Der Arendsee in Sachsen-Anhalt aus der Vogelperspektive.

Der Arendsee in Sachsen-Anhalt aus der Vogelperspektive. © F. Huber

Mittelalterlicher Prahm aus dem Arendsee soll geborgen werden 

Der zwölf Meter lange »Prahm« liegt auf dem dunklen Grund des Sees und soll 2022 geborgen werden. Auch ein ferngesteuertes Wasserfahrzeug (ROV) des Fraunhofer-Instituts war an der Untersuchung des Wracks beteiligt.

Ende September untersuchten Archäologen einen rund 12 Meter langen Prahm im Arendsee in Sachen-Anhalt; mit 55 Metern Tiefe einer der tiefsten natürlichen Seen in Norddeutschlands. Ein Prahm war ursprünglich eine flache Fähre, später ein Transportschiff mit schlanker und flacher Rumpfform. "Es ist ein Plankenboot, das von Bootsbauern hergestellt wurde", sagt Projektleiter Dr. Sven Thomas vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Halle. Mittels C14-Datierung konnte das hölzerne Wrack, das in knapp 35 Metern Tiefe liegt, auf das Jahr 1265 datiert werden. Gefunden wurde es bereits vor einigen Jahren von Sporttauchern. Vermutlich wurde das Wassergefährt zum Transport von Bewohnern und Materialien des nahegelegenen Klosters benutzt. Der Prahm ist eines der ältesten Schiffsfunde in Deutschland südlich der Ostsee und ist deshalb von außerordentlichem kulturhistorischem Wert, zudem ist er sehr gut erhalten. Neben dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA) waren auch das Fraunhofer Institut aus Ilmenau, Forschungstaucher, Taucher der Wasserrettung Halle/Saale e.V. sowie Einsatzkräfte des THW Salzwedel an dem Projekt beteiligt. Mit einer Hochleistungstauchpumpe, die auf 26 Meter Tiefe abgesenkt wurde, konnte das Wrack mit einem Saugschlauch teilweise freigelegt und dokumentiert werden. Dabei kamen zahlreiche, bislang unbekannte Konstruktionsdetails zum Vorschein. Im Gegensatz zu bisherigen Annahmen hatte das Schiff einen Mast und Rahsegel (ähnlich den frühen Koggen). Im Bugbereich, mittschiffs und achtern befinden sich Poller für die Aufnahme der Takelage. Zusätzlich konnte der Prahm über mindestens drei Ruderpaare (Riemen) fortbewegt werden, wobei die Ruderer vermutlich im Stehen arbeiteten. Die Riemen wurden durch Leinen gesichert, die am Prahm mittels durchbohrter Halterungen befestigt waren.  
Gesunken ist der Prahm mit dem Bug voran, weshalb er beim Aufschlag auf den Seeboden beschädigt wurde. Der Bug ist aufwändig gearbeitet, deutlich nach oben gezogen, was die Seetüchtigkeit des Prahms erhöhte und ihn von anderen mittelalterlichen und älteren Prahmfunden unterscheidet. 2022 soll das Wrack geborgen werden. "Es wurde schon ein Konzept ausgearbeitet, denn so etwas hat es in dieser Form in Deutschland noch nicht gegeben", sagt Dr. Sven Thomas. Dafür werde von einer Plattform aus zentimetergenau über dem Wrack ein Aluminiumgestell in die Tiefe gelassen. Der Prahm soll dann mit Gurten gesichert und hochgezogen werden. Knapp unter der Wasseroberfläche kommt der Prahm dann in einen Transportbehälter. Anschließend wird er sofort in die Werkstatt nach Halle transportiert und dort in ein Becken mit flüssigem Kunststoff getaucht. Innerhalb von drei Jahren soll das Schiff so dauerhaft konserviert werden.  

Fotos: F. Huber