Zwei Taucher in Camaro-Trockentauchanzügen mit Tauchgeräten stehen bauchtief im Mondsee, dahinter ein bewaldeter Berg
Anzüge Technik

Camaro Drytec AIR und Protec AIR im Praxistest am Mondsee

Mit dem Drytec AIR und dem Protec AIR bringt das österreichische Familienunternehmen Camaro eine neue Generation leichter Trilaminat-Trockentauchanzüge. Der Drytec AIR ist die Basisversion, der Protec AIR bietet unter anderem ein Molle-System am Unterarm und zusätzlichen Abriebschutz. Beim Praxistest im Mondsee überzeugten beide Modelle mit hohem Tragekomfort und viel Bewegungsfreiheit.

Carola Lockhorst, Camaro

In vielen Unternehmen ist der Satz „Der Kunde ist König“ ein Marketing-Versprechen. Bei Camaro gehört er zum Alltag. Das österreichische Familienunternehmen entwickelt seit Jahrzehnten Tauchanzüge und Wassersportbekleidung, und die Nähe zu Anwendern gehört zur Firmenphilosophie.

Wer Mitarbeiter auf Messen wie der boot Düsseldorf oder der Duikvaker in den Niederlanden anspricht, merkt schnell: Hier arbeiten Designerinnen, Schneiderinnen und Taucher eng zusammen. Ideen und Kritik aus der Praxis werden gesammelt, analysiert und fließen direkt in neue Produkte ein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zwei Modelle: Drytec AIR als Basisausführung und direkter Nachfolger des Drytec 3.0, Protec AIR als höherwertige Variante mit umfangreicherer Ausstattung.
  • Material: leichtes, atmungsaktives 3-Lagen-Stretchlaminat.
  • Neu: integrierter Wärmekragen, diagonal über die Schulter laufender Reißverschluss, vorgeformte Knie und Ellbogen.
  • Nur beim Protec AIR: Molle-System am Unterarm und zusätzlicher Abriebschutz an Knie, Ellbogen und Gesäß.
  • Praxistest: Rund 30 Taucher aus den Benelux-Ländern testeten die Anzüge im Mondsee. Das Fazit fiel eindeutig positiv aus.
  • Preis: Protec AIR ab 2695 Euro, Drytec AIR ab 1895 Euro (Herstellerangaben, Stand: 10/2026).

Kurzer Weg vom Anwender in die Werkstatt

Das zeigt sich auch bei einem Besuch in der Produktion. Während des Aufenthalts wird an meinem eigenen Trockentauchanzug die Neopren-Halsmanschette ersetzt. Die Schneiderinnen messen den Halsumfang präzise aus. Nur wenige Minuten später beginnt in der Werkstatt bereits die Anpassung. Zwei Tage später ist der Anzug fertig, ein Beispiel für die kurze Distanz zwischen Entwicklung, Service und Anwender.

Eine Camaro-Mitarbeiterin misst mit einem Maßband den Brustumfang eines Mannes, im Hintergrund ein Banner mit der Aufschrift „Die Schneiderei“
Maß nehmen bei Camaro: Individuelle Anpassungen gehören zum Konzept des Herstellers. Foto: Carola Lockhorst

Solche Rückmeldungen aus Reparaturen und Servicefällen werden systematisch dokumentiert. Daraus entsteht eine kontinuierlich wachsende Liste von Verbesserungsansätzen, die Grundlage für neue Generationen von Trockentauchanzügen.

Was ist neu?

Die Entwicklung der aktuellen Modellreihe wurde von Projektleiterin Michelle Porsche begleitet. Ziel war es, einen technisch verbesserten Trockentauchanzug zu entwickeln, der gleichzeitig komfortabler und funktioneller ist.

Bereits das Vorgängermodell Drytec 3.0 hatte viele Tauchschulen überzeugt. Das leichte, atmungsaktive Dreilagenmaterial bietet deutlich mehr Bewegungsfreiheit als klassische Trockentauchanzüge.

Michelle Porsche sitzt lächelnd an einem Werktisch, vor ihr liegt ein blaugrauer Trockentauchanzug mit Einlassventil
Projektleiterin Michelle Porsche arbeitet in der Produktion an der neuen Protec-Generation. Foto: Carola Lockhorst

Eine der auffälligsten Neuerungen ist ein integrierter Wärmekragen. Er ermöglicht es, die Kopfhaube sauber unter einer elastischen Lage zu verstauen, während der Hals zusätzlich isoliert bleibt. Die Lösung wirkt erstaunlich einfach, und genau deshalb stellt sich die Frage, warum sie bisher kaum umgesetzt wurde.

