Nik Linder im Interview: „Es fasziniert, über Meditation die eigene Mitte zu finden“

Gibt es einen Grund, warum du nicht in die Tiefe gehst? Und einen Rekord, den du gern übertrumpfen würdest?

Ich könnte sagen, dass mich das Tieftauchen nicht interessiert. Aber das wäre gelogen, der „sexiest part of Freediving“ ist das Tieftauchen und die coolsten Leute sind Tieftaucher wie Guillaume Néry, Umberto Pelizzari, Gianluca Genoni, Tanja Streeter und ganz viele mehr. Um im Tieftauchen zu punkten, muss man mehrere Tage pro Woche trainieren. Das war schwierig für mich, auch, weil ich meine erfolgreichste Zeit hatte, als meine Kinder noch klein waren.

Was unterscheidet deine Philosophie des Freitauchens von dem, was man bereits kennt?

Mich fasziniert die Möglichkeiten über Atmung und Meditation die eigene Mitte zu finden. In der Ausbildung versuche ich, meine Ideen weiterzugeben. Eine davon ist, dass wir ein Teil der Welt sind, und ich hoffe, wir erkennen beim Freitauchen, dass wir nur ein Lebewesen unter vielen sind.

Geht das Freitauchen insgesamt nicht doch zu sehr in Richtung Leistungssport?

Ja, ich glaube schon. Wobei in den Kursen fast alle und ganz besonders auch diejenigen, die vorher in der Vorstellungsrunde explizit sagen, dass sie keine Rekorde brechen wollen, sehr fasziniert davon sind, wie schnell sie sich steigern.

Welchen Stellenwert haben Meditations- und Yoga-Übungen für Freizeit-Apnoeisten? Ist das nicht eher ein Marketing-Gag?

Nein. Es ist ja kein Zufall, dass man im Yoga von Kumbhakas, also Nichtatemphasen, spricht, die einen noch tiefer zum eigenen Ich und in die Meditation bringen.