Das Wichtigste in Kürze
- Forschungstaucher der Universität Jena haben rund um die Äolischen (Liparischen) Inseln nördlich von Sizilien nach bislang unbekannten Meeresbakterien gesucht, mit Schwerpunkt auf den vulkanisch aktiven Gewässern vor Panarea.
- Vor Panarea liegt eines der aktivsten Flachwasser-Hydrothermalfelder des Mittelmeers: Aus dem Meeresboden treten heiße, mineralreiche Fluide und vulkanische Gase aus, die überwiegend aus Kohlendioxid bestehen.
- Untersucht wurden unter anderem Tauchplätze wie der Black Point und der Hot Lake, eine Senke mit schwefelreichen Sedimenten und Bakterienmatten.
- Mikroorganismen aus heißen, sauren oder schwefelreichen Lebensräumen verfügen oft über besondere Stoffwechselwege und bilden ungewöhnliche Naturstoffe.
- Die Proben werden an der Universität Jena ausgewertet. Ergebnisse stehen noch aus.
Bakterien sieht man beim Tauchen kaum, und doch hängt das Leben im Meer an ihnen. Wo Vulkane unter Wasser Gase und heiße Lösungen aus dem Boden drücken, entstehen Lebensräume, die für die meisten Meerestiere lebensfeindlich sind, für spezialisierte Mikroorganismen aber eine Nische bieten. Genau dort setzt die Suche der Jenaer Forschungstaucher an.
Warum Panarea für die Forschung so interessant ist
Die Äolischen Inseln zählen zu den vulkanisch aktivsten Regionen des Mittelmeers. Rund um Panarea treten an zahlreichen Stellen heiße, mineralreiche Fluide und vulkanische Gase aus dem Meeresboden aus. Die Gase bestehen nach Untersuchungen italienischer Forschungsteams überwiegend aus Kohlendioxid, dazu kommen wechselnde Anteile von Schwefelwasserstoff, Methan und Wasserstoff (Arcadi et al., 2023). Weil viele dieser Austritte in geringer Tiefe liegen, sind sie für Forschungstaucher direkt erreichbar.
Black Point und Hot Lake: Extreme Lebensräume in Tauchtiefe
Besonders eindrucksvoll sind Tauchplätze wie der Black Point, wo heiße und saure Fluide zwischen dunklen mineralischen Ablagerungen austreten. Ein zweites Ziel war der Hot Lake, eine hydrothermal beeinflusste Senke mit schwefelreichen Sedimenten und auffälligen Bakterienmatten.
Am Hot Lake trat früher heißes hydrothermales Wasser diffus durch den Boden aus. Dieses Fluid war wesentlich salziger als normales Meerwasser. Weil die Sole dadurch dichter ist, konnte sie sich zusammen mit der Beckenform innerhalb der Vertiefung halten. Wie sich Temperatur und mikrobielle Gemeinschaft eines solchen Solebeckens vor Panarea verändern können, haben bereits frühere Studien beschrieben (Gugliandolo et al., 2015).
Wie die Forschungstaucher Bakterien einsammeln
Die Wissenschaftler nahmen unter Wasser Wasser- und Sedimentproben. Zusätzlich brachten sie Bakterienfallen am Meeresboden aus, sogenannte Passivsampler. Sie bleiben eine Zeit lang am Grund liegen, damit sich Mikroorganismen aus der Umgebung darauf ansiedeln können. Die Proben aus Panarea werden nun an der Universität Jena untersucht.
Was Mikroorganismen aus Extremlebensräumen besonders macht
Mikroorganismen, die unter hohen Temperaturen, erhöhtem Säuregehalt oder in schwefelreichen Umgebungen leben, verfügen oft über besondere Stoffwechselwege und produzieren ungewöhnliche Naturstoffe. Gleichzeitig sind Bakterien für marine Ökosysteme unverzichtbar: Sie bauen organisches Material ab, treiben Nährstoffkreisläufe an und leben in enger Wechselwirkung mit Pflanzen und Tieren.
Ihre Naturstoffe könnten künftig neue Anwendungen etwa in Medizin, Biotechnologie oder Umwelttechnik ermöglichen. Ob sich in den Proben aus Panarea tatsächlich neue Arten oder nutzbare Wirkstoffe finden, zeigt erst die Auswertung im Labor.
Was ist das Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die mikrobielle Vielfalt der vulkanischen Unterwasserwelt genauer zu erfassen und möglicherweise bislang unbekannte Bakterienarten zu entdecken. Für Taucherinnen und Taucher zeigt das Projekt, wie viel Forschung noch in Tiefen stattfindet, die jeder Sporttaucher kennt. Auch das Tote Meer hat gezeigt, dass Forschungstaucher in scheinbar lebensfeindlichen Umgebungen artenreiche Mikroorganismen und Bakterienmatten finden können.
Häufige Fragen zu Panarea und den Meeresbakterien
Wo liegt Panarea?
Panarea gehört zu den Äolischen oder Liparischen Inseln im Tyrrhenischen Meer nördlich von Sizilien.
Warum sprudeln vor Panarea Gasblasen aus dem Meeresboden?
Panarea liegt in einer vulkanisch aktiven Region. Aus dem Meeresboden treten vulkanische Gase, überwiegend Kohlendioxid, sowie heiße, mineralreiche Fluide aus.
Was ist der Hot Lake vor Panarea?
Eine hydrothermal beeinflusste Senke mit schwefelreichen Sedimenten und Bakterienmatten. Früher trat dort heißes, sehr salziges Wasser durch den Boden aus. Weil die Sole dichter als Meerwasser ist, hielt sie sich in der Vertiefung.
Was sind Passivsampler?
Bakterienfallen, die am Meeresboden ausgebracht werden, damit sich Mikroorganismen aus der Umgebung darauf ansiedeln und später im Labor untersucht werden können.
Warum sind Bakterien aus Extremlebensräumen für die Forschung interessant?
Sie verfügen oft über besondere Stoffwechselwege und bilden ungewöhnliche Naturstoffe. Solche Stoffe könnten künftig in Medizin, Biotechnologie oder Umwelttechnik Anwendung finden.
Wurden bei Panarea schon neue Bakterienarten entdeckt?
Das ist noch offen. Die Proben werden derzeit an der Universität Jena ausgewertet.
Externe Quellen
- Arcadi E et al. (2023): Novel Insights on the Bacterial and Archaeal Diversity of the Panarea Shallow-Water Hydrothermal Vent Field. Microorganisms 11(10), 2464
- Gugliandolo C et al. (2015): Changes in prokaryotic community composition accompanying a pronounced temperature shift of a shallow marine thermal brine pool (Panarea Island, Italy). Extremophiles
- Microbial dynamics in shallow CO₂ seeps system off Panarea Island (Italy). Marine Biology (2023)
- Friedrich-Schiller-Universität Jena
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Unser Experte
Dr. Florian Huber berichtet in TAUCHEN jeden Monat über die Neuigkeiten aus der wissenschaftlichen Unterwasserwelt. Er selbst ist Unterwasserarchäologe und Forschungstaucher (florian-huber.info).
Dieser Artikel von Dr. Florian Huber erschien in TAUCHEN-Ausgabe 11/2026 und wurde für die Webfassung redaktionell und maschinell angepasst.
