Taucher im Cressi Logica mit integrierter Haube steht im Fühlinger See, halb über und halb unter der Wasseroberfläche
Anzüge Technik

Cressi Logica gegen Trocki: Halbtrockenanzug im Kaltwasser-Messtest

Cressi verspricht für seinen Halbtrockenanzug Logica eine Wärmeleistung nahe an einem Trockentauchanzug. Unser Praxistest mit Hauttemperatur-Messung im Fühlinger See zeigt: Der Logica erreicht das Niveau eines Trockis nicht, kommt ihm aber für einen Halbtrockenen überdurchschnittlich nahe.

Benjamin Schulze, Cressi

Der Anspruch ist hoch. Mit dem Logica bringt Cressi einen Halbtrockenanzug auf den Markt, der laut Hersteller während der diesjährigen boot in Düsseldorf in Sachen Wärmeleistung in die Nähe eines Trockentauchanzugs rücken soll. Eine Aussage, die entsprechend überprüft werden muss.

Aus der Praxis kommt Zustimmung. Während wir den Test vorbereiten und die beiden Vergleichsobjekte, einen Cressi Logica und einen Cressi Glacier, vor uns sehen, meint Tauchbasenbetreiber Sebastian Reinwald von BlueMarlin: „Wärmer ist wahrscheinlich bei nur einem Tauchgang der Halbtrockene.“ Genau dieser Eindruck soll im Test überprüft werden, unter realistischen Bedingungen und mit messbaren Daten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Produkt: Cressi Logica, einteiliger Halbtrockenanzug aus Superstretch-Neopren (8/7/6 mm) mit integrierter Eisweste und Haube.
  • Test: zwei nahezu identische Tauchgänge im Fühlinger See bei 6,4 bis 16,4 Grad Wassertemperatur, einmal im Logica, einmal im Trockentauchanzug Cressi Glacier mit Baselayer.
  • Messwerte: durchschnittliche Hauttemperatur 26,2 °C im Logica, 31,6 °C im Glacier.
  • Stärken: langsamer Wassereintritt, gute Abdichtung an Nacken und Rücken, Anziehen und Schließen ohne fremde Hilfe.
  • Grenze: In sehr kaltem Wasser bleibt der Trockentauchanzug die Referenz.
  • Preis: 449,99 Euro (UVP).

Testbedingungen im Fühlinger See

Der Test fand im Fühlinger See bei Köln statt. Die Bedingungen waren typisch für mitteleuropäische Binnengewässer: Wassertemperaturen zwischen 6,4 Grad (ab zirka acht Meter Wassertiefe) und 16,4 Grad Celsius im Oberflächenbereich, bei 18 Grad Lufttemperatur und sonnigem Wetter.

Halbtrockenanzug Cressi Logica und Trockentauchanzug Cressi Glacier hängen an einer Holzwand, davor stehen Flossen und Füßlinge
Die beiden Testanzüge: der Halbtrockenanzug Logica und als Referenz der Trockentauchanzug Glacier aus vier Millimeter dickem Neopren. Foto: Benjamin Schulze

Getaucht wurden zwei nahezu identische Profile. Zuerst kam der Halbtrockenanzug Logica zum Einsatz. Nach rund zweistündiger Aufwärmphase folgte der Vergleichstauchgang mit dem Trockentauchanzug Glacier in Kombination mit dem Cressi-Baselayer.

Zur objektiven Bewertung wurde die Hauttemperatur kontinuierlich gemessen. Der eingesetzte Scubapro Galileo G2 erfasst in Verbindung mit einem Herzfrequenzgurt die oberflächliche Hauttemperatur auf Brusthöhe und stellt sie als geglättete Zeitreihe im Logbuch dar. Diese Daten erlauben eine belastbare Einordnung des Wärmeverlusts während des Tauchgangs.

An Land: einfach anzuziehen, ohne Hilfe zu schließen

Bereits an Land zeigt sich ein grundlegender Unterschied der Systeme. Der Logica ist als einteiliger Halbtrockener deutlich einfacher zu handhaben. Das weiche Material erleichtert den Einstieg. Die integrierte Eisweste wird von hinten über den Kopf gezogen.

Taucher im Cressi Logica zieht die integrierte Haube mit beiden Händen von hinten über den Kopf
Der Anzug wird von vorne angezogen, anschließend wird die Haube von hinten über den Kopf gezogen. Foto: Benjamin Schulze

Der Rückenreißverschluss lässt sich selbstständig schließen. Insgesamt entsteht ein sehr unkompliziertes Setup, das ohne fremde Hilfe auskommt.

Taucher schließt den Rückenreißverschluss des Cressi Logica allein über ein langes Zugband
Bequem kann der Anzug ohne Hilfe allein geschlossen werden und ist so sehr gut am Hals abgedichtet. Foto: Benjamin Schulze

Konstruktion: Eisweste, Haube und Dichtlippen

Die Konstruktion ist durchdacht. Glatthaut-Neopren an Hals und Gesicht minimiert den Wasseraustausch, während innenliegende Dichtlippen an Armen und Beinen als Wasserbarrieren wirken. Besonders auffällig ist die fest integrierte Haube, die weit ins Gesicht hineinreicht und dadurch Wärmeverluste reduziert. Gleichzeitig erfordert sie beim Anlegen der Tauchmaske etwas Sorgfalt, um Undichtigkeiten an der Dichtlippe der Maske zu vermeiden.

Laut Cressi besteht der Anzug aus Superstretch-Neopren mit Thermospan-Futter an Brust und Rücken. An den temperaturrelevanten Bereichen an Bauch und Rücken ist er acht Millimeter dick, an Armen, Beinen und den Beugen nur sieben oder sechs Millimeter für mehr Beweglichkeit. Zudem ist er dreidimensional vorgeformt.

Unter Wasser: Wasser fließt nur langsam nach

Unter Wasser bestätigt sich der erste positive Eindruck. Das Einströmen von Wasser erfolgt deutlich langsamer als bei vielen anderen Halbtrockenanzügen. Vor allem im Bereich von Nacken und Rücken bleibt der Wasseraustausch gering. Sehr deutlich ist das spürbar bei Kopfbewegungen. Hier ist der Cressi Logica deutlich besser abgedichtet als viele seiner nassen und halbtrockenen Mitbewerber auf dem Markt.

Taucher im Cressi Logica schwebt über dem Grund des Fühlinger Sees und zeigt ein Handzeichen
Im Fühlinger See: Vor allem an Nacken und Rücken bleibt der Wasseraustausch im Logica gering. Foto: Benjamin Schulze

Nach etwa zehn bis zwölf Minuten auf Tiefe erreicht kühleres Wasser den Oberkörper. Bis dahin bleibt das Temperaturniveau stabil.

Was die Messung zeigt

Im weiteren Testverlauf zeigt sich: Die gemessene Hauttemperatur sinkt kontinuierlich ab und stabilisiert sich auf einem deutlich niedrigeren Niveau von 23 Grad Celsius als später beim zweiten Tauchgang mit dem Referenz-Trocki. Subjektiv macht sich nach rund 15 Minuten ein erstes Frösteln bemerkbar, wohlgemerkt in der Wasserschicht mit der Minimaltemperatur von rund sechs Grad Celsius.

Taucher im Cressi Logica kontrolliert unter Wasser den Tauchcomputer am Handgelenk
Die Hauttemperatur wird auf Brusthöhe gemessen und im Logbuch des Tauchcomputers aufgezeichnet. Foto: Benjamin Schulze

Zwischen den beiden Tauchgängen liegt eine Oberflächenpause von etwas mehr als zwei Stunden. Diese Zeit dient dazu, den Körper möglichst wieder auf Ausgangsniveau zu bringen. Vor allem die peripheren Bereiche wie Hände und Füße benötigen nach einem Kaltwasser-Tauchgang deutlich länger, um sich vollständig zu regenerieren. Eine vollständige Wiedererwärmung lässt sich dennoch nicht in jedem Fall sicherstellen. Theoretisch entsteht daraus ein möglicher Nachteil für den zweiten Tauchgang im Trockentauchanzug. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass sowohl subjektiv als auch in den Messdaten das Temperaturniveau im Trockentauchanzug von Beginn an höher liegt und über den gesamten Tauchgang stabiler bleibt.

Beim anschließenden Tauchgang mit dem Cressi-Glacier-Trockentauchanzug zeigt sich bereits zu Beginn ein anderes thermisches Niveau. Die zunächst höhere Hauttemperatur ist dabei vor allem auf den wärmenden Baselayer zurückzuführen. Im weiteren Verlauf wird der entscheidende Unterschied jedoch durch das System selbst bestimmt: Die isolierende Luftschicht im Anzug verhindert Wasseraustausch und reduziert damit den Wärmeverlust deutlich. Entsprechend verläuft der Temperaturabfall wesentlich langsamer, die Werte bleiben insgesamt stabiler. Dieser Eindruck bestätigt sich auch subjektiv: Insbesondere in der Tiefe bei rund sechs Grad Celsius wirkt das System spürbar wärmer und erlaubt längere Verweilzeiten ohne ausgeprägtes Kälteempfinden.

Zwei Tauchprofile aus dem Logbuch: oben der Trockentauchanzug Glacier, unten der Halbtrockenanzug Logica, jeweils mit Kurven für Wassertemperatur und Hauttemperatur
Oben der Trockentauchanzug Glacier, unten der halbtrockene Logica. Grün ist die Wassertemperatur, gelb die Hauttemperatur auf Brusthöhe. Während der Trocki die Temperatur recht konstant hält, ist beim Semidry eine deutlichere und größere „Delle“ in der Kurve bemerkbar. Grafik: Benjamin Schulze

Die Messwerte im Vergleich

MesswertTauchgang 1: Cressi Logica (Halbtrockenanzug)Tauchgang 2: Cressi Glacier + Baselayer (Trockentauchanzug)
Tauchzeit29 Minuten31 Minuten
Maximale Tiefe13,2 Meter12,4 Meter
Min. Hauttemperatur23 °C29 °C
Max. Hauttemperatur31 °C34 °C
Durchschnitt26,2 °C31,6 °C

Ort: Fühlinger See, Köln, 18.04.2026. Wassertemperatur 6,4 bis 16,4 °C, Lufttemperatur 18 °C, sonnig. Oberflächenpause zwischen den Tauchgängen: 2:06 Stunden. Messsystem: Scubapro Galileo G2 mit Herzfrequenz- und Hauttemperatursensor. Tauchzeit Glacier und maximale Tiefen laut Logbuch.

Unsere Messergebnisse bestätigen diesen Eindruck eindeutig. Der Trockentauchanzug liegt in allen relevanten Parametern vor dem Halbtrockenen. Dennoch fällt auf, wie nah der Cressi Logica an diese Werte heranrückt. Für einen Halbtrockenanzug ist die gemessene Performance überdurchschnittlich.

Video: Der Cressi Logica im Kaltwasser-Praxistest – Messdaten, Eindrücke und Fazit.

Einordnung: Wo der Logica eine Alternative ist

Die Einordnung fällt entsprechend differenziert aus. Der Logica erreicht nicht das Niveau eines Trockentauchanzugs, insbesondere nicht im einstelligen Temperaturbereich. Gleichzeitig bietet er eine für diese Bauart ungewöhnlich hohe Wärmeleistung. In Gewässern mit zweistelligen Temperaturen kann er eine realistische Alternative darstellen.

Hinzu kommen viele praktische Vorteile. Der Logica ist über die Hälfte günstiger in der Anschaffung, benötigt deutlich weniger Blei, etwa vier Kilogramm, und ist einfacher zu transportieren. Die Beweglichkeit unter Wasser ist sehr hoch. Das Handling beim An- und Ablegen ist unkompliziert, denn man kommt ohne Partnerhilfe aus. Im Gegensatz zum Trockentauchanzug sind keine zusätzlichen Tauchkenntnisse und Erfahrungen erforderlich. Damit positioniert sich der Logica als komfortabler Allrounder für ambitionierte Sporttaucher, die regelmäßig in kühleren Gewässern unterwegs sind, ohne die Komplexität eines Trockentauchsystems in Kauf nehmen zu wollen.

Taucher im Cressi Logica mit eng anliegender integrierter Haube blickt unter Wasser in die Kamera
Die integrierte Haube reicht weit ins Gesicht. Beim Aufsetzen der Maske ist etwas Sorgfalt nötig. Foto: Benjamin Schulze

Technische Daten Cressi Logica

Produktbild des schwarz-grauen Cressi Logica mit integrierter Haube und Beintasche, Frontansicht
Der Cressi Logica mit integrierter Haube. Foto: Cressi
Herstellerangaben laut Printausgabe 06/26
HerstellerCressi
ModellLogica
TypHalbtrockenanzug
MaterialSuperstretch-Neopren 8/7/6 mm
KonstruktionEinteiler mit integrierter Eisweste und Haube
InnenfutterThermospan (Brust und Rücken)
Dichtsysteminterne Dichtlippen aus Glatthautneopren
ReißverschlussRücken, YKK-Kunststoff
VerstärkungenPowertex an Knien, Schultern, Gesäß, Rücken
TascheBeintasche mit D-Ringen
Haubeintegriert
Gewichtca. 2,5 kg
Preis (UVP)449,99 Euro

Cressi gibt für den Logica einen Einsatzbereich von 7 bis 12 Grad Wassertemperatur an. Der Anzug ist nach EN 14225-1:2017 zertifiziert (Herstellerangabe, Stand: 10/2026).

Fazit: Für wen eignet sich der Cressi Logica?

Der Cressi Logica ist einer der leistungsfähigsten Halbtrockenanzüge im aktuellen Marktangebot. Er kommt näher an die Wärmeleistung eines Trockentauchanzugs heran als viele vergleichbare Systeme. Klar ist aber dennoch: Die Isolationsleistung eines Trockentauchanzugs erreicht auch er nicht vollständig.

Seine Stärken liegen in der Kombination aus Komfort, einfacher Handhabung, überzeugender Isolationsleistung und dem fairen Anschaffungspreis von 449,99 Euro. Für gemäßigte bis kühle Gewässer ist er eine ernsthafte Alternative. In sehr kaltem Wasser bleibt der Trockentauchanzug die Referenz. Eine Einschätzung, die auch Basenbetreiber Sebastian Reinwald nach dem Test so bestätigt.

Stärken: langsamer Wassereintritt und gute Abdichtung an Nacken und Rücken, fest integrierte Eisweste und Haube, Anziehen und Schließen ohne Hilfe, hohe Beweglichkeit, wenig Blei, Preis.

Grenzen: Im einstelligen Temperaturbereich bleibt der Trockentauchanzug wärmer, im Test machte sich nach rund 15 Minuten bei etwa sechs Grad ein erstes Frösteln bemerkbar. Die weit ins Gesicht reichende Haube erfordert beim Aufsetzen der Maske etwas Sorgfalt.

Wichtig bei allen Tauchanzügen: Die Passform macht’s. Für den Kauf empfehlen wir daher, in einem Fachgeschäft mit erfahrenem Personal eine fundierte Beratung in Anspruch zu nehmen.

Danksagung: Die Praxistests wurden mit Unterstützung von Tauchsport BlueMarlin durchgeführt. Vielen Dank für die logistische Hilfe vor Ort.

Dieser Artikel von Benjamin Schulze erschien in TAUCHEN-Ausgabe 06/26 und wurde für die Webfassung redaktionell angepasst.

Häufige Fragen zum Cressi Logica

Ist der Cressi Logica so warm wie ein Trockentauchanzug?

Nein. Im Test lag die durchschnittliche Hauttemperatur im Logica bei 26,2 °C, im Trockentauchanzug Cressi Glacier mit Baselayer bei 31,6 °C. Für einen Halbtrockenanzug ist der Wert aber überdurchschnittlich.

Für welche Wassertemperaturen eignet sich der Logica?

Laut Test ist er für gemäßigte bis kühle Gewässer eine ernsthafte Alternative, besonders in Gewässern mit zweistelligen Temperaturen. Im einstelligen Bereich bleibt der Trockentauchanzug die Referenz. Cressi selbst nennt 7 bis 12 Grad als Einsatzbereich.

Wie viel Blei braucht man mit dem Cressi Logica?

Im Vergleich zum Trockentauchanzug deutlich weniger, im Test etwa vier Kilogramm.

Kann man den Logica allein anziehen und schließen?

Ja. Der Anzug wird von vorne angezogen, die integrierte Haube von hinten über den Kopf gezogen, und der Rückenreißverschluss lässt sich ohne fremde Hilfe schließen.

Wie dick ist das Neopren des Logica?

An Bauch und Rücken acht Millimeter, an Armen, Beinen und den Beugen sieben oder sechs Millimeter. So bleibt der Anzug beweglich.

Was kostet der Cressi Logica?

Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 449,99 Euro (Stand: 10/2026).

Braucht man für den Logica besondere Tauchkenntnisse?

Nein. Im Gegensatz zum Trockentauchanzug sind keine zusätzlichen Tauchkenntnisse und Erfahrungen erforderlich.

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