Biologie Wissen

Nur grün und braun? Pflanzen und Algen im Meer unterscheiden

Alge oder Blütenpflanze – das ist unter Wasser leichter zu unterscheiden, als viele denken. Im dritten Teil unserer Serie »Erkennen & Identifizieren« bringen wir Ordnung ins »Grünzeug« der Meere und zeigen die wichtigsten Merkmale von Grün-, Braun- und Rotalgen sowie Seegras.

Shutterstock

Was aussieht wie eine Pflanze, kann eine Alge sein. Zwischen Grün-, Braun- oder Rotalgen und den echten marinen Blütenpflanzen zu unterscheiden ist gar nicht so schwer.

Wachstum im Meer

Wer unter Wasser einen »pflanzenbewachsenen« Untergrund sieht, denkt schnell an Seegras oder Tang. Doch die botanische Wahrheit ist komplexer. Im Meer gibt es zwei verschiedene Gruppen von Pflanzen:

• Algen, also meist vielzellige, aber primitive photosynthetisch aktive Lebewesen, die keine echten Wurzeln, Stängel oder Leitgefäße besitzen.
• Marine Blütenpflanzen, also echte Pflanzen, die sich evolutionär aus Landpflanzen entwickelt haben und wieder ins Wasser »zurückgekehrt« sind.

Bestimmung mit Apps

Spezielle Apps versprechen über Wasser eine einfache Bestimmung von Pflanzen per Foto. Einige weiten diese Funktionen auch auf die die Flora unter Wasser aus. Wir haben mehrere dieser Apps geprüft. Die Anwendungen iNaturalist und Flora incognita lieferten noch die verlässlichsten Informationen, wenn auch nicht immer wirklich befriedigend, andere Apps waren meist enttäuschend und oft leider sogar mangelhaft. Im Gegensatz zur Bestimmung von Landpflanzen per Foto und App-Anwendung ist diese Funktion bei Unterwasserpflanzen noch ausbaufähig.

Vielgestaltige Algen

Algen sind faszinierend divers. Sie lassen sich nach ihrer Pigmentzusammensetzung und Zellstruktur in drei große Gruppen einteilen:

Grünalgen (Chlorophyta)

Die gliederartige Grünalge Halimeda lagert Kalziumkarbonat ein und trägt so zur Riffbildung bei. Beim Absterben zerfallen ihre Teile zu feinem weißen Sand.

▶ meist leuchtend grün durch Chlorophyll
▶ häufig in flachen, lichtreichen Zonen
▶ Beispielarten: Caulerpa, Halimeda, Ulva
▶ oft fädig, blattartig oder kalkhaltig

Braunalgen (Phaeophyta)

Blasentang (Fucus vesiculosus) ist eine typische Braunalge des Atlantiks. Die luftgefüllten Blasen helfen der Pflanze, sich in der Strömung aufzurichten und Licht für die Photosynthese zu nutzen. Sie bietet vielen Kleintieren Schutz und Lebensraum.

▶ oliv bis bräunlich durch Fucoxanthin
▶ typisch in kühleren, nährstoffreichen Gewässern
▶ Beispielarten: Kelp (Laminaria), Padina, Dictyota

Rotalgen (Rhodophyta)

Die unscheinbare Kalkrotalge Corallina lagert auch Kalk ein und festigt als natürlicher Riffzement die Struktur vieler Korallenriffe und ist so ein wichtiger Bestandteil vieler Ökosysteme.

▶ rot bis purpur durch Phycobiline
▶ häufig in tieferen Zonen oder als Krustenalgen
▶ Beispielarten: Jania, Corallina, Gelidium
▶ Einige Arten können Kalk einlagern und zum Riffwachstum beitragen

Tipp:
Oft wachsen mehrere Algengruppen an einem Spot – das Farbspektrum und die Struktur helfen bei der groben Einordnung.

Marine Blütenpflanzen

Marine Blütenpflanzen gehören zu den höheren Pflanzen. Sie sind klar gegliedert und besitzen echte Wurzeln, mit denen sie sich im Boden verankern. Zudem verfügen sie über Sprossachsen, die die Pflanze stabilisieren, sowie über Leitgefäße, um Wasser und Nährstoffe effizient zu transportieren. Auch wenn man es unter Wasser kaum sieht: Sie blühen, unscheinbar und angepasst an die Strömungs- oder Bestäubungsbedingungen des Meeres.

Bekannte Vertreter wie Seegras (Posidonia, Thalassia, Zostera) bilden ausgedehnte Unterwasserwiesen, die als Kinderstube für viele Lebewesen dienen und als Sauerstoffproduzenten sowie CO₂-Speicher wichtige Funktionen in ihren Ökosystemen erfüllen.

Posidonia oceanica – Seegraswiesen dieser Art sind ökologisch sehr bedeutsam. Sie produzieren Sauerstoff, binden CO2, stabilisieren den Meeresboden und bieten Lebensraum.

Seegraswiesen (Posidonia, Zostera)

▶ wichtige Lebensräume in Flachwasserzonen
▶ fest verankert im Sediment
▶ Sie stabilisieren den Meeresboden
▶ Schützen Küsten vor Erosion
▶ Brutstätten für Jungfische und Weichtiere

Ein Schwarm Silberlinge über Seegraswiesen am Rand eines Mangrovenwaldes bei Halmahera/ Indonesien. Seegras und Mangroven bieten zahlreichen Jungfischen und Wirbellosen Nahrung und Schutz.

Mangroven & ähnliche

▶ Brackwasserpflanzen mit Luftwurzeln
▶ Lebensraum für Jungfische, Krabben und Seepferdchen
▶ enorm wichtig für die Ökologie in Küstengebieten, sie bieten Schutz vor Wellen und natürlicher Erosion

Vorschau Teil 4
Meeresschildkröten erkennen und identifizieren.

Was folgt danach?
▶ Teil 5: Nacktschnecken & Co.: Farben, Formen und Tarnkünstler
▶ Teil 6: Krabben, Garnelen & Co.: Krebstiere richtig zuordnen
▶ Teil 7: Schwämme & sesshafte Tiere: Wer lebt am Substrat festgewachsen?

Was bisher schon in dieser Serie erschien:
Teil 1: Korallen erkennen: Form schlägt Farbe
Teil 2: Fische identifizieren und einordnen