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Ausfahrtsverbot am Roten Meer: Warum überall und für alle?

An die CDWS und das Ägyptische Tourismusministerium: Warum?

„Nach uns vorliegenden Informationen …!“
Ein aktuelles Thema ist das Ausfahrtsverbot Rotes Meer, das viele betrifft. Und wieder wiederholt sich ein Spiel, das bereits im letzten Jahr nichts als Ärger, Unmut, Spott und vor allem Schaden mit sich gebracht hat: die Sperrung der ägyptischen Rotmeer-Küste aufgrund der Wetterlage.

Am 25.05.2026 wurde nach uns vorliegenden Informationen von der Küstenwache bekannt gegeben, dass Ausfahrten für alle Schiffe im Zeitraum vom 25.05. bis 29.05.2026 untersagt sind. „Das Meer ist geschlossen.“ Es werden keine Genehmigungen für Ausfahrten erteilt – unabhängig davon, wohin die Fahrt gehen soll.

Die Anweisung soll von der Behörde für die Häfen am Roten Meer in Abstimmung mit der Provinzverwaltung gekommen sein. Das Ergebnis: Betreiber, Gäste und Reiseveranstalter entlang der ägyptischen Rotmeerküste klagen über massive Einschränkungen und finanzielle Verluste, die direkt mit abgesagten Bootsausfahrten zusammenhängen.

Als Begründung wird Wind in Sturmstärke genannt. Doch genau hier beginnt das Problem: Wenn ein Ausfahrtsverbot ganze Regionen, Safariboote, Tagesboote, Tauchbasen, Schnorchelausflüge und damit tausende Arbeitsplätze betrifft, dann muss die Begründung transparent, nachvollziehbar und fachlich überprüfbar sein.

Nach Wind in Sturmstärke sucht man laut aktuell einsehbaren Wetterkarten für viele Bereiche derzeit vergebens. Auch Videos, die uns vorliegen, zeichnen zumindest lokal ein anderes Bild. Umso wichtiger wäre eine klare, behördlich nachvollziehbare Kommunikation.

Sicherheit braucht Vertrauen

Niemand in der Tauch- und Wassersportbranche stellt Sicherheit ernsthaft infrage. Sicherheit geht immer vor. Das gilt für Gäste, Crews, Guides, Kapitäne und Betreiber gleichermaßen. Aber Sicherheit braucht Vertrauen. Und Vertrauen entsteht nicht durch pauschale Verbote, kurzfristige Entscheidungen und unklare Kommunikation, sondern durch transparente Kriterien.

Welche Windstärke liegt tatsächlich vor? Wo liegt die betroffene Region? Welche Bootskategorie? Welche Wetterdaten bilden die Grundlage? Wer entscheidet? Wie lange gilt das Verbot? Und warum wird nicht differenziert?

Genau diese Fragen sind entscheidend, wenn eine Maßnahme nicht nur einzelne Ausfahrten betrifft, sondern ganze Küstenabschnitte und eine komplette touristische Infrastruktur.

Pauschale Sperrungen haben massive Folgen

Die Folgen solcher Maßnahmen sind enorm. Tauchsafaris verlieren geplante Routen, weil bereits ein einziger fehlender Fahrtag eine komplette Nord-, Süd- oder Offshore-Route unmöglich machen kann. Gäste, die Monate im Voraus gebucht haben, erleben statt Brothers, Daedalus, Elphinstone oder St. Johns plötzlich Stillstand im Hafen.

Veranstalter müssen umbuchen, erklären, entschädigen und verlieren Vertrauen. Crews, Guides, Fahrer, Kompressorbetriebe, Werkstätten, Versorger und lokale Familien verlieren Einkommen.

Auch Hotels und Reiseveranstalter geraten zusätzlich unter Druck. Der Markt ist durch regionale Unsicherheit, veränderte Flugangebote und die Zurückhaltung vieler Gäste ohnehin angespannt. Gerade in dieser Situation braucht Ägypten Verlässlichkeit, Planbarkeit und klare Kommunikation. Wer heute eine Tauchreise storniert oder enttäuscht abreist, kommt morgen vielleicht nicht wieder. Und schlimmer: Er erzählt anderen davon.

Warum wird nicht differenziert?

Dabei wäre es möglich, die Situation kontrolliert und transparent zu entschärfen.

Was bereits im letzten Jahr als Konsens formuliert wurde, bleibt aus unserer Sicht richtig: Bootbetreiber und Aquacenter müssen auf Basis klarer Vorgaben selbst beurteilen können, welche Ausfahrten verantwortbar sind. Die täglich notwendige Ausfahrtgenehmigung könnte entsprechend angepasst werden.

Je nach Wetterlage könnten gezielt die tatsächlich betroffenen Gebiete, Routen oder Küstenabschnitte gesperrt werden – statt pauschal eine komplette Küstenlinie lahmzulegen.

Ein Safariboot auf Offshore-Route, ein Tagesboot an einem geschützten Riff, ein Schnorchelausflug in Küstennähe und ein Transfer zwischen Häfen sind nicht automatisch dasselbe Risiko. Genau deshalb braucht es differenzierte Bewertungen nach Region, Bootstyp, Route, Wetterlage und Seegang.

Das Rote Meer ist Lebensgrundlage

Das Rote Meer ist eines der wertvollsten Natur- und Tourismusgüter Ägyptens. Es ist Lebensgrundlage für Tauchbasen, Safari-Boote, Hotels, Guides, Kapitäne, Matrosen, Fahrer, Familien und ganze Küstenorte.

Wer diesen Sektor schützen will, muss ihn einbeziehen – nicht lähmen.

Natürlich müssen Behörden im Zweifel schnell handeln können. Natürlich kann Wetter gefährlich werden. Und natürlich darf wirtschaftlicher Druck niemals über Sicherheit stehen. Aber genau deshalb braucht es transparente Entscheidungen, die fachlich begründet und nachvollziehbar sind.

Pauschale Verbote ohne klare Kommunikation erzeugen kein Sicherheitsgefühl. Sie erzeugen Frust, Misstrauen und wirtschaftlichen Schaden.

Unsere Fragen an CDWS und das Ägyptische Tourismusministerium

Deshalb unsere Fragen an die CDWS und das Ägyptische Tourismusministerium:

Warum werden derart weitreichende Ausfahrtsverbote nicht transparent mit konkreten Wetterdaten, Grenzwerten und regionalen Kriterien begründet?

Kann es eine differenzierte Bewertung nach Küstenabschnitt, Bootstyp, Route und tatsächlicher Wetterlage geben?

Warum werden Safariboote, Tagesboote, Tauchbasen, Hotels und internationale Veranstalter nicht frühzeitig und verlässlich informiert?

Und warum wird eine Branche, die jeden Tag mit Wetter, Meer, Gästen und Sicherheit arbeitet, nicht stärker in solche Entscheidungen eingebunden?

Wir bitten nicht um weniger Sicherheit

Wir bitten um bessere Entscheidungen. Transparent. Verhältnismäßig. Fachlich begründet. Planbar. Und im Dialog mit der Branche.

Denn wer das Rote Meer schützt, muss auch die Menschen schützen, die jeden Tag davon leben – und die Gäste, die wegen genau dieses Roten Meeres nach Ägypten kommen.

Am Ende ist Ägypten noch immer die Taucherwiege vieler deutschsprachiger Taucherinnen und Taucher. Hier werden aus Schnuppertauchern dauerhaft faszinierte „Lebenslang-Taucher“, die eine ganze Branche am Leben halten.

Unter anderem auch uns – als euer Tauchmagazin.

FAQ zum Thema:

Warum wurden Bootsausfahrten am Roten Meer gesperrt?

Nach Angaben aus der Branche und vorliegenden Mitteilungen wurden Ausfahrten vom 25.05. bis 29.05.2026 aufgrund der Wetterlage untersagt. Als Begründung wurde Wind in Sturmstärke genannt. Entscheidend ist jedoch, dass solche Maßnahmen transparent mit konkreten Wetterdaten, Grenzwerten und regionalen Kriterien begründet werden sollten.

Betrifft ein Ausfahrtsverbot am Roten Meer auch Tauchsafaris?

Ja, ein pauschales Ausfahrtsverbot kann Tauchsafaris, Tagesboote, Tauchbasen, Schnorchelausflüge und lokale Dienstleister betreffen. Besonders Tauchsafaris sind empfindlich, weil bereits ein fehlender Fahrtag komplette Routen zu Brothers, Daedalus, Elphinstone oder St. Johns unmöglich machen kann.

Warum fordert die Tauchbranche mehr Transparenz?

Die Tauchbranche fordert nicht weniger Sicherheit, sondern nachvollziehbare Entscheidungen. Dazu gehören klare Angaben zu Windstärke, Seegang, betroffenen Regionen, Bootskategorien, Wetterdaten, Entscheidungswegen und Dauer eines Verbots.

Welche Alternative gäbe es zu pauschalen Sperrungen?

Statt eine gesamte Küstenlinie zu sperren, könnten Behörden differenziert nach Küstenabschnitt, Route, Bootstyp, Wetterlage und Seegang entscheiden. So ließen sich tatsächlich gefährdete Gebiete sperren, ohne die gesamte touristische Infrastruktur lahmzulegen.