Auch der Einstieg wurde verändert. Der Reißverschluss verläuft nun diagonal über die Schulter und ist länger als beim Vorgänger. Dadurch lässt sich der Anzug leichter an- und ausziehen, und die Belastung auf Schultern und Rücken reduziert sich deutlich.

Im Inneren sorgt eine glattere Materialstruktur dafür, dass der Taucher buchstäblich in den Anzug hineingleitet. Ein Detail, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, im Taucher-Alltag jedoch einen großen Unterschied macht.

Zusätzlich wurden Ellbogen und Knie vorgeformt. Besonders unter Wasser zeigt sich der Vorteil: Der Stoff folgt den Bewegungen, statt gegen sie zu arbeiten. Flossenschläge fühlen sich dadurch natürlicher und weniger eingeschränkt an.

Drytec AIR und Protec AIR: zwei Modelle, unterschiedliche Ausstattung

Camaro bietet die neue Generation in zwei Varianten an. Das Modell Drytec AIR ist die Basisausführung und zugleich der direkte Nachfolger des Drytec 3.0. Technisch orientiert sich der Anzug am bewährten Konzept, wurde jedoch an vielen Details verbessert. Die noch hochwertigere Variante trägt den Namen Protec AIR. Sie verfügt über zusätzliche Funktionen und eine umfangreichere Ausstattung.

Freisteller des Camaro Protec AIR in Grau mit dunklen Verstärkungen, links Rückansicht, rechts Vorderansicht mit diagonalem Reißverschluss, Oberschenkeltasche und angesetzten Stiefeln
Der Camaro Protec AIR von hinten und vorn: diagonaler Reißverschluss, Oberschenkeltasche und Abriebschutz an Knien und Ellbogen. Foto: Camaro

Standardmäßig besitzt der Anzug eine große technische Oberschenkeltasche, eine zweite ist optional erhältlich. Interessant ist die Möglichkeit, die Taschen weiter nach vorne zu positionieren, ein Vorteil insbesondere für Sidemount-Taucher.

Serienmäßig sind außerdem robuste Expeditions-Tauchstiefel mit besonders dicker Sohle integriert. Ihr Profil erinnert an Wanderschuhe und bietet guten Halt auf steinigen Ufern oder an Dämmen.

Auch bei den Ventilen setzt Camaro auf hochwertige Komponenten: Serienmäßig sind SI-Tech-Ventile verbaut, Apeks-Ventile gibt es optional.

An besonders beanspruchten Bereichen, also Knie, Ellbogen und Sitzfläche, befindet sich eine flexible Abriebschutzschicht. Sie folgt der Bewegung des Materials und verhindert gleichzeitig frühzeitigen Verschleiß.

Praktisches Detail am Unterarm

Ein ungewöhnliches Element findet sich am Unterarm des Protec AIR: ein Molle-System mit elastischer Bungee-Befestigung. Hier lassen sich kleine Ausrüstungsgegenstände fixieren, etwa Schreibtafeln, Karabiner oder Line-Marker. Der Vorteil: Der Taucher muss keine Taschen öffnen.

Im Test erweist sich die Befestigung auch für einen Tauchcomputer als praktisch. Das verlängerte Armband einer Garmin Descent lässt sich unter der Bungee-Schlaufe sichern. Die Uhr bleibt stabil in Position, ohne unangenehm fest zu sitzen.

Unterarm im Camaro Protec AIR mit Molle-Schlaufen, darunter eine Taucheruhr und ein Tauchcomputer, gesichert mit einer elastischen Bungee-Schnur
Das Molle-System am Unterarm ermöglicht die flexible Befestigung kleiner Ausrüstungsgegenstände. Foto: Carola Lockhorst

Der Trockentauchanzug als Designprodukt

Während viele Hersteller sich ausschließlich auf Funktion konzentrieren, verfolgt Camaro zusätzlich einen gestalterischen Ansatz. Die Stoffbahnen werden zunächst von innen miteinander vernäht und anschließend verklebt. Dadurch entsteht außen eine glatte Oberfläche ohne sichtbare Überlappungen, ein Detail, das dem Anzug ein deutlich aufgeräumteres Erscheinungsbild verleiht. Farbliche Akzente an Nähten, Logos und Details ermöglichen eine individuelle Gestaltung. Insgesamt stehen hier mehrere Farbkombinationen zur Auswahl.

Auch die Inspiration für die Schnittführung ist ungewöhnlich: Die Designer orientieren sich teilweise an modernen Ski-Bekleidungen. Das Ergebnis ist ein Trockentauchanzug, der funktional bleibt, aber deutlich moderner wirkt als viele klassische Modelle.

Die Hosenbeine liegen über den Stiefeln und werden mit einer innenliegenden Reißverschlusslösung geschlossen. Neben der Optik sorgt dies auch dafür, dass Wasser sauber vom Anzug abläuft.

Ein Mann kniet vor einem aufgehängten Camaro-Trockentauchanzug und zeigt das Hosenbein, das über dem angesetzten Stiefel liegt, eine zweite Person hält den Stoff
Der neue Schnitt orientiert sich teilweise an moderner Sportbekleidung. Die Hosenbeine liegen über den Stiefeln. Foto: Carola Lockhorst

PFAS-freie Imprägnierung

Auch in der Tauchindustrie gewinnen Umweltauflagen zunehmend an Bedeutung. Besonders beim Imprägnieren von Trockentauchanzügen gelten inzwischen strengere Vorschriften. Die wasserabweisende Behandlung der Stoffe erfolgt heute vollständig PFAS-frei. Camaro verwendet dafür spezielle Reinigungs- und Imprägniermittel, die auf die Materialien abgestimmt sind. Eine zusätzliche Behandlung ist nur selten erforderlich. Als Faustregel gilt: Nach etwa einem Jahr oder rund hundert Tauchgängen sollte der Anzug gewaschen und neu imprägniert werden.

Praxistest im Mondsee

Rund 30 Taucher aus den Benelux-Ländern testeten die neuen Modelle im Mondsee. Schon beim Einstieg ins Wasser fiel der hohe Tragekomfort auf. Das leichte Dreilagenlaminat ermöglicht viel Bewegungsfreiheit, ohne an Stabilität einzubüßen. Besonders die vorgeformten Gelenkbereiche machen sich bei längeren Tauchgängen bemerkbar.

Auch an der Wasseroberfläche zeigte sich ein Vorteil: Der Anzug lässt sich vergleichsweise einfach an- und ausziehen, ein Aspekt, der oft unterschätzt wird. Nach mehreren Testtauchgängen fiel das Fazit der Teilnehmer eindeutig positiv aus. Neben Lob für Komfort und Beweglichkeit sammelten die Entwickler auch Hinweise für weitere Detailverbesserungen.

Zwei lachende Taucher in dunklen Camaro-Trockentauchanzügen stehen hüfttief im Mondsee, im Hintergrund ein bewaldeter Berg
Testtauchgänge im Mondsee: Gelobt wurden vor allem Komfort und Beweglichkeit. Foto: Carola Lockhorst

Technische Daten im Vergleich

Herstellerangaben laut Printausgabe 05/26, aktualisiert nach Herstellerstand 10/2026

MerkmalCamaro Protec AIRCamaro Drytec AIR
TypTrilaminat-TrockentauchanzugTrilaminat-Trockentauchanzug
Material3-Lagen-Stretchlaminat3-Lagen-Stretchlaminat
Farbenblau, grün oder schwarzblau, grün oder schwarz
Reißverschlussdiagonal über die Schulter (Easy Entry)diagonal über die Schulter (Easy Entry)
VentileSI-Tech serienmäßig, Apeks optionalSI-Tech serienmäßig, Apeks optional
FüßlingePRO-StiefelThermo-Füßlinge
HalsmanschetteLatex oder NeoprenLatex oder Neopren
ArmmanschettenLatexLatex
Knie/Ellbogenvorgeformt, zusätzlicher Abriebschutzvorgeformt
Taschen1 Tasche serienmäßig, zweite optional1 Tasche serienmäßig, zweite optional
Molle-Systemam Unterarm–
ZusatzschutzAbriebschutz an Knie, Ellbogen, Gesäß–
OptionenThermo-Füßlinge, Neoprensocken, angesetzte Haube, zweite Tasche, Namensstick, Silikonmanschetten, Handschuhsystem, UrinalventilPRO-Stiefel, Neoprensocken, angesetzte Haube, zweite Tasche, Namensstick, Silikonmanschetten, Handschuhsystem, Urinalventil
Preisab 2695 Euroab 1895 Euro

Fazit: Für wen eignen sich Drytec AIR und Protec AIR?

Mit der neuen Drytec-Generation zeigt die Firma Camaro, dass sich technische Funktionalität und modernes Design nicht ausschließen müssen. Die Kombination aus flexiblem Dreilagenmaterial, durchdachten Details und individueller Gestaltung hebt die Modelle aus der Masse klassischer Trockentauchanzüge heraus.

Stärken: hoher Tragekomfort und viel Bewegungsfreiheit, vorgeformte Knie und Ellbogen, einfacher Ein- und Ausstieg über den diagonalen Reißverschluss, integrierter Wärmekragen, kurze Wege vom Anwender zur Werkstatt.

Drytec AIR oder Protec AIR? Der Drytec AIR ist die Basisausführung. Der Mehrpreis des Protec AIR bringt das Molle-System am Unterarm, zusätzlichen Abriebschutz an Knie, Ellbogen und Gesäß sowie robuste PRO-Stiefel. Das lohnt sich vor allem für Taucher, die viel Ausrüstung am Körper tragen, sidemount tauchen oder häufig über steinige Ufer einsteigen.

Für Taucher, die Wert auf Komfort, Bewegungsfreiheit und eine hochwertige Verarbeitung legen, sind der Drytec AIR und der Protec AIR eine interessante Option, sowohl für Ausbildung und Alltagstauchgänge als auch für anspruchsvollere Einsätze.

Text: Carlo Vreugde, aus dem Niederländischen übersetzt. Dieser Artikel erschien in TAUCHEN-Ausgabe 05/26 und wurde für die Webfassung redaktionell angepasst.

Häufige Fragen zu Camaro Drytec AIR und Protec AIR

Was unterscheidet den Camaro Drytec AIR vom Protec AIR?

Beide nutzen dasselbe 3-Lagen-Stretchlaminat, den diagonalen Reißverschluss und vorgeformte Knie und Ellbogen. Der Protec AIR hat zusätzlich ein Molle-System am Unterarm, Abriebschutz an Knie, Ellbogen und Gesäß und PRO-Stiefel. Der Drytec AIR kommt mit Thermo-Füßlingen.

Was kosten Drytec AIR und Protec AIR?

Laut Camaro kostet der Protec AIR ab 2695 Euro und der Drytec AIR ab 1895 Euro (Stand: 10/2026). Zum Erscheinen der Printausgabe 05/26 war der Drytec AIR mit 1795 Euro angegeben.

Ist der Drytec AIR der Nachfolger des Drytec 3.0?

Ja. Der Drytec AIR ist die Basisausführung der neuen Generation und direkter Nachfolger des Drytec 3.0. Das Konzept blieb, viele Details wurden verbessert.

Warum verläuft der Reißverschluss diagonal?

Der diagonal über die Schulter laufende Reißverschluss ist länger als beim Vorgänger. Der Anzug lässt sich dadurch leichter an- und ausziehen, Schultern und Rücken werden weniger belastet.

Eignet sich der Protec AIR für Sidemount?

Die Oberschenkeltaschen lassen sich weiter nach vorne positionieren, was laut Printartikel insbesondere Sidemount-Tauchern entgegenkommt. Beim Praxistest im Mondsee wurden die Anzüge mit Backmount- und Sidemount-Konfigurationen getaucht.

Kann man einen Camaro-Trockentauchanzug nach Maß bestellen?

Laut Camaro ja: Maßanfertigungen kosten 100 Prozent Aufpreis, die Maße werden im Werksverkauf in Mondsee oder bei Premiumhändlern genommen. Ein kostenloses Teilmaß bietet Camaro dort sowie auf ausgewählten Messen an (Stand: 10/2026).

Wie oft muss der Anzug imprägniert werden?

Als Faustregel gilt: nach etwa einem Jahr oder rund hundert Tauchgängen waschen und neu imprägnieren. Camaro imprägniert die Stoffe PFAS-frei.

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