Taucher mit Mares Planet 88X TBP während eines Testtauchgangs im Atlantik
Atemregler Technik

Mares Planet 88X TBP im Test

Praxistest des Mares Planet 88X TBP in Warm- und Kaltwasser. Wie sich das neue AIRMATIC-System bei Komfort, Handling und Vielseitigkeit schlägt.

Alexander Kassler
Mares / Janez Kranjc

Mit dem Planet 88X TBP präsentiert Mares einen Atemregler, der technisch neue Wege geht. Das System kombiniert eine drehbare erste Stufe mit einem neu entwickelten Upstream-Konzept und der AIRMATIC-Technologie. Im Praxistest überzeugte vor allem der außergewöhnlich geringe Atemwiderstand. Dank flexibler Schlauchführung eignet sich der Regler sowohl für Sporttaucher als auch für technische Konfigurationen mit Doppelgerät oder Sidemount.

Verarbeitung & Material

Der erste Eindruck fällt ungewöhnlich aus. Die erste Stufe wirkt größer als viele Konkurrenzmodelle, bleibt durch die Kombination aus Trockenkammer und drehbarem Mitteldruckkopf aber vergleichsweise schlank. Mit rund 10,5 Zentimetern Baulänge gehört sie zu den längeren Vertretern ihrer Klasse.

Auffällig ist das sechseckige Handrad. Es besteht aus Kunststoff, liegt angenehm in der Hand und lässt sich auch mit Handschuhen sicher greifen. Scharfe Kanten oder optische Spielereien sucht man vergeblich. Die Konstruktion wirkt funktional und auf den Einsatzzweck konzentriert.

Die zweite Stufe Planet setzt auf das neue AIRMATIC-System und folgt einem Upstream-Prinzip, das sich deutlich von klassischen Downstream-Konstruktionen unterscheidet. Die Verarbeitung hinterlässt insgesamt einen hochwertigen Eindruck. Sämtliche Bedienelemente sind sauber integriert und auch unter Handschuhen gut erreichbar.

Handhabung unter Wasser

Die erste Stufe bietet insgesamt fünf Mitteldruckabgänge und ermöglicht dadurch sehr unterschiedliche Schlauchführungen. Monoflaschen-, Doppelflaschen- und Sidemount-Konfigurationen lassen sich problemlos realisieren.

Besonders interessant ist die Sicherheitslösung des Upstream-Systems. Bei einem unkontrollierten Gasstrom sorgt entweder ein Überdruckventil oder eine zusätzliche Downstream-Zweitstufe dafür, dass kein kritischer Überdruck im System entsteht.

Ein weiteres Merkmal ist die sogenannte Override-Funktion. Kommt es beispielsweise beim Sprung ins Wasser oder durch absichtliches Abblasen zu einem anhaltenden Freeflow, kann dieser über einen kleinen Taster gestoppt werden. Danach arbeitet die zweite Stufe wieder normal.

Die Bedienung bleibt trotz der technischen Besonderheiten unkompliziert. Nach kurzer Eingewöhnung unterscheidet sich die Nutzung kaum von einem konventionellen Atemregler.

Taucher mit Mares Planet 88X TBP und Backup-Regler im Kaltwasser
Der Planet 88X TBP musste sich im Kaltwasser des Geiseltalsees auch im direkten Vergleich mit einem Mares XR-Regler bewähren. Besonders der geringe Atemwiderstand fiel im Praxistest positiv auf.

Praxistest

Die Testtauchgänge fanden unter unterschiedlichen Bedingungen statt. Getestet wurde sowohl im Oktober im Atlantik rund um Madeira und Porto Santo als auch im November im Kaltwasser des Geiseltalsees bei etwa sechs Grad Wassertemperatur und drei Grad Außentemperatur. Die Einsätze erfolgten mit Monoflasche und Doppelflaschen-Konfiguration bis knapp 30 Meter Tiefe.

Unter Wasser fällt zunächst die sehr leichte Atemarbeit auf. Der Planet 88X TBP liefert das Atemgas ausgesprochen weich und gleichmäßig. Gerade Taucher, die bisher eher direkt arbeitende Regler gewohnt sind, werden den Unterschied unmittelbar bemerken.

Im direkten Vergleich mit einem Mares 25XR-CR, der bislang als Referenz für Kaltwassereinsätze diente, zeigte sich ein deutlich höherer Atemkomfort. Der Unterschied ist zwar nicht völlig fair, da beide Systeme unterschiedliche Zielsetzungen verfolgen, macht aber sichtbar, welches Niveau moderne Atemregler inzwischen erreichen können.

Während des gesamten Testzeitraums arbeitete das System störungsfrei. Weder im Wellengang des Atlantiks noch im kalten Süßwasser zeigten sich Auffälligkeiten bei Leistung oder Zuverlässigkeit.

Zielgruppe & Einsatzbereich

Der Planet 88X TBP richtet sich nicht ausschließlich an technische Taucher. Seine flexible Schlauchführung macht ihn ebenso für ambitionierte Sporttaucher interessant.

Besonders profitieren dürften Taucher, die Wert auf einen möglichst geringen Atemwiderstand legen. Auch für Kaltwasseranwendungen erscheint das System aufgrund der Testergebnisse geeignet.

Durch die zahlreichen Konfigurationsmöglichkeiten deckt der Regler ein breites Spektrum vom klassischen Urlaubstauchen bis hin zu technischen Anwendungen mit Doppelgerät oder Sidemount ab.

Das Upstream-Prinzip der zweiten Stufe

Schnittdarstellung der Mares Planet AIRMATIC-Zweitstufe mit Upstream-Technologie
Ein Blick ins Innere: Die Planet-Zweitstufe setzt auf die neue AIRMATIC-Technologie. Das Upstream-Ventil öffnet erst beim Einatmen und sorgt für eine sehr gleichmäßige Atemgasversorgung.

Drucklos

Die Feder drückt die Ausgleichskammer gegen das Ventil, das sich gegen den Sitz schließt. Der Regler kann gespült werden, ohne dass Wasser in den Schlauch gelangt. Sobald es zu einem Druckaufbau kommt, sorgt das geschlossene Ventil dafür, dass der Zwischendruck die Rückseite des Ventils erreichen und die Kammer unter Druck setzen kann.

Unter Druck

Nicht in der Benutzung oder beim Ausatmen. Der Mitteldruck aus der ersten Stufe erreicht die Rückseite des Ventils und setzt die Kammer unter Druck, die ihrerseits gegen die Feder drückt, bis sie auf den Anschlag trifft. Die Feder ist nun nicht mehr an der Balance beteiligt.

Einatmung

Beim Einatmen entsteht ein minimaler Druckabfall, der die Membran nach innen biegt und so den Hebel nach unten drückt, der das Ventil öffnet.

Fazit

Mit dem Planet 88X TBP verfolgt Mares einen ungewöhnlichen technischen Ansatz, der sich im Praxiseinsatz als überzeugend erwiesen hat. Das AIRMATIC-System sorgt für einen sehr hohen Atemkomfort, ohne die Handhabung unnötig zu verkomplizieren.

Hinzu kommen eine vielseitige erste Stufe, durchdachte Sicherheitsfunktionen und ein wartungsfreundlicher Aufbau. Einschränkungen ergeben sich vor allem daraus, dass das Upstream-Konzept ein gewisses Verständnis für die Systemarchitektur voraussetzt.

Wer einen besonders leicht atmenden Atemregler für unterschiedlichste Einsatzbereiche sucht, findet im Mares Planet 88X TBP einen technisch interessanten und im Test überzeugenden Allrounder.

Testgerät: Leihstellung des Herstellers.

Technische Daten des Atemregler Mares Planet 88X TBP
Dieses Video zeigt TAUCHEN-Chefredakteur Alexander Kassler bei dem Praxistest des Mares Planet 88x TBP.

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