Text: Dietmar Steinbach
Leipzig hat rund 612.000 Einwohner, Dresden 574.000 – Kirchberg in Sachsen gerade einmal 7700. Umso bemerkenswerter ist die Geschichte des Tauchsportclubs NEPTUN Kirchberg, der fast immer mindestens 40 Mitglieder zählte. Aktuell gehören dem Verein sogar 67 Mitglieder an.
Das Wichtigste in Kürze
- Der TSC »Neptun« Kirchberg e.V. wurde 1960 gegründet und hat aktuell 67 Mitglieder.
- Getaucht wird im ehemaligen Granitsteinbruch Pinckvos (auch Pinkvoss, Pinkvoß oder »Bingfass«) am Ortsrand von Kirchberg.
- Der See ist etwa 50 mal 75 Meter groß und maximal zwölf Meter tief.
- Unter Wasser liegen unter anderem die Wracks der Zweimastbark »Hein Mück« und des Kajütmotorboots »Christel II«.
- Steintreppe, zwei Ausbildungsplattformen und Übungseinrichtungen für Unterwasserarbeiten machen den See auch für Ausbildung und Eistauchen interessant.
Wie kam es 1960 zur Gründung des Vereins?
Zwei Voraussetzungen ermöglichten 1960 die Gründung eines Tauchvereins am Westrand des Erzgebirges. Zum einen das Kirchberger Granitgebiet, heute als Landschaftsschutzgebiet »Kirchberger Granit« ausgewiesen. Nachdem sich der Granitabbau wirtschaftlich nicht mehr lohnte, füllte sich ein Restloch am Ortsrand mit glasklarem Wasser. In zwölf Metern Tiefe war vom Ufer aus jeder größere Stein zu erkennen – ein Paradies, das zunächst Badegäste und Schnorchler anzog.
Die zweite Voraussetzung hieß Harry Eißmann. Von Hans Hass inspiriert, wollte er seine Leidenschaft für das Tauchen teilen und gründete 1960 mit Gleichgesinnten den Verein. Getaucht wurde im ehemaligen Steinbruch Pinckvos, der auch als Pinkvoss oder Pinkvoß bekannt ist und volkstümlich »Bingfass« genannt wird.
Wie entstand das Tauchzentrum am Steinbruch?
Eißmann erwies sich als engagierter Organisator. Als zwischen 1965 und 1977 die Bahnstrecke Wilkau-Haßlau–Carlsfeld stillgelegt wurde, nutzten die Kirchberger Taucher die Gelegenheit und erwarben ausgemusterte Eisenbahnwaggons. Gemeinsam mit Pioniertauchern der Nationalen Volksarmee aus Zwickau finanzierten sie diese zum Teil durch die Bergung von Schrott aus dem Steinbruchsee.
Zwei Waggons wurden schließlich aufgestellt: einer als beheizbarer Klubraum mit Küche, der andere als Schlafraum. Ergänzt wurde das Gelände durch einen Zeltplatz und später eine kleine Sanitäranlage.
Wie hat der Verein die Wendezeit überstanden?
Gegen Ende der DDR-Zeit war das Areal Bezirksausbildungszentrum Tauchsport Karl-Marx-Stadt. Nach der Wiedervereinigung stand der Verein vor großen Herausforderungen. Der Erwerb des Tauchzentrums und der Beitritt zum VDST sicherten jedoch das Fortbestehen. Bis heute liegen dem Verein die Jugendarbeit und die Ausbildung besonders am Herzen.
Aktiv im eigenen See: das Vereinsleben
Für Abwechslung sorgen zahlreiche Vereinsaktivitäten. Laut Autor reicht das Programm von »Holzarbeiten bei Frost und Eis« über »Hexenfeuer mit Bratwurst, Steak und Bier«, die »Sieben-Hügel-Wanderung um Kirchberg« und ein »Tauchwochenende mit Erste-Hilfe-Lehrgang« bis zum »Vereinsabend mit Livemusik«.
Die Tauchausbildung verantwortet Tauchlehrer Rüdiger Hupfer von der Tauchschule »Die Aquanauten«. Der Austausch mit benachbarten Vereinen, insbesondere dem TC Manta Zwickau, wird intensiv gepflegt. Dass das so bleibt, dafür sorgen laut Autor neben anderen Mitgliedern vor allem der »Veteran« des Vereins, Bernd Eißmann, und der Vereinsvorsitzende Heiko Pührer.
Was erwartet Taucher im Steinbruchsee Pinckvos?
Hauptanziehungspunkt für Taucher bleibt der Steinbruchsee. Mit etwa 50 mal 75 Metern Fläche und maximal zwölf Metern Tiefe bietet er trotz wechselnder Sichtweiten viel Abwechslung. Karpfen und Barsche begegnet man im Pinckvos regelmäßig. Laut Autor leben außerdem ein Hecht und ein Wels im See – wer sie zu sehen bekommt, hat Glück.
Attraktionen unter Wasser sind die Wracks der Zweimastbark »Hein Mück« und des Kajütmotorboots »Christel II«, eine versenkte Telefonzelle sowie laut Autor die Reste von Loren und einer Taucherglocke und eine Tiefenbelüftungsanlage. In den dunkleren Tiefen entsteht echtes Tieftauch-Feeling – Lampe und Kompass sind Pflicht.
Warum eignet sich der See für die Tauchausbildung?
Ideal ist das Gewässer auch für die Ausbildung, inklusive Eistauchen. Steintreppe, Ausbildungsplattformen und Übungseinrichtungen für Unterwasserarbeiten bieten beste Bedingungen.
Laut Autor liegt eine Ausbildungsplattform in 1,6 Metern Tiefe unmittelbar am Einstieg. Sie ist praktisch für die letzte Absprache, den letzten Check oder eine kurze Tauchpause, ohne Sediment aufzuwirbeln. Eine zweite Plattform steht weiter draußen in etwa fünf bis sechs Metern Tiefe. Die rustikale Stahlkonstruktion ist mit einer Knotenbahn für seemännische Knoten sowie einem Schraubstock und einer Klemmvorrichtung für Unterwasserarbeiten ausgestattet.
Konstruiert hat diese Plattform laut Autor Dietmar Steinbach selbst, Taucher und Stahlbaukonstrukteur, noch zu DDR-Zeiten. Gebaut wurde sie samt Modell von der Lehrausbildung des VEB Steinkohlenkokerei August Bebel Zwickau, damals Trägerbetrieb des TC Manta Zwickau, als Exponat für die Messe der Meister von Morgen (MMM).
Apropos Eistauchen: Im Winter lässt laut Autor der Ofen im Waggon beim Anlegen der Ausrüstung den Wunsch stetig wachsen, endlich unter das Eis zu kommen.
Historische Tauchtechnik und Tradition
Traditionsbewusst präsentieren die Kirchberger ihren Gästen zudem historische Tauchtechnik, darunter ein MEDI-713-Drucklufttauchgerät und laut Autor ein Eigenbau-Orientierungsgerät für das wettkampfmäßige Orientierungstauchen. Kein Wunder also, dass die Erhaltung und stetige Weiterentwicklung des eigenen Tauchzentrums bis heute die wichtigste Aufgabe des Vereins ist.
Häufige Fragen zum TSC Neptun Kirchberg
Wo liegt der Tauchsee des TSC Neptun Kirchberg?
Am Ortsrand von Kirchberg in Sachsen, am Westrand des Erzgebirges. Getaucht wird im ehemaligen Granitsteinbruch Pinckvos, der auch als Pinkvoss, Pinkvoß oder »Bingfass« bekannt ist.
Wie tief und wie groß ist der Steinbruchsee Pinckvos?
Der See ist etwa 50 mal 75 Meter groß und maximal zwölf Meter tief. Die Sichtweiten wechseln.
Was gibt es im Pinckvos zu sehen?
Karpfen und Barsche, mit Glück auch einen Hecht oder den Wels. Dazu die Wracks der Zweimastbark »Hein Mück« und des Kajütmotorboots »Christel II«, eine versenkte Telefonzelle sowie Reste von Loren und einer Taucherglocke. In den dunkleren Tiefen sind Lampe und Kompass Pflicht.
Kann man im Pinckvos Tauchausbildung machen und eistauchen?
Ja. Das Gewässer gilt als ideal für die Ausbildung, inklusive Eistauchen. Es gibt eine Steintreppe, eine Plattform in 1,6 Metern Tiefe am Einstieg, eine zweite weiter draußen sowie Übungseinrichtungen für Unterwasserarbeiten. Die Ausbildung verantwortet Tauchlehrer Rüdiger Hupfer von der Tauchschule »Die Aquanauten«.
Seit wann gibt es den TSC Neptun Kirchberg?
Seit 1960. Gegründet wurde der Verein von Harry Eißmann und Gleichgesinnten. Aktuell hat er 67 Mitglieder.
Kontakt
TSC »Neptun« Kirchberg e.V.
Heiko Pührer (Vorsitzender)
Am Mühlengraben 9, 08107 Hartmannsdorf (Kirchberg)
Telefon 037602-64396
E-Mail: info@tcneptun.de
Web: www.tcneptun.de
Ihr wollt Euch vorstellen, seid ein Verband, Verein, Tauchclub? Dann schreibt an: alexander.kassler@tauchen.de
Quellen und weiterführende Informationen
- TSC Neptun Kirchberg – Website des Vereins
- Landschaftsschutzgebiet »Kirchberger Granit« (Protected Planet / World Database on Protected Areas)
- Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau–Carlsfeld (Wikipedia)
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Dieser Artikel von Dietmar Steinbach erschien in TAUCHEN-Ausgabe 03/2026 und wurde für die Webfassung redaktionell angepasst. Mit »laut Autor« gekennzeichnete Angaben stammen aus seinem ungekürzten Manuskript.