Von den Hammerhaischulen der Galapagosinseln bis zu den strömungsreichen Pässen Französisch-Polynesiens: Einige Tauchplätze gelten als legendäre Hotspots für Begegnungen mit Haien. Die Regionen zeigen nicht nur die Vielfalt der Arten, sondern auch ihre Bedeutung für das ökologische Gleichgewicht der Ozeane. Unser Profifotograf Martin Strmiska stellt seine persönlichen Lieblingsorte für unvergessliche Hai-Begegnungen vor.
Galapagos – Das Reich der Hammerhaie
Die Inseln Wolf und Darwin im Norden des Galapagos-Archipels liegen im warmen Einfluss des Panama-Stroms. Hier versammeln sich gewaltige Schulen von Bogenstirn-Hammerhaien (Sphyrna lewini), meist Weibchen mit Narben und Bissspuren von Paarungsritualen (siehe Titelbild). Warum gerade weibliche Tiere dominieren, ist bis heute nicht vollständig geklärt.
Die Hammerhaie bewegen sich entlang der sogenannten »Goldenen Dreiecksroute« zwischen Galapagos, Malpelo und Cocos Island. Die flachen Inselgewässer dienen ihnen als Schutz- und Reinigungszonen. Während die Tiere ruhig in der Strömung stehen, entfernen Kaiserfische (Pomacanthidae) und Barbierfische (Bodianus diplotaenia) Parasiten aus Haut und Kiemen.
Selbst Walhaie (Rhincodon typus) nutzen diese Reinigungsstationen. Begegnungen mit den größten Fischen der Welt gehören deshalb zu den eindrucksvollsten Erlebnissen im Pazifik.
Tiger Beach auf den Bahamas – Begegnungen mit Tigerhaien
Tiger Beach zählt zu den bekanntesten Orten weltweit, um Tigerhaie (Galeocerdo cuvier) aus nächster Nähe zu beobachten. Gemeinsam mit Karibischen Riffhaien (Carcharhinus perezi) ziehen die Tiere durch außergewöhnlich klares Wasser.
Die dort praktizierten Fütterungen bleiben unter Tauchern und Wissenschaftlern umstritten. Beobachtungen während der Corona-Pandemie zeigten jedoch, dass die Haie ihr Verhalten flexibel anpassen können. Als keine Boote mehr unterwegs waren, kehrten viele Tiere zu natürlichem Jagdverhalten zurück.
Besonders faszinierend ist die Vertrautheit zwischen erfahrenen Guides und einzelnen Haien. Viele Tiere lassen sich anhand von Narben oder Flossenformen eindeutig erkennen. Manche folgen bestimmten Menschen über Jahre hinweg immer wieder.
Bimini – Winterquartier der Großen Hammerhaie
Vor Bimini auf den Bahamas lassen sich regelmäßig Große Hammerhaie (Sphyrna mokarran) beobachten. Die Tiere gehören zu den größten Hammerhai-Arten der Welt und ziehen saisonal entlang der US-Ostküste.
Charakteristisch ist ihr breiter, hammerförmiger Kopf, mit dem sie elektrische Felder von Beutetieren im Sand wahrnehmen können. Damit spüren sie unter anderem Rochen auf, die sich im Meeresboden verstecken.
Unter Wasser wirken die Tiere trotz ihrer Größe überraschend elegant. Ihre langsamen Bewegungen und die markante Silhouette machen Begegnungen mit ihnen besonders eindrucksvoll.
Wolf Rock in Australien – Refugium der Sandtigerhaie
Vor der Küste Queenslands erhebt sich Wolf Rock aus etwa 40 Metern Tiefe. Der isolierte Felsen gilt als einer der wichtigsten Plätze Australiens für Begegnungen mit Sandtigerhaien (Carcharias taurus), die im Deutschen oft auch Graue Ammenhaie genannt werden.
Zwischen Makrelenschwärmen und großen Rochen wie Pfauenrochen (Taeniura meyeni) gleiten die Haie ruhig durch die enge Schlucht des Tauchplatzes. Gleichzeitig ziehen regelmäßig Buckelwale (Megaptera novaeangliae) an der Küste entlang. Ihr Gesang ist unter Wasser oft deutlich hörbar.
Wolf Rock verbindet dadurch große Hai-Begegnungen mit einem außergewöhnlich artenreichen Ökosystem.
Revillagigedo-Inseln in Mexiko – Das Reich der Silberspitzenhaie
Die Revillagigedo-Inseln vor Mexiko gehören zu den spektakulärsten Großfischrevieren des Pazifiks. Am Tauchplatz »Canyon« vor San Benedicto begegnen Taucher regelmäßig ausgewachsenen Silberspitzenhaien (Carcharhinus albimarginatus).
Viele Tiere wachsen hier auf und zeigen vergleichsweise wenig Scheu gegenüber Menschen. Zwischen Fotografen patrouillieren außerdem Galapagoshaie (Carcharhinus galapagensis), während im Blauwasser häufig Hammerhaie erscheinen.
Eine Reinigungsstation in etwa 24 Metern Tiefe zieht zahlreiche Arten an und gilt als Hotspot für Unterwasserfotografen.
Fakarava in Französisch-Polynesien – Strom der Grauen Riffhaie
Die Südpassage des Fakarava-Atolls gehört zu den berühmtesten Hai-Tauchplätzen der Welt. Dutzende Graue Riffhaie (Carcharhinus amblyrhynchos) nutzen die starke einströmende Flut, um energieeffizient zu jagen und zu atmen.
Während der Strömung kommen die Tiere den Tauchern oft sehr nah. Ihr Verhalten wirkt imposant, ist jedoch meist von Neugier geprägt.
Im Juni und Juli versammeln sich hier zudem große Mengen laichender Zackenbarsche wie Marmorzackenbarsche (Epinephelus polyphekadion) und Kartoffelzackenbarsche (Epinephelus tukula). Das lockt zahlreiche Haie an und führt zu spektakulären Jagdszenen.
Brother Islands in Ägypten – Begegnungen mit Weißspitzen-Hochseehaien
Die Brother Islands im Roten Meer galten lange als einer der besten Plätze für Sichtungen von Weißspitzen-Hochseehaien (Carcharhinus longimanus).
Früher waren Begegnungen mit mehreren Tieren pro Tauchgang keine Seltenheit. Nach mehreren Unfällen und anschließenden Tötungen ging die Population jedoch stark zurück.
Heute gelten Sichtungen als selten, sind aber weiterhin möglich – besonders an den Brother Islands und am Daedalus-Riff. Wenn die eleganten Hochseehaie aus dem Blauwasser auftauchen, zählen die Begegnungen dennoch zu den intensivsten Erlebnissen im Roten Meer.
Cocos Island in Costa Rica – Kathedrale der Hammerhaie
Cocos Island vor Costa Rica bildet gemeinsam mit Galapagos und Malpelo das Zentrum des »Goldenen Dreiecks« im Ostpazifik.
An Tauchplätzen wie Dirty Rock oder Alcyone ziehen hunderte Hammerhaie (Sphyrna lewini) über die Köpfe der Taucher hinweg. Besonders ruhiges Verhalten erhöht die Chancen auf nahe Begegnungen. Viele Tiere reagieren sensibel auf hektische Bewegungen oder Blitzlicht.
Die Kombination aus starken Strömungen, vulkanischer Topografie und enormem Fischreichtum macht Cocos Island zu einem der eindrucksvollsten Hai-Reviere weltweit.
Warum Hai-Schutz so wichtig ist
Die vorgestellten Tauchplätze zeigen eindrucksvoll, wie wichtig Haie für das Gleichgewicht der Meere sind. Als Spitzenprädatoren regulieren sie Fischbestände und stabilisieren marine Ökosysteme.
Viele Haiarten gelten heute jedoch als bedroht. Überfischung, Beifang und die Zerstörung von Lebensräumen setzen den Populationen weltweit zu. Nachhaltiger Tauchtourismus kann deshalb eine wichtige Rolle spielen: Regionen, in denen lebende Haie wirtschaftlich wertvoller sind als gefangene Tiere, profitieren häufig stärker vom Schutz der Arten.
Wer Haien unter Wasser begegnet, erlebt keine Monster, sondern hochspezialisierte und faszinierende Tiere – vom Walhai (Rhincodon typus) bis zum Tigerhai (Galeocerdo cuvier).
Autor und Fotograf
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Quellen
IUCN Red List of Threatened Species
Shark Research Institute
NOAA Fisheries
Galapagos Conservancy
Marine Megafauna Foundation
FAQ: Hai-Begegnungen beim Tauchen
Wo kann man am besten mit Haien tauchen?
Zu den bekanntesten Tauchgebieten für Hai-Begegnungen zählen Galapagos, Cocos Island, die Bahamas, Fakarava in Französisch-Polynesien und die Revillagigedo-Inseln in Mexiko. Dort treffen günstige Strömungen, hoher Fischreichtum und geschützte Lebensräume aufeinander.
Sind Hai-Begegnungen für Taucher gefährlich?
Die meisten Haiarten gelten gegenüber Tauchern als zurückhaltend. Unfälle sind weltweit selten. Entscheidend sind respektvolles Verhalten unter Wasser, erfahrene Guides und das Einhalten lokaler Sicherheitsregeln.
Warum versammeln sich Hammerhaie in großen Schulen?
Viele Hammerhai-Arten bilden große Gruppen, besonders an ozeanischen Inseln wie Galapagos oder Cocos Island. Wissenschaftler vermuten, dass Paarung, Orientierung, Schutz und soziale Interaktionen dabei eine Rolle spielen.
Warum sind Fakarava und Galapagos so berühmt für Haie?
Beide Regionen liegen in nährstoffreichen Meeresgebieten mit starken Strömungen. Dadurch finden Haie dort besonders gute Jagd- und Reinigungsplätze. Gleichzeitig stehen viele Bereiche unter Naturschutz.
Was ist das »Goldene Dreieck« der Hammerhaie?
Als »Goldenes Dreieck« bezeichnen Meeresbiologen die Region zwischen Galapagos, Malpelo und Cocos Island im Ostpazifik. Hammerhaie wandern regelmäßig zwischen diesen Inselgruppen.
Welche Haiarten kann man auf den Bahamas sehen?
Auf den Bahamas begegnen Taucher häufig Tigerhaien, Karibischen Riffhaien und Großen Hammerhaien. Besonders bekannt sind Tiger Beach und Bimini.
Warum sind Haie wichtig für das Ökosystem?
Haie gehören zu den wichtigsten Räubern im Meer. Sie regulieren Fischbestände und helfen dabei, marine Ökosysteme stabil zu halten. Fehlen Spitzenprädatoren, kann das gesamte Gleichgewicht der Ozeane gestört werden.
Wann ist die beste Zeit für Hai-Tauchgänge?
Das hängt von Region und Art ab. Große Hammerhaie erscheinen vor Bimini vor allem im Winter, während Fakarava zwischen Juni und Juli für spektakuläre Hai-Sichtungen bekannt ist. Galapagos und Cocos Island bieten dagegen fast ganzjährig gute Chancen auf Begegnungen.