Was aussieht wie eine Pflanze, kann eine Alge sein. Zwischen Grün-, Braun- oder Rotalgen und den echten marinen Blütenpflanzen zu unterscheiden ist gar nicht so schwer.
Wachstum im Meer
Wer unter Wasser einen »pflanzenbewachsenen« Untergrund sieht, denkt schnell an Seegras oder Tang. Doch die botanische Wahrheit ist komplexer. Im Meer gibt es zwei verschiedene Gruppen von Pflanzen:
• Algen, also meist vielzellige, aber primitive photosynthetisch aktive Lebewesen, die keine echten Wurzeln, Stängel oder Leitgefäße besitzen.
• Marine Blütenpflanzen, also echte Pflanzen, die sich evolutionär aus Landpflanzen entwickelt haben und wieder ins Wasser »zurückgekehrt« sind.
Bestimmung mit Apps
Spezielle Apps versprechen über Wasser eine einfache Bestimmung von Pflanzen per Foto. Einige weiten diese Funktionen auch auf die die Flora unter Wasser aus. Wir haben mehrere dieser Apps geprüft. Die Anwendungen iNaturalist und Flora incognita lieferten noch die verlässlichsten Informationen, wenn auch nicht immer wirklich befriedigend, andere Apps waren meist enttäuschend und oft leider sogar mangelhaft. Im Gegensatz zur Bestimmung von Landpflanzen per Foto und App-Anwendung ist diese Funktion bei Unterwasserpflanzen noch ausbaufähig.
Vielgestaltige Algen
Algen sind faszinierend divers. Sie lassen sich nach ihrer Pigmentzusammensetzung und Zellstruktur in drei große Gruppen einteilen:
Grünalgen (Chlorophyta)
▶ meist leuchtend grün durch Chlorophyll
▶ häufig in flachen, lichtreichen Zonen
▶ Beispielarten: Caulerpa, Halimeda, Ulva
▶ oft fädig, blattartig oder kalkhaltig
Braunalgen (Phaeophyta)
▶ oliv bis bräunlich durch Fucoxanthin
▶ typisch in kühleren, nährstoffreichen Gewässern
▶ Beispielarten: Kelp (Laminaria), Padina, Dictyota
Rotalgen (Rhodophyta)
▶ rot bis purpur durch Phycobiline
▶ häufig in tieferen Zonen oder als Krustenalgen
▶ Beispielarten: Jania, Corallina, Gelidium
▶ Einige Arten können Kalk einlagern und zum Riffwachstum beitragen
Tipp:
Oft wachsen mehrere Algengruppen an einem Spot – das Farbspektrum und die Struktur helfen bei der groben Einordnung.
Marine Blütenpflanzen
Marine Blütenpflanzen gehören zu den höheren Pflanzen. Sie sind klar gegliedert und besitzen echte Wurzeln, mit denen sie sich im Boden verankern. Zudem verfügen sie über Sprossachsen, die die Pflanze stabilisieren, sowie über Leitgefäße, um Wasser und Nährstoffe effizient zu transportieren. Auch wenn man es unter Wasser kaum sieht: Sie blühen, unscheinbar und angepasst an die Strömungs- oder Bestäubungsbedingungen des Meeres.
Bekannte Vertreter wie Seegras (Posidonia, Thalassia, Zostera) bilden ausgedehnte Unterwasserwiesen, die als Kinderstube für viele Lebewesen dienen und als Sauerstoffproduzenten sowie CO₂-Speicher wichtige Funktionen in ihren Ökosystemen erfüllen.
Seegraswiesen (Posidonia, Zostera)
▶ wichtige Lebensräume in Flachwasserzonen
▶ fest verankert im Sediment
▶ Sie stabilisieren den Meeresboden
▶ Schützen Küsten vor Erosion
▶ Brutstätten für Jungfische und Weichtiere
Mangroven & ähnliche
▶ Brackwasserpflanzen mit Luftwurzeln
▶ Lebensraum für Jungfische, Krabben und Seepferdchen
▶ enorm wichtig für die Ökologie in Küstengebieten, sie bieten Schutz vor Wellen und natürlicher Erosion
Vorschau Teil 4
Meeresschildkröten erkennen und identifizieren.
Was folgt danach?
▶ Teil 5: Nacktschnecken & Co.: Farben, Formen und Tarnkünstler
▶ Teil 6: Krabben, Garnelen & Co.: Krebstiere richtig zuordnen
▶ Teil 7: Schwämme & sesshafte Tiere: Wer lebt am Substrat festgewachsen?
Was bisher schon in dieser Serie erschien:
▶ Teil 1: Korallen erkennen: Form schlägt Farbe
▶ Teil 2: Fische identifizieren und einordnen