist es ganz einfach.
Zunächst zur technischen Seite: Weil das Ventil der Brücke (C) geschlossen ist, taucht Torsten mit zwei separaten Flaschen. Die Brücke kann man sich dann ruhig wegdenken. Torsten atmet von Anfang an nur aus der rechten Flasche (B). An dieser befindet sich sein Hauptautomat (D) sowie der Inflatorschlauch für den Trockentauchanzug. An der linken Flasche (A) befindet sich der Zweitautomat (E), der Inflatorschlauch des Wings sowie das Finimeter.
Flasche A wird nur zum Tarieren über das Jacket und während der Buddy-Hilfe benutzt. Durch diesen Verbrauch bewegt sich die Nadel des Finimeters nach unten, so dass ein Pro­blem nicht sofort erkennbar ist.
Der Verbrauch aus Flasche B wird nirgendwo angezeigt. Darum bekommt Torsten auch plötzlich schlecht Luft: Durch den geringen Flaschendruck arbeitet sein Regler nicht mehr richtig. Kurz darauf, kann er keine Luft in den Trocki einleiten  die Flasche ist leer.
Ein letztes Wort zur Technik: Die Brücke sollte immer geöffnet sein. Geschlossen wird sie nur, wenn  durch ein Problem, etwa mit einem O-Ring oder einem blockierten Handrad, der Luftverlust aus einer der Flaschen nicht zu vermeiden ist. Das Schließen der Brücke schützt dann den Inhalt der anderen Flasche.
Zu guter Letzt: Auch erfahrene Taucher müssen sich mit neuen Ausrüstungsteilen ausgiebig vertraut machen. Nicht immer in Form eines Specials, denn mitunter genügt auch eine Einführung durch den Fachhändler oder einen erfahrenen Tauchkollegen